Interview über den erfolgreichen Aufbau eines Online-Business

Gründer-Geheimnis: Mit dieser Strategie startet MARKTKOST die Lunch-Revolution

Wer in der Mittagspause nicht selbst kochen kann oder möchte, muss sich nach schnellen und leckeren Alternativen umschauen. Doch diese Möglichkeiten sind oft ungesund, teuer und selten richtig nachhaltig. Deshalb hat Laura-Maria Horn 2019 ihr Startup MARKTKOST gegründet, um besonders kleinen Unternehmen ohne Kantine ein abwechslungsreiches Mittagessen anzubieten. Mittlerweile konnte sich der Lunch-Service schon erfolgreich in Potsdam und Berlin etablieren, hinzu kommt eine erfolgreiche erste Finanzierungsrunde. Wir haben im Interview spannende Details zum Gründer-Geheimnis, dem erfolgreichen Geschäftsaufbau sowie praktische Startup-Tipps erfahren.

Innovative Geschäftsideen entstehen häufig dann, wenn ein Problem im Alltag auftaucht und keine zufriedenstellende Lösung dafür bereitsteht. Exakt so erging es auch Laura-Maria Horn, die sich 2019 der Herausforderung stellte und mit MARKTKOST ein Startup für Team-Verpflegung gründete und damit eine Lunch-Alternative anbietet. Dafür werden wechselnde Gerichte in wieder verwendbaren Gläsern verpackt, die sich online je nach Kundenwunsch zusammenstellen lassen. Hinter der Website steckt zudem eine eigens programmierte Software, die sich an die verschiedenen Kundenbedürfnisse anpasst und so Vorschläge abgibt.

Mittlerweile konnte das Startup eine erste Finanzierungsrunde erfolgreich abschließen, hunderte treue Kunden überzeugen und beschäftigt zehn Mitarbeiter. Zahlreiche Firmen und Mitarbeiter aus Potsdam und Berlin nutzen den Service schon. Aktuell hat MARKTKOST eine weitere Finanzierungsrunde gestartet, möchte langfristig weiter wachsen und zukünftig neue Liefergebiete abdecken. Doch wie genau fing alles an? Und welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend? Wir haben im Interview mit Laura-Maria erfahren, worauf es bei der Planung ankommt, wie das Startup auf die Corona-Pandemie reagierte und warum sie sich für ein Online-Business entschieden hat.

Phase 1: Ideenfindung

Wann genau entstand deine Idee für MARKTKOST?

Die Geschäftsidee für MARKTKOST entstand tatsächlich durch meine jahrelange Arbeit im Catering Business. Dort hab ich immer wieder mitbekommen, wie viele kleineren Unternehmen mit weniger Mitarbeitern auf der Suche nach einem richtig guten Mittagessen sind. Denn die Nachfrage und das Interesse an einer ausgewogenen Mittagsverpflegung sind sehr groß, aber häufig gibt es vor Ort oder in der Umgebung kein passendes Angebot. Also entweder zu teuer, zu ungesund und wenig abwechslungsreich. Insgesamt ist mir damals auch das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung bewusst geworden, weshalb ich handeln musste.

Wie hast du erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Zum Glück liefen die erste Pilotphase und Umfragen sehr positiv. Dabei kam uns zugute, dass die Bedeutung von Mitarbeiter-Benefits im Fachkräftemangel immer größer wird, besonders in kleineren Unternehmen wird das deutlich. Und Essen als Benefit-Angebot ist besonders attraktiv, weil es eine hohe Akzeptanz im Vergleich zu anderen Benefits, wie zum Beispiel ein Firmenwagen, genießt. Außerdem gewinnt das Thema Nachhaltigkeit für Mitarbeiter und Unternehmen an Bedeutung. Wir können es auch jeden Tag betrachten: Welches Unternehmen hat nichts zu Nachhaltigkeit auf seiner Website stehen?

Produkt MARKTKOSTQuelle: Pressefoto MARKTKOST
Alle MARKTKOST-Gerichte werden in nachhaltigen Gläsern geliefert.

Phase 2: Planung

Welche ersten Schritte standen bei der Planung für MARKTKOST an?

Ganz am Anfang habe ich sehr viel professionelle Unterstützung von verschiedenen Coaches und Gründungsberatungsstellen in Anspruch genommen. Dazu gehörte auch die Teilnahme am Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW). Außerdem war mein eigenes Netzwerk extrem wichtig und hat mir bei MARKTKOST immer wieder weitergeholfen. Insgesamt denke ich, jeder Gründer sollte immer wieder seine Geschäftsidee mit verschiedenen Personen aus dem Umfeld diskutieren, um seine Vision voranzubringen. Dabei kann es sich lohnen, auch an Wettbewerben teilzunehmen oder sich an Beratungsstellen zu wenden, um das eigene Netzwerk immer wieder zu erweitern.

Wie hast du deinen Businessplan erstellt?

Zum Glück war der Businessplan für MARKTKOST dank meines BWL-Studiums und meiner Excel Kenntnisse nicht die größte Herausforderung. Aber auch dort halfen mir die BPW-Seminare und Tools zur Erstellung des Businessplans. Und natürlich hilft es auch immer, sich viel mit anderen zu den Anforderungen und ihren Erfahrungen auszutauschen. Eine gute Vorbereitung hilft generell dabei, die Marktanalyse sowie den Finanzplan aufzustellen und Änderungen sind danach ja immer noch möglich.

Businessplan erstellen in 10 Schritten

Schritt 1: Idee, Angebot und die Zielgruppe

Im ersten Kapitel gibst du direkt einen ersten Eindruck davon, wie das Konzept deines Unternehmens aussehen soll. Was ist deine Grundidee? Wie kannst du anderen mit deiner Idee helfen und was genau ist dein Ziel? Das solltest du sehr präzise bestimmen und beschreiben können. Darüber hinaus solltest du dir genau überlegen, wer deine Zielgruppe ist und diese ebenfalls konkret definieren. Damit wird es dir im folgenden Kapitel leichter fallen, eine Marktanalyse anzufertigen.

Schritt 2: Markt und Wettbewerb

Hier geht es darum, sich intensiv mit dem Markt und den Mitbewerbern auseinanderzusetzen. Wie groß ist der Markt? Lohnt es sich hier ein Business zu starten? Mache dir bewusst, welche Wettbewerber du hast. Damit du nicht schon zu Beginn des Markteintritts stark mit diesen zu kämpfen hast, solltest du dir überlegen, was du besser machen kannst. Fertige die Analyse so detailliert wie nur möglich an, um perfekt auf deinen Start ins Business vorbereitet zu sein.

Schritt 3; Visionen und Ziele bestimmen

Besonders wichtig für dich als Unternehmer und für dein restliches Team ist es, genau Ziele und Visionen festzulegen, auf die ihr gemeinsam hinarbeiten könnt. Nur wenn du dieses Ziel einmal mit deinem Team oder deinen Gründern festgelegt hast, ist es dir möglich, die darauf abgestimmten Maßnahmen festzulegen. Sie geben dir eine Richtung vor, auf die eine Strategie aufgebaut werden kann.

Schritte 4: Deine Strategie

Auch die Strategie muss sehr gut durchdacht werden. Schließlich musst du mit ihr zu deinen Zielen gelangen. Hier musst du dir vor allem überlegen, welchen Nutzen dein Unternehmen deinen Kunden bringt. Und wie kannst du diesen Nutzen am besten umsetzen? Überlege dir in jedem Fall eine bessere Strategie als deine Mitbewerber und prüfe, was du besser machen kannst als sie. Auch alternative Strategien können sinnvoll sein, da nie gesagt ist, dass die erste Strategie direkt auf Anhieb funktioniert.

Schritt 5: Marketing

Auch die Strategie muss sehr gut durchdacht werden. Schließlich musst du mit ihr zu deinen Zielen gelangen. Hier musst du dir vor allem überlegen, welchen Nutzen dein Unternehmen deinen Kunden bringt. Und wie kannst du diesen Nutzen am besten umsetzen? Überlege dir in jedem Fall eine bessere Strategie als deine Mitbewerber und prüfe, was du besser machen kannst als sie. Auch alternative Strategien können sinnvoll sein, da nie gesagt ist, dass die erste Strategie direkt auf Anhieb funktioniert.

Schritt 6: Rechtsform und Steuern

Ein sehr unbeliebtes, aber trotzdem sehr wichtiges Thema: Die Wahl der Rechtsform und alles rund um die Steuern. Hier schreibst du nieder, für welche Rechtsform du dich entschieden hast, welche Genehmigungen du für dein Unternehmen brauchst, wie dein Unternehmen heißen soll und alles weitere, was in Richtung Buchhaltung geht.

Schritt 7: Gründerteam und Organisation

In diesem Kapitel gibst du an, wie ihr als Firma organisiert seid. Hast du einen Partner? Wer ist alles in deinem Gründerteam? Hier muss ersichtlich werden, wer für was verantwortlich ist, welche Strukturen ihr noch aufbauen wollt, wer schon alles im Unternehmen tätig ist und wer noch dazu kommt. Auch die Meilensteine, die du mit deinem Unternehmen erreichen willst, werden hier eingetragen.

Schritt 8: Finanzen

Die Finanzen bilden den Hauptteil deines Businessplans und müssen sehr genau berechnet und überprüft werden. Hier solltest du dir möglichst keine Fehler erlauben. Wo steht ihr gerade mit eurem Unternehmen, wie viel Kapital benötigt ihr noch und wann ist der Break-Even-Point geplant? – All das sind wichtige Fragen, die in dem Finanz-Teil berücksichtigt werden müssen. Spätestens hier ist es sinnvoll, ein geeignetes Tool zur Hand zu haben, mit dem sich alles leichter ausrechnen lässt.

Schritt 9: SWOT-Analyse

Nach den ganzen Zahlen folgt anschließend die SWOT-Analyse. SWOT steht für Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats. Hier listest du also die Stärken, Schwächen, Stärken und Risiken deines Unternehmens auf und erklärst diese. Im nächsten Schritt müssen dann Maßnahmen getroffen werden, wie mit den Ergebnissen umgegangen wird, damit die Chancen maximiert und die Risiken minimiert werden können.

Executive Summary

Als letztes Kapitel folgt die Executive Summary, eine aussagekräftige Zusammenfassung deines Businessplans. Hier werden nochmal die wichtigsten Punkte deines Businessplans zusammengefasst, um den Investoren und Banken einen guten Überblick über dein Unternehmen zu geben. Erwähne hier also nochmal die wichtigsten Kernaussagen der Geschäftsidee, deines Teams, der Marktanalyse, der Chancen und Risiken und der Finanzierung.

Welche Schritte standen noch an, bis MARKTKOST an den Start ging?

Zuerst kam die Produktentwicklung, weil neben der Rezeptentwicklung alle dazugehörigen Verfahren für MARKTKOST entwickelt und optimiert wurden. Schließlich sollten die Mittagessen nährstoffreich, aber gleichzeitig auch haltbar sein. Außerdem musste ich passende Partner finden, die meine Anforderungen erfüllten und mit denen ich meine Vision umsetzen konnte. Ein weiterer wichtiger Schritt war es natürlich auch, passende Mitgründer zu finden, besonders für die IT. Denn MARKTKOST ist nicht nur eine einfache Website mit Online-Shop, sondern ein Netzwerk von komplexen Systemen und Programmen. Wer so ein Projekt auf die Beine stellt, muss deshalb organisiert sein und braucht motivierte Mitgründer.

Phase 3: Gründung

Wie hat die aktuelle Corona-Pandemie das Konzept von MARKTKOST beeinflusst?

Natürlich hat uns die Corona-Pandemie getroffen, zum ersten Lockdown sind ja viele unserer Kunden plötzlich quasi über Nacht ins Homeoffice gewechselt. Doch wir nutzten diese die Gelegenheit, passten unser Konzept an und beliefern jetzt neben unseren B2B-Kunden auch direkt an die Mitarbeiter verschiedener Firmen. Und viele Menschen, zum Beispiel in Arztpraxen oder in Baufirmen, können schlichtweg nicht aus dem Homeoffice arbeiten. Da passte MARKTKOST perfekt in den Arbeitsalltag. Insgesamt glaube ich, dass die Arbeitswelt langfristig flexibler sein wird, durch Corona hat diese Entwicklung nochmal Fahrt aufgenommen.

Du hast dich für ein Online-Business entschieden: Warum lohnt sich das für Gründer?

Wir bieten bei MARKTKOST alle Prozesse auf Cloud-Basis an, wodurch eine zeitlich und örtlich unabhängige Handhabung möglich ist. Jeder Kunde kann also über unsere Website einen individuellen Plan erstellen, wann und was zu ihm geliefert wird. Mit wenigen Klicks zum Wunschmenü sozusagen. Generell kann sich ein Online-Business für Gründer lohnen, da es leicht individualisierbar und einfach unkomplizierter ist. Die einzelnen Prozesse im Unternehmen lassen sich leichter skalieren, das bedeutet, wir sehen durch die Online-Bestellungen jederzeit, wo sich Abläufe noch verbessern lassen, ohne dafür große Ausgaben zu verwenden.

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Welche Fehler hast du bei der Gründung von MARKTKOST gemacht?

Ein Fehler war es sicherlich, MARKTKOST zu lange nur mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Die Förderangebote sind gerade in Brandenburg sehr attraktiv, wodurch ich heute schon früher nach einer Förderung Ausschau gehalten hätte. Außerdem legten wir unseren Fokus bei der Lieferung am Anfang zu stark auf Berlin, dadurch ist uns ist das Potenzial von Brandenburg erst später deutlich geworden. Generell hätte ich rückblickend auch noch mehr in den Austausch mit anderen Gründern gehen können, um gegenseitig voneinander zu lernen und dadurch Fehler zu vermeiden.

Phase 4: Wachstum

Was macht MARKTKOST im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

MARKTKOST ist die einzige Lösung, die auch kleinere Unternehmen oder Standorte effizient beliefern kann, da sich die meisten Wettbewerber auf größere Unternehmen ausrichten. Außerdem besitzen wir ein nachhaltiges Gesamtkonzept, das aktiv gegen Foodwaste und Verpackungsmüll wirkt. Insgesamt denke ich jedoch, dass unsere Kunden vor allem unser abwechslungsreiches Angebot lieben. Denn wir kreieren jede Woche neue Gerichte, unser intelligentes System passt sich optimal an jeden User an und sorgt für individuelle Vorschläge.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr bei MARTKOST bisher erfolgreich genutzt?

Bisher hatten wir tatsächlich fast keine Marketingausgaben, da wir einfach ein geringes Budget besaßen. Deswegen konzentrierten wir uns zunächst auf die PR-Arbeit und wurden in Zeitungen, TV-Sendungen und im Radio vorgestellt. Außerdem betreiben wir natürlich unsere Social Media Kanäle, die jeder Gründer als kostengünstige Marketingmöglichkeit nutzen kann. Einen großen Einfluss haben außerdem Empfehlungen unserer Kunden an ihre Kollegen, Bekannte und Netzwerke. Deshalb ist es für Startups umso wichtiger, gute Qualität und einen unkomplizierten Ablauf zu bieten, denn diese Empfehlungen sorgen letztendlich für viele potenzielle Kunden.

Welche geheimen Tipps möchtest du angehenden Gründern geben?

Fehler sind absolut normal bei einer Gründung, deshalb lohnt es sich nicht, in Panik zu verfallen und alles anzuzweifeln. Glaub an deine Idee und lass dir nicht einreden, dass alles viel zu kompliziert sei. Dabei solltest du allerdings auch unbedingt aus deinen Fehlern lernen und diese nur einmal machen. Dafür kannst du intern Abläufe optimieren oder auch direkt beim Kunden nach einem Feedback fragen. Außerdem ist es natürlich super wichtig, als Gründer regelmäßige Pausen zu machen und immer ein gutes (MARKTKOST-) Mittagessen parat zu haben 😉

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de. Seit März 2022 verantwortet sie als Projektmanagerin die Kongress-Awards, moderiert unsere Online-Kongresse und schreibt weiterhin hin und wieder für das Magazin von Gründer.de.

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