Rechtsformen

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Es gibt viele gute Gründe zu gründen und ebenso viele gute Geschäftsideen, die sich mit einer Gründung verwirklichen lassen. Das Netz hat viele neue Möglichkeiten geschaffen, aber eins ist gleich geblieben: Irgendwann wird es bürokratisch. Davon brauchst Du Dich aber nicht abschrecken zu lassen.

Allein mit einem Gewerbeschein kannst Du Steuervorteile, etwa für Geschäftsessen, Büroausstattung oder Geschäftsreisen, geltend machen. Du wirst Mitglied der Industrie- und Handelskammer, zahlst aber erst ab einem Jahresgewinn von über 5200 Euro Mitgliedsbeiträge über die einmalige Basisgebühr hinaus. Die Mitgliedschaft in der IHK ist verpflichtend, bietet aber auch den Vorteil, dass Du Zugang zu ihrem vielseitigen Kurs- und Beratungsangebot bekommst.

Wenn Dein Business-Konzept vorsieht, dass regelmäßig größere Geldbeträge fließen oder Du mit Deiner Gründung größere finanzielle Risiken eingehst, ist es sinnvoll über die passende Unternehmensform nachzudenken, denn dann stellt sich nicht nur die Frage nach der Steuer, sondern auch nach der Haftung. Auch wenn Du nicht allein gründest, ist die gewählte Rechtsform relevant, denn manche Rechtsformen, allen voran der „Einzelunternehmer“, sehen weitere Beteiligte nicht vor.

An dieser Stelle geben wir Dir einen kompakten Überblick über die in Deutschland möglichen Rechtsformen:

Das Einzelunternehmen

Wenn Dein Business nicht einfach nur unter Deinem Klarnamen oder Deiner Berufsbezeichnung laufen, sondern eine richtige Firma mit Firmenname werden soll, musst Du Dich ins Handelsregister eintragen lassen. Optional ist die Eintragung hingegen für Kleingewerbetreibende und Freiberufler. In das Register werden Name, Rechtsform, Inhaber und Firmensitz eingetragen. Darüber hinaus gibt der Eintrag unter anderem auch Auskunft darüber, ob gerade ein Insolvenzverfahren läuft. Durch die Möglichkeit, sich als Dritter genauer über das Unternehmen zu informieren, ist der Eintrag ins Handelsregister mit einem Mehr an Seriosität verknüpft.

Der bloße Eintrag macht aus Dir einen Einzelunternehmer. Hier haftest Du, wie auch vor dem Eintrag, mit Deinem Privatvermögen. Gegenüber anderen Rechtsformen hast Du allerdings den Vorteil, dass Du kein Mindestkapital, mitbringen musst. Wie aus der Bezeichnung „Einzelunternehmen“ eigentlich schon abzuleiten ist, kann bei dieser Rechtsform nur eine Person als Geschäftsführer/in auftreten.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Wenn Du mit einem oder mehreren PartnerInnen gründen willst, ist die GbR eine geeignete Rechtsform. Die Eintragung ins Handelsregister ist für Gesellschaften bürgerlichen Rechts optional. Mindestkapital ist nicht vonnöten und auch die Formalitäten beschränken sich auf ein Minimum. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie empfiehlt auf seinem Gründer-Portal existenzgründer.de jedoch, einen Vertrag unter den Beteiligten auszuhandeln. Immerhin haftet die GbR nicht nur mit dem Gesellschaftsvermögen, sondern auch mit dem Privatvermögen ihrer Gründer.

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Die Offene Handelsgesellschaft ist eine weitere Rechtsform, für die kein Mindestkapital erforderlich ist und die die Gründung mit Geschäftspartnern erlaubt. Allerdings können nur Kaufleute eine OHG gründen. Für Kleingewerbetreibende ist sie daher nicht geeignet. Gehaftet wird hier zunächst mit dem Geschäfts- und dann mit dem Privatvermögen. Der Umstand, dass die OHG ins Handelsregister eingetragen werden muss und die Beteiligten auch privat haften, verschafft der OHG einen guten Ruf. Wer persönlich haftet, so die Logik, zeigt entsprechend viel Einsatz und agiert verantwortungsvoll statt risikofreudig.

Kommanditgesellschaft (KG)

Für Gründungsvorhaben, an denen eine oder mehrere Personen beteiligt sind, und bei denen weitere Teilhaber dazukommen sollen, ist die Kommanditgesellschaft eine in Frage kommende Rechtsform. Hier besteht das Unternehmen aus dem Komplementär oder mehreren Komplementären, die als Geschäftsführer auftreten und den Kommanditisten, die über eine Einlage am Unternehmen beteiligt sind. Der Komplementär oder die Komplementäre tragen das größte Risiko. Sie haften mit ihrem Privatvermögen. Die Kommanditisten hingegen haften mit ihren Einlagen. Der Vorteil ist hier die Möglichkeit mit mehr Startkapital gründen zu können.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die GmbH bietet den großen Vorteil, dass der Unternehmer hier nicht mit seinem Privatvermögen haftet, sondern mit dem gesamten Gesellschaftsvermögen. Für die Gründung einer GmbH ist dabei eine Kapitaleinlage von mindestens 25.000 Euro erforderlich. Erst wenn Kredite aufgenommen werden, sind private Sicherheiten erforderlich.
Eine GmbH zu gründen ist mit dem Eintrag ins Handelsregister und der Pflicht zur doppelten Buchführung verbunden, kann aber auch Steuervorteile mit sich bringen.

GmbH & Co. KG

Diese Rechtsform ist, wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, eine Mischung aus Kommanditgesellschaft und Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sie erlaubt es, mehr Kapitalgeber als Gesellschafter mit ins Boot zu holen und die GmbH zum haftenden Komplementär zu machen, bei dem dann auch die Entscheidungsbefugnis liegt.

Ein-Personen-GmbH

Diese Art der GmbH eignet sich für Einzelunternehmer, für die es einen steuerlichen Vorteil darstellt, als alleiniger Angestellter der GmbH aufzutreten. Wie auch bei der regulären GmbH, haftet man hier mit dem gesamten Gesellschaftsvermögen und muss mindestens 25.000 Euro Kapitaleinlage aufbringen, sich ins Handelsregister eintragen lassen und doppelt Buch führen.

Unternehmergesellschaft (UG, haftungsbeschränkt)

Diese Rechtsform wird auch 1-Euro-GmbH genannt. Sie eignet sich für alle, die die Haftung beschränken wollen, aber keine 25.000 Euro Kapitaleinlage aufbringen können oder wollen. Eine Kapitaleinlage ist auch bei der UG verpflichtend, allerdings beläuft sich die Mindestsumme auf einen Euro. Der Gründer verpflichtet sich hier jedoch, 25% seiner jährlichen Überschüsse zu nutzen, um ein Stammkapital aufzubauen. Gehaftet wird auch bei der UG mit dem Unternehmensvermögen, was diese Rechtsform für kleine Gründer attraktiv macht.

Mehr dazu findest Du auf Gründer.de in den Gastbeiträgen von ug.de und Recht 24/7.

Weitere Rechtsformen

Der Vollständigkeit halber folgen an dieser Stelle jene Rechtsformen, die für Gründer in der Regel weniger interessant sein dürften:

Für Angehörige der freien Berufe, also Ärzte und in anderen Heilberufen Tätige, Anwälte, Architekten, Journalisten und Andere, bietet die Partnergesellschaft (PartG) die Möglichkeit, sofern es die Berufsordnung zulässt, gemeinschaftlich zu gründen.

Ab drei Gründern, oder in diesem Fall drei Genossen, ist die Gründung einer eingetragenen Genossenschaft (eG) möglich. Hierzu muss allerdings eine Satzung ausgearbeitet werden, in der auch festzuhalten ist, wie hoch die Genossenschaftseinlage ausfällt, wie weit die Haftung der Genossenschaft geht und wie die rechtlich verbindliche Generalversammlung vonstatten geht. Eine Eintragung ins Genossenschaftsregister ist notwendig und wie andere Kapitalgesellschaften auch, ist die eingetragene Genossenschaft zum Erstellen eines Jahresabschlusses verpflichtet, der auch von einem Genossenschaftsverband geprüft wird. Die Umsetzung der in der Satzung festgelegten Unternehmensziele ist außerdem bindend.

Die Aktiengesellschaft (AG) als Rechtsform bringt einen ähnlichen bürokratischen Aufwand mit sich wie die Genossenschaft. Statt mit einer Satzung wird hier mit einem Gesellschaftsvertrag gearbeitet. 50.000 Euro Grundkapital sind zur Gründung einer AG nötig, wobei die Haftung für den einzelnen Anteilseigner sich auf eine Summe in Höhe seiner Einlage beschränkt. Hier existiert auch die Spielart der „kleinen AG“ für Einzelgründer.

Die Rechtsform wechseln

Wenn sich die Bedingungen ändern, ist es natürlich möglich, die Rechtsform zu wechseln. Dies geschieht nach dem Umwandlungsgesetz (UmwG). Gründe für die Rechtsformänderung können etwa ein starkes Wachstum des Unternehmens sein oder das geplante Hinzukommen oder Ausscheiden von Beteiligten.
Die Rechtsform ändert sich in manchen Fällen aber auch von selbst, wenn sich die Tätigkeit ändert oder einer der Beteiligten zu anderen Konditionen am Unternehmen beteiligt ist. So wird aus einer GbR, die ein Handelsgeschäft aufnimmt, eine OHG. Während eine KG und eine OHG, die ihr Handelsgewerbe aufgeben, zur GbR werden.

Beratung

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Lass Dich beraten!

Wenn sich abzeichnet, dass Dein Gründungsvorhaben größer oder risikoreicher ist oder Du unter dem Namen Deiner Firma auftreten willst, wird es Zeit, Dir über die passende Rechtsform Gedanken zu machen. Natürlich gehört es dazu, dass Du Dich in diesem Fall eigenständig und umfassend informierst. Hier soll Dir dieser Beitrag eine erste Übersicht vermitteln. Mehr Informationen findest Du auch beim Existenzgründerprotal des BMWi. Auch die Handwerkskammer oder die Industrie- und Handelskammer Deiner Stadt sind Anlaufstellen. Bei den Existenzgründer-Seminaren der IHK wird der möglichen Rechtsformen in der Regel auch ein eigenes Kapitel gewidmet. Einzelheiten indessen kannst Du mit auf Gründer spezialisierten RechtsanwältInnen besprechen.

Fragen und Formalitäten

Fragen, die bei der Wahl der Rechtsform zu beantworten sind, sind immer:

• Wie viele Personen gründen?
• Wie viel Entscheidungsgewalt sollen die Gründer haben?
• Wer haftet?
• Wie viel Kapitaleinlage ist nötig?
• Soll die weitere Kapitalbeschaffung erleichtert werden?

Wie wir oben gesehen haben, fällt je nach gewählter Unternehmensform unterschiedlicher bürokratischer Aufwand an. Die Gründung einer AG ist mit vielen Formalitäten verbunden. Bei der Gründung relativ unkompliziert sind hingegen Einzelunternehmen, GbR, GmbH und UG (haftungsbeschränkt).

Zahlen

Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Laut dem Bonner Institut für Mittelstandsforschung gab es 2015 299.000 gewerbliche Existenzgründungen im Vollerwerb und 248.700 im Nebenerwerb. Von diesen Gründern entschieden sich 75,4% für die Gründung eines Einzelunternehmens, zu 12,3% für eine GmbH, 5,1% für eine GbR, 3,7% für eine UG (haftungsbeschränkt) und 2,5% für die Rechtsform GmbH & Co. KG. Alle anderen Rechtsformen kamen jeweils nicht einmal auf 1%. 0% entschieden sich für die Gründung einer Genossenschaft.

Schlusswort

Anders als das Ausarbeiten von guten Geschäftsideen, ist die Auseinandersetzung mit den formellen Fragen der Gründung ein sehr trockenes Thema, bei dem der Teufel im Detail steckt. Aber da müssen Gründer durch. Immerhin wäre es mehr als ärgerlich, mit seinem gesamten Privatvermögen zu haften, obwohl es vermeidbar wäre oder es sich bei der Kapitalbeschaffung unnötig schwer zu machen. Du bist mit der Frage nach der für Dich und Dein Business passenden Rechtsform aber auch nicht auf Dich allein gestellt. Dieser Artikel kann als erster Schritt bei Deiner Recherche angesehen werden. Du solltest jedoch zusätzlich mindestens eins der diversen Beratungsangebote für Existenzgründer nutzen.

Wenn Du diesen Schritt schon hinter Dir und diesen Artikel dennoch bis zum Schluss gelesen hast, freuen wir uns darauf, in den Kommentaren von Deiner Entscheidungsfindung und Deinen Erfahrungen zu hören. Ebenso, wenn Du Dich derzeit mitten im Entscheidungs- und Gründungsprozess befindest.

Rechtsformen im Überblick
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