Gründe, Motive und Vorteile für die Existenzgründung im Alter

Unternehmen gründen mit 50: Tipps für die Selbstständigkeit im Alter

Eine Existenzgründung mit über 50? Das ist schon lange keine Seltenheit mehr. Während die einen bereits von der Rente träumen, denken immer mehr Menschen über 50 darüber nach, sich selbstständig zu machen und ihre Träume zu verwirklichen. Denn auch mit 50 plus ist es noch nicht zu spät, etwas Neues auszuprobieren. Ältere Gründer haben es zwar nicht immer leicht und oft mit einigen Problemen zu kämpfen, allerdings können sie auch viele Vorteile gegenüber jüngeren Gründern vorweisen. Nicht ohne Grund genießen Seniorenchefs in ihren Unternehmen ein hohes Ansehen, denn sie zeichnen sich durch ihre Berufserfahrung, ihr Know-how und ihre Gelassenheit aus und schaffen es, das Geschäft am Laufen zu halten.

Unternehmen gründen mit 50: Zahlen und Fakten

Schaut man auf die Anzahl der Gründer in Deutschland in den letzten Jahren, wird deutlich, dass sich viel verändert hat. Obwohl es in der Corona-Pandemie für alle – sowohl Angestellte als auch Selbstständige – schwierig wurde, konnten laut dem Statistischem Bundesamt im Jahr 2020 insgesamt über 540.000 Neugründungen verzeichnet werden. Obwohl die Zahlen im Vergleich zu den vorherigen Jahren stetig sinkt, gab es noch über 650.000 Gewerbeanmeldungen, wodurch sich daraus eine Gründerquote laut Statista von 1,17 Prozent ergibt. Von diesen Gründern beträgt der Frauenanteil ca. 36 Prozent. Doch wie alt sind die Gründer, die sich entschließen den Traum der Existenzgründung zu verwirklichen?

Fest steht, dass die Gründungstätigkeit in der Regel mit steigendem Alter abnimmt. Die größte Altersgruppe von Gründern liegt zwischen 35 und 44 Jahren. Im Jahr 2019 betrug die Altersgruppe von 55 bis 64 Jahren 7,5 Prozent. Doch obwohl die Zahl erst einmal niedrig wirkt, sind im Umkehrschluss auch die älteren Gründer ab 45 Jahren mit die Erfolgreichsten. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren das Gründungsinteresse der Altersgruppe 45 plus angestiegen ist.

Motive für die Existenzgründung im Alter

Der Gesundheitszustand älterer Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert. Menschen sind heutzutage in ihrer zweiten Lebenshälfte um einiges gesünder und fitter als es früher der Fall war. Aus diesem Grund stehen viele von ihnen mit Anfang 50 noch mitten im Berufsleben und suchen oft etwas Neues, um sich selbst zu verwirklichen. Die Gründe, weshalb sich Menschen über 50 noch einmal selbstständig machen, können natürlich von Person zu Person variieren. Wir möchten dir an dieser Stelle die am häufigsten Gründungsmotive nennen.

Der eigene Chef sein

Viele Menschen, die eine Existenzgründung im Alter in Erwägung ziehen, hegen den Wunsch nach jahrelanger Anstellung endlich mal der eigene Herr zu sein. Sie wünschen sich unabhängig zu sein und eigene Entscheidungen fällen zu können, aber trotzdem ihre berufliche und gesellschaftliche Stellung beizubehalten. Die Selbstständigkeit bringt außerdem den Vorteil mit sich, sich seine Arbeitszeiten flexibel einzuteilen, was vor allem für Eltern sehr interessant ist.

Selbstverwirklichung

Viele Gründer über 50 möchten nochmal etwas Neues in ihrem Leben ausprobieren und eine konkrete Geschäftsidee in die Tat umsetzen. Sie sehnen sich nach einer neuen beruflichen Herausforderung, vor allem wenn sie in ihrem Bereich keine weiteren Aufstiegschancen mehr sehen. Wer ein Unternehmen mit 50 gründet, dem geht es dabei meistens nicht darum, eine Menge Geld zu verdienen, sondern etwas zu schaffen, was die Gesellschaft weiterbringt. Entrepreneure im fortgeschrittenen Alter möchten etwas bewirken, auf das sie selbst und ihre Familie stolz sein können.

Erfahrungen weitergeben

Reifere Gründer haben schon viel Erfahrung in ihrem Leben gesammelt und möchten diese gerne an andere weitergeben, damit ihr berufliches Know-how nicht vergeudet wird und andere davon profitieren können. Auch in diesem Sinne haben Entrepreneure im fortgeschrittenen Alter nicht nur ökonomische, sondern auch gesellschaftliche Ziele.

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Einkommen oder Rente aufbessern

Obwohl die Mehrheit der Gründer 50 plus nicht ausschließlich des Geldes wegen ein Unternehmen aufbauen, spielt Geld natürlich eine Rolle. Menschen, die ein Unternehmen mit 50 gründen, möchten ein Einkommen generieren, von dem sie leben können und vielleicht damit auch ihren Freunden, Verwandten und Bekannten zeigen, dass sie es geschafft haben. Viele Existenzgründer nutzen die Chance und bessern mit ihrem Unternehmen ihr Einkommen bzw. ihre Rente auf. So brauchen sie sich später keine finanziellen Sorgen mehr zu machen.

Ausweg aus der Arbeitslosigkeit

Zwar ist die Zahl der Notgründer zurückgegangen, aber vor allem viele Best Ager haben immer noch das Problem nach längerer Arbeitslosigkeit keine vernünftige Anstellung mehr zu finden. Warum sollte man jemand über 50 einstellen, der mehr kostet und nicht mehr lange in der Firma bleiben wird, wenn man gleichzeitig einen Jüngeren mit niedrigeren Gehaltsvorstellungen einstellen könnte, den man lange an das Unternehmen binden kann? Die Existenzgründung im Alter erscheint für viele Best Ager oft die Lösung aus der langen Arbeitslosigkeit ins Berufsleben zurückzukehren. Auch für viele Menschen, vor allem Frauen, die eine längere Familienpause eingelegt haben und nun keinen Job mehr finden, kann die Gründung eines eigenen Unternehmens den Ausweg aus der Arbeitslosigkeit darstellen. Eine Unternehmensgründung kann die Chance bieten, den Weg zurück ins Arbeits- und Sozialleben zu finden. Ebenso bietet sich damit die Möglichkeit ein erfülltes Arbeitsleben zu führen.

Was hält dich ab ein Unternehmen mit 50 zu gründen?

Einige Best Ager, die mit dem Gedanken spielen, ein eigenes Unternehmen zu gründen, trauen sich aber letztendlich nicht, ihre Idee in die Tat umzusetzen, da ihnen zu viele Hürden im Weg stehen. Du solltest als potenzieller Gründer positiv an deine Existenzgründung im Alter herangehen, aber auch realistisch bleiben und dich mit eventuellen Problemen und Risiken im Voraus auseinandersetzen.

Angst vor Neuem, Angst vorm Scheitern

Viele Menschen Anfang 50 schrecken vor einer Existenzgründung im Alter zurück, denn es ist nicht ungewöhnlich, dass man mit fortgeschrittenem Alter mehr Respekt vor einem Neuanfang hat. Zu groß ist die Angst etwas Neues zu wagen und möglicherweise daran zu scheitern. Reifere Menschen haben bereits viel erlebt und sie sind in den meisten Fällen einen anderen Lebensstandard gewöhnt als vielleicht jemand, der gerade erst sein Studium abgeschlossen hat. Umso schwieriger ist es dann, ins kalte Wasser zu springen und nochmal von vorne anzufangen – vor allem wenn man weiß, dass die Möglichkeiten für einen weiteren Neuanfang begrenzt sind, da die Zeit drängt. Mit der Angst vorm Scheitern kommt bei den Gründern 50 plus gleichzeitig auch die Angst davor, die Rente zu schmälern bzw. das angesparte Eigenkapital zu verlieren.

Psychische und physische Belastung

Die Existenzgründung im Alter bedeutet eine hohe Belastung für Körper und Geist. Denn mit voranschreitendem Alter nehmen die gesundheitlichen Probleme zu und selbst wer sich mit 50 noch topfit fühlt, kann nicht zu 100 Prozent sagen, dass es auch noch in zehn Jahren so aussehen wird. Viele Gründer über 50 überschätzen ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten und können des Öfteren den Anforderungen, die das Unternehmen an sie stellt, nicht gerecht werden. Die beruflichen Aufgaben könnten sie daher nicht mehr bewältigen. Hinzu kommt, dass ältere Gründer sehr oft durch die Familie gebunden sind, weshalb ihnen oftmals die Zeit für gewisse Aufgaben fehlen könnte, was die Selbstständigkeit in großem Maße einschränkt.

Bild von älteren Gründern in der Öffentlichkeit

Die Vorstellung von einem Unternehmensgründer wird in unserer Gesellschaft eher selten mit einem Gründer 50 plus verknüpft. Vielmehr denken wir meist an junge, dynamische Gründer in ihren Dreißigern. Da das Gründen eines Unternehmens mit 50 nicht ganz ins Bild der Öffentlichkeit passt, stoßen Best Ager nicht selten auf Skepsis und Kopfschütteln, obwohl Existenzgründungen im Alter zunehmen. Oft werden auch Zweifel von Familienangehörigen, Freunden und Bekannten geäußert, die den Gründungswilligen von seinem Vorhaben abbringen können.

Mangelnde Technikkenntnisse

Viele reifere Menschen sind mit der neuen Technik nicht vertraut und tun sich schwer damit. Die Kundengenerierung mithilfe des Internets ist heutzutage jedoch beinahe ein Muss. Unternehmer, die diese Möglichkeit nicht wahrnehmen, verlieren sehr wahrscheinlich viele Kunden an die Konkurrenz. Auch praxistaugliches kaufmännisches Know-how ist oft veraltet, was ebenfalls zum Nachteil der Gründer sein kann.

Finanzierung durch Kredite schwierig

Auch wenn man der festen Überzeugung ist, endlich sein Unternehmen aufbauen zu wollen, können einem immer noch Steine in den Weg gelegt werden. Zwar haben reifere Gründer im Allgemeinen einen geringeren Kapitalbedarf als Jüngere, da sie mehr Zeit zum Sparen hatten, aber genau das ist auch ein Grund für die Kreditinstitute diesen Kredit nicht zu gewähren. Ein Kapitalbedarf dieser Höhe lohnt sich nämlich für Kreditinstitute oft nicht, da die Gewinnmarge sehr gering ist und sie einen zu hohen Prüfungsaufwand betreiben müssen. Der Hauptgrund, warum Gründern 50 plus oftmals ein Kredit verwehrt wird, liegt jedoch in der Angst der Banken begründet, das geliehene Geld nicht mehr rechtzeitig zurückgezahlt zu bekommen. Den Gründern im reiferen Alter bleibt nicht mehr so viel aktive Zeit, in der sie lukrative Geschäfte machen können. Zudem wächst mit dem Lebensalter auch die Gefahr krankheitsbedingt auszufallen, was die Sicherheit der Rückzahlung schmälert.

Hier können staatliche Finanzierungshilfen für Gründer in Form von Mikrokrediten oder vergünstigten Konditionen helfen.

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Über den Autor

Sandra Hubert

7 Antworten

  1. Sie haben recht, dass man in fortgeschrittenem Alter andere Stärke als jüngere Gründer hat. Man kann auch als 50+ die nötige Erfahrung für die Existenzgründung mitbringen. Das kann auch eine zweite Chance sein, für Leute die mit 50 oder mehr plötzlich den Job verloren haben.

  2. Ein Bekannter meiner Eltern hatte mit fast fünfzig auch ein Geschäft gegründet und ist eigentlich recht erfolgreich damit geworden. Jetzt ist er zwar verstorben aber er hat in seinen letzten Jahren noch einmal richtig Erfolg gehabt. Das Alter bringt viel Erfahrung und viele Beziehungen die man da sehr gut nutzen kann.

  3. Alles ist relativ 🙂
    Mein Seniorchef hatte mich zu seinem 80. Geburtstag eingeladen.
    Es waren sehr viele Gäste eingeladen, die meisten waren ältere Herrschaften und sehr viele Unternehmer waren darunter. Ein Satz von ihm hat mein Leben verändert. Er sagte: ach wäre ich doch noch einmal so jung, dann würde ich …. Auf meine Frage wie jung, antwortete er: ja nochmal so 45 , 50. Ich war damals gerade 40 und kam mir schon sehr alt vor.

  4. Mein Onkel arbeitet als Anwalt, mag aber die Anwaltskanzlei nicht, für die er arbeitet. Deswegen möchte er für sich selbst anfangen, ach wenn schon 52 ist. Ich finde es schön, dass die meisten nicht unbedingt viel Geld verdienen möchten, aber die etwas für die Gesellschaft machen wollen.

  5. Ich bin der Meinung das das Alter grundsätzlich keine Rolle spielt, nach meiner Erfahrung sind aber diese Existenzgründungen als Alternative zur Arbeitslosigkeit in den meißten Fällen nicht erfolgsversprechend. Auch die Selbstständigkeit muss man erlernen und der Schritt vom Angestellten zum Chef wird leider von vielen Existenzgründern unterschätzt

  6. Ich hätte es nicht besser sagen können: Man muss an seine Träume glauben, sich Ziele setzen und diese dann zielsträbig durchziehen. Mit dem richtigen Konzept geliegt auch der Einstieg in die Selbstständigkeit mit 50+ noch genauso gut wie in jüngeren Jahren. Besonders der Aspekt mit der Lebens und Berufserfahrung stellt einen echten Mehrwert und erheblichen Vorteil für die Selbstständigkeit da.

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