Spare jedes Jahr mehrere tausend Euro

Als Kleinunternehmer Steuern sparen: Unsere 5 Tipps

Es gibt viele Ausgaben, die du im ersten Moment privaten Zwecken zuordnest, aber tatsächlich auch auf dein Unternehmen umlagern kannst. Denn wenn du genauer hinguckst, handelt es sich hier um durch deinen Betrieb verursachte Kosten – und die sind absetzbar. In diesem Beitrag rechnen wir dir vor, wie man als Unternehmer auf diese Weise Steuern sparen kann. Je höher dein Steuersatz ist, desto mehr kannst du als Kleingewerbe Steuern sparen! Daher wollen wir dir im folgenden 5 Tipps geben, wie du als Kleinunternehmer Steuern sparen kannst.

Welche Steuern muss ein Kleingewerbetreibender zahlen?

Damit du als Kleinunternehmer Steuern sparen kannst, musst du zunächst natürlich wissen, welche steuerlichen Vorschriften es für dich gibt. Deswegen geben wir dir einen kurzen Überblick, was du als Kleingewerbetreibender an Steuern zahlen musst:

  • Einkommenssteuer für den Gewinn
  • Gewerbesteuer, wobei es hier gibt es einen Freibetrag von 24.500 Euro pro Jahr für Kleingewerbetreibende gibt
  • Umsatzsteuer, von dieser sind Unternehmer befreit, welche die Kleinunternehmerregelung für sich nutzen
  • Lohnsteuer, wenn Mitarbeiter beschäftigt werden
  • Kfz-Steuer, falls es ein Firmenfahrzeug gibt

Als Kleinunternehmer Steuern sparen: 5 Tipps

Jetzt wo du weißt, welche Steuern man als Kleinunternehmer zahlen muss, wollen wir dir zeigen, an welchen Stellen sich Steuern sparen lassen. Hier geht es vor allem darum, was du alles von der Steuer absetzen kannst – das ist nämlich mehr als man im ersten Moment vielleicht denkt.

1. Erkenne versteckte Betriebsausgaben

Betriebliches und Privates werden oft vermischt. Geht es dir auch so wie so vielen Einzelunternehmern, bei denen betriebliche und private Aktivitäten immer mehr ineinander fließen? Dann kommt es sicherlich auch bei dir oft vor, dass du

  • während eines privaten Einkaufs gleich noch Betriebsbedarf mitnimmst,
  • deine Kunden mit Getränken und Knabbereien aus deiner Privatküche versorgst oder
  • beim Restaurantbesuch mit dem ebenfalls selbstständigen Freund ungeplant nur über Geschäftliches redet

Bevor du in solche Situationen gelangst, mache dir bitte noch einmal klar: Um betriebliche Ausgaben als Betriebsausgaben absetzen zu können, brauchst du einen Beleg. Achte deshalb schon bei der Beschaffung darauf, dass du jede betriebliche Ausgabe mit einer korrekten Quittung oder Rechnung nachweisen kannst. Es ist unerheblich, ob auf demselben Beleg auch privat gekaufte Artikel stehen, solange du nur die Kosten der betrieblich veranlassten Einkäufe in deine Buchführung übernimmst.

Sammele deshalb alle – wirklich alle – betrieblichen Belege sorgfältig, statt sie zusammen mit irgendwelchen Tüten und Verpackungen zu „vermüllen“. Mache das auch dann, wenn es nur um Kleinbeträge geht. Am Monatsende kannst du den Quittungsstapel dann in deine betriebliche Belegsammlung einsortieren und die einzelnen Ausgaben auf den Betriebsausgabenkonten verbuchen. Oft wirst du erstaunt feststellen, welch stattlicher Betrag auf diese Weise zusätzlich zu deinen „üblichen“ Betriebsausgaben zusammenkommt und wie viele Steuern sich so als Kleingewerbe sparen lassen.

Beispiel für versteckte Betriebsausgaben

Lena Meister ist selbstständige Ernährungsberaterin. Einen Raum in ihrer Privatwohnung nutzt sie als Praxis. Als sie im Februar ein Karnevalskostüm für ihren Sohn kauft, findet sie in dem Laden auch Handpuppen, die sie spontan für Rollenspiele mit ihren Patienten kauft. Sie nimmt den Kassenzettel zu ihren Betriebsbelegen und setzt die Position „Handpuppen-Set 17,90 Euro“ ab.

Geht Lena Meister Lebensmittel einkaufen, besorgt sie auch Mineralwasser und Teebeutel für ihre Patienten. Außerdem bestückt sie für die Praxis jeden Morgen eine große Schale mit frischem Obst. Ab sofort hebt sie alle Einkaufsquittungen auf und kreist darauf die Positionen ein, die sie für Kunden einkauft. Diese Ausgaben setzt sie ab. Im Februar kommen 60 Euro zusammen – eine Summe, die sie erstaunt, die aber realistisch ist (20 Arbeitstage à 6 Sitzungen = 120 Besucher; pro Besucher rund 0,50 Euro).

An einem Abend geht die Selbstständige mit einer Freundin essen, die denselben Beruf ausübt. Lena Meister berichtet ihr im Restaurant von einem schwierigen Fall und holt sich Feedback und Ratschläge ein. Ehe die beiden sich versehen, sind 2 Stunden vergangen. Zum Dank für das Fachgespräch übernimmt Lena Meister die Rechnung von 60 Euro. Die Kollegin gibt ihr den Tipp, das Essen als geschäftliche Bewirtung abzusetzen – zu Recht! Weil Lena Meister als Anlass der Bewirtung wahrheitsgemäß „Fachgespräch über den Patienten Jannik Müller“ angeben kann, darf sie 70 Prozent ihrer Kosten – 42 Euro – absetzen.

So sind Lena Meister allein im Februar betriebliche Kosten von rund 120 Euro entstanden, die die Selbstständige bisher noch nie abgesetzt hat. Aufs Jahr gerechnet kann ein Betrag von 1.440 Euro zusammenkommen die sich als Kleingewerbe an Steuern sparen lassen.

2. Mache Fahrten mit dem Privatauto geltend

Auch mit dem privaten Auto kannst du als Kleinunternehmer bzw. Kleingewerbe Steuern sparen. Sicher hast du schon viel darüber gelesen, wie ein Unternehmer ein Auto als Geschäftswagen absetzen kann. Begriffe wie „Fahrtenbuch“ und „1-%-Methode“ schwirren dir im Kopf herum, und vielleicht hast du für dich beschlossen, dass du gar keine Zeit hast, dich in dieser Sache schlau zumachen. Dennoch hast du ein schlechtes Gewissen und befürchtest, etwas falsch zu machen und dem Staat Geld zu schenken?

Das stimmt zum Teil. Nutzt du dein Auto zu mehr als 50 Prozent betrieblich, musst du es in dein Betriebsvermögen einlegen und dich mit den Folgen beschäftigen. Wenn du aber nur gelegentlich betrieblich veranlasste Fahrten unternimmst, kannst du es dir ganz einfach machen – und den Staat dennoch an deinen Kosten beteiligen. Das geht so:

Führe eine einfache Liste (oder ein Fahrtenbuch) über deine betrieblichen Fahrten mit einem privaten Pkw (deinem eigenen Auto, dem deines Partners, deiner Eltern, eines Freundes etc.). Notiere darin zu jeder Fahrt

  • das Datum,
  • den betrieblichen Anlass inklusive Fahrtziel sowie
  • die betrieblich gefahrenen Kilometer

Jeden so nachgewiesenen Kilometer darfst du pauschal mit 0,35 Euro absetzen. Im Laufe eines Jahres kommt bei so geringem Aufzeichnungsaufwand oft ein stattlicher Betrag an Steuern zusammen, die du als Kleingewerbe bzw. Kleinunternehmer sparen kannst.

3. Setze auch die zu Hause genutzten Arbeitsmittel ab

Erledigst du betriebliche Arbeiten zu Hause, sind alle Kosten der hierfür benötigten Arbeitsmittel Betriebsausgaben, die du als Kleingewerbe und Kleinunternehmer an Steuern sparen kannst. Ob du ein häusliches Arbeitszimmer hast oder die Tätigkeiten am Küchentisch erledigst, ist hierfür unerheblich. Als Arbeitsmittel gelten unmittelbar arbeitsfördernde Einrichtungsgegenstände wie Schreibtisch, Schreibtischstuhl, Bücherregal, Büroschrank, Schreibtischlampe etc., und zwar unabhängig vom Material und von der Stilrichtung. Es wird generell in zwei Kategorien unterschieden:

  • Arbeitsgeräte (PC, Taschenrechner, Locher etc.) und
  • Büromaterial (Stifte, Papier)

Beispiel für Arbeitsmittel geltend machen

Die Ernährungsberaterin macht schon die Raumkosten sowie die Einrichtung ihres als Praxis genutzten Zimmers steuerlich geltend. Doch weil der Platz dort knapp geworden war, hat sie sich gerade einen Arbeitsplatz für Bürotätigkeiten in ihrem Schlafzimmer eingerichtet und ihren betrieblichen PC dorthin ausgelagert. Gekauft hat sie für das Schlafzimmer einen kleinen Holzschreibtisch (280 Euro) und ein verschnörkeltes Eisenregal (160 Euro) sowie eine Grundausstattung mit Stiften, Locher, Hefter, Druckerpapier etc. (100 Euro). Jetzt erfährt Lena Meister, dass sie das alles als Arbeitsmittel absetzen kann, auch wenn die Möbel keine typischen Büromöbel sind.

4. Lege Privatgegenstände in den Betrieb ein

Jeder Unternehmer wird das kennen: Gegenstände, die er eigentlich für seinen Privatbedarf gekauft oder geschenkt bekommen hat, dienen plötzlich nur noch dem Betrieb:

  • Mit der privaten Digitalkamera werden nicht länger Urlaubs-, sondern nur noch Werbefotos geschossen.
  • Der Kaffeevollautomat wandert aus der Privatküche ins betriebliche Wartezimmer für Kunden/Patienten.
  • Der massive Aktenschrank vom verstorbenen Onkel macht sich im häuslichen Arbeitszimmer gut.

Legst du einen solchen Gegenstand in dein Betriebsvermögen ein, darfst du seinen Wert absetzen – und zwar nach denselben Regeln, als hättest du ihn für deinen Betrieb eingekauft. Den Einlagewert ermittelst du so (§ 6 Abs. 1 Nr. 5 sowie § 7 Abs. 1 Satz 5 EStG):

  • Im Regelfall bewertest du das eingelegte Gut mit dem sogenannten Teilwert, den du schätzt. Orientiere dich an Gutachten, Internet-Angeboten oder Listen für gebrauchte Wirtschaftsgüter.
  • Ausnahme 1: Liegt die private Anschaffung nur bis zu drei Jahre zurück, ziehst du von den ursprünglichen Brutto-Anschaffungskosten die gesetzliche Mindestabschreibung nach § 7 EStG ab, um zum Einlagewert zu kommen.
  • Ausnahme 2: Hast du das betreffende Gut schon im Rahmen von Überschuss-Einkünften (z.B. Arbeitnehmer-Tätigkeit, Vermietung) teilweise abgeschrieben, musst du diese Abschreibungen vom geschätzten Teilwert bei der Einlage abziehen – aber nur bis maximal zur Höhe der fortgeführten Anschaffungskosten (= „Buchwert“ bei der Einlage).

Die Einlage selbst funktioniert ganz einfach. Du schreibst dir einen Eigenbeleg darüber, wie du den Einlagewert ermittelt hast und ab wann du das betreffende Gut betrieblich nutzt. Ggf. musst du das Gut mit diesen Angaben auch noch in dein GWG-Verzeichnis oder Anlageverzeichnis aufnehmen.

Beispiel für Privatgegenstände im Betriebsvermögen

Eine Tante von Lena Meister stirbt und hinterlässt ihr ein vollständiges Porzellan-Teeservice (Teilwert: 400 Euro), ein Echtholz-Bücherregal (Teilwert: 350 Euro) sowie einen alten Kühlschrank (Teilwert: 150 Euro). Diese geringwertigen Wirtschaftsgüter nutzt die Ernährungsberaterin zur Ausstattung ihres Praxisraums. Sie legt sie also in ihr Betriebsvermögen ein und setzt die Teilwerte sofort ab. So kann sie als Kleingewerbe und Kleinunternehmer erneut Steuern sparen.

5. Stelle deinen Partner als 450-Euro-Kraft ein

Ja, als Kleinunternehmer kannst du auch mithilfe deines Partners Steuern sparen. Oft ist es so, dass dein Partner ohnehin mit Aufgaben für deinen Betrieb beschäftigt ist. Denn vielleicht erledigt er oder sie die Buchführung, wartet deine Bürotechnik, fährt für dich regelmäßig zum Großmarkt, unterstützt dich stundenweise im Verkauf etc.? Dann mache einen offiziellen Arbeitsvertrag daraus!

Steuerlich besonders rentabel ist das, wenn dein Partner als 450-Euro-Kraft für dich tätig werden kann. Vorteile:

  • Du kannst die Lohnsteuer pauschal mit 2 Prozent abführen, womit die komplette Steuer abgegolten ist.
  • Du setzt die Lohnzahlung inklusive aller Abgaben als Betriebsausgabe ab. So kannst du mehr Steuern sparen, als du an Abgaben zahlst.
  • Ist dein Partner dein Arbeitnehmer, darfst du ihm zudem die üblichen steuer- und sozialabgabenfreien Gehaltsextras gewähren, die ggf. auch andere Mitarbeiter von dir erhalten. Auf diese Weise verlagerst du an sich private Kosten ganz legal auf deinen Betrieb!

Aber Achtung: Ein beliebtes, abgabenfreies Gehaltsextra ist beispielsweise das Überlassen eines betrieblichen Handys auch für private Gespräche. Bezahlst du ein solches für den bei dir angestellten Partner, entstehen dir absetzbare Betriebsausgaben. Dein Partner dürfte ein privat angeschafftes und unterhaltenes Handy hingegen nicht absetzen.

Beispiel für Lohnkosten geltend machen

Lena Meisters Ehemann ist IT-Techniker und kümmert sich um die Beschaffung und Wartung ihrer Bürotechnik sowie um die tägliche Datensicherung. Dafür zahlt sie ihm monatlich 450 Euro. Zudem stellt sie ihm ein betriebliches Handy mit Flatrate zur freien Privatnutzung als Gehaltsextra zur Verfügung (Kosten 50 Euro/Monat). Die 450 Euro Arbeitslohn wandern von der einen Tasche in die andere, sind also unterm Strich für das Ehepaar nicht relevant. Die Kosten für das Handy müssten die beiden ohnehin tragen, nur dass die jetzt voll absetzbar sind.

An Betriebsausgaben entstehen Lena Meister monatlich

  • 450 Euro für den Lohn,
  • 140,40 Euro für die Abgaben an die Minijob-Zentrale (pauschale Lohnsteuer 2 %, pauschale Sozialabgaben 28 Prozent, Umlagen U1, U2) sowie
  • 50 Euro für das Handy –insgesamt also 640,40 Euro/Monat bzw. 7.684,80 Euro/Jahr.

Das führt zu der hohen Steuerersparnis von 3.227,62 €/Jahr, wenn das Paar zum Spitzensteuersatz von 42 Prozent veranlagt wird. Davon sind die Mehrkosten in Höhe der Abgaben an die Minijob-Zentrale wieder abzuziehen (1.684,80 Euro/Jahr), sodass der endgültige Steuerspareffekt im beschriebenen Fall 1.542,82 Euro/Jahr beträgt!

Das vorgestellte Modell rentiert sich schon für dich, wenn du deinem Partner einen Monatslohn von 450 Euro zahlst und dein persönlicher Grenzsteuersatz 23 Prozent beträgt (oder wenn dein Partner privat krankenversichert ist, weil dann die Abgaben an die Minijob-Zentrale geringer ausfallen).

Berechnungs-Tabelle: Steuern sparen als Kleinunternehmer

*) Die Grenzbelastung gibt an, mit welchem Prozentsatz der letzte Euro deines Einkommens versteuert wird. Du ermittelst den Wert für dein voraussichtlich zu versteuerndes Einkommen ohne die in der Tabelle aufgeführten Betriebsausgaben unter www.bmf-steuerrechner.de -> Berechnung der Einkommenssteuer; in der Ergebnistabelle wird der Prozent-Betrag ausgewiesen.

Fazit

Mit einem Kleingewerbe bzw. als Kleinunternehmer lassen sich viele Steuern sparen, wenn man sich erstmal bewusst macht, welche Möglichkeiten es gibt. Letztlich braucht man hierfür aber auch gewisse Kenntnisse, damit man weiß, welche Begriffe man für das Absetzen bestimmter Betriebsmittel verwenden kann. Hier kann es sich empfehlen, sich einen Steuerberater dazu zu holen, der genau weiß, wo sich Geld zurückholen lässt. Zudem ändert sich das Steuerrecht in Deutschland fast jedes Jahr, sodass man hier ständig auf dem Laufenden bleiben muss.

Themenseiten

Über den Autor

Alec Ospanow

2 Antworten

  1. 5. Tipp: Stelle deinen Partner als 450-€-Kraft ein

    So ganz versteh ich das nicht…wenn ich doch für 450 Euro 30% Abgaben zahlen muss – wo ist der Unterschied stattdessen einfach die normalen ca. 30% Einkommenssteuer zu zahlen wenn ich die Betriebsausgaben nicht habe (im Beispiel sind sogar ab 23% Grenzsteuersatz aufgeführt)?

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.