Fahrtenbuch-Methode oder Ein-Prozent-Regelung

Firmenwagen versteuern: Diese Regeln gelten 2020

Wenn du einen Firmenwagen nicht nur für dienstliche, sondern auch für private Fahrten nutzt, erhälst du dadurch einen sogenannten geldwerten Vorteil. Diesen musst du versteuern. Egal ob du Arbeitnehmer bist oder selbstständig. Wir erklären, welche Regeln es zu beachten gilt.

Warum muss ich den Firmenwagen versteuern?

Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Firmenwagen an. Diese sind besonders wichtig, wenn Kundentermine anstehen, Dienstreisen angetreten werden oder auch wenn ein Transport von Warengut durchgeführt. Ebenso nutzen viele Selbstständige die Firmenwagen. Rechtlich gilt, egal ob Arbeitgeber oder -nehmer, wer den Wagen für private Zwecke nutzt, muss diesen geldwerten Vorteil versteuern. Den geldwerten Vorteil nennt man im Falle der Nutzung von Dienstwagen auch „Nutzungswert“. An dieser Stelle klingt sich dann das Finanzamt ein und ermittelt die Höhe des geldwerten Vorteils. Ist im Vertrag allerdings festgehalten, dass du den Firmenwagen für private Fahrten nicht nutzen darfst, dann hast du davon auch keinen Vorteil und musst dementsprechend nichts versteuern.

Firmenwagen: Privatvermögen oder Betriebsvermögen?

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden zur Versteuerung eines Dienstwagens. Für die Wahl der richtigen Abrechnungsmethode stellst du zunächst fest, ob der Wagen dem Betriebsvermögen oder deinem privaten Besitz zugeordnet ist. Gehört er nämlich zum Privatvermögen, rechnest du jede geschäftliche Fahrt einzeln ab. Gehört er zum Betriebsvermögen, werden für den Privatanteil Steuern fällig, deren Höhe du nach der Fahrtenbuch-Methode oder nach der Ein-Prozent-Regelung abrechnest.

Firmenwagen versteuern nach der „Ein-Prozent-Regelung“

Wer sich für die Ein-Prozent-Regelung entscheidet, hat zwar einen deutlich geringeren Aufwand, zahlt dafür aber eventuell mehr Steuern. Bei dieser Regelung wird der Brutto-Listenpreis des Fahrzeugs herangezogen, also der Preis des Wagens inklusive Mehrwertsteuer. Von diesem Listenpreis wird ein Prozent pro Monat als geldwerter Vorteil angerechnet und dann dem monatlichen Gehalt hinzugefügt, wodurch sich das Bruttogehalt erhöht. Hinzu kommen aber auch Sonderausstattungen, daher ist bei diesem Modell der Brutto-Listenpreis entscheidend. Nutzt man den Firmenwagen auch für den Weg zur Arbeit, werden nochmals 0,03 Prozent des Listenpreises pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz hinzugerechnet.

Diese pauschale Versteuerung gilt für gekaufte, gemietete oder auch geleaste Fahrzeuge. Vor allem gilt es zu bedenken, dass die Ein-Prozent-Regelung immer den Neuwert eines Wagens heranzieht. Das bedeutet, wenn du einen Gebrauchtwagen als Firmenwagen nutzt, du trotzdem einen Prozentteil des Neuwagenwertes angerechnet bekommst. Daher lohnt sich die Regelung besonders dann, wenn der Wert des Autos geringer ist und du dadurch auch einen kleineren Wert angerechnet bekommst.

Firmenwagen versteuern mit dem Fahrtenbuch

Das Fahrtenbuch als Methode zur Versteuerung ist die gängigere Variante, ist jedoch aufwändiger als die Ein-Prozent-Regelung. Das Fahrtenbuch soll nämlich anzeigen, wie viele berufliche und wie viele private Fahrten du mit deinem Firmenwagen getätigt hast. Diese Unterscheidung ist dahingehend wichtig, als dass nur die privaten Fahrten versteuert werden sollen, wodurch eine strikte und ordnungsgemäße Führung dieses Fahrtenbuchs von Bedeutung ist. Jede Fahrt wird demzufolge in beruflich und privat unterschieden und mit dem jeweiligen Zweck dokumentiert.

Dies zahlt sich jedoch schnell aus, da man so deutlich mehr Steuern sparen kann. Es steht jedem frei, ob er dieses Fahrtenbuch handschriftlich führt oder elektronisch, solange es zusammen mit der Steuererklärung beim Finanzamt angegeben wird. Für die Versteuerung müssen in einem Fahrtenbuch einige Fakten festgehalten werden. Nutzt man den Wagen für private Zwecke, muss unbedingt die Kilometerzahl notiert werden. Aufwendiger ist das Ganze für beruflich Fahrten. Hier müssen folgende Daten erfasst werden:

  • Datum
  • Kilometerstand zu Beginn der Fahrt und am Ende
  • Ziel
  • Fahrtroute
  • Grund für die Fahrt
  • Name des Geschäftspartners

Wichtig ist, dass die Dokumentation des Fahrtenbuchs lückenlos, chronologisch und zeitnah eingetragen wird. Denn Ziel dieses Buches ist das Nachvollziehen der angefallenen Kosten im Zusammenhang mit dem Firmenwagen, auch hinsichtlich jährlicher möglicher Abschreibungen ohne Sonderabschreibungen. Diesen legt man dann keinen Listenpreis zugrunde, sondern die Anschaffungskosten.

Elektroautos und Hybride versteuern

Da heutzutage auch vermehrt Elektroautos oder Hybride als Firmenwagen eingesetzt werden, ist es für Selbstständige oder Arbeitnehmer wichtig zu wissen, worauf es bei der Versteuerung dieser Art der Firmenwagen ankommt. Grundsätzlich soll die Elektromobilität in Deutschland gefördert werden, wodurch sich eine erhebliche Steuererleichterung bei der privaten Nutzung dieser Firmenwagen ergibt. Bei Hybriden und Elektroautos halbiert sich der geldwerte Vorteil, da nur die Hälfte des Listenpreises berechnet wird. Dies gilt für den Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2019 und 31. Dezember 2021. Da man nur mit dem halben Preis rechnet, spart man neben der Lohnsteuer auch an den Sozialversicherungsbeiträgen.

Doch auch hier gibt es Anforderungen, die man erfüllen muss. Für die sogenannte 0,5-Prozent-Regelung, darf der Kohlenstoffdioxidausstoß höchstens 50 Gramm pro gefahrenen Kilometer betragen. Zudem muss die Reichweite mit dem Elektroantrieb mindestens 40 Kilometer umfassen. Neben diesen Voraussetzungen, ergeben sich wiederum steuerliche Vergünstigungen beim Aufladen eines Elektrofahrzeugs und auch für die Kfz-Steuer.

Fazit: Alles eine Frage der Nutzung

Zusammenfassend ergeben sich je nach Modell zur Versteuerung unterschiedliche Vorteile, die je nach Unternehmen mehr oder weniger sinnvoll sind. Neben den vielen Faktoren sollte man sich als Selbstständiger auf Grundlage der eigenen Ressourcen überlegen, welche Methode geeigneter ist. Ungeachtet der gewählten Versteuerung, musst du beachten, wenn du den Firmenwagen lediglich für die Fahrt zur Arbeit nutzt, du ihn nicht versteuern musst.

Es gibt einige Vor- und Nachteile der jeweiligen Methoden. Um herauszufinden, welche sich für einen persönlich lohnt, spielen Faktoren wie die Entfernung von der Wohnung bis zur Arbeitsstätte eine Rolle, aber auch Kosten für Versicherung und Wartung, als auch gefahrene Kilometer. Beispielsweise kann eine deutlich vermehrte Nutzung des Wagens vorteilhaft für die Ein-Prozent-Regelung sein, da es sich hier um einen pauschalen Wert handelt. Nutzt man den Wagen weniger, führt diese Regelung zu eher hohen Steuern, sodass ein Fahrtenbuch für dich kostengünstiger wäre.

Je nachdem wie deine persönliche Nutzung des Firmenwagens aussieht, empfiehlt sich eher die eine oder andere Methode. Behilflich bei der Entscheidung können Firmenwagen-Rechner sein, die dir ausrechnen, welche Methode sich bei deinen Gegebenheiten lohnen würde. Diese findest du kostenfrei im Internet und erleichtern deine Wahl.

https://www.gruender.de/firmenwagen-leasing/

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Über den Autor

Autorenprofil: Lisa Goldner

Lisa Goldner

Nach ihrem Abitur 2013 entschied sich Lisa für ein Studium des Journalismus als auch der Unternehmenskommunikation und konnte durch den nahen Praxisbezug ein breit gefächertes Repertoire an Kenntnissen beider Branchen sammeln. Während des Studiums arbeitete sie als Assistenz der Öffentlichkeitsarbeit in einem öffentlich-rechtlichen Kulturbetrieb und erlernte somit auch essenzielle Aufgaben des Eventmanagements. Im Anschluss begann sie in Kiel den Masterstudiengang ”Angewandte Kommunikationswissenschaft“, in dem sie ihre Erfahrungen durch Projekte und wissenschaftliche Arbeiten besonders in den Bereichen Journalismus und Marketing ausbauen konnte. Seit Januar 2020 ist Lisa Volontärin in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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