Interview über den erfolgreichen Aufbau eines Online-Business

Gründer-Geheimnis: Das steckt hinter dem Camping-Erfolgskonzept von roadsurfer

Wer von Camper-Romantik träumt und völlig flexibel reisen möchte, kann sich einen eigenen Camper kaufen. Doch die Anschaffungskosten sind hoch, zum Ausprobieren eignet sich das deshalb nicht. Darum haben die Gründer von roadsurfer eine Online-Plattform für Camper-Vermietung entwickelt, die an zahlreichen Stationen verschiedene Vans anbietet. Damit konnte sich das Startup nicht nur international erfolgreich etablieren, sondern erhielt zuletzt auch 24 Millionen Euro an Kapital für eine Expansion. Wir haben im Interview spannende Details zum Gründer-Geheimnis, dem erfolgreichen Geschäftsaufbau sowie praktische Startup-Tipps erfahren.

Susanne Dickhardt, Gründerin von roadsurfer

Manchmal entstehen die besten Geschäftsideen, wenn im eigenen Alltag bestimmte Abläufe viel zu kompliziert sind und der unbedingte Wille nach einer Verbesserung entsteht. Genau so war es auch bei Susanne Dickhardt, die sich 2016 in München für die Selbstständigkeit entschied und zusammen mit ihrem Team die roadsurfer GmbH gründete. Das Konzept: Wer mit einem Camper verreisen möchte, kann auf der Online-Plattform von roadsurfer ein Fahrzeug mieten, Routen planen und Stellplätze organisieren. Alles komplett digital, flexibel und unkompliziert.

Und dieses Konzept funktioniert, denn mittlerweile gehören 2500 Autos zur roadsurfer-Flotte und das Angebot wird kontinuierlich erweitert. Hinzu kommen 36 verschiedene Miet-Stationen in insgesamt acht Ländern und hunderttausende zufriedene Reisende. Doch wie genau fing alles an? Und welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend? Wir haben im Interview mit Susanne erfahren, worauf es bei der Planung ankommt, wie das Startup auf die Corona-Pandemie reagierte und warum sich die Gründer von roadsurfer für ein Online-Business entschieden haben.

Phase 1: Ideenfindung

Wann genau entstand deine Idee für roadsurfer?

Die Geschäftsidee zu roadsurfer ist tatsächlich aus dem eigenen Bedarf entstanden. Denn mein Mann und ich wollten mit Freunden in den Urlaub fahren, die sich gerade einen VW Bus gekauft hatten. Mit zwei kleinen Kindern war uns ein Zelt zu wenig und ein Wohnmobil zu groß, daher versuchten wir ebenfalls einen VW Bus zu mieten. Doch das Angebot war quasi nicht vorhanden, erst nach langer Recherche fanden wir einen Vermieter in München. Also eher semiprofessionell und sehr anlog.

Deshalb kam uns gleich der Gedanke: Das muss im Jahr 2016 doch besser gehen! Im Campingurlaub an der Atlantikküste ist dann unsere gemeinsame Idee zu einer europaweiten Camper-Vermietung entstanden. Hinzu kam ein langer Abend mit vielen Erinnerungen an Australien, die dortigen Camper-Fahrzeuge „Wicked Campers“ sowie einer Spinnerei, wie das in Europa aussehen müsste. Das war der Start von roadsurfer.

Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Dass es lukrativ werden könnte, haben wir daran gemerkt, dass unsere ersten Marketingkampagnen Früchte trugen und sehr viele Buchungen bei uns eingingen. Danach mussten wir Busse einkaufen und den Vermietungsprozess aufsetzen. Insgesamt hat sich unser Cash-First-Modell jedoch zum Glück von Anfang an selbst getragen.

Phase 2: Planung

Welche ersten Schritte standen bei der Planung für roadsurfer an?

Nachdem das Gründerteam feststand, entwickelten wir zuerst die Marke und das Logo. Außerdem war unsere Idee, so zu vermieten, wie wir es uns als Kunde wünschen würden. Denn Customer Centricity gehörte bei uns zum Gebot der ersten Stunde. Außerdem mussten wir erst einmal eine digitale Infrastruktur schaffen. Also eine Website bauen, Facebook-Kampagnen zu starten und ein Buchungssystem aufsetzen.

Wie habt ihr euren Businessplan erstellt?

Die Marktanalyse fand zum einen mit der Miete eines Vans statt und dann natürlich online. Da es nicht das erste Unternehmen war, das wir gründeten, klappten die ersten Schritte der Unternehmensgründung sehr gut. Aber hilfreich waren auch insbesondere unser Steuerberater, Gespräche mit Händlern und der Check anderer Anbieter. Denn den Markt zu kennen und die Entwicklung vergangener Jahre zu analysieren bzw. seriöse Quellen für Prognosen zu recherchieren, sind das A und O für einen fundierten Businessplan.

Welche Schritte standen noch an, bis die Plattform von roadsurfer an den Start ging?

Tatsächlich stand die Online-Plattform in weniger als acht Wochen, das Anschließen des Buchungssystems dauerte dann nochmal ein paar Wochen und wurde natürlich immer weiter optimiert. Dabei war unsere allererste Website damals allerdings zunächst eine WordPress-Seite, die ich selbst erstellte und anhand von YouTube-Tutorials nachbaute. Zum jetzigen Zeitpunkt unvorstellbar, aber das war State-of-the-Art im Vergleich zu allen anderen Wohnmobilvermietern in dieser Zeit.

Camper roadsurferQuelle: Pressefoto roadsurfer
Die Camper von roadsurfer lassen sich überall aufstellen und bieten einen großen Schlafraum.

Phase 3: Gründung

Ihr achtet auf ein klimaneutrales Angebot: Warum sollten Startups auf Nachhaltigkeit setzen?

Eine intakte Natur ist die Grundlage für schöne Erlebnisse. Und eine Reise mit dem Camper ist nicht nur sicher, sie ist auch eine der umweltfreundlichsten Arten zu reisen. Denn im Vergleich zu Flugreisen oder Kreuzfahrten, verbraucht man deutlich weniger CO2. Meiner Ansicht nach muss der Nachhaltigkeitsansatz immer auch zum Produkt passen. In unserem Fall liegt es bei Diesel-Autos auf der Hand sich um die Kompensation des CO2-Ausstoßes zu kümmern. Dazu arbeiten wir mit Climate Partnern zusammen und unterstützen ein Wasserkraft-Projekt in Asien.

Können sich Gründer durch einen nachhaltigen Ansatz auch generell Vorteile sichern?

Startups, die einen Fokus auf Nachhaltigkeit legen, profitieren definitiv auch von einem Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Das beginnt bereits bei der Finanzierung. Denn viele Banken und Geldgeber legen bei der Prüfung von Businessplänen zunehmend Wert auf eine nachhaltige Ausrichtung. Doch auch nach dem Markteintritt bringt diese Strategie weitere Vorteile. Vielen Kunden liegt ein ressourcenschonender Umgang mit der Natur am Herzen und auch potenzielle Mitarbeiter legen immer mehr Wert darauf.

Ihr habt euch für ein Online-Business entschieden: Warum lohnt sich das für Gründer?

Auch wenn sich roadsurfer unter den Wohnmobilvermietern im Jahr 2016 als Pionier im Bereich Online-Buchung positionierte, ist heute der einfache und sichere Abschluss auf der Website unabdingbar. Beim Gründen einer Online-Plattform ist es meines Erachtens nach die größte Herausforderung, den Kunden zu verstehen und seine verschiedenen Einstiege auf der Seite zu analysieren. Nur dann lassen sich die Vorteile eines Online-Business nutzen und Abläufe vereinfachen. Wir können unser Angebot international anbieten und überall den gleichen Service garantieren, was wichtige Vorteile eines Online-Business sind.

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Welche Fehler habt ihr bei der Gründung von roadsurfer gemacht?

Ich denke, der Erfolg spricht dafür, dass wir nicht allzu viele Fehler gemacht haben, aber natürlich gab es Stolpersteine und Hürden. Dazu gehörte das ein oder andere Camper-Modell, das im Nachgang nicht optimal in die Flotte gepasst hat. Also im Bereich Produktauswahl gab es sicher die eine oder andere Fehlentscheidung, das betraf zum Beispiel auch den Eigenausbau von einigen Bussen in unserem ersten Geschäftsjahr. Doch aus Fehlern lernt man, sie gehören dazu und dürfen die eigene Motivation nicht ausbremsen.

Phase 4: Wachstum

Was macht roadsurfer im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Unser Claim „Deine Freiheit leben“ ist an jeder Stelle Programm, denn wir wollen unseren Kunden maximale individuelle Freiheit bieten. Dazu gehören z.B. unbegrenzte Freikilometer für alle unsere Mieter und ein flexibles Stornomodell bis 48h vor Abreise. Zudem sollen unsere Kunden mit einem 24/7 Customer Service sorgenfrei reisen können. Was roadsurfer insgesamt ausmacht, ist die Vielfalt des Angebots. Mit roadsurfer spots kann dann neben dem Van auch noch der individuelle Stellplatz gebucht werden. Dieses Produktportfolio als Outdoor-Travel-Plattform ist einzigartig in Europa.

Die Reisebranche musste durch Corona starke Verluste hinnehmen. Wie war eure Strategie?

Unsere Strategie war ganz klar, immer nach vorne zu blicken. Dafür war und ist es auch immer noch nötig, den Zeitgeist sehr detailliert wahrzunehmen und zu analysieren, Bedürfnisse zu erkennen und richtig zu bedienen. Als Antwort auf die Corona-Pandemie haben wir uns ein Auto-Abo für Campingfahrzeuge einfallen lassen. Ähnlich wie beim klassischen Leasing, kann man bei uns einen Camper-Van zum monatlichen Fixpreis inklusive aller Nebenkosten buchen. Das ist flexibler und spontaner als eine kurzfristige Miete.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr bei roadsurfer bisher erfolgreich genutzt?

Unser Marketingmix verändert sich stetig im Laufe des Jahres – je nach Buchungslage und weiteren Gegebenheiten. Aber unser klarer Schwerpunkt liegt auf Online-Marketing, da wir darüber auch die meisten Kunden erreichen. Auch TV-Werbung war in der ein oder anderen Saisonphase ein wichtiger Brandpush. Generell lohnt es sich jedoch, die eigene Zielgruppe zu kennen und das Marketingkonzept dann anzupassen.

Welche geheimen Tipps möchtest du angehenden Gründern geben?

Mit deinem Team steht und fällt eine erfolgreiche Gründung. Deshalb ist es so wichtig, dass du deinem Team zuhörst, ihr miteinander redet und Entscheidungen neu hinterfragt werden. Denn es muss erlaubt sein, konstruktiv kritisch miteinander umzugehen. Und das beinhaltet auch eine funktionierende Fehlerkultur, weil keine Gründung perfekt abläuft und auch im Arbeitsalltag Fehler passieren. Das ist kein Grund zur Panik, ganz im Gegenteil. Du kannst deine Abläufe jederzeit anpassen und dadurch dein Unternehmen langfristig zum Erfolg führen.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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