Interview über den erfolgreichen Aufbau eines Online-Business

Gründer-Geheimnis: So schaffte die Ferienhaus-Suchmaschine Holidu ihren Durchbruch

Wer eine Reise plant und ein Ferienhaus mieten möchte, musste bis vor ein paar Jahren noch aufwendig zahlreiche Webseiten durchklicken und wunderte sich dann meistens über die unterschiedlichen Preise. Bis Michael und Johannes Siebers 2014 die Suchmaschine Holidu entwickelten und damit alle Infos und Vergleiche vereinen. Mit über 25 Millionen Besuchern pro Monat konnte sich die Suchmaschine schon erfolgreich am Markt etablieren und hochkarätige Investoren überzeugen. Wir haben im Interview spannende Details zum Gründer-Geheimnis, dem erfolgreichen Geschäftsaufbau sowie praktische Startup-Tipps erfahren.

Eine innovative Geschäftsidee erkennen und dann ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen – das liegt den Brüdern Michael und Johannes Siebers im Blut. Denn Johannes arbeitete nach seinem BWL-Studium für Siemens im Bereich Venture Capital. Dort konnte er die erfolgreiche Entwicklung verschiedener Startups begleiten. Auch Michael beschäftigte sich früh mit dem Thema Unternehmensaufbau. Nach seinem Informatik-Studium nahm er eine Stelle bei Zalando an und half dabei, das Team auf über 600 Entwickler zu skalieren. Ausgestattet mit diesen Voraussetzungen war es also kaum verwunderlich, dass die Brüder eines Tages eine eigene Geschäftsidee entwickelten und zum Erfolg führten. Dieses gemeinsame Projekt heißt Holidu und die Suchmaschine soll das Finden bzw. Buchen von Ferienhäusern und -wohnungen endlich einfach machen.

In Verbindung mit einer eigens entwickelten Technologie konnten die Gründer schnell international durchstarten, zahlreiche Investoren überzeugen und mehrstellige Millionen-Investitionen einsammeln. Hinzu kam erst im Mai dieses Jahres eine weitere Finanzierungsrunde mit 37 Millionen Euro Kapital. Doch wie genau fing alles an? Und welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend? Wir haben im Interview mit Michael und Johannes erfahren, worauf es bei der Planung ankommt, wie das Startup auf die Corona-Pandemie reagierte und warum sich die Gründer von Holidu für ein Online-Business entschieden haben.

Phase 1: Ideenfindung

Wann genau entstand bei euch die Idee für Holidu?

Die Idee für Holidu kam uns bei der Suche nach einem Ferienhaus für einen Surfurlaub in Portugal. Dabei stellten wir fest, dass dieselben Ferienhäuser auf mehreren Buchungsplattformen auftauchten, jedoch zu unterschiedlichen Preisen und Verfügbarkeiten. Das Buchen eines Urlaubs soll ja eigentlich Spaß machen, aber die Suche war einfach nur frustrierend. Deshalb fragten wir uns: Wenn ein einfacher Angebotsvergleich für Flüge und Hotels schon lange möglich ist, warum dann nicht auch für Ferienhäuser? Doch das Problem wurde uns schnell bewusst, als wir die Ferienhäuser näher betrachteten. Denn anders als bei Flügen und Hotels besitzen diese keine standardisierten Nummern für einen einfachen Datenvergleich. Dadurch besaßen wir zwar eine Idee, mussten jedoch noch einige Schritte bewältigen.

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Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Für uns war klar, diese Lücke im Markt und die fehlenden Vergleichsangebote müssen wir schließen. Das Potenzial des milliardenschweren Ferienhausmarktes ist enorm. Und im Hinblick auf die Digitalisierung hinkte er anderen Märkten jedoch deutlich hinterher. Dabei waren wir überzeugt, dass die Aufgabe von Holidu – also ein transparenter Angebotsvergleich von Ferienwohnungen und Ferienhäusern – nur technisch gelöst werden kann.

Phase 2: Planung

Welche ersten Schritte standen dann bei der Planung für Holidu an?

Michael hatte sich die verschiedenen Ferienhausportale angeschaut und festgestellt, dass die einzige verlässliche Verbindung zwischen den mehrfach gelisteten Ferienwohnungen die Bilder sind. Fazit: Nur mit einer Duplikatserkennung, die auf ‘image recognition’ basiert, lassen sich solche Doppelungen verlässlich erkennen. Das war dann auch die erste und grundlegende Technologie, die für Holidu entwickelt wurde. Wohingegen Johannes, der nach seinem BWL-Studium bereits im Venture-Capital-Bereich tätig war, mit Marktexperten und Investoren sprach. Gemeinsam feilten wir dann an der Strategie für Holidu. Denn wir lieben das Reisen und wir lieben es, Probleme zu lösen.

Welche Probleme löst ihr dabei nicht nur für Reisende, sondern auch für Ferienhausvermieter?

Uns fiel bei der Entwicklung von Holidu auf, dass es auch in der Ferienhausvermietung noch viel Aufholbedarf an Technologie und Service gab. Denn um eine hohe Auslastung zu erreichen, inserieren Eigentümer auf mehreren Webseiten und mussten ihre Verfügbarkeiten immer manuell abgleichen. Diese Problematik erklärt die mangelnde Buchbarkeit und die hohen Stornoquoten. Deshalb entwickelten wir neben Holidu unter der Marke Bookiply eine unabhängige Komplettlösung für Ferienvermieter, die seit 2017 am Markt ist. Bookiply verwaltet bereits tausende Ferienhäuser und -wohnungen und ist Marktführer in mehreren europäischen Urlaubsdestinationen.

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Wie ging es dann weiter bis zur offiziellen Gründung von Holidu?

Um die Idee für eine Ferienhaus-Suchmaschine Realität werden zu lassen, haben wir uns quasi erst einmal ein Jahr lang im Keller eingesperrt. In dieser Zeit arbeiteten wir an der Bilderkennungstechnologie sowie am Businessplan. 2014 konnten wir dann Holidu gründen, möglich gemacht durch eine Investition im höheren sechsstelligen Bereich. Diese bestand zum einen aus einer Förderung durch das EXIST-Gründerstipendium zusammen mit dem Institut für Entrepreneurship, Technologie und Innovation des KIT Karlsruhe. Hinzu kamen eigene Ersparnisse sowie ein Investment von Business Angels. Generell lohnt es sich, nach Fördermöglichkeiten zu schauen, um schnellstmöglich voranzukommen.

Phase 3: Gründung

Wann ging eure Holidu-Plattform dann offiziell an den Start?

Im Juli 2014 war es soweit und die erste Domain holidu.de ging live. Es lag uns nahe, mit der Suchmaschine zuerst in Deutschland aktiv zu werden. Die Bundesbürger lieben das Reisen und Ferienhäuser, weshalb der Ferienhausmarkt hierzulande der drittgrößte der Welt ist. Außerdem konnten wir uns im eigenen Land einfacher in die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Zielgruppe hineindenken. Auch die Akquise von neuen Partnern für Holidu ist in der Muttersprache einfacher und das Netzwerk am stärksten. Dieser Heimvorteil kann helfen, am Anfang schnell Erfolge zu erzielen, was die Erfolgsaussichten einer weiteren Internationalisierung untermauert.

Wie stand dann die internationale Ausrichtung von Holidu an?

Die internationale Ausrichtung von Holidu begann zunächst in kleinen Schritten. Sobald wir weitere Länder vorsichtig und erfolgreich gelauncht hatten, legten wir den Schalter um und weiteten unsere Ferienhaus-Suchmaschine innerhalb kurzer Zeit auf 21 Domains aus. Da jede neue Domain mit nur geringem Aufwand verbunden war, konnten wir unsere Abschätzung aus der Marktanalyse problemlos aus den bisherigen Erfahrungen ergänzen und so feststellen, in welchen Märkten es sich besonders lohnt zu investieren.

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Welche Auswirkungen hatte die aktuelle Corona-Pandemie auf eure Suchmaschine?

Die Corona-Pandemie war der Albtraum der Tourismusbranche, denn Grenzen wurden geschlossen, Lockdowns verhängt und der touristische Aufenthalt komplett verboten. All unsere Pläne mit Holidu wurden quasi von einen auf den anderen Tag auf den Kopf gestellt. Dabei mussten wir schnelle Entscheidungen treffen, aber auch einen kühlen Kopf bewahren und nicht überhasten. Deshalb erstellten wir eine Strategie und spielten verschiedene Szenarien durch. Von da an wurde es leichter. Zudem hat es auch geholfen, alles offen und transparent mit dem gesamten Team zu kommunizieren. Denn dadurch kam große Unterstützung zurück.

Welche Strategie habt ihr gewählt, um die Krise zu überstehen?

Wir haben nie daran gezweifelt, dass der Markt zurückkommt. Denn die Menschen lieben einfach das Reisen und Ferienhäuser sind eine relativ sichere Unterkunftsform. Seit Ausbruch der Corona-Krise arbeiteten wir zudem daran, ein noch größeres Angebot an inländischen Ferienhäusern zu bieten. Dabei gewannen wir etliche neue lokale Buchungsportale und Agenturen als Partner, deren Angebot wir jetzt auf Holidu zeigen. Ein weiterer wichtiger Punkt im Reisemarkt ist die Stornierungsmöglichkeit. Wir sehen auf Kundenseite, dass Flexibilität sehr gefragt ist. Dadurch generieren Ferienhäuser mit flexiblen Stornomöglichkeiten bis zu fünfmal mehr Buchungen.

Ihr habt euch für ein Online-Business entschieden: Warum lohnt sich das für Gründer?

Die Corona-Krise hat die Digitalisierung in vielen Bereichen vorangetrieben, auch im Tourismus, dadurch konnte das Online-Geschäft einen größeren Sprung machen. Außerdem nahmen die Buchungen am Computer oder via App enorm zu, das kommt uns sicherlich bei Holidu zugute, denn noch viel mehr Urlauber sind online-affiner geworden. Generell lohnt es sich jetzt besonders, ein Online-Business aufzubauen und von den Vorteilen der Digitalisierung zu profitieren. Dazu gehört zum Beispiel auch die Flexibilität im Online-Bereich, international erfolgreich zu sein und trotzdem einen vergleichsweise geringen Aufwand zu betreiben.

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Welche Fehler habt ihr bei der Gründung von Holidu gemacht?

In der Summe sind wir sehr glücklich darüber, wie es bisher gelaufen ist. Denn Holidu konnte rasch wachsen und von Anfang an standen die internationalen Märkte im Visier. Dabei stellte es sich als eine große Herausforderung heraus, schnell ein hochkarätiges Team aufzubauen. Denn davon hängt immer der Erfolg des gesamten Unternehmens ab. Dabei war es insgesamt auch wichtig, schnell Entscheidungen zu treffen. Hier lernten wir mit der Zeit, unserem Bauchgefühl mehr zu vertrauen. Doch rückwirkend hätten wir heute sicher die ein oder andere Entscheidung noch schneller getroffen.

Phase 4: Wachstum

Was macht Holidu im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Die Mission von Holidu ist es, das Suchen und Buchen von Ferienwohnungen endlich einfach zu machen. Mit dem synergetischen Zusammenwirken zweier Geschäftsmodelle – also der Ferienhaus-Suchmaschine Holidu und dem Software- und Serviceanbieter für Ferienhausvermieter Bookiply – sind wir am Ferienhausmarkt bestmöglich aufgestellt. Generell ist es für Gründer entscheidend, sich durch eigene Ideen und einzigartige Strategien von der Konkurrenz abzuheben.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr bei Holidu bisher erfolgreich genutzt?

Wir setzen bei Holidu insgesamt auf Online-Marketing, TV-Werbung und PR. Zudem besitzen wir viele wiederkehrende Kunden, gute Bewertungen und Empfehlungen. Dadurch verzeichnet die Suchmaschine jeden Monat über 25 Millionen Besucher. Für Bookiply setzen wir hingegen zusätzlich auf regionales Offline-Marketing und persönlichen Kontakt mit unseren Ansprechpartnern vor Ort, um unsere Zielgruppe optimal zu erreichen. Außerdem nutzen wir selbstverständlich auch Social-Media-Kanäle für unsere Marken und Unternehmenskommunikation.

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Welche geheimen Tipps möchtet ihr angehenden Gründern geben?

In einem Startup erlebt man fast täglich Erfolge und Misserfolge und es ist entscheidend, sich weder von dem einen noch von dem anderen aus der Bahn werfen zu lassen. Sondern stattdessen beides als Ansporn zu sehen, noch besser zu werden. Das Wichtigste ist es, an sich und seine Idee zu glauben. Außerdem empfehlen wir, von Anfang an groß zu denken. Wer große Probleme lösen will, kann leichter Geld einsammeln, ein kompetentes Team aufbauen und am Ende langfristig erfolgreich sein.

Häufige Fragen (FAQ) zu Holidu

Was ist Holidu?

Holidu ist eine Suchmaschine für Ferienhäuser und -wohnungen, mit der sich weltweit verschiedene Angebote vergleichen lassen.

Wer sind die Gründer von Holidu?

Michael und Johannes Siebers sind die Gründer von Holidu. Sie gründeten ihr Startup im Jahr 2014, um das Suchen und Buchen von Ferienhäusern und -wohnungen endlich einfach zu machen.

Wie funktioniert Holidu?

Auf Holidu lassen sich verschiedene Angebote mit Preisen für Ferienhäuser und -wohnungen vergleichen. Nach der Auswahl einer passenden Unterkunft ist eine Buchung über die Plattform möglich.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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