Alle Voraussetzungen, Kosten und die 5 wichtigsten Schritte

Selbstständig machen als LKW-Fahrer: Trucker-Romantik oder Kostenfalle?

Lastkraftwagen sind täglich unterwegs, transportieren Güter durch ganz Deutschland und repräsentieren ein lukratives Geschäftsmodell. Dafür sorgen zum Beispiel ein Anstieg der Online-Bestellungen, das steigende Warenangebot und der Boom der Bau-Branche. Auch die Vorstellung, frei und unabhängig durch Deutschland zu fahren, verstärkt bei vielen den Wunsch, sich selbstständig zu machen als LKW-Fahrer. Doch gleichzeitig entsteht die Frage, ob sich dieser Traum überhaupt lohnt oder sich letztendlich finanziell gar nicht umsetzen lässt. Der folgende Artikel erklärt deshalb die exakten Voraussetzungen, Kosten und die fünf wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Selbstständigkeit.

Voraussetzungen, um sich selbstständig zu machen als LKW-Fahrer

Wer sich selbstständig machen möchte als LKW-Fahrer, will rechtlich betrachtet ein Transportunternehmen im Güterkraftverkehrsgewerbe gründen. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge über 3,5 Tonnen und die Tätigkeit setzt außerdem eine Gewerbeanmeldung voraus. Diese lässt sich wiederum beim Gewerbeamt beantragen und ist leicht zu bekommen. Viel schwieriger ist es dabei, eine offizielle Erlaubnis der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu erhalten. Denn dort existieren bestimmte Vorgaben, die jeder Selbstständige erfüllen muss.

Gewerbe anmelden in 3 Schritten

Schritt 1: Gewerbeanmeldung ausfüllen

Die Gewerbeanmeldung kannst du dir aus dem Internet herunterladen und vor dem Besuch des Gewerbeamtes ausfüllen. Zu den wichtigsten Daten in diesem Formular gehören die Angaben zum Betriebsinhaber und zum Betrieb sowie Angaben zu dir persönlich. Nachdem du auch die Anschrift deines Betriebs eingetragen und die genaue Tätigkeit formuliert hast, fehlt nur noch die Zugabe, ob dein Gewerbe eine spezifische Erlaubnis braucht. Dies wäre beispielsweise bei einer Schankgenehmigung für ein Lokal der Fall.

Schritt 2: Alle notwendigen Formalitäten beachten

Neben dem Formular der Gewerbeanmeldung, musst du weitere Unterlagen für deinen Termin beim Gewerbeamt dabei haben. Zum einen benötigst du deinen Personalausweis oder Reisepass, damit du deine Identität nachweisen kannst. Zum anderen solltest du alle notwendigen Erlaubnisse und Genehmigungen mit dir führen, wie beispielsweise die Handwerkskarte, die Gewerbekarte oder einen Handelsregisterauszug.

Schritt 3: Termin beim Amt

Nun kannst du mit allen erforderlichen Dokumenten einen Termin beim zuständigen Amt ausmachen. Dieses prüft deine Daten und stellt im Anschluss einen Gewerbeschein aus. Nebenbei darfst du aber nicht vergessen, dass du dein Gewerbe auch der Krankenkasse melden musst. Hier kommen dann nochmals erneut Formulare zum Ausfüllen auf dich zu. Ansonsten gibt das Gewerbeamt automatisch deine Informationen zum Gewerbe an alle weiteren Ämtern und Institutionen weiter, so wie dem Finanzamt, der Handelskammer und auch der Handwerkskammer.

IHK-Vorgaben für selbstständige LKW-Fahrer

Die IHK schreibt die sogenannte Erlaubnispflicht für Personen vor, die sich selbstständig machen möchten als LKW-Fahrer. Das heißt, es müssen verschiedene Nachweise und Anforderungen erfüllt werden. Dabei handelt es sich um die folgenden Merkmale:

1. finanzielle Leistungsfähigkeit des zu gründenden Unternehmens

Bei dieser Überprüfung muss der Gründer beweisen, dass er genügend finanzielle Mittel besitzt, um sich selbstständig zu machen als LKW-Fahrer. Dazu gehören das Eigenkapital und die Reserven des Unternehmens. Diese dürfen nicht weniger als 9.000 Euro für das erste Fahrzeug und nicht weniger als 5.000 Euro für jedes weitere Fahrzeug betragen. Außerdem müssen noch sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigungen des Finanzamtes und der Krankenkasse vorgelegt werden. Somit bescheinigen diese Institutionen auch die finanzielle Leistungsfähigkeit und bestätigen, dass keine Schulden vorliegen.

2. Nachweis der unternehmerischen Zuverlässigkeit

Beim Nachweis der unternehmerischen Zuverlässigkeit müssen verschiedene Dokumente vorhanden sein, die bestätigen, dass sich der Gründer tatsächlich selbstständig machen kann als LKW-Fahrer. Deshalb wird zum einen das polizeiliche Führungszeugnis verlangt und auch ein Auszug aus dem Gewerbezentralregister. Dieser Auszug beweist der IHK, dass der Selbstständige die Gewerbeanmeldung ordnungsgemäß durchgeführt hat. An dieser Stelle lohnt es sich zudem, auch über die Rechtsform zu entscheiden. Denn prinzipiell ist jede Rechtsform zulässig, da auch weitere Geschäftsinhaber möglich sind.

3. Nachweis der fachlichen Eignung

Diese letzte Station der Erlaubnispflicht ist die größte Hürde beim selbstständig machen als LKW-Fahrer. Denn hier müssen Gründer vorweisen, dass sie eine fachliche Eignung besitzen und einen LKW überhaupt steuern können. Dazu ist natürlich erst einmal ein LKW-Führerschein der Klasse CE nötig, der im Normalfall mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Damit dürfen dann Lasten bis zu 40 Tonnen bewegt werden, was dem Maximalgewicht von LKW in Deutschland entspricht.

Zusätzlich muss jeder Gründer jedoch bei der IHK noch weitere Nachweise über seine fachliche Eignung vorlegen. Die folgenden Möglichkeiten sind dabei zugelassen:

  • die Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr: besteht aus zwei schriftlichen Teilen und einem mündlichen Teil
  • eine mindestens zehnjährige leitende Tätigkeit in einem Transportunternehmen
  • eine bestandene Abschlussprüfung in einem passenden Ausbildungsberuf: Speditionskaufleute, Kaufleute im Eisenbahn- und Straßenverkehr (Fachrichtung Güterkraftverkehr), Verkehrsfachwirte oder bestimmte Hochschulabschlüsse im Verkehrsbereich

Wer die notwendige fachliche Eignung noch nicht nachweisen kann, muss also im Vorfeld der Gewerbeanmeldung deutlich mehr Zeit einrechnen.

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Kosten für die LKW-Selbstständigkeit

Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, um sich selbstständig zu machen als LKW-Fahrer, steht die Kostenkalkulation an. Denn laut eines Urteils aus September 2017 vom Sozialgericht Stuttgart ist die Selbstständigkeit von LKW-Fahrern an den Besitz eines eigenen Fahrzeugs gebunden. Es ist somit nicht erlaubt, ein Fahrzeug zu mieten und damit die Transporte zu übernehmen. Deshalb ist es wichtig, sich vor der Selbstständigkeit mit den Kosten zu beschäftigen.

Die folgenden Kosten entstehen für Gründer, die sich selbstständig machen als LKW-Fahrer:

  • Startkapital von der IHK gefordert: mindestens 9.000 Euro
  • Führerschein der Klasse CE: ca. 3500 Euro
  • Kauf oder Leasing eines LKW: 200.000 Euro/1.500 Euro monatlich
  • Kosten für Versicherungen: ca. 200 Euro monatlich
  • Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft: 12 Euro pro Monat
  • Gewerbeanmeldung: einmalig 50 bis 80 Euro
  • Ausstattung für den LKW (Navigationsgerät, Ladungssicherung, Zurrgurte etc.): ca. 300 Euro
  • Kraftstoff (pro Tankfüllung Diesel für 250 Liter): 300 Euro

Außerdem können optional noch folgende Kosten entstehen:

  • Kosten für Reparaturen und notwendige Wartungen
  • Büromaterial
  • Handykosten, Internet
  • Ausstattung zur Übernachtung im LKW (Schlafsack, Matratze, etc.)

Insgesamt müssen Gründer, die sich selbstständig machen als LKW-Fahrer und einem Leasing-Fahrzeug, also mit Kosten von 2.000 Euro monatlich rechnen. Dort sind das IHK-Startkapital, der LKW-Führerschein und der benötigte Kraftstoff nicht einbezogen.

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Checkliste: Die 5 wichtigsten Schritte

Um sich endgültig selbstständig machen zu können als LKW-Fahrer, sind insgesamt zahlreiche Vorbereitungen nötig. Damit dabei kein Schritt vergessen wird und alles rechtmäßig abläuft, lohnt es sich eine Checkliste zu erstellen und die einzelnen Punkte abzuhaken.

Die folgende Übersicht über die fünf wichtigsten Schritte kann dabei helfen:

Schritt 1: Voraussetzungen der IHK erfüllen

Die Voraussetzungen, um sich selbstständig zu machen als LKW-Fahrer, werden hauptsächlich von der IHK vorgeschrieben und sollten erfüllt sein. Dazu gehört auch, die Kosten im Blick zu haben und genügend Kapital zu besitzen. Wer dabei auf Kredite angewiesen ist, muss sich deshalb mit den möglichen Finanzierungsformen beschäftigen.

Schritt 2: Gewerbe anmelden

Im zweiten Schritt lässt sich nun das benötigte Gewerbe anmelden. Dafür wird ein festgelegtes Formular beim Gewerbeamt ausgefüllt, in dem bereits alle Eckdaten zur späteren Selbstständigkeit als LKW-Fahrer festgelegt sind. Dazu gehören zum Beispiel die Art der Transporte, das vorgesehene Transportgebiet und die Firmenanschrift.

Schritt 3: LKW kaufen oder leasen

Nun folgt der Kauf oder das Leasing des LKW, wobei Leasing für Selbstständige im Normalfall mehr Sinn macht. Dafür lohnt es sich, die örtlichen Speditionen zu kontaktieren und auf Verkaufsplattformen im Internet zu recherchieren. Oftmals sind auch Angebote aus dem Ausland besonders günstig, wobei eine europäische TÜV-Plakette trotzdem vorhanden sein muss.

Schritt 4: Versicherungen abschließen

Abgesehen von den Vorgaben rund um die Erlaubnispflicht, gilt für Personen beim selbstständig machen als LKW-Fahrer auch eine Versicherungspflicht. Die rechtliche Grundlage hierfür bildet Paragraf 7a des Güterkraftverkehrsgesetzes. Demnach ist eine Haftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von 600.000 Euro vorgeschrieben. Zusätzlich sollten Kraftfahrer jedoch auch eine Krankenversicherung, Rentenversicherung und Pflegeversicherung abschließen.

Schritt 5: Aufträge erhalten

Wer mit seinem eigenen LKW unterwegs sein möchte, braucht natürlich auch lukrative Aufträge. Generell werden täglich tausende Fahrer gesucht, um die Waren durch ganz Deutschland zu transportieren. Doch es braucht die richtige Strategie, um an die Aufträge heranzukommen. Dafür bieten sich die folgenden Wege an:

  • Anmeldung bei Internet-Portalen für Dienstleister
  • Anmeldung bei speziellen Internet-Fracht-Börsen
  • Suche auf Internetplattformen für Kleinanzeigen
  • Bewerbungen bei Speditionen
  • Kleinanzeigen schalten in Tageszeitungen

Insgesamt macht es übrigens wenig Sinn, besonders günstige Preise anzugeben oder die Konkurrenz unterbieten zu wollen. Schließlich soll es sich auch langfristig finanziell lohnen, sich selbstständig zu machen als LKW-Fahrer. Deshalb ist es sinnvoll, ca. 50 bis 65 Euro als Stundenlohn zu verlangen.

Fazit

Kraftfahrer werden immer gesucht und können sich lukrative Aufträge sichern. Doch besonders für Einsteiger gilt: Der erste Eindruck zählt. Deshalb solltest du als beim selbstständig machen als LKW-Fahrer darauf achten, die Ware möglichst pünktlich abzuliefern. Außerdem ist es wichtig, sich auch in der Rechnungsstellung und Buchhaltung auszukennen, um direkt einen professionellen Eindruck zu vermitteln. Wenn du dich gut vorbereitest und deine Auftraggeber von deiner Zuverlässigkeit überzeugen kannst, steht einem erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit nichts mehr im Wege.

Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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