Was du auf dem Weg in die Selbstständigkeit beachten solltest

Selbstständig machen als Friseur: So geht es richtig

Ob kurz oder lang, glatt oder gelockt, blond oder brünett – Haare sind für einen Großteil der Menschen ein relevantes Thema, denn eine gepflegte Frisur bestimmt maßgeblich das äußere Erscheinungsbild. Kein Wunder also, dass der Friseur-Beruf zu den traditionellen Handwerken zählt und wohl niemals aus der Mode kommen wird. Neben Geschick mit der Schere, einem Sinn für Kreativität und Ästhetik, erfordert der Job auch eine soziale Ader, um im direkten Kundenkontakt glänzen zu können. Wer sich als Friseur den großen Traum von der Selbstständigkeit erfüllen möchte, sollte sich zudem gezielt kaufmännisches Wissen aneignen. Im Folgenden verraten wir dir, was du unbedingt beachten solltest, um dich als Friseur selbstständig zu machen.

Zu allererst gilt es, die grundsätzlichen Voraussetzungen für den Schritt in die Selbstständigkeit zu klären. Durch die Anlage A der Handwerksordnung ist festgelegt, dass es sich bei der Friseur-Tätigkeit um ein zulassungspflichtiges Handwerk handelt. In diesem Sinne ist ein Meistertitel für die Unternehmensgründung unbedingt notwendig. Erst dieser ermöglicht die Eintragung in die Handwerksrolle sowie die Gewerbeanmeldung zum Erlangen eines Gewerbescheins.

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Selbstständig machen als Friseur ohne Meistertitel

Nur in Einzelfällen kannst du dich auch ohne Meister-Abschluss selbstständig machen. Für eine Ausnahmeregelung ist der Nachweis einer mehrjährigen Berufserfahrung in leitender Position notwendig. Dann greift die sogenannte ‚Altgesellen-Regelung‘, laut der ein Meistertitel durch eine Anerkennung nach Berufsjahren verliehen werden kann.

Wer davon bei der Handwerkskammer noch nicht genügend vorweisen kann, dem bleiben noch zwei weitere Optionen: Die meist kostspielige Einstellung eines Meisterfriseurs in Vollzeit und in leitender Position oder die Beantragung einer ‚Reisegewerbekarte‘. Diese wird beim zuständigen Gewerbeamt gestellt und ermöglicht eine selbstständige Tätigkeit als Friseur mit der Einschränkung auf Haustürgeschäfte, das heißt ohne festen Salon beziehungsweise Standort.

Mobiler Friseur, Salon-Übernahme, Franchise oder Neueröffnung?

Sich als Friseur selbstständig zu machen, bedeutet nicht gleich die Eröffnung eines eigenen Salons mit allem, was dazu gehört. Es gibt auch andere Konzepte, die dir möglicherweise mehr zusagen:

Mobiler Friseur

Es braucht nicht gleich ein eigenes Geschäft, um das Friseur-Handwerk selbstständig auszuüben. Ein mobiler Friseur hat keinen festen Standort, sondern wird von seinen Kundinnen und Kunden meist nach Hause bestellt. Dies bringt den Vorteil von geringeren Betriebskosten mit sich. Die Fahrtkosten fließen in die Bezahlung mit ein. Zudem lernen mobile Friseure ihre Kundinnen und Kunden sehr gut kennen und bauen eine direkte Beziehung zu ihnen auf.

Das Beste: Als mobiler Friseur kannst du dich auch ohne Meistertitel selbstständig machen! Du solltest jedoch mit flexiblen – oft unvorhersehbaren – Arbeitszeiten umgehen können und kein Problem damit haben, viel Zeit hinter dem Lenkrad zu verbringen. Dann könnte diese Form der Selbstständigkeit genau das richtige für dich sein!

Salon-Übernahme

Wenn du nicht komplett von Null starten willst, kannst du einen bereits bestehenden Friseursalon übernehmen. Gerätschaften und das Personal kannst du beim Verkauf dann direkt übernehmen. Ein großes Plus ist auch, dass der alte Kundenstamm von Beginn an seinen Weg zu dir finden wird. So ersparst du dir jede Menge Arbeit und kannst direkt mit dem Haare schneiden loslegen!

Franchising

Du kannst dich auch in ein Franchise-Unternehmen einkaufen. In diesem Fall wird dir vom Franchise-Geber ein bereits erprobtes Geschäftsmodell zur Verfügung gestellt. Dies umfasst unter anderem das Corporate Design, die Markenidentität sowie Produkte und Lieferanten. Hier musst du dich an vertraglich festgelegte Vorgaben halten und hast in vielen Bereichen nicht das alleinige Bestimmungsrecht darüber, wie du deinen Laden führen willst. Dafür werden dir vom Franchise-Anbieter Schulungen zur Weiterbildung bezahlt. Außerdem kannst du deinen Salon oft sogar ohne Meisterbrief eröffnen!

Neueröffnung

Der komplette Neuaufbau eines Salons bringt natürlich die meiste Arbeit mit sich. Du musst alles selber auf die Beine stellen – vom Finden einer geeigneten Lokalität, über den Umbau bis hin zur Anwerbung von Neukunden. Das bedeutet ein hohes Risiko und erfordert eine große Portion unternehmerischen Ehrgeiz. Wenn du bereit bist, jede Menge Schweiß und Energie in deine Selbstständigkeit zu investieren, kann sich der Aufwand aber definitiv lohnen!

Einschätzung der Konkurrenz

Danach sollten die Rahmenbedingungen für dein Unternehmen abgesteckt werden. Hierbei müssen alle Faktoren berücksichtigt werden, von denen maßgeblich abhängt, welche Erfolgsaussichten ein möglicher eigener Friseur-Salon besitzt. Bei einer intensiven Recherche sollte zu Beginn die Konkurrenzsituation unter die Lupe genommen werden. So wird ersichtlich, wie viele Betriebe bzw. Friseure sich im Umkreis deines favorisierten Standortes oder Radius bereits etabliert haben und inwiefern die Anzahl der potentiellen Kunden im Verhältnis zu betrachten ist. Es ergibt wenig Sinn, das eigene Geschäft in einem Gebiet zu gründen, das von der Angebotsseite aus bereits übersättigt ist. Vielleicht arbeitest du dann zum Beispiel besser als mobiler Friseur in einem sehr ländlichen Gebiet?

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Nicht allen Klischees Glauben schenken

Es handelt sich inzwischen um ein Klischee, dass „jeder ja irgendwann einmal zum Friseur gehen muss“. Untersuchungen haben nachgewiesen, dass gut ein Drittel der deutschen Bürger regelmäßig nicht zum Friseur geht und sich stattdessen bei Privatpersonen aus der eigenen Familie oder dem Bekanntenkreis die Haare schneiden lässt. Bei dem Aufbau einer Stammkundschaft solltest du dich nicht darauf konzentrieren müssen, Stammkunden von anderen Salons abzuwerben. Besser ist es, dort Nischen füllen, wo noch Luft für neue Mitstreiter besteht. Grundsätzlich gilt dabei, dass die Konkurrenz in Städten – besonders in Stadtzentren – größer ist, als in eher außerhalb gelegenen Gebieten.

Ein Blick auf die Zahlen

2018 gab es laut Statista.de bundesweit rund 80.600 Friseurbetriebe. Das bedeutet einen Zuwachs von etwa 500 Betrieben innerhalb von zehn Jahren – und das, obwohl die Anzahl von Friseurbesuchen auf längere Sicht rückläufig ist. Weitere Zahlen besagen, dass Männer knapp sieben Mal jährlich den Weg zum Friseur finden, während es bei Frauen nur knapp sechs Besuche sind. Andererseits lassen sich Frauen eine neue Frisur wesentlich mehr kosten: sie geben rund 50 Euro pro Termin aus; Männer lediglich gut 16 Euro. Der Jahresumsatz der Branche liegt bei etwa 6,7 Milliarden Euro. Solche Angaben solltest du bei der Planung deines Betriebs unbedingt einkalkulieren!

Externe Geldgeber mit professionellem Businessplan überzeugen

Du musst also einen geeigneten Standort für deinen Salon finden, an dem die Konkurrenz moderat ist und im Idealfall auch Laufkundschaft auf den Laden aufmerksam wird. Anschließend gilt es, einen Businessplan zu erstellen. Dieser sollte auf festen Fakten gründen und bietet einen zielorientierten Rahmen für deinen wirtschaftlichen Erfolg. In diesem muss nachgewiesen werden, dass und in welcher Höhe deine Fixkosten (Miete, Mitarbeiterlohn und Energiekosten) durch die zukünftigen Einnahmen überstiegen werden. Dadurch ist ersichtlich, in welcher Größenordnung sich die Gewinnmargen bewegen werden.

Eine durchdachte und nachvollziehbare Preiskalkulation hat das Potential, externe Geldgeber von deiner Gründungsidee zu überzeugen. So musst du im Idealfall nicht nur auf Eigenkapital zurückgreifen, sondern bist mit einer finanziell möglichst breiten Förderbasis ausgestattet. Möglichkeiten zur Förderung bieten zum Beispiel die KfW-Bankengruppe sowie Förderprogramme und finanzielle Hilfen bestimmter Bundesministerien an.

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Selbstständig als Friseur: Diese Anmeldungen müssen erfolgen

In einem letzten – nicht minder wichtigen – Punkt müssen außerdem einige bürokratische Maßnahmen ergriffen werden. Zusammengefasst solltest du Folgendes erledigen, wenn du dich als Friseur selbstständig machen willst:

  • Mit der bereits erwähnten Eintragung in die Handwerksrolle zeigst du der örtlichen Handwerkskammer deine Betriebsaufnahme an.
  • Auch eine Gewerbeanmeldung muss bei der zuständigen Behörde erfolgen.
  • Ebenfalls musst du das Finanzamt über deine selbstständige gewerbliche Tätigkeit informieren. Dies geschieht durch die Gemeinde nach der Gewerbeanmeldung. Du bekommst dann einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (Betriebseröffnungsbogen) zugesendet.
  • Für Friseurbetriebe gilt keine Pflicht zur Haftpflichtversicherung. Dennoch sollten verschiedene Versicherungen abgeschlossen werden, die unter anderem unternehmerische, betriebliche und persönliche Risiken abdecken – sprich: Rechtsschutzversicherung, Berufshaftpflichtversicherung, Kranken- und Rentenversicherung.
  • Darüber hinaus muss eine Rechtsform für deine Firma bestimmt werden. Informier dich, ob eine GmbH, UG (haftungsbeschränkt), GbR, AG, OHG oder Limited am besten passt. Davon hängt auch maßgeblich die Namenswahl für deinen Salon ab.
  • Obwohl für Selbstständige grundsätzlich keine Versicherungspflicht in den Sozialversicherungen besteht, musst du dennoch eine Kranken- und Pflegeversicherung abschließen.
  • Nach der Beantragung einer Betriebsnummer bei der zuständigen Agentur für Arbeit muss du jeden Mitarbeiter mit seinem Sozialversicherungsausweis anmelden, um monatlich Sozialversicherungsbeiträge an die Krankenkasse abzuführen.

Fazit

Es erfordert ein gewisses fachliches Know-How, um sich als Friseur selbstständig zu machen. Doch wenn du unsere Tipps beherzigst, kannst du dich deinem Ziel bereits mit großen Schritten nähern. Was du beachten solltest, wenn du die Eröffnung deines neuen Friseursalon planst, erklären wir dir in einem weiteren Beitrag.

https://www.gruender.de/eigenen-friseursalon-eroeffnen/

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Über den Autor

Nicole Reich

Nicole entschied sich nach ihrem Abitur 2014 für ein Studium an der Universität Trier, wo sie die Fächer Germanistik und Medienwissenschaften belegte. Im Rahmen eines 3-monatigen Pflichtpraktikums bei einer Agentur in Köln sammelte sie erste Erfahrungen auf dem Gebiet des Online-Marketings. Bei einem weiteren Praktikum in der Stabstelle „Marketing und Kommunikation“ eines Reise-Unternehmens in Saarburg produzierte sie als Redakteurin für verschiedene Online-Portale Content und konnte somit ihre schreiberischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Nach dem Ende ihres Masters schreibt sie nun als Online-Redakteurin für Gründer.de.

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