So eröffnest du deine eigene Praxis

Selbstständig machen als Arzt: Worauf kommt es an?

Du überlegst Arzt zu werden oder bist es schon und möchtest dich über die Selbstständigkeit als solcher informieren? Dann kannst du in diesem Artikel alle wichtigen Voraussetzungen für das Eröffnen einer Arztpraxis erfahren. Denn die Selbstständigkeit als Arzt sollte nicht unterschätzt werden, da neben den fachlichen Herausforderungen auch die eines Unternehmers hinzukommen. Wir erklären dir, worauf es dabei ankommt und wie du als Arzt und Gründer erfolgreich deine Praxis führen kannst.

Selbstständig machen als Arzt: Die Grundvoraussetzungen

Als Grundvoraussetzung solltest du ein erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium vorweisen können. Um Patienten fachgerecht und ordnungsgemäß behandeln zu können, brauchst du ein fundiertes Fachwissen. Je nachdem welche Fachrichtung du in deiner Praxis anbieten und ausüben möchtest, musst du vorher deinen Facharzt gemacht haben und brauchst dann einen entsprechenden Fachkundenachweis. Darüberhinaus geht nichts an der Approbation vorbei. Diese Genehmigung zur Berufsausübung brauchen unter anderem auch Zahnärzte, Apotheker und Psychotherapeuten. Mit der Approbation darfst du deiner Tätigkeit als Arzt uneingeschränkt nachgehen, weshalb du diese bereits vor der Berufsausübung beantragen musst. Diese Zulassung wird entsprechend der Approbationsordnung von der zuständigen Behörde des Bundeslandes erteilt. Voraussetzung dafür ist vor allem ein erfolgreich abgeschlossenes Staatsexamen.

Die meisten Ärzte entscheiden sich für die Weiterbildung zu einem Facharzt. Meistens arbeiten die jungen Ärzte erstmal in einem Krankenhaus, um ihre Assistenzzeit zu absolvieren, wichtige Erfahrungen zu sammeln und ein fundiertes Fachwissen auszubauen. Diese Zeit wird auch des öfteren genutzt, um den Doktortitel zu erwerben, wobei dieser auch bereits während des Studiums erlangt werden kann.

Formale Voraussetzungen für die Praxiseröffnung

Wenn du dich als Arzt selbstständig machen möchtest, musst du kein Gewerbe anmelden. Denn als Arzt bist du Freiberufler und fällst somit nicht unter die Gewerbepflicht. Um in der eigenen Praxis Patienten behandeln zu dürfen, musst du im Arztregister eingetragen sein. Zudem musst du einen schriftlichen Zulassungsantrag beim Zulassungsausschuss einreichen. Dafür solltest du einige Dokumente vorlegen können, wie einen Auszug aus dem Arztregister, den Tätigkeitsnachweis seit der Approbation, die Facharzturkunde, einen Lebenslauf sowie ein polizeiliches Führungszeugnis.

Entscheidung über die Art der Praxis

Nachdem du alle Voraussetzungen erfüllst, solltest du dir über die Art deiner Praxis Gedanken machen. Damit ist nicht nur gemeint, ob du lediglich Privatpatienten behandeln möchtest oder auch gesetzlich Versicherte und Selbstzahler, sondern auch, ob du eine Praxis gründest oder übernimmst. Grundsätzlich hast du hier drei Möglichkeiten.

Eine eigene, neue Praxis

Wenn du eine eigene Praxis neu gründen möchtest, musst du dir über einige Dinge bewusst werden. Für die Ersteinrichtung kommen sehr hohe Kosten auf dich zu. Eine komplette Praxiseinrichtung ist sehr teuer, wodurch du sicherlich erst einmal eine Kredit benötigst. Nicht nur die hohen Kosten sind eine enorme Herausforderung, sondern auch die Tatsache, dass du einen geeigneten Standort finden musst, sowie fähiges Personal. Letzteres ist besonders schwierig und extrem wichtig, denn mit deinem Praxispersonal steht und fällt dein Erfolg. Und dieser kann sich definitiv nicht einstellen, wenn du keine Patienten hast. Daher wartet hier eine weitere Hürde auf dich: der Patientenstamm. Denn die Leute müssen erst noch von dir und deiner Praxis erfahren. Vorteile bei einer Neugründung sind aber vor allem die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit. Du kannst die Praxis nach deinen Wünschen errichten und beim Personal die Menschen einstellen, mit denen du auf einer Wellenlänge bist.

Praxisübernahme

Im Gegensatz zu einer Neugründung, kannst du auch eine Praxis übernehmen. Auch hier kommen hohe Kosten auf dich zu, da du an den Praxisvorgänger eine Abstandszahlung tätigen musst. Und das kann auch sehr teuer werden, da du quasi einen bestehen Patientenstamm bekommst, ein bestehendes und eingearbeitetes Praxisteam als auch eine fertig eingerichtete Praxis. Auch hierfür wirst du als jüngerer Arzt sicherlich einen Kredit aufnehmen müssen, hast dafür aber auch mehr Sicherheiten als bei einer Neugründung. Denn du startest mit einer laufenden Praxis und einem funktionierendem Team. Doch auch hier kannst du in Absprache mit dem Team deine Änderungswünsche umsetzen und hast daher auch hier eine gewisse Gestaltungsfreiheit.

Einstieg in eine Gemeinschaftspraxis

Die dritte Möglichkeit ist der Einstieg in eine bestehende Praxis. Hier würdest du mit anderen Ärzten die Praxis gemeinschaftlich führen. Großer Vorteil ist, dass kaum Anschaffungskosten anstehen, ein bestehender Patientenstamm vorhanden ist sowie ein eingearbeitetes Praxisteam und ein Praxisstandort. Hier sind die Einstiegsrisiken wirklich gering und die Work-Life-Balance oftmals sehr gut, da du mit deinen Kollegen die Arbeitszeiten aufteilen kannst. Doch in einer Gemeinschaft ist die Umsetzung von Entscheidungen etwas komplexer, da alle mit den Neuerungen einverstanden sein müssen, wodurch hier die Gestaltungsfreiheit sehr gering ist.

Businessplan für Praxisgründung

Businessplan erstellen in 10 Schritten

Schritt 1: Idee, Angebot und die Zielgruppe

Im ersten Kapitel gibst du direkt einen ersten Eindruck davon, wie das Konzept deines Unternehmens aussehen soll. Was ist deine Grundidee? Wie kannst du anderen mit deiner Idee helfen und was genau ist dein Ziel? Das solltest du sehr präzise bestimmen und beschreiben können. Darüber hinaus solltest du dir genau überlegen, wer deine Zielgruppe ist und diese ebenfalls konkret definieren. Damit wird es dir im folgenden Kapitel leichter fallen, eine Marktanalyse anzufertigen.

Schritt 2: Markt und Wettbewerb

Hier geht es darum, sich intensiv mit dem Markt und den Mitbewerbern auseinanderzusetzen. Wie groß ist der Markt? Lohnt es sich hier ein Business zu starten? Mache dir bewusst, welche Wettbewerber du hast. Damit du nicht schon zu Beginn des Markteintritts stark mit diesen zu kämpfen hast, solltest du dir überlegen, was du besser machen kannst. Fertige die Analyse so detailliert wie nur möglich an, um perfekt auf deinen Start ins Business vorbereitet zu sein.

Schritt 3; Visionen und Ziele bestimmen

Besonders wichtig für dich als Unternehmer und für dein restliches Team ist es, genau Ziele und Visionen festzulegen, auf die ihr gemeinsam hinarbeiten könnt. Nur wenn du dieses Ziel einmal mit deinem Team oder deinen Gründern festgelegt hast, ist es dir möglich, die darauf abgestimmten Maßnahmen festzulegen. Sie geben dir eine Richtung vor, auf die eine Strategie aufgebaut werden kann.

Schritte 4: Deine Strategie

Auch die Strategie muss sehr gut durchdacht werden. Schließlich musst du mit ihr zu deinen Zielen gelangen. Hier musst du dir vor allem überlegen, welchen Nutzen dein Unternehmen deinen Kunden bringt. Und wie kannst du diesen Nutzen am besten umsetzen? Überlege dir in jedem Fall eine bessere Strategie als deine Mitbewerber und prüfe, was du besser machen kannst als sie. Auch alternative Strategien können sinnvoll sein, da nie gesagt ist, dass die erste Strategie direkt auf Anhieb funktioniert.

Schritt 5: Marketing

Auch die Strategie muss sehr gut durchdacht werden. Schließlich musst du mit ihr zu deinen Zielen gelangen. Hier musst du dir vor allem überlegen, welchen Nutzen dein Unternehmen deinen Kunden bringt. Und wie kannst du diesen Nutzen am besten umsetzen? Überlege dir in jedem Fall eine bessere Strategie als deine Mitbewerber und prüfe, was du besser machen kannst als sie. Auch alternative Strategien können sinnvoll sein, da nie gesagt ist, dass die erste Strategie direkt auf Anhieb funktioniert.

Schritt 6: Rechtsform und Steuern

Ein sehr unbeliebtes, aber trotzdem sehr wichtiges Thema: Die Wahl der Rechtsform und alles rund um die Steuern. Hier schreibst du nieder, für welche Rechtsform du dich entschieden hast, welche Genehmigungen du für dein Unternehmen brauchst, wie dein Unternehmen heißen soll und alles weitere, was in Richtung Buchhaltung geht.

Schritt 7: Gründerteam und Organisation

In diesem Kapitel gibst du an, wie ihr als Firma organisiert seid. Hast du einen Partner? Wer ist alles in deinem Gründerteam? Hier muss ersichtlich werden, wer für was verantwortlich ist, welche Strukturen ihr noch aufbauen wollt, wer schon alles im Unternehmen tätig ist und wer noch dazu kommt. Auch die Meilensteine, die du mit deinem Unternehmen erreichen willst, werden hier eingetragen.

Schritt 8: Finanzen

Die Finanzen bilden den Hauptteil deines Businessplans und müssen sehr genau berechnet und überprüft werden. Hier solltest du dir möglichst keine Fehler erlauben. Wo steht ihr gerade mit eurem Unternehmen, wie viel Kapital benötigt ihr noch und wann ist der Break-Even-Point geplant? – All das sind wichtige Fragen, die in dem Finanz-Teil berücksichtigt werden müssen. Spätestens hier ist es sinnvoll, ein geeignetes Tool zur Hand zu haben, mit dem sich alles leichter ausrechnen lässt.

Schritt 9: SWOT-Analyse

Nach den ganzen Zahlen folgt anschließend die SWOT-Analyse. SWOT steht für Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats. Hier listest du also die Stärken, Schwächen, Stärken und Risiken deines Unternehmens auf und erklärst diese. Im nächsten Schritt müssen dann Maßnahmen getroffen werden, wie mit den Ergebnissen umgegangen wird, damit die Chancen maximiert und die Risiken minimiert werden können.

Executive Summary

Als letztes Kapitel folgt die Executive Summary, eine aussagekräftige Zusammenfassung deines Businessplans. Hier werden nochmal die wichtigsten Punkte deines Businessplans zusammengefasst, um den Investoren und Banken einen guten Überblick über dein Unternehmen zu geben. Erwähne hier also nochmal die wichtigsten Kernaussagen der Geschäftsidee, deines Teams, der Marktanalyse, der Chancen und Risiken und der Finanzierung.

Wenn du mit deiner eigenen Praxis durchstarten möchtest, dann solltest du, wie alle angehenden Selbstständigen, einen Businessplan verfassen. In diesen Businessplan schreibst du deine Vision der Praxis, aber auch konkrete Daten wie bspw. die Konkurrenzlage aussieht, was die Vorteile des Standorts sind, welche Ausstattung du benötigst, wie viel Personal du einstellen willst, wie du an deine Patienten kommst und vor allem wie hoch die Kosten sind.

Anhand dieser Aufstellung können dann Geldgeber entscheiden, wie hoch die Investitionssicherheit ist. Doch nicht nur für die Geldgeber und Investoren ist ein Businessplan notwendig, sondern auch für deine Orientierung. Anhand eines realistischen und ordentlich angefertigten Kostenplans für die nächsten Jahre, kannst du immer wieder überprüfen, ob du zum aktuellen Stand immer noch im Zeitrahmen bist. Durch die Recherche von Zahlen der Branche lernst du viel und bekommst einen wichtigen Überblick. Denn hier musst du nicht nur als Arzt denken, sondern eben auch als Unternehmer.

Hier entscheidet sich auch welche Rechtsform deine Praxis einnimmt. Schließt du dich mit mehreren zusammen, könnten eine GbR, eine Partnergesellschaft oder eine GmbH in Frage kommen. Bleibst du alleine, bist du einfach Freiberufler.

Vermarktung der Praxis

Gerade bei einer Neugründung ist die Vermarktung der eigenen Praxis sehr wichtig. Denn wenn niemand von deiner Praxis erfährt, kommt auch keiner. Daher solltest du schauen, dass man dich im Internet finden kann. Dafür solltest du eine anschauliche und übersichtliche Webseite haben, die den Patienten ausreichend informiert. Investiere hier etwas Zeit und Mühe hinein, da dies ein wichtiges Aushängeschild darstellt – besonders dann, wenn du eben keinen großen Patientenstamm vorweisen kannst. Mit Bildern deines Teams und einem kurzen Text, kannst du direkt Nähe schaffen und durch ein sympathisches Auftreten Vertrauen aufbauen.

Zusätzlich kannst du deine Praxis auch auf Bewertungsportalen anmelden, sodass Patienten ihre Behandlung bei dir bewerten können. Bei guten Bewertungen erhöht sich die Chance, dass dadurch mehr Patienten auf dich aufmerksam werden. Grundsätzlich solltest du auch bei Google Maps auffindbar sein, da viele Patienten oftmals den nächsten Arzt in ihrer Nähe suchen.

Fazit: Selbstständig machen als Arzt

Wenn du nun überlegst dich als Arzt selbstständig zu machen, dann solltest du zuerst prüfen, ob du alle erforderlichen Voraussetzungen mitbringst und wie deine Selbstständigkeit genau aussehen soll. Hier gibt es kein besser oder schlechter – es hängt im wesentlichen von deinen Wünschen und Vorstellungen ab. Du solltest dich fragen: Wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen? Möchte ich mein eigener Chef sein? Wie soll mein Arbeitsalltag aussehen? Wie sehen die Erfolgschancen bei meinem Standort aus?

Wenn du dich dann entschieden hast, folgen noch weitere Genehmigungen wie die Meldung deiner Praxis an die Ärztekammer und an das Gesundheitsamt und das Finanzamt. Ebenso musst du dich für die eventuelle Nutzung von Geräten beim TÜV melden und für die Beschäftigung von Personal bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Generell lohnt es sich gerade beim Start der Praxis zusammen mit einem Experten alle wichtigen Fakten zu klären. Denn Bereiche wie Steuern oder Rechtsgrundlagen sind komplex aber eben sehr wichtig für die Selbstständigkeit als Arzt.

Über den Autor

Autorenprofil: Lisa Goldner

Lisa Goldner

Nach ihrem Abitur 2013 entschied sich Lisa für ein Studium des Journalismus als auch der Unternehmenskommunikation und konnte durch den nahen Praxisbezug ein breit gefächertes Repertoire an Kenntnissen beider Branchen sammeln. Während des Studiums arbeitete sie als Assistenz der Öffentlichkeitsarbeit in einem öffentlich-rechtlichen Kulturbetrieb und erlernte somit auch essenzielle Aufgaben des Eventmanagements. Im Anschluss begann sie in Kiel den Masterstudiengang ”Angewandte Kommunikationswissenschaft“, in dem sie ihre Erfahrungen durch Projekte und wissenschaftliche Arbeiten besonders in den Bereichen Journalismus und Marketing ausbauen konnte. Seit Januar 2020 ist Lisa Volontärin in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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