So steigst du ins Handwerk ein und wirst dein eigener Chef

Selbstständig machen als Handwerker: Der Weg zum eigenen Betrieb

Rund eine Million klein- und mittelständische Handwerksbetriebe gibt es derzeit in Deutschland. Damit ist das Handwerk eine der größten Branchen in Deutschland – kein Wunder, denn an handwerklichem Fachwissen besteht konstanter Bedarf. Egal ob Tischler, Elektriker oder Maler: Viele Angestellte in Handwerksberufen davon, einen eigenen Handwerksbetrieb zu gründen und sich selbstständig zu machen als Handwerker. Im Folgenden erfährst du, was du wissen solltest, wenn du dich als Handwerker selbstständig machen willst.

Wie das genaue Verfahren aussieht, um dich mit deinem Handwerk selbstständig zu machen, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit und der Handwerksfirma ab. Die Handwerksbranche umfasst über 150 Berufsstände, um eine Handwerksfirma gründen zu können, die sich in drei Gewerbesorten für selbstständige Handwerker unterteilen lassen:

1. Zulassungspflichtiges Handwerk

Für die selbstständige Tätigkeit in einem zulassungspflichtigen Handwerk liegt die Meisterpflicht zugrunde. Das bedeutet für Gründer, dass sie einen von der Handwerkskammer verliehenen Meistertitel vorweisen müssen, um einen eigenen Handwerksbetrieb zu gründen. In Einzelfällen kann die Meisterpflicht jedoch durch die sogenannte Altgesellen-Regelung für eine Handwerksfirma umgangen werden. Voraussetzung hierfür sind Belege darüber, dass der Gründer mindestens sechs Jahre Berufserfahrung als Geselle hat. Davon müssen mindestens vier Jahre in leitender Position absolviert worden sein, um sich selbstständig zu machen im Handwerk. Eine weitere Möglichkeit bietet die Einstellung eines Meisters in Vollzeit und leitender Position im zu gründenden Betrieb. Prüfe unbedingt vorab, ob du die geforderten Voraussetzungen für selbstständige Handwerker erfüllen kannst!

2. Zulassungsfreies Handwerk

Im Falle eines zulassungsfreien Handwerks ist kein Meistertitel notwendig, um einen Handwerksbetrieb zu gründen. Gegebenenfalls können jedoch andere Gewerbeerlaubnisse für eine Gewerbezulassung im Handwerk erforderlich sein. Uhrmacher und Maßschneider zählen unter anderem zum zulassungsfreien Handwerk und können damit ohne Meisterpflicht eine Handwerksfirma führen. Das heißt, dort können sich Gründer ohne Zulassung eine Handwerksfirma gründen und als Handwerker selbstständig machen.

3. Handwerksähnliche Gewerbe

Das gleiche gilt für die sogenannten handwerksähnlichen Gewerbe, in denen sich eine Handwerksfirma gründen lässt. Auch hier können sich Gründer ohne Meistertitel und weitere Zulassungsvoraussetzungen selbstständig machen. In diese Kategorie beim Handwerk fallen zum Beispiel Rohr- und Kanalreiniger, Theater- und Ausstattungsmaler sowie Klavierstimmer als selbstständige Handwerker.

Die Handwerkskammer als zentrale Anlaufstelle

Bei allen Fragen, die es beim selbstständig machen als Handwerker zu klären gilt, ist die erste Anlaufstelle immer die Handwerkskammer. An welche Handwerkskammer du dich für deine Handwerksfirma wenden musst, ist vom Bundesland und dem jeweiligen Gebiet abhängig. Für Gründer und die, die es werden wollen, bietet die Handwerkskammer eigene Existenzgründerseminare für selbstständige Handwerker an. Hier kannst du dir unter anderem kaufmännisches Know-How für das Handwerk aneignen, das essentiell ist, um sich als Handwerker selbstständig zu machen.

Der Businessplan beim selbstständig machen im Handwerk

Nachdem du überprüft hast, ob du alle notwendigen Voraussetzungen für den Schritt in die Selbstständigkeit mitbringst, geht es an einen professionellen Businessplan. Diesen sollte jeder Gründer im Vorfeld erstellen – da bildet das Handwerk mit der Handwerksfirma keine Ausnahme. Darin solltest du unter anderem die folgenden Punkte klären, bevor du einen Handwerksbetrieb gründen kannst:

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1. Konkurrenzanalyse für den Handwerksbetrieb

Handwerker sind in ihrer Leistungserbringung in stärkerem Maße regional gebunden als Unternehmer in anderen Branchen. Darum gilt es, die potentiellen Mitbewerber am jeweiligen Standort zu überprüfen. Wie viele Handwerker gibt es bereits, die in meinem Fachbereich und einer Handwerksfirma tätig sein? Besteht dementsprechend Bedarf an deinem Handwerk? Wie groß ist deine Zielgruppe mit potentiellen Kunden, wenn du dich entscheidest, dich als Handwerker selbstständig zu machen?

2. Leistungsangebot und Preise der Handwerksfirma

Von Beginn an sollte auch festgelegt werden, welche konkreten Dienstleistungen du im Handwerk erbringen möchtest. Was sind deine Kompetenzen und für welche Fachbereiche müsstest du extra Personal anstellen? Durch welche Zusatzangebote kannst du dich von deiner Konkurrenz abheben? Manche Betriebe bieten auch nicht-handwerkliche Leistungen wie zum Beispiel den Vertrieb von Ersatzteilen an. In diesem Fall wird eine doppelte Kammermitgliedschaft notwendig und du musst dich auch bei der Handelskammer anmelden. Bei der Preisgestaltung kannst du dich als selbstständiger Handwerker an deinen Mitbewerbern orientieren. Dabei gilt es jedoch nicht, die Konkurrenz zu unterbieten, denn „Qualität hat ihren Preis“. Deine Mitarbeiter erwarten für faire Arbeit auch fairen Lohn, wenn du einen Handwerksbetrieb gründen möchtest.

3. Finanzierung des Handwerksbetriebs

Auch ein detaillierter Finanzplan ist Teil deines Businessplans. Im Rahmen dessen musst du die Höhe des Kapitalbedarfs für die Gründung deines Handwerksbetriebs berechnen. Von Anmeldegebühren bis hin zu Miet- und Personalkosten darf hier nichts fehlen! Welche Anschaffungen müssen getätigt werden? Möchtest du einen Ein-Mann-Betrieb leiten oder Mitarbeiter einstellen? Wenn ja, wie viele Mitarbeiter soll deine Handwerksfirma haben? Da Handwerker üblicherweise in Vorkasse gehen und erst im Anschluss an getane Arbeit entlohnt werden, musst du in der Anfangsphase mit finanziellen Engpässen rechnen.

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Die wenigsten Handwerker, die sich selbstständig machen, kriegen sämtliche Kosten mit Eigenkapital gestemmt. Hier können Bankenkredite mittelfristig Unterstützung leisten. Zudem kannst du spezielle Fördermittel und Bezuschussungen beantragen, die sich nach dem Bundesland und deiner Lebenssituation richten. Grundsätzlich solltest du das benötigte Finanzpolster für die erste Zeit großzügig kalkulieren, damit dein Betrieb ausreichend Zeit hat, um sich am Markt zu etablieren.

Anmeldungen und Behördengänge für das Handwerk erledigen

Wenn du dich als Handwerker selbstständig machen willst, musst du zuerst der Handwerkskammer einen Besuch abstatten. Je nach zulassungspflichtigem oder zulassungsfreiem Handwerk beziehungsweise handwerksähnlichem Gewerbe trägst du dich dort in die jeweilige Handwerksrolle ein. Dafür fällt eine Anmeldegebühr an, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Die Handwerkskammer benachrichtigt im Anschluss das Finanzamt über deine Handwerksfirma. Dieses reagiert auf die Gewerbeanmeldung mit der steuerlichen Erfassung deines Betriebs über einen Fragebogen. Hast du alle erforderlichen Daten eingereicht, wird dir eine Steuernummer zugewiesen, damit du einen Handwerksbetrieb gründen kannst.

Die passende Rechtsform für deinen Handwerksbetrieb

Wenn du einen eigenen Betrieb gründest, musst du bestimmten, welche Rechtsform dieser haben soll. Hierbei handelt es sich je nach Berufsgruppe um eine Entscheidung, die individuell getroffen werden muss. GmbH, UG (haftungsbeschränkt), GbR, AG, OHG oder Limited – informier dich im Einzelfall, was am besten zu dir passt. Die entscheidenden Faktoren sind vor allem die Höhe des Stammkapitals als selbstständiger Handwerker sowie die Anzahl der Gründer.

Grundsätzlich musst du auch beachten, dass die Mitgliedschaft in deiner zuständigen Bundesgenossenschaft verpflichtend ist, wenn du dich selbstständig machen möchtest im Handwerk. Diese trägt nämlich die gesetzliche Unfallversicherung deiner Angestellten, damit du deinen Handwerksbetrieb gründen kannst.

Wie viel verdient ein selbstständiger Handwerker?

Die Einkommenshöhe als selbstständiger Handwerker hängt von mehreren Faktoren ab, wie zum Beispiel das Bundesland, die Erfahrung und den Handwerksbereich. Generell liegt das durchschnittliche Einkommen bei etwa 2.000 bis 2.700 Euro pro Monat. Natürlich gibt es auch beim selbstständig machen als Handwerker Fälle, in denen ein Handwerker mehr als 10.000 Euro pro Monat verdient. Doch genauso sind Fälle bekannt, in denen selbstständige Handwerker am Existenzminimum leben. Deshalb kommt es auf die Kundenakquise und ein gutes Netzwerk an, um regelmäßig hohe Einnahmen zu generieren.

Versicherungen, um Risiken im Handwerk zu vermeiden

Jeder Selbstständige muss für seine gesetzliche oder private Krankenversicherung selber aufkommen. Auch gilt bei zulassungspflichtigen Handwerken eine Rentenversicherungspflicht. Zusätzlich sollte individuell abgewogen werden, inwiefern auch weitere Absicherungen lohnenswert sind. Zu berücksichtigen sind zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Unfallversicherung sowie aus gewerblicher Perspektive eine Betriebshaftpflichtversicherung und/oder eine Rechtsschutzversicherung. Darüber hinaus gilt es, rechtliche Fragen zu klären wie „Wann gilt deine Leistung als Handwerker als erbracht?“ oder „Wie sind die Gewährleistungspflichten für Handwerker?“. Nur so kannst du einen abgesicherten Handwerksbetrieb gründen.

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Staatliche Unterstützung bei schlechten Witterungsbedingungen

Insgesamt musst du mit einigen Stolpersteinen rechnen, wenn du dich als Handwerker selbstständig machst. Es gibt zahlreiche Eventualitäten, auf die du auch bei noch so guter Planung wenig Einfluss hast. Dazu zählt auch das Wetter, welches für viele Berufsgruppen in der Handwerk-Branche eine gewisse Rolle spielt. Gerade in den Wintermonaten können die Witterungsbedingungen zum Nachteil werden. Bei der finanziellen Planung müssen mögliche Ausfälle – beispielsweise im Bau-, Gerüstbau- und Dachdeckergewerbe sowie im Garten- und Landschaftsbau – mit einkalkuliert werden. Hier kann Saison-Kurzarbeitergeld bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, vom Arbeitsamt ergänzende Leistungen wie Zuschuss-Wintergeld und Mehraufwandsgeld zu beziehen. Darüber hinaus kann eine Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge beim selbstständig machen im Handwerk bewilligt werden.

Fazit: Kundenstamm im Handwerk aufbauen und am Markt etablieren

Wenn du alle Voraussetzungen erfüllt und alle rechtlichen sowie finanziellen Hürden genommen hast, kannst du den Handwerksbetrieb gründen. Dann gilt es, deinen Kundenstamm aufzubauen und dich am Markt zu etablieren. Dabei solltest du nicht nur auf herkömmliche Mund-Propaganda setzen, sondern auch im Internet vertreten sein. Präsentiere dich freundlich, aber professionell, sodass sich deine Kundinnen und Kunden in guten Händen fühlen. So erarbeitest du dir eine Stammkundschaft, die beim selbstständig machen im Handwerk zuverlässig Geld in deine Kassen spült. Damit steht deiner Laufbahn als selbstständiger Handwerker nichts mehr im Wege!

Häufige Fragen (FAQ) zum selbstständig machen als Handwerker

Kann ich mich als Handwerker selbstständig machen?

Ja, du kannst dich selbstständig machen als Handwerker. Die Handwerksbranche umfasst über 150 Berufsstände, um eine Handwerksfirma gründen zu können, die sich in drei Gewerbesorten für selbstständige Handwerker unterteilen lassen. Dazu gehören das sogenannte zulassungspflichtige bzw. zulassungsfreie Handwerk sowie das handwerksähnliche Gewerbe.

Welche Behörde muss ich als selbstständiger Handwerker kontaktieren?

Wenn du dich als Handwerker selbstständig machen willst, musst du zuerst der Handwerkskammer einen Besuch abstatten. Je nach zulassungspflichtigem oder zulassungsfreiem Handwerk beziehungsweise handwerksähnlichem Gewerbe trägst du dich dort in die jeweilige Handwerksrolle ein. Dafür fällt eine Anmeldegebühr an, deren Höhe je nach Bundesland variiert.

Wie viel verdient ein selbstständiger Handwerker?

Die Einkommenshöhe als selbstständiger Handwerker hängt von mehreren Faktoren ab, wie zum Beispiel das Bundesland, die Erfahrung und den Handwerksbereich. Generell liegt das durchschnittliche Einkommen bei etwa 2.000 bis 2.700 Euro pro Monat.

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Über den Autor

Nicole Reich

Nicole entschied sich nach ihrem Abitur 2014 für ein Studium an der Universität Trier, wo sie die Fächer Germanistik und Medienwissenschaften belegte. Im Rahmen eines 3-monatigen Pflichtpraktikums bei einer Agentur in Köln sammelte sie erste Erfahrungen auf dem Gebiet des Online-Marketings. Bei einem weiteren Praktikum in der Stabstelle „Marketing und Kommunikation“ eines Reise-Unternehmens in Saarburg produzierte sie als Redakteurin für verschiedene Online-Portale Content und konnte somit ihre schreiberischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Nach dem Ende ihres Masters schreibt sie nun als Online-Redakteurin für Gründer.de.

Eine Antwort

  1. Vielen Dank für diesen Wegweiser, wie man sich im Handwerk selbstständig macht. Ich habe bald meinen Meister in der Tasche und überlege, mich im Bereich CNC selbstständig zu machen. Mein Betrieb würde das unterstützen, da ich an einen anderen Ort übersiedeln würde. Meine Frau wird versetzt.

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