Es war nie leichter, sich als Fotograf selbstständig zu machen

Selbstständig machen als Fotograf: Knips dich zum Erfolg

Viele kreative Köpfe hegen ihn – den Traum, sich als Fotograf selbstständig zu machen. Unabhängigkeit, flexible Arbeitszeiten und künstlerische Spielräume zählen zu den Faktoren, die den Fotografen-Beruf so attraktiv erscheinen lassen. Dabei solltest du jedoch nicht aus den Augen verlieren, wie viel Aufwand es bedeutet, um mit diesem Job auch den Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Folgenden erfährst du, was du beachten musst, wenn du dich als Fotograf selbstständig machen willst.

Nie waren die Voraussetzungen günstiger, sich als Fotograf selbstständig zu machen, als zur heutigen Zeit. Jedoch war es auch nie so schwer, sich auf dem Markt zu behaupten, denn die Konkurrenz ist groß und wächst immer weiter. Im digitalen Zeitalter von Instagram und Co. ist es jedem möglich, Fotos zu veröffentlichen und Likes zu ernten. Diese bestärken den Trugschluss, es sei ja ganz einfach, ansehnliche Bilder zu machen und damit Geld zu verdienen.

Keine Meisterpflicht mehr

Ein paar Klicks in einer Bildbearbeitungs-App reichen längst nicht aus, um qualitativ hochwertige Fotografie zu betreiben. Seit 2004 ist die Berufsbezeichnung „Fotograf“ rechtlich nicht mehr geschützt. Soll heißen: Für eine selbstständige Tätigkeit in diesem Berufsfeld ist keine Meisterpflicht mehr erforderlich. Theoretisch kann also jeder Hobby-Fotograf den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Dennoch sollte dieses Vorhaben gut durchdacht sein, denn nur wer sich mit der Materie eingehend beschäftigt hat und professionelle Kenntnisse vorweisen kann, wird sich auf lange Sicht behaupten können.

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Fachliche Kompetenzen

Untersuchungen zeigen, dass rund ein Drittel aller Berufsfotografen als Autodidakten oder Quereinsteiger begonnen haben – Tendenz steigend. Obwohl eine entsprechende Ausbildung also keine Notwendigkeit mehr darstellt, benötigt ein Fotograf Grundlagenkenntnisse. Belichtung, Kontrast und Bildschärfe sollten für dich keine Fremdwörter sein. Der sichere Umgang mit der Kamera ist genauso obligatorisch wie Kenntnisse zu Bildbearbeitungs- und Designprogrammen. Wenn du diese nicht vorweisen kannst, hast du die Möglichkeit, an zertifizierten Weiterbildungen oder Workshops teilzunehmen.

Persönliche Eigenschaften

Ergänzend sind einige persönliche Eigenschaften gefragt. Talent allein reicht dabei nicht aus. Neben einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik solltest du auch organisatorische Fähigkeiten besitzen. Als selbstständiger Fotograf musst du dir deine Zeit nämlich gut einteilen und Termine sinnvoll planen. Auch benötigst du eine hohe soziale Kompetenz und eine gute Kommunikationsfähigkeit, um im Kontakt mit Kunden zu glänzen. Mit einer großen Portion Neugier und Ehrgeiz bleibst du zudem immer „up to date“, was Trends und Techniken betrifft, die sich in der Fotografie-Branche stetig wandeln.

Darüber hinaus solltest du dir wie jeder Selbstständige ein fundiertes unternehmerisches Know-How aneignen. In den Bereichen Steuer, Buchhaltung, Marketing und Vertrieb bist du weitestgehend auf dich allein gestellt. Eine Hilfstellung bieten dir zum Beispiel Gründerseminare oder Fachleute wie Steuer- und Gründerberater. Ein selbstständiger Fotograf sollte zudem über Grundkenntnisse zum Thema Fotorechte und Copyright verfügen. Das Internet macht es leicht, fremde Bilder als die eigenen zu verkaufen. Daher ist es umso wichtiger, die eigenen Urheberrechte zu kennen und zu verteidigen.

Standort und Marktlage prüfen

Erfüllst du all diese Voraussetzungen, solltest du dich bei deiner Planung zuerst auf eine Standort-Analyse konzentrieren. Wie viele Fotografen gibt es im Umkreis und welche konkreten Leistungen bieten sie an? Hierbei musst du abwägen, ob du lieber in einer auftragsreichen Region mit hoher Fotografendichte oder in eher ländlichen Gefilden mit geringer Konkurrenz arbeiten willst. Viele Fotografen mieten auch gar kein eigenes Studio mehr an. Sie koordinieren von zu Hause aus und fahren von dort zu den unterschiedlichsten Foto-Locations. Dabei decken sie einen Radius von 50 bis 150 Kilometern rund um ihren Geschäftssitz ab.

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Frühzeitig spezialisieren

Ob du ein eigenes Studio benötigst oder nicht, hängt auch stark von deiner konkreten Geschäftsidee ab. Als Portrait- oder Akt-Fotograf ist ein klassisch konstruiertes Setting sicher von Vorteil. Anders sieht es da zum Beispiel bei der Hochzeitsfotografie aus, wobei der Fotograf zwangsläufig an die unterschiedlichsten Orte bestellt wird. Ob Events, Architektur, Presse oder Stock – die Fotografie-Branche hat viele Facetten. Kein Fotograf kann dabei sämtliche Tätigkeitsbereiche abdecken. Deshalb solltest du dich früh entscheiden, in welche Richtung deine Arbeit gehen soll.

Liegt dir eher die Studiofotografie oder schlägt dein Herz für Kunst und Film? Bei den Überlegungen kannst du dich ganz nach deinen persönlichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Präferenzen richten. Es ist durchaus von Vorteil, sich auf einen einzigen Zweig zu spezialisieren, da dies Kunden eine besondere Professionalität vermittelt. Grundsätzlich gilt dabei zu beachten, dass der Beruf als Fotograf nicht mit dem des Fotodesigners zu verwechseln ist. Hierbei handelt es sich nämlich um einen eigenständigen, staatlich geprüften Lehrgang.

Mit Businessplan kalkulieren

Ein professioneller Businessplan ist für jeden, der den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte, ein absolutes Muss! Im Rahmen dessen hälst du deine Geschäftsidee und sämtliche Erkenntnisse der Konkurrenzanalyse fest. Auch kalkulierst du, welche Kosten anfallen, wenn du dich als Fotograf selbstständig machst. Dazu müssen die folgenden Punkte in Zahlen gefasst werden:

  • Ausrüstung (Kameras, Licht, Zubehör)
  • ggf. Studio (Miete, Nebenkosten)
  • Material (Büromaterialien, Ersatzteile)
  • Kommunikation (Handyvertrag, Porto)
  • Software (Designprogramme, Linzenzen)
  • Anfahrt/Reisen (Bahntickets, Sprit, ggf. Automiete)
  • Werbung (Website, Online-Marketing, Visitenkarten, Flyer)
  • Versicherungen (Berufshaftpflichtversicherung, Gewerbeversicherung, Versicherung für Ausrüstung)
  • ggf. Unternehmensführung (Steuerberater, Buchhalter)
  • Verdienstausfälle durch Krankheitstage oder unvorhersehbare Ereignisse (Rücklagenbildung)
  • ggf. Tilgung von Krediten
  • Weiterbildung (Workshops etc.)

Grundsätzlich lassen sich die Ausgaben eines selbstständigen Fotografen in drei Kategorien gliedern. Die erste umfasst Gründungskosten sowie einmalige beziehungsweise seltene Investitionen wie Anmeldegebühren, Anschaffung der Ausrüstung oder Gründerseminare. Dann gibt es die fixen Kosten wie mögliche Miete, aber auch Lizenz- und Versicherungsgebühren. Zuletzt dürfen auch die variablen Kosten nicht vergessen werden, zu denen beispielsweise Fahrtkosten und Verdienstausfälle zählen.

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Honorar festlegen

Erst, wenn du dir einen Überblick zu deinen Ausgaben verschafft hast, kannst du dich deinen Honorar-Vorstellungen widmen. Wie viel musst du mindestens für deine Arbeit verlangen, um alle Kosten decken zu können? Kannst du damit auf lange Sicht deinen Lebensunterhalt bestreiten? Bei der Kalkulation solltest du auch die Konkurrenz im Blick behalten. Wenn du dich teurer verkaufen willst als deine Mitbewerber, muss natürlich auch die Qualität deiner Arbeit entsprechend hoch sein. Normalerweise legt der Fotograf einen bestimmten Stunden- oder Tagessatz fest, der im Einzelgespräch mit Kunden gegebenenfalls noch einmal ausgehandelt wird. Bei Studio- und Stock-Fotografie berechnet sich das Honorar dagegen meist durch einen Fixpreis pro Foto.

Finanzierungsmöglichkeiten für selbstständige Fotografen

Wenn deine Finanzplanung ergibt, dass dein Eigenkapital nicht für die anfallenden Gründungskosten ausreicht, hast du einige Möglichkeiten. Neben der Beantragung eines Kredits gibt es auch staatliche Fördermöglichkeiten, die Selbstständige in der Anfangszeit unterstützen. Dazu zählen spezielle Förderkredite für Gründer von Bürgschaftsbanken oder Zuschüsse für Existenzgründer von der Arbeitsagentur. Die EU bietet Fördergelder für Jungunternehmer aller Art und auch die KfW-Bankengruppe verleiht Kredite an Existenzgründer jeder Branche.

Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Eine Frage, die sich viele selbstständige Fotografen stellen, ist die, ob sie als Freiberufler oder Gewerbetreibender eingeordnet werden. Die Beantwortung ist vor allem in steuerlicher Hinsicht entscheidend. Sie richtet sich danach, ob die Tätigkeit des Fotografen im Einzelfall primär künstlerischer und kreativer oder gewerblicher Natur ist. Darüber wird im Rahmen eines Gutachtens entschieden, welches die „künstlerische Höhe“ der Arbeit als Maßstab ansetzt. Für genauere Information kannst du dich an den Berufsverband, das Finanzamt oder die Handelskammer wenden.

Vorteile für Freiberufler

Zu den Freiberuflern gehören zum Beispiel Pressefotografen. Sie genießen gegenüber den Gewerbetreibenden einige Vorteile. Zum einen müssen sie kein Gewerbe anmelden und dafür Steuern zahlen. Zum anderen sind sie dementsprechend auch nicht zu einer Mitgliedschaft in der Handwerkskammer verpflichtet. Darüber hinaus müssen sie weniger Formalitäten bewältigen, wenn es um die Steuererklärung geht. Hier reicht eine vereinfachte Gewinnermittlung per Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Auch die formelle Anmeldeprozedur beim Finanzamt entfällt, da ein formloser Antrag zur steuerlichen Erfassung völlig ausreicht.

Mischformen

Wird deine Tätigkeit als gewerblich kategorisiert, bleibt dir der Weg zum Gewerbeamt nicht erspart. Dort musst du eine Anmeldegebühr von etwa 40 Euro zahlen sowie eine Rechtsform wählen. Dies betrifft zum Beispiel Hochzeitsfotografen, die reine Auftragsarbeiten erledigen und sich über den Verkauf der daraus entstehenden Bilder finanzieren.

Es gibt jedoch auch manche Fotografen, die einen Mittelweg zwischen freiberuflich und gewerblich gehen können. Voraussetzung hierfür ist, dass die verschiedenen Tätigkeiten steuerlich unterschiedlich erfasst werden. Das funktioniert nur mit einer sauberen buchhalterischen Trennung von Einkünften und Erträgen. Somit können künstlerische Tätigkeiten von der Gewerbesteuer befreit werden. Diese Strategie ist jedoch nicht möglich, wenn dem Kunden die Arbeitsleistung gesamtheitlich in Rechnung gestellt wird. Denn dann wird die Gewerbesteuer auf den Gesamtbetrag entrichtet. Hier ist also dein organisatorisches Know-How gefragt, um jede Menge Geld zu sparen!

Versicherungen abschließen

Wenn du dich als Fotograf selbstständig machst, solltest du unbedingt einen umfassenden Versicherungsschutz abschließen. Du bist dazu verpflichtet, dich eigenmächtig um deine private oder gesetzliche Krankenversicherung zu kümmern und dafür auszukommen. Zudem muss jeder selbstständige Fotograf bei der Bundesgenossenschaft für Energie Textil Elektro und Medienerzeugnisse (BG ETEM) beruflich unfallversichert sein. Freiberufler können hiervon nur unter gewissen Voraussetzungen befreit werden. Darüber hinaus besteht eine Sozialversicherungspflicht bei der Künstlersozialkasse.

Marketing und Kundenakquise

Um als selbstständiger Fotograf potentielle Kundinnen und Kunden zu erreichen, ist eine professionelle Webseite heutzutage das A und O. Diese sollte übersichtlich sowie suchmaschinenoptimiert sein und ein aussagekräftiges Portfolio beinhalten. Stelle einige deiner besten Arbeiten online, damit Neukunden einen authentischen Eindruck von deinen Fähigkeiten bekommen. Für einen professionellen Eindruck kannst du auch Kundenreferenzen angeben. Grundsätzlich sollte deine Webseite dich wiederspiegeln und eine ganz eigene, individuelle Note besitzen. Kümmere dich auch um ein durchgängiges Corporate Design, das du dann auf Visitenkarten, Flyern und anderen Werbematerialien umsetzen kannst. Damit sorgst du für einen gewissen Wiederkennungswert, der dich gegenüber Mitbewerbern auszeichnet.

Weitere Wege, um dich in der Branche bekannt zu machen, sind zum Beispiel Google-AdWords-Kampagnen, Facebook-Ads und Social Media-Profile. Auch eine herkömmliche Kundenakquise am Telefon und Empfehlungsmarketing können dir beim Aufbau eines Kundenstamms nützen.

Mitgliedschaft in Verbänden der Fotografiebranche

Als selbstständiger Fotograf trägst du die alleinige Verantwortung dafür, deine Arbeit kontinuierlich weiter zu verbessern. Wie eingangs erwähnt, musst ein professioneller Fotograf bessere Qualität liefern, als es ein gewöhnlicher Hobby-Knippser vermag. Unter Umständen empfiehlt sich daher eine freiwillige Anmeldung bei einem von zahlreichen Verbänden der Fotografiebranche. Diese ermöglichen Erfahrungsaustausch, geben Unterstützung bei Rechtsfragen und helfen dir bei der Anerkennung als freier Künstler. Durch regelmäßige Fortbildungen bleibst du auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen und kannst gegebenfalls sogar selbst Seminare, Workshops oder Tutorials anbieten. Sogenanntes „Fotocoaching“ von Hobbyfotografen kann zum lukrativen Nebenerwerb werden.

Arbeitsalltag als selbstständiger Fotograf

Zu guter Letzt solltest du dir darüber im Klaren sein, wie dein Berufsalltag als selbstständiger Fotograf aussehen wird. In jedem Job fallen Aufgaben wie Rechnungen stellen an, die lästig sein können, aber eben getan werden müssen. Mache dir hier also keine Illusionen und schätze deine Aussichten realistisch ein. Dazu hilft es, schon einmal Praktika absolviert zu haben, bei denen du Einblicke hinter die Kulissen erhalten hast.

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Über den Autor

Nicole Reich

Nicole entschied sich nach ihrem Abitur 2014 für ein Studium an der Universität Trier, wo sie die Fächer Germanistik und Medienwissenschaften belegte. Im Rahmen eines 3-monatigen Pflichtpraktikums bei einer Agentur in Köln sammelte sie erste Erfahrungen auf dem Gebiet des Online-Marketings. Bei einem weiteren Praktikum in der Stabstelle „Marketing und Kommunikation“ eines Reise-Unternehmens in Saarburg produzierte sie als Redakteurin für verschiedene Online-Portale Content und konnte somit ihre schreiberischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Nach dem Ende ihres Masters schreibt sie nun als Online-Redakteurin für Gründer.de.

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