Darauf sollten Selbstständige achten

Vor- und Umsatzsteuer erklärt: Definition und Infos

Ob als privater Endverbraucher oder Unternehmer – die Umsatzsteuer ist uns allen ein Begriff, da wir mit ihr in unserem Alltag häufig in Berührung kommen. Doch besonders für Selbstständige ist die Funktion der Umsatzsteuer relevant, da sie zur Wissensgrundlage für Unternehmer gehört. In diesem Artikel zeigen wir auf, was diese Steuer genau ist, wie hoch sie ist und was vor allem für dich als Kleinunternehmer wichtig ist.

Definition

Die Umsatzsteuer (USt) ist eine Verkehrssteuer, die auf fast alle Konsumgüter anfällt. Sie wird auf den Verkauf bzw. den Austausch von Produkten und Dienstleistungen für den gesamten privaten und öffentlichen Verbrauch von Unternehmen erhoben. Da sie vom Verbraucher über den Umweg des Unternehmens gezahlt wird, gehört die Umsatzsteuer zu den indirekten Steuern. Um es vereinfacht auszudrücken: Es ist die Steuer, die du bei jedem Einkauf von Lebensmittel, Kleidung und Möbel als auch bei Restaurantbesuchen zahlst. Im alltäglichen Sprachgebrauch kennen wir die Umsatzsteuer auch als die Mehrwertsteuer.

Der Regelsteuersatz beträgt 19 Prozent für fast alle Waren- und Leistungsgruppen. Einige Waren- und Leistungsgruppen fallen jedoch unter den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent. Zu diesen zählt bspw. Milch und Butter, Tickets für den Personennahverkehr oder Museumsbesuche. Für den Staat ist die Umsatzsteuer der Höhe nach die wichtigste Einnahmequelle. Der Anteil am Steueraufkommen der Bundesrepublik Deutschland liegt im Schnitt bei über 30 Prozent.

Unterschied zwischen Umsatzsteuer und Vorsteuer

Im Prinzip sind die Umsatzsteuer und die Vorsteuer das Gleiche bzw. hängen von der jeweiligen Sichtweise ab. Aus unternehmerischer Perspektive ist die Vorsteuer die Verkehrssteuer, die auf Eingangsrechnungen erhoben wird. So musst du als Unternehmer bei deinem Einkauf von Waren ebenfalls 19 Prozent zahlen. Die Umsatzsteuer wird von dir wiederum auf die Ausgangsrechnungen erhoben. Kunden zahlen also den Preis deiner Ware und die zusätzliche Umsatzsteuer von 19 Prozent. Dies bedeutet, dass sich die Vorsteuer auf deinen Einkauf bezieht und die Umsatzsteuer auf den Verkauf. Die Vor- und Umsatzsteuer betragen für das gleiche Produkt auch stets den gleichen Steuersatz.

Wer muss die Umsatzsteuer zahlen?

Im Umsatzsteuergesetz (UStG) § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG steht: „Der Umsatzsteuer unterliegen […] Lieferungen und sonstigen Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt.“  Demnach muss also jeder, der selbstständig tätig ist und für seine Leistungen oder Lieferungen Geld verlangt, dafür auch die Umsatzsteuer berechnen. Dies bedeutet, dass Unternehmer verpflichtet sind, ihren Kunden auf den Netto-Rechnungsbetrag die Umsatzsteuer zu berechnen. Wie bereits erwähnt, beträgt diese in den meisten Fällen 19 Prozent. Welcher Umsatzsteuersatz auf dein Geschäft oder deine Ware zutrifft, solltest du vorher in Erfahrung bringen.

Es gibt jedoch auch Ausnahmen, sodass einige Unternehmer von der Umsatzsteuer nach § 19 UStG befreit sind. Unternehmen, die die Kleinunternehmerregelung anwenden, sind somit nicht steuerpflichtig. Für diese Regelung, musst du als Kleinunternehmer jedoch ein paar Voraussetzungen erfüllen. Zum einen sind Kleinunternehmer nicht umsatzsteuerpflichtig, wenn sie einen Vorjahresumsatz verzeichnen, der 22.000 Euro nicht übersteigt. Zum anderen sollten die Umsätze im darauffolgenden Jahr nicht den Betrag von 50.000 Euro übersteigen. Wenn dies auf dich und dein unternehmen zutrifft, kannst du diese Regelung anwenden und darfst dann auf deine Leistungen keine Umsatzsteuer erheben.

Wie wird die Steuer berechnet?

Um die Höhe der Umsatzsteuer zu errechnen, musst du lediglich den jeweiligen Steuersatz von 19 oder 7 Prozent des Nettopreises dazu addieren. Wenn du bspw. eine Ware oder deine Dienstleistung für 100 Euro netto anbieten und der Steuersatz von 19 Prozent gilt, dann beträgt der Bruttopreis
100 x 1,19 = 119 Euro.

Bei einem Steuersatz von 7 Prozent, würde die Rechnung in diesem Fall so aussehen:
100 x 1,07 = 107 Euro.

Wie wird die Umsatzsteuer abgeführt?

Als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer musst du die Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Die Umsatzsteuer muss generell auf alle Umsätze gezahlt werden, die ein selbstständig tätiger Unternehmer macht. Doch wirklich belastet durch die Umsatzsteuer sind Unternehmer jedoch nicht, da du nur den Steuerbetrag abführst, den Konsumenten vorher im Einkauf gezahlt haben. Der Unternehmer ist somit nur der Vermittler zwischen Konsument und dem Finanzamt.

Dem Finanzamt musst du als Unternehmer jedoch regelmäßig Bescheid geben, wie viel Umsatzsteuer du eingenommen hat. Dafür musst du ab einer bestimmten Umsatzhöhe monatlich oder vierteljährlich eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben. Zusätzlich reichst du nach dem Jahresende eine Steuererklärung zur Umsatzsteuer ein. In dieser fast du alle Umsätze, Vorsteuerbeträge und Vorauszahlungen des Jahres zusammen.

Umsatzsteuervoranmeldung

Während eines Geschäftsjahres nimmst du mit deinem Unternehmen normalerweise einen großen Betrag an Umsatzsteuer ein. Daher musst du in regelmäßigen Abständen während des laufenden Kalenderjahres Vorauszahlungen bzw. Teilzahlungen leisten, die jedoch erst am Ende des Jahres anhand der jährlichen Umsatzsteuererklärung verbindlich festgestellt wird. Somit ist die jährliche Steuerlast für dich als Unternehmer nicht zu hoch. Gleichzeitig profitiert auch der Staat, da er regelmäßigere Steuereinnahmen hat und daher auch weniger Zinsen bezahlen muss. In der Regel erfolgt die Anmeldung monatlich oder quartalsweise und jeweils zum 10. des Folgemonats. Dementsprechend muss die Umsatzsteuervoranmeldung für das erste Jahresquartal also spätestens zum 10. April erfolgen.

Fazit

Vor allem wichtig ist, dass du als Kleinunternehmer von der Kleinunternehmerregelung weißt. Denn diese soll dich von bürokratischen Pflichten entlasten, wodurch du bei deiner Buchführung profitieren kannst. Wenn du jedoch umsatzsteuerpflichtig bist, dann solltest du besonders auf deine Liquidität achten, da du zu Vorauszahlungen verpflichtet bist. Auch beim Schreiben von Rechnungen solltest du die Umsatzsteuer stets separat aufführen, da dies vom Staat vorgegeben ist. Und bevor du selbstverständlich von 19 Prozent Steuersatz ausgehst, schau lieber nochmal nach, welche Produkte oder Dienstleistungen unter die sieben Prozent fallen.

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Über den Autor

Autorenprofil: Lisa Goldner

Lisa Goldner

Nach ihrem Abitur 2013 entschied sich Lisa für ein Studium des Journalismus als auch der Unternehmenskommunikation und konnte durch den nahen Praxisbezug ein breit gefächertes Repertoire an Kenntnissen beider Branchen sammeln. Während des Studiums arbeitete sie als Assistenz der Öffentlichkeitsarbeit in einem öffentlich-rechtlichen Kulturbetrieb und erlernte somit auch essenzielle Aufgaben des Eventmanagements. Im Anschluss begann sie in Kiel den Masterstudiengang ”Angewandte Kommunikationswissenschaft“, in dem sie ihre Erfahrungen durch Projekte und wissenschaftliche Arbeiten besonders in den Bereichen Journalismus und Marketing ausbauen konnte. Seit Januar 2020 ist Lisa Volontärin in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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