Diese Ausnahmen gelten

Profispieler und die Steuer: Einkünfte aus Glücksspiel richtig deklarieren

Gewinne aus Glücksspielen müssen in Deutschland grundsätzlich nicht versteuert werden. Es gibt jedoch Ausnahmefälle, in denen das Finanzamt trotzdem einen Teil des Geldsegens für sich in Anspruch nimmt. Insbesondere Profispieler, die einen Großteil ihrer Einkünfte aus Glücksspielen generieren, müssen ihre Gewinne dem Finanzamt gegenüber deklarieren. So lassen sich Einkünfte aus Glücksspielen in der Steuererklärung ordnungsgemäß deklarieren.

Welche Gewinne aus Glücksspielen müssen versteuert werden?

Gewinne aus Glücksspielen sind in Deutschland grundsätzlich nicht zu versteuern. Zwar gibt es in der deutschen Gesetzgebung keine festgelegte Befreiung von Steuern auf Wett- und Spielgewinne, allerdings können Einkünfte, die aus einem Glücksspielgewinn generiert werden, keiner der sieben Einkunftsarten zugeordnet werden, die in der Einkommensteuererklärung aufgeführt sind. Damit gelten Gewinne aus Lotterien, Wetten und anderen Glücksspielen in Deutschland als nicht steuerbar. Die Höhe der erzielten Gewinne ist dabei nicht relevant. Auch für progressive Jackpots müssen zunächst keine Steuern abgeführt werden.

Glücksspielbetreiber sind allerdings auf der Basis ihrer Tätigkeit steuerpflichtig. Mit dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrages am 01. Juli 2021 hat Deutschland im europäischen Vergleich einen Sonderweg beschritten und für Glücksspielanbieter unabhängig von ihren Gewinnen einen Steuersatz von 5,3 Prozent festgesetzt. Damit die steuerliche Belastung bei einer durchschnittlichen Auszahlungsquote von 95 bis 98 Prozent nicht zum Verlustgeschäft wird, führen die meisten Casino Anbieter die Steuer direkt an das Finanzamt ab und geben die Belastung über verschiedene Wege an ihre Kunden weiter.

Aber auch der Gewinn, den ein Spieler beim Glücksspiel generiert, ist nicht in jedem Fall irrelevant für die Einkommensteuererklärung. Es gibt Sonderfälle, in denen entsprechende Erträge deklariert werden müssen:

  • Kapitalerträge, die aus Gewinnen generiert werden, müssen versteuert werden. Das gilt für Dividenden aus vom Gewinn gekauften Fonds und Aktien, Girokonto- und Sparkontozinsen, Erträge aus der Veräußerung von Aktien oder Fonds, Erträge aus Zertifikaten und Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von Immobilien, die vom Gewinn erworben wurden.
  • Für Gewinne, die in ausländischen Lotterien erzielt wurden, können abweichende steuerliche Regelungen gelten.
  • Gewinne, die eng mit dem ausgeübten Beruf zusammenhängen, müssen versteuert werden. Das gilt zum Beispiel für Preisgelder im Zusammenhang mit künstlerischen, wissenschaftlichen oder journalistischen Auszeichnungen.
  • Profispieler müssen erzielte Gewinne als Einkünfte steuerlich deklarieren.

Wann wird ein Spieler zum Profispieler?

Wer nur gelegentlich Glücksspiele betreibt und daraus kein regelmäßiges Einkommen generiert, gilt grundsätzlich als Hobbyspieler. Als Profispieler werden solche Spieler angesehen, die täglich mehr als 4 Stunden spielen und dabei Gewinne generieren, die mehr als 50 Prozent ihres Bruttojahreseinkommens ausmachen. Dabei ist irrelevant, ob sie zusätzlich eine weitere berufliche Tätigkeit ausüben, aus der ein Lebensunterhalt bestritten wird.

Außerdem geht das deutsche Steuergesetz von einem Profispieler aus, wenn dieser über einen längeren Zeitraum hinweg mehr Gewinne als Verluste durch das Glücksspiel erzielt. So wird zum Beispiel die regelmäßige erfolgreiche Teilnahme an namhaften und hoch dotierten Turnieren als Indiz für eine Profispielerkarriere angesehen.

Erst, wenn alle Faktoren zutreffen, ist ein Spieler als Profispieler anzusehen und muss seine Gewinne aus Glücksspielen als Einkünfte deklarieren.

Der Sonderfall Poker

Poker stellt hinsichtlich der steuerlichen Berücksichtigung von Gewinnen einen Sonderfall dar, mit dem sich viele Gerichtsurteile beschäftigt haben. Ein Grund dafür ist die Annahme, dass beim Poker persönliches Können den reinen Glücksfaktor überwiegt. Außerdem gelten namhafte Pokerturniere in der Regel als wirtschaftlicher Raum, in dem eine Teilnahme in einem professionellen Rahmen zu betrachten ist.

Am 31. Oktober 2012 entschied das Finanzgericht Köln, dass die Gewinne von Pokerspielern als Einkünfte zu werten sind, die demnach dem Einkommensteuergesetz unterliegen. Der Bundesfinanzhof (BFH) bestätigte dieses Urteil später, widerrief allerdings ein Urteil aus Münster, das Poker auch als umsatzsteuerpflichtig erklären wollte. Hier urteilte der BFH, „dass das Preisgeld beziehungsweise die Spielgewinne nicht für die Teilnahme an einem Turnier gezahlt werden, sondern für die Erzielung eines bestimmten Wettbewerbsergebnisses. Entsprechend wird keine Umsatzsteuer fällig.“ (Quelle: www.gkanzlei.de). Eine Ausnahme ist nur dann gegeben, wenn Pokerspieler für ihre Teilnahme am Turnier ein Antrittsgeld erhalten, das wiederum umsatzsteuerrelevant sein kann.

Für die Frage, ob Pokerspieler ihre Gewinne als Einkünfte abführen müssen, ist entscheidend, ob ihre Tätigkeit als gewerblich angesehen werden kann.

Wann ist Poker als gewerblich zu betrachten?

Um festzulegen, ob das Pokerspiel eine gewerbliche Komponente hat, werden drei grundlegende Faktoren berücksichtigt:

  1. Der Zweck des Pokerspiels ist eine dauerhafte Gewinnerzielung. Dies ist der Fall, wenn nicht mehr die Freude am Spiel der Hauptanreiz ist, sondern die Gewinnabsicht. In der juristischen Praxis kann dieser Aspekt jedoch nur in seltenen Fällen zwingend nachgewiesen werden.
  2. Das Pokerspiel kann als eine regelmäßige und dauerhafte selbstständige Tätigkeit angesehen werden. Hier werden die investierte Zeit und die erzielten Einkünfte ebenso für die Beurteilung herangezogen wie eine regelmäßige Teilnahme an Pokerturnieren
  3. Der Pokerspieler ist mit seiner Tätigkeit am wirtschaftlichen Verkehr beteiligt. Dies ist in der Regel bei der Teilnahme an großen Pokerturnieren der Fall. Hier werden mehrere Komponenten dem wirtschaftlichen Verkehr zugeordnet: Das Preisgeld für den Gewinner wird als Vergütung gewertet. Erhebt der Veranstalter Startgelder, gelten diese als Betriebsausgabe aus der Perspektive der teilnehmenden Profispieler. Erhalten die Spieler wiederum vom Veranstalter ein Antrittsgeld, damit sie am Turnier teilnehmen, werden sie aus finanzrechtlicher Sicht für eine Dienstleistung bezahlt. All diese Komponenten führen dazu, dass die Teilnahme am Turnier auch als Teilnahme am wirtschaftlichen Verkehr gewertet wird.

So werden die Einkünfte von Profispielern versteuert

Ist festgelegt, dass das Glücksspiel unter die berufliche Tätigkeit eines Profispielers zu fassen ist, müssen sämtliche Einkünfte aus Gewinnen steuerlich berücksichtigt werden. Die Höhe der Steuern und der zugrunde gelegte Steuersatz richten sich dabei nach der Höhe des Einkommens.

Darüber hinaus kann ein Profispieler dazu verpflichtet werden, ein Gewerbe anzumelden und hierfür Gewerbesteuer abzuführen. Werden regelmäßig hohe Gewinne erzielt, kann unter Umständen auch eine Umsatzsteuer anfallen. Zahlreiche Gerichtsurteile haben bereits festgestellt, dass Profispieler bei regelmäßigen hohen Gewinnen als Unternehmer zu betrachten sind, die im Rahmen ihrer Tätigkeit nicht nur alle einkommenssteuer- sondern auch alle umsatzsteuerrelevanten Konsequenzen zu tragen haben.

Steuerliche Nachzahlungen können innerhalb einer Verjährungsfrist von vier Jahren vom Finanzamt eingefordert werden. Hat ein Profispieler in diesem Zeitraum keine Einkommensteuererklärung eingereicht, können Nachforderungen für weitere drei Jahre geltend gemacht werden. Auf nicht deklarierte steuerpflichtige Einkünfte aus Glücksspielen werden Zinsen in Höhe von 6 Prozent jährlich erhoben.

Ein Versäumnis der Versteuerungspflicht kann den Tatbestand der Steuerhinterziehung mit einer Verjährungsfrist von mindestens 10 Jahren erfüllen. Wer regelmäßig Glücksspiel betreibt und daraus Gewinne erzielt, sollte deshalb eine steuerliche Beratung hinzuziehen, um sich rechtlich jederzeit auf der sicheren Seite zu bewegen.

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