So gründest du ein Unternehmen ohne eigenes Geld

Selbstständig machen ohne Eigenkapital

Wer sich selbstständig machen oder ein eigenes Unternehmen gründen will, der braucht neben einer guten Geschäftsidee vor allem eins: Kapital. Doch was ist, wenn man keins hat, sich aber trotzdem selbstständig machen möchte? Ist das überhaupt möglich? Tatsächlich gibt es einige Möglichkeiten, mit denen man sein eigenes Unternehmen gründen kann, selbst wenn man kein eigenes Geld hat. Wie das genau geht und wie du dich selbstständig machen kannst ohne Eigenkapital, erklären wir in dem folgenden Artikel.

Selbstständig machen ohne Eigenkapital – Ist das möglich?

Du hast eine gute Geschäftsidee und möchtest diese gerne mit einem eigenen Unternehmen realisieren – dann geht es dir wie vielen anderen Menschen auch. Einziger Haken an der Sache: Du hast kein Eigenkapital, um in die Selbstständigkeit zu starten. Beispielsweise weil du gerade erst mit dem Studium fertig geworden bist oder du bisher einfach nichts ansparen konntest. Das heißt jedoch nicht, dass du dich nicht selbstständig machen kannst.

Zum Eigenkapital gehören sowohl Finanz- als auch Sachmittel, die du selbst oder deine möglichen Geschäftspartner mit ins Unternehmer einbringen. Das können Ersparnisse, Fahrzeuge oder andere Arbeitsgeräte sein. Fremdkapital sind hingegen Darlehen oder Kredite, die Gründer von Banken oder Privatleuten aufnehmen können. Wer kein Eigenkapital hat, hat es deutlich schwerer an Fremdkapital zu kommen. Trotzdem ist das nicht unmöglich. Vor allem dann, wenn man einen gut durchdachten Businessplan vorlegen, in dem sehr schnell Gewinne verzeichnet sind.

Zudem lassen sich schon in Vorfeld einige Kosten sparen. Das hängt maßgeblich davon ab, welches Unternehmen man gründen möchte oder ob man sich komplett selbstständig machen will. Beispielsweise spielt die Rechtsform hier schon eine entscheidende Rolle, ob sich Geld sparen lässt. So ist die Gründung einer GbR deutlich günstiger als die Gründung einer GmbH, da hier kein Startkapital notwendig ist. Zudem kann man Kosten beim Büroraum sparen, in dem man einfach von zuhause aus arbeitet – natürlich nur, wenn es das Geschäftsvorhaben zulässt. Ein gewisses Startkapital ist aber meistens bei jeder Gründung notwendig, alleine schon um die Arbeitsmaterialien zu besorgen. Wie also lässt sich nun ein Unternehmen starten?

6 Möglichkeiten, sich ohne Eigenkapital selbstständig zu machen

Im folgenden wollen wir dir sechs Möglichkeiten vorstellen, wie du es auch ohne Eigenkapital schaffen kannst, dich selbstständig zu machen. Die meisten sind an spezielle Voraussetzungen gebunden. Daher ist es wichtig, dass du dir alle Möglichkeiten genau durchliest, um dir die herauszusuchen, die am besten zu deiner Situation passt.

KfW Gründerkredite

Wenn du eine erfolgsversprechende Geschäftsidee hast, kannst du dir für die Gründung vom Staat helfen lassen. Beispielsweise vergibt die KfW Förderbank, die Kreditanstalt für Wiederaufbau, Kredite an junge Gründer. Um für einen Kredit der KfW Bank überhaupt in Frage zu kommen, musst du einen guten Businessplan und eine Rentabilitätsprognose haben.

Die KfW hat bei ihren Krediten verschiedene Angebote. Beispielsweise kannst du als Gründer bei einem Kapitalbedarf von bis zu 100.000 Euro den ERP Gründerkredit – StartGeld beantragen. Dieser hat eine Laufzeit von fünf oder zehn Jahren mit einem, beziehungsweise zwei tilgungsfreien Jahren und festgeschriebenen Zinssatz. Wenn du größere Finanzierungssummen von bis zu zehn Millionen Euro benötigst, gibt es zudem weitere Produkte, wie das ERP-Kapital für Gründung und den ERP-Gründerkredit – Universell.

Der Gründerkredit schreibt kein Eigenkapital seitens der Gründer vor. Um den Kredit zu bekommen sind daher fachliche und kaufmännische Qualifikationen des Gründers wichtig.

Franchise-Modell

Wer sich mit einem Franchise selbstständig machen möchte, hat hier den Vorteil, dass er kein Eigenkapital für den Start in die Selbstständigkeit mitbringen muss. Denn immer mehr Franchise-Anbieter erkennen mittlerweile, dass er für eine erfolgreiche Partnerschaft keine hohen finanziellen Mittel braucht. Wichtiger sind hier die persönlichen Fähigkeiten des Selbstständigen.

Wer sich gerne einem Franchise anschließen möchte, der kann sich als Lizenznehmer bewerben und sich so schon nach kurzer Zeit als Franchisenehmer selbstständig machen. Hier ist es jedoch wichtig, dass man vorher das Konzept des Franchises gut überprüft, um herauszufinden, ob es zu einem passt und ob man sich das als eigene Selbstständigkeit vorstellen kann.

Geförderte Bürgschaften

Die Vergabe von Krediten durch Banken ist häufig an bestimmte Sicherheiten geknüpft. Kann man als zukünftiger Selbstständiger keine dieser Sicherheiten vorweisen, kann die Bürgschaftsbank des Bundeslandes mit einer öffentlich geförderten Bürgschaft aushelfen. Im Grunde bedeutet das, dass sowohl die Bürgschaftsbank als auch der Bund und das Land einen Teil des Kreditausfallrisikos übernehmen. Voraussetzung für diese Bürgschaft ist auch hier, dass ein tragfähiges und erfolgsversprechendes Geschäftsmodell hinter der Gründungsidee stecken.

Die Bürgschaft kann über eine Geschäftsbank beantragt werden. Wer noch keine Hausbank hat und keinen allzu hohen Kredit braucht, kann sich auch direkt an die Bürgschaftsbank wenden.

Crowdfunding

Auch das Crowdfunding bietet eine gute Möglichkeit, sein Gründungsvorhaben zu finanzieren. Corowdfunding wird auch als Schwarmfinanzierung bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Methode der Kapitalbeschaffung, bei der das Geschäftsvorhaben von der sogenannten „Crowd“ also einer großen Gruppe an Menschen finanziert wird. Hierfür gibt es verschiedene Plattformen, auf denen jeder seine Idee als Projekt anlegen kann. Mit dem Projekt lässt sich dann ein Finanzierungsziel festlegen, das mit Hilfe anderer Menschen erreicht werden soll. Da Menschen nur in die Projekte investieren, die sie auch interessieren, ist es empfehlenswert, neben der Idee auch eine Kampagne für das Projekt zu erstellen. Oft bekommen die Unterstützer dafür als kleines Dankeschön beispielsweise einen Rabatt auf das zukünftig geplante Produkt.

Investoren und Business Angels

Die bekannteste Möglichkeit, um sich ohne Eigenkapital selbstständig zu machen, ist durch die Unterstützung von Investoren. Auch hier muss die Idee durchdacht und der Businessplan gut ausgearbeitet sein, um Investoren von der eigenen Idee zu überzeugen. Schließlich beschäftigen diese sich täglich mit Gründern und Gründungsideen und haben somit eine breite Auswahl an Projekten, die sie unterstützen können.

Wenn man es dann noch schafft, einen sogenannten Business Angels für das eigene Unternehmen zu gewinnen, sichert das einem nicht nur die finanzielle Unterstützung, sondern auch noch das Know How des Investors. Business Angels stellen nämlich nicht nur das benötigte Kapital zur Verfügung. Sie dienen dem Unternehmen auch als Mentoren und unterstützen diese bei ihrem Vorhaben.

Bootstrapping

Beim Bootstrapping handelt es sich um eine Finanzierungsform, bei der man sich selbstständig machen kann ohne Eigenkapital oder mit nur sehr wenig Eigenkapital. Gründe für das Bootstrapping sind entweder, dass man kein Fremdkapital akquirieren kann oder aber dass man unabhängig von externen Geldern sein möchte. Diese Art der Finanzierung sollte zudem nur dann angewendet werden, wenn absehbar ist, dass man sehr schnell den Break Even Point mit seinem Startup erreicht.

Damit das Bootstrapping funktioniert, muss man als Gründer sehr viel Disziplin beweisen und einem strengen Zeit- und Budgetplan folgen, da die finanziellen Ressourcen sehr begrenzt sind. Hier gilt es, die Kosten in allen Bereichen sehr gering zu halten. Beispiele dafür sind, wie vorher schon erwähnt, das Arbeiten von zuhause aus oder aus einem Coworking Space und das Outsourcing von Aufgaben, anstatt Mitarbeiter einzustellen. Zudem sollte man als Gründer ein Produkt entwickeln, welches sehr schnell Gewinne abwirft.

Diese Finanzierungsart stellt somit hohe Anforderungen an den Gründer. Trotzdem gibt es hier auch einige Vorteile. Der Gründer lernt somit schon am Anfang sparsam zu wirtschaften und sich auf die wesentlichen Kennzahlen des Unternehmens zu konzentrieren. Zudem kann es im späteren Verlauf dann leichter sein, Investoren zu akquirieren, wenn diese sehen, wie schnell das Unternehmen trotz weniger finanzieller Ressourcen gewachsen ist.

Businessplan erstellen in 10 Schritten

Schritt 1: Idee, Angebot und die Zielgruppe

Im ersten Kapitel gibst du direkt einen ersten Eindruck davon, wie das Konzept deines Unternehmens aussehen soll. Was ist deine Grundidee? Wie kannst du anderen mit deiner Idee helfen und was genau ist dein Ziel? Das solltest du sehr präzise bestimmen und beschreiben können. Darüber hinaus solltest du dir genau überlegen, wer deine Zielgruppe ist und diese ebenfalls konkret definieren. Damit wird es dir im folgenden Kapitel leichter fallen, eine Marktanalyse anzufertigen.

Schritt 2: Markt und Wettbewerb

Hier geht es darum, sich intensiv mit dem Markt und den Mitbewerbern auseinanderzusetzen. Wie groß ist der Markt? Lohnt es sich hier ein Business zu starten? Mache dir bewusst, welche Wettbewerber du hast. Damit du nicht schon zu Beginn des Markteintritts stark mit diesen zu kämpfen hast, solltest du dir überlegen, was du besser machen kannst. Fertige die Analyse so detailliert wie nur möglich an, um perfekt auf deinen Start ins Business vorbereitet zu sein.

Schritt 3; Visionen und Ziele bestimmen

Besonders wichtig für dich als Unternehmer und für dein restliches Team ist es, genau Ziele und Visionen festzulegen, auf die ihr gemeinsam hinarbeiten könnt. Nur wenn du dieses Ziel einmal mit deinem Team oder deinen Gründern festgelegt hast, ist es dir möglich, die darauf abgestimmten Maßnahmen festzulegen. Sie geben dir eine Richtung vor, auf die eine Strategie aufgebaut werden kann.

Schritte 4: Deine Strategie

Auch die Strategie muss sehr gut durchdacht werden. Schließlich musst du mit ihr zu deinen Zielen gelangen. Hier musst du dir vor allem überlegen, welchen Nutzen dein Unternehmen deinen Kunden bringt. Und wie kannst du diesen Nutzen am besten umsetzen? Überlege dir in jedem Fall eine bessere Strategie als deine Mitbewerber und prüfe, was du besser machen kannst als sie. Auch alternative Strategien können sinnvoll sein, da nie gesagt ist, dass die erste Strategie direkt auf Anhieb funktioniert.

Schritt 5: Marketing

Auch die Strategie muss sehr gut durchdacht werden. Schließlich musst du mit ihr zu deinen Zielen gelangen. Hier musst du dir vor allem überlegen, welchen Nutzen dein Unternehmen deinen Kunden bringt. Und wie kannst du diesen Nutzen am besten umsetzen? Überlege dir in jedem Fall eine bessere Strategie als deine Mitbewerber und prüfe, was du besser machen kannst als sie. Auch alternative Strategien können sinnvoll sein, da nie gesagt ist, dass die erste Strategie direkt auf Anhieb funktioniert.

Schritt 6: Rechtsform und Steuern

Ein sehr unbeliebtes, aber trotzdem sehr wichtiges Thema: Die Wahl der Rechtsform und alles rund um die Steuern. Hier schreibst du nieder, für welche Rechtsform du dich entschieden hast, welche Genehmigungen du für dein Unternehmen brauchst, wie dein Unternehmen heißen soll und alles weitere, was in Richtung Buchhaltung geht.

Schritt 7: Gründerteam und Organisation

In diesem Kapitel gibst du an, wie ihr als Firma organisiert seid. Hast du einen Partner? Wer ist alles in deinem Gründerteam? Hier muss ersichtlich werden, wer für was verantwortlich ist, welche Strukturen ihr noch aufbauen wollt, wer schon alles im Unternehmen tätig ist und wer noch dazu kommt. Auch die Meilensteine, die du mit deinem Unternehmen erreichen willst, werden hier eingetragen.

Schritt 8: Finanzen

Die Finanzen bilden den Hauptteil deines Businessplans und müssen sehr genau berechnet und überprüft werden. Hier solltest du dir möglichst keine Fehler erlauben. Wo steht ihr gerade mit eurem Unternehmen, wie viel Kapital benötigt ihr noch und wann ist der Break-Even-Point geplant? – All das sind wichtige Fragen, die in dem Finanz-Teil berücksichtigt werden müssen. Spätestens hier ist es sinnvoll, ein geeignetes Tool zur Hand zu haben, mit dem sich alles leichter ausrechnen lässt.

Schritt 9: SWOT-Analyse

Nach den ganzen Zahlen folgt anschließend die SWOT-Analyse. SWOT steht für Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats. Hier listest du also die Stärken, Schwächen, Stärken und Risiken deines Unternehmens auf und erklärst diese. Im nächsten Schritt müssen dann Maßnahmen getroffen werden, wie mit den Ergebnissen umgegangen wird, damit die Chancen maximiert und die Risiken minimiert werden können.

Executive Summary

Als letztes Kapitel folgt die Executive Summary, eine aussagekräftige Zusammenfassung deines Businessplans. Hier werden nochmal die wichtigsten Punkte deines Businessplans zusammengefasst, um den Investoren und Banken einen guten Überblick über dein Unternehmen zu geben. Erwähne hier also nochmal die wichtigsten Kernaussagen der Geschäftsidee, deines Teams, der Marktanalyse, der Chancen und Risiken und der Finanzierung.

Fazit

Es gibt somit viele Möglichkeiten, wie sich man sich Selbstständig machen kann ohne Eigenkapital. Von den klassischen Methoden, wie Kredite von der Bank, bis hin zur Unterstützung von einer großen Masse an Menschen, stehen jungen Gründern somit viele Wege offen. Wichtig ist dabei nur, dass man seine Idee sehr genau ausgearbeitet und dafür einen ausführlichen Businessplan erstellt hat. So lassen sich Kreditgeber leichter überzeugen und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das eigene Unternehmen erfolgreich wird.

Über den Autor

Autorenprofil: Leoni Schmidt

Leoni Schmidt

Nach ihrem Abitur studierte Leoni an der Fachhochschule des Mittelstands in Köln Medienkommunikation & Journalismus. In diesem Studium sammelte sie durch Praktika bei der Rheinischen Post und bei Antenne Düsseldorf viele praktische, journalistische Erfahrung. Neben ihres Studiums arbeitete sie als Werkstudentin bei einem Online-Magazin. Bei diesem wurde sie nach ihrem Studium übernommen und arbeitete dort in der Online-Redaktion. Im Mai 2019 wechselte sie dann zu Digital Beat und Gründer.de und arbeitet seitdem dort als Junior-Online-Redakteurin.

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