Selbstständig machen als HandwerkerQuelle: JenkoAtaman - stock.adobe.com

Vom Arbeitnehmer zum eignen Chef: Erfüll dir den Wunsch, dich als Handwerker selbstständig zu machen.

Rund eine Million klein- und mittelständische Handwerksbetriebe gibt es derzeit in Deutschland. Damit ist das Handwerk eine der größten Branchen in Deutschland – kein Wunder, denn an handwerklichem Fachwissen besteht konstanter Bedarf. Egal ob Tischler, Elektriker oder Maler: Viele Angestellte in Handwerksberufen davon, sich ihren eigenen Betrieb aufzubauen. Im Folgenden erfährst du, was du wissen solltest, wenn du dich als Handwerker selbstständig machen willst.

Wie das genaue Verfahren aussieht, um dich mit deinem Handwerk selbstständig zu machen, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Die Handwerksbranche umfasst über 150 Berufsstände, die sich in drei Gewerbesorten unterteilen lassen.

1. Zulassungspflichtiges Handwerk

Für die selbstständige Tätigkeit in einem zulassungspflichtigen Handwerk liegt die Meisterpflicht zugrunde. Das bedeutet für Gründer, dass sie einen von der Handwerkskammer verliehenen Meistertitel vorweisen müssen, um einen eigenen Handwerksbetrieb zu gründen. In Einzelfällen kann die Meisterpflicht jedoch durch die sogenannte Altgesellen-Regelung umgangen werden. Voraussetzung hierfür sind Belege darüber, dass der Gründer mindestens sechs Jahre Berufserfahrung als Geselle hat. Davon müssen mindestens vier Jahre in leitender Position absolviert worden sein. Eine weitere Möglichkeit bietet die Einstellung eines Meisters in Vollzeit und leitender Position im zu gründenden Betrieb. Prüfe unbedingt vorab, ob du die geforderten Voraussetzungen erfüllen kannst!

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2. Zulassungsfreies Handwerk

Im Falle eines zulassungsfreien Handwerks ist kein Meistertitel zur Gründung eines eigenen Handwerkbetriebs notwendig. Gegebenenfalls können jedoch andere Gewerbeerlaubnisse für eine Gewerbezulassung erforderlich sein. Uhrmacher und Maßschneider zählen unter anderem zu den zulassungsfreien Handwerken.

3. Handwerksähnliche Gewerbe

Das gleiche gilt für die sogenannten handwerksähnlichen Gewerbe. Auch hier können sich Gründer ohne Meistertitel und weitere Zulassungsvoraussetzungen selbstständig machen. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Rohr- und Kanalreiniger, Theater- und Ausstattungsmaler sowie Klavierstimmer.

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Die Handwerkskammer als zentrale Anlaufstelle

Bei allen Fragen, die es auf dem Weg zur Selbstständigkeit als Handwerker zu klären gilt, ist die erste Anlaufstelle immer die Handwerkskammer. An welche Handwerkskammer du dich wenden musst, ist vom Bundesland und dem jeweiligen Gebiet abhängig. Für Gründer und die, die es werden wollen, bietet die Handwerkskammer eigene Existenzgründerseminare an. Hier kannst du dir unter anderem kaufmännisches Know-How aneignen, das essentiell ist, um sich als Handwerker selbstständig zu machen.

Mit Businessplan kalkulieren

Nachdem du überprüft hast, ob du alle notwendigen Voraussetzungen für den Schritt in die Selbstständigkeit mitbringst, geht es an einen professionellen Businessplan. Diesen sollte jeder Gründer im Vorfeld erstellen – da bildet das Handwerk keine Ausnahme. Darin solltest du unter anderem die folgenden Punkte klären:

1. Konkurrenzanalyse

Handwerker sind in ihrer Leistungserbringung in stärkerem Maße regional gebunden als Unternehmer in anderen Branchen. Darum gilt es, die potentiellen Mitbewerber am jeweiligen Standort zu überprüfen. Wie viele Handwerker gibt es bereits, die in meinem Fachbereich tätig sein? Besteht dementsprechend Bedarf an deinem Handwerk und wie groß ist deine Zielgruppe mit potentiellen Kunden?

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2. Leistungsangebot und Preise

Von Beginn an sollte auch festgelegt werden, welche konkreten Dienstleistungen zu erbringen möchtest. Was sind deine Kompetenzen und für welche Fachbereiche müsstest du extra Personal anstellen? Durch welche Zusatzangebote kannst du dich von deiner Konkurrenz abheben? Manche Betriebe bieten auch nicht-handwerkliche Leistungen wie zum Beispiel den Vertrieb von Ersatzteilen an. In diesem Fall wird eine doppelte Kammermitgliedschaft notwendig und du musst dich auch bei der Handelskammer anmelden. Bei der Preisgestaltung kannst du dich an deinen Mitbewerbern orientieren. Dabei gilt es jedoch nicht, die Konkurrenz zu unterbieten, denn „Qualität hat ihren Preis“. Deine Mitarbeiter erwarten für faire Arbeit auch fairen Lohn.

3. Finanzierung

Auch ein detaillierter Finanzplan ist Teil deines Businessplans. Im Rahmen dessen musst du die Höhe des Kapitalbedarfs für die Gründung deines Handwerksbetriebs berechnen. Von Anmeldegebühren bis hin zu Miet- und Personalkosten darf hier nichts fehlen! Welche Anschaffungen müssen getätigt werden? Möchtest du einen Ein-Mann-Betrieb leiten oder Mitarbeiter einstellen? Wenn ja, wie viele? Da Handwerker üblicherweise in Vorkasse gehen und erst im Anschluss an getane Arbeit entlohnt werden, musst du in der Anfangsphase mit finanziellen Engpässen rechnen.

Die wenigsten Handwerker, die sich selbstständig machen, kriegen sämtliche Kosten mit Eigenkapital gestemmt. Hier können Bankenkredite mittelfristig Unterstützung leisten. Zudem kannst du spezielle Fördermittel und Bezuschussungen beantragen, die sich nach dem Bundesland und deiner Lebenssituation richten. Grundsätzlich solltest du das benötigte Finanzpolster für die erste Zeit großzügig kalkulieren, damit dein Betrieb ausreichend Zeit hat, um sich am Markt zu etablieren.

Anmeldungen und Behördengänge erledigen

Wenn du dich als Handwerker selbstständig machen willst, musst du zuerst der Handwerkskammer einen Besuch abstatten. Je nach zulassungspflichtigem oder zulassungsfreiem Handwerk beziehungsweise handwerksähnlichem Gewerbe trägst du dich dort in die jeweilige Handwerksrolle ein. Dafür fällt eine Anmeldegebühr an, deren Höhe je nach Bundesland variiert. Die Handwerkskammer benachrichtigt im Anschluss das Finanzamt. Dieses reagiert auf die Gewerbeanmeldung mit der steuerlichen Erfassung deines Betriebs über einen Fragebogen. Hast du alle erforderlichen Daten eingereicht, wird dir eine Steuernummer zugewiesen.

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Die passende Rechtsform für deinen Betrieb

Wenn du einen eigenen Betrieb gründest, musst du bestimmten, welche Rechtsform dieser haben soll. Hierbei handelt es sich je nach Berufsgruppe um eine Entscheidung, die individuell getroffen werden muss. GmbH, UG (haftungsbeschränkt), GbR, AG, OHG oder Limited – informier dich im Einzelfall, was am besten zu dir passt. Die entscheidenden Faktoren sind vor allem die Höhe des Stammkapitals sowie die Anzahl der Gründer.

Grundsätzlich musst du auch beachten, dass die Mitgliedschaft in deiner zuständigen Bundesgenossenschaft verpflichtend ist. Diese trägt nämlich die gesetzliche Unfallversicherung deiner Angestellten.

Versicherungen um Risiken zu vermeiden

Jeder Selbstständige muss für seine gesetzliche oder private Krankenversicherung selber aufkommen. Auch gilt bei zulassungspflichtigen Handwerken eine Rentenversicherungspflicht. Zusätzlich sollte individuell abgewogen werden, inwiefern auch weitere Absicherungen lohnenswert sind. Zu berücksichtigen sind zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Unfallversicherung sowie aus gewerblicher Perspektive eine Betriebhaftpflichtversicherung und/oder eine Rechtsschutzversicherung. Darüber hinaus gilt es, rechtliche Fragen zu klären wie „Wann gilt deine Leistung als Handwerker als erbracht?“ oder „Wie sind die Gewährleistungspflichten für Handwerker?“.

Staatliche Unterstützung bei schlechten Witterungsbedingungen

Insgesamt musst du mit einigen Stolpersteinen rechnen, wenn du dich als Handwerker selbstständig machst. Es gibt zahlreiche Eventualitäten, auf die du auch bei noch so guter Planung wenig Einfluss hast. Dazu zählt auch das Wetter, welches für viele Berufsgruppen in der Handwerk-Branche eine gewisse Rolle spielt. Gerade in den Wintermonaten können die Witterungsbedingungen zum Nachteil werden. Bei der finanziellen Planung müssen mögliche Ausfälle – beispielsweise im Bau-, Gerüstbau- und Dachdeckergewerbe sowie im Garten- und Landschaftsbau – mit einkalkuliert werden. Hier kann Saison-Kurzarbeitergeld bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, vom Arbeitsamt ergänzende Leistungen wie Zuschuss-Wintergeld und Mehraufwandsgeld zu beziehen. Darüber hinaus kann eine Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge bewilligt werden.

Kundenstamm aufbauen und am Markt etablieren

Wenn du alle Voraussetzungen erfüllt und alle rechtlichen sowie finanziellen Hürden genommen hast, kannst du den Betrieb beginnen. Dann gilt es, deinen Kundenstamm aufzubauen und dich am Markt zu etablieren. Dabei solltest du nicht nur auf herkömmliche Mund-Propaganda setzen, sondern auch im Internet vertreten sein. Präsentiere dich freundlich, aber professionell, sodass sich deine Kundinnen und Kunden in guten Händen fühlen. So erarbeitest du dir eine Stammkundschaft, die zuverlässig Geld in deine Kassen spült. Damit steht deiner Laufbahn als selbstständiger Handwerker nichts mehr im Wege!

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