Interview über die Gründung eines nachhaltigen Startups

Gründer-Geheimnis Boomerang: Diese Versandtaschen kehren immer wieder

Sicher kennt es jeder, der viel online shoppt. Die Kartons stapeln sich und am Ende wirft man die meisten doch nur in die Tonne anstatt sie selbst wiederzuverwenden. Oftmals ist es sogar so, dass die Verpackung um ein vielfaches größer ist als das tatsächliche Produkt selbst. Dass das nicht sein muss, beweisen die drei Gründer von Boomerang. Sie haben intelligente Mehrwegverpackungen entwickelt, die den lästigen und ganz und gar nicht nachhaltigen Müllberg kleiner werden lassen. Im Gründer-Geheimnis haben uns Marc, Katharina und Christian Rede und Antwort gestanden.

Die Vorteile von Mehrwegverpackungen liegen auf der Hand. Weniger Müll, das Reduzieren von CO2-Ausstößen, Zeitersparnis im Versandprozess und auch eine Kostenersparnis durch das Mehrwegprinzip. Bis zu 50 Mal können die Taschen aus recyceltem Kunststoff wiederverwendet werden. Das System für den Endverbraucher funktioniert dabei ganz einfach. Beim Kauf eines Produkts in einem Online-Shop klickt der Käufer auf die Lösungen von Boomerang. Ein kleiner Pfandbetrag muss dann entrichtet werden, der beim kostenlosen Zurückschicken der Versandtasche wieder auf dem Konto des Käufers landet. Für Kunden entstehen so also keine Kosten.

Erst kürzlich schließt das Startup eine Finanzierungsrunde ab. So können viele neue Projekte angegangen werden. Auch der Bereich Produktentwicklung, IT-MVP und Teamaufbau sind sicherlich die wichtigsten bisher erreichten Meilensteine von Boomerang. Im Gründer-Geheimnis haben wir mit den Gründern über ihre wichtigsten Learnings und Tipps gesprochen.

Phase 1: Ideenfindung

Wie entstand die Idee von Boomerang?

Die Idee zu Boomerang entstand in Marcs Keller: Wie bei vielen Menschen türmten sich bei ihm die Kartonberge und die Mülltonnen sind eigentlich immer überfüllt. Durch Corona angeheizt, wächst der Onlinehandel immer noch so stark, dass sich das Müllproblem weiter verschlimmert. Aus dieser Frustration heraus entstand der Anspruch, etwas zu schaffen, das die Müllflut im Onlinehandel reduziert, den Leeranteil in der Verpackung minimiert und Onlineshopping trotzdem weiter attraktiv macht. Denn für viele Millionen Menschen gehört der Einkauf über das Internet einfach zum Alltag. Diesen Trend können wir nicht ändern, wir können ihn aber nachhaltiger gestalten.

Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Wir haben viel recherchiert und uns gefragt, welche Möglichkeiten es gibt, Müll zu reduzieren. Dabei sind wir auf die Idee von Mehrwegverpackungen aufmerksam geworden. Wir haben schnell gemerkt, dass wir hier einen großen nachhaltigen Impact leisten können und gleichzeitig in einem Wachstumsmarkt unterwegs sind. Die Anforderungen an unsere Verpackungen und unser IT-System sind anspruchsvoll, wir können Onlineshops und Endkunden aber einen großen Mehrwert bieten.

Phase 2: Planung

Wie habt ihr euch informiert und wie seid ihr dann mit Boomerang gestartet?

Wir mussten uns in viele Themen einarbeiten und haben uns mit Dingen beschäftigt, die neu für uns waren. Aber jeder von uns glaubt so stark an die Idee, dass wir nie den Eindruck hatten, uns mit Themen auseinanderzusetzen, auf die man keine Lust hat. Wir haben uns viel Wissen im Nachhaltigkeitsbereich angeeignet aber auch was Materialien, Verpackungen, Produkt- und IT-Entwicklung angeht. Durch die Teilnahme an zwei Accelerator-Programmen, Gateway49 und HOLII, hatten wir dann noch Experten, Mentoren und Berater an unserer Seite.

Wie sah dann die Erstellung des Businessplan für Boomerang aus?

Die Themen Marktanalyse und der Finanzplan haben bei der Erstellung unseres Businessplans eine zentrale Rolle eingenommen, da viele Unterstützer und Interessenten nicht so stark in das Thema Mehrwegverpackungen eingearbeitet waren. Es kamen deswegen viele Rückfragen zur Wirtschaftlichkeit, zur Marktgröße und zu den Entwicklungschancen. Wir glauben, dass uns der Businessplan auf diese Nachfragen sehr gut vorbereitet hat. Das Thema Gründerteam und Kompetenzen war ebenfalls ein zentraler Punkt, den wir ganz häufig im persönlichen Gespräch mit Investoren und Interessenten noch besser besprechen konnten.

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Welche Schritte standen noch an, bis die Plattform an den Start ging?

Wir mussten ein Produkt entwickeln, was in der Größe verstellbar ist und zusätzlich ein intelligentes IT- und Pfandsystem aufbauen. Besonders letzteres ist zentraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells und bedurfte viel Entwicklungs-Knowhow. Von der ersten Idee, bis hin zu einem Minimum Viable Product gab es also viel zu tun. Dafür haben wir aber sehr viele tolle Menschen kennengelernt, die uns in ihrer Freizeit unterstützt haben, weil auch sie von der Idee hinter Boomerang überzeugt sind. Am besten gewinnt man Unterstützer durch gleiche Überzeugungen und nicht nur mit Geld. So erhält man die loyalsten Mitarbeiter – das Thema Festanstellung und Gehalt kommt dann spätestens mit der ersten Finanzierung.

Erst kürzlich konntet ihr Investoren in einer Finanzierungsrunde für euch gewinnen. Wieso habt ihr euch dafür entschieden und wie lief diese genau ab?

Wir wussten, dass wir kein Geschäftsmodell haben, das in kurzer Zeit marktreif ist und große Gewinne abwirft, um selbst aus dem Cashflow zu wachsen. Wir sind definitiv gewinnorientiert, wollen aber ein skalierbares und flächendeckendes Mehrwegsystem aufbauen. Dafür benötigt man in der Regel Wagniskapital. In einer Pre-Seed Runde eignen sich da Business Angel und private Investoren am besten. Diese haben wir dann ganz gezielt angesprochen. Das Feedback war dabei von Anfang sehr positiv, wobei der Weg bis zum Abschluss einer Finanzierungsrunde auch lang und aufwendig ist. Bei uns hat aber alles reibungslos geklappt und wir sind sehr glücklich mit unseren Investoren. Wir merken, wie sehr sie das Thema interessiert und wie viel Unterstützung sie uns in jeglichen Bereichen anbieten. Das bedeutet, wir haben also weit mehr als nur Geld eingesammelt: Knowhow und ein großes Netzwerk.

Wohin soll das Geld letztendlich fließen?

Durch die hohe 6-stellige Finanzierungssumme können wir nun schnell unser IT-System ready bekommen und bereits in den kommenden Monaten einen Pilottest mit ausgewählten Onlineshops starten. Zudem schaffen wir Arbeitsplätze und können unserem Team Jobs und Perspektiven bieten. Uns freut es unglaublich, dass wir mit diesem tollen Team zusammen in die nächste Stufe der Unternehmensgründung starten können und wir alle gemeinsam mit Boomerang weiter wachsen. 

Phase 3: Gründung

Wie viel Potenzial besitzt diese Branche?

Startups sind ja oft Innovationstreiber und geben sich mit dem Status Quo nicht zufrieden. So ist es natürlich auch in unserer und vielen anderen Branchen. Wir glauben für angehende Gründerinnen und Gründer lohnt daher der Blick in den Alltag. Am besten löst man ein Problem, mit dem sich jeder identifizieren kann, aber immer den Anspruch zu haben etwas ganz Neues erfinden zu müssen ist auch nicht immer der Maßstab. Oft lohnt der Blick ins Ausland, nach Amerika oder zu anderen Kulturen, um auf Unterschiede aufmerksam zu werden. Viele erfolgreiche Startups haben ausländische Konzepte verändert, verbessert und auf den deutschen Markt gebracht. Das ist total legitim, zumal man im Ausland schon einen Proof of Concept hat, den man bei einer ganz neuen Erfindung erst noch teuer und mühsam erbringen muss.

Welche Vorteile bietet ein Online-Business für Gründer?

Geschäftsmodelle die auf den Onlinehandel ausgerichtet sind, profitieren natürlich stark vom Branchenwachstum. Ich glaube, jeder der glaubt, dass der E-Commerce stagnieren oder fallen wird, lebt in einer anderen Welt. Dieser Wachstum bieten super Chancen, um Innovationen voranzutreiben und auch große Onlinehändler wollen sich stetig verbessern, nachhaltiger werden oder Kosten sparen. Da gibt es viele Ansätze, die spannend sein können.

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Welche Fehler habt ihr mit Boomerang gemacht?

Ja, die Vorstellungen, ein Startup zu gründen, unterschieden sich oft stark zur Realität. Man hat wenig Freizeit, Beziehungen und Freunde bleiben auf der Strecke und deine Mitarbeiter werden in den ersten Jahren immer mehr verdienen als du – zumindest wenn du glaubhaft ein skalierbares Business aufbauen willst. Deine Investoren werden das sicherlich unterstreichen. Wir denken wir waren an manchen Stellen zu vorsichtig, zu langsam und zu ängstlich. Daher würden wir anderen raten, sich mehr zu trauen, schneller Produkte zu testen und auch mal mutig sein.

Phase 4: Wachstum

Was macht Boomerang so besonders?

Boomerang ist als Arbeitgeber genauso spannend, wie das Geschäftsumfeld in dem wir uns bewegen. Wir haben ein innovatives Produkt. Gehen ein Problem an, mit dem sich Millionen Menschen identifizieren können und können unsere Vision scheinbar gut verbreiten. So haben wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden, die uns von Tag 1 an unterstützt haben, ohne Forderungen zu stellen oder Gegenleistungen zu verlangen. Wir sind eigentlich alle ins volle Risiko gegangen und es zeichnet sich ab, als hätte keiner von uns aufs falsche Pferd gesetzt. Deswegen können wir andere nur motivieren sich unserer Reise anzuschließen. Wir freuen uns auf jeden Fall über Bewerbungen.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr bisher genutzt?

Obwohl wir eigentlich ein B2B-Geschäftsmodell haben, das heißt wir verkaufen nur direkt an Unternehmen und Onlineshops, werden viele Endkunden unsere Verpackungen in den Händen halten. Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten, den Druck erhöhen, nachhaltige Alternativen im Versand anzubieten, politisch einen Wandel anstoßen und unsere Marke bekannt machen. Dazu haben wir eine umfangreiche Social-Media- und Marketing-Strategie entwickelt, die wir nun gemeinsam mit einer Marketingagentur umsetzen werden. Dabei machen wir weder vor TikTok Halt noch sind wir uns zu Schade die Höhen und Tiefen der Startup-Gründung zu zeigen. Seid also gespannt was da kommt und abonniert uns auf Instagram, TikTok oder LinkedIn.

Welche geheimen Tipps möchtet ihr angehenden Gründern geben?

Wir glauben: Jede Krise ist auch ein Chance! Aktuell ist das Thema Energie ein sehr sensibles, bei dem es sich lohnt ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Man muss nur wissen, was die Menschen in der aktuellen Zeit brauchen und schnell das Produkt testen, dann gibt es eigentlich nie ein “falsch”. Ein weiterer Tipp ist das Thema Kapital: Startet früh mit der Investorensuche und sammelt in wirtschaftlichen unsicheren Zeiten lieber etwas mehr Geld als zu wenig ein. Falls sich eine nachfolgende Finanzierungsrunde verzögert, habt ihr so mehr Puffer.

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Über den Autor

Autorenprofil: Luisa Färber

Luisa Färber

Luisa kommt ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Oberfranken und entschied sich nach dem Abitur für ein Studium der Angewandten Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau in Thüringen. Durch die vielen praxisnahen Projekte konnte sie bereits Erfahrungen in verschiedenen Tätigkeiten innerhalb der Medienbranche sammeln. In mehreren Praktika entdeckte sie ihre Leidenschaft für die redaktionelle Arbeit und feilte an ihrem Textgefühl. Neben dem Studium war sie ehrenamtlich im Studierendenradio und in verschiedenen anderen Projekten tätig. Im Anschluss an ihren Bachelor macht sie nun seit Februar 2022 ihr Volontariat in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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