Interview über die Gründung eines Online-Business

Gründer-Geheimnis WorkGenius: KI-Lösung für Freelancer-Kooperationen

Der Fachkräftemangel ist ein heiß diskutiertes Thema. Neben den klassischen Vollzeit- oder Teilzeit-Stellen können viele Aufgaben aber auch an Freelancer abgegeben werden. Von Designern bis Textern oder Programmierern – Die Digitalisierung macht es möglich, viele Berufe von Zuhause oder auch Remote durchzuführen. Optimale Bedingungen, um als Unternehmen verschiedene Freelancer zu beschäftigen. Doch wie kommt man an die richtigen Personen?

WorkGenius vermittelt mithilfe von Künstlicher Intelligenz den passenden Freelancer für dein Unternehmen und dein Projekt. Freiberufler können sich auf der Website registrieren, Angebote für Aufträge erhalten und diese im Zeitraum bis zur Deadline erfüllen. Das wirkt nicht nur dem Fachkräftemangel des einzelnen Unternehmens entgegen, sondern kann auch wertvollen neuen Input für die Unternehmen bedeuten.

Im Jahr 2012 gegründet feiert das Unternehmen in 2022 sein 10-jähriges Bestehen. Doch seit der Gründung ist viel passiert. So ist WorkGenius expandiert, hat Standorte in London, Paris, New York und Hongkong erobert und bereits über 250 Mitarbeiter. Mit dem Unternehmen JBC konnten sie außerdem eine Recruiting Agentur übernehmen und ihr Portfolio erweitern. Wir haben mit Gründer Daniel Barke über seine Erfahrungen gesprochen und ihn gefragt, was sein Gründer-Geheimnis ist.

Phase 1: Ideenfindung

Wie entstand die Idee von WorkGenius?

Während des Studiums arbeiteten mein Co-Gründer Marlon Rosenzweig und ich in diversen Nebenjobs, die rein gar nichts mit unseren Studienfächern zu tun hatten. Dabei hätten wir unsere bereits vorhandenen Fähigkeiten gerne sinnvoller eingesetzt. Stattdessen erhielten wir zum Beispiel die Aufgabe, T-Shirts zusammenzulegen – weder Marlon noch ich waren besonders gut darin. Schließlich wuchs bei uns die Frustration darüber, dass es durchaus Bedarf an Studierenden als qualifizierte Arbeitskräfte gab, welchen die Unternehmen einfach nicht stillen konnten. Bei klassischen Studijobs wird das Potenzial der Studierenden selten voll ausgeschöpft. Uns war klar: Es muss eine Lösung geben, welche es Arbeitskräften und Unternehmen leicht macht, das gegenseitige Potenzial zu erkennen und zu nutzen. Über die Jahre haben wir ein ähnliches Problem auf dem Arbeitsmarkt für Freelancer gesehen: Freelancer gibt es viele, genauso wie unbesetzte Stellen in Unternehmen. Aber dass sich beide Parteien finden, sei es für einzelne Projekte oder eine langfristige Zusammenarbeit, erschien unnötig schwierig. 

Wie lief die Namensfindung ab und warum habt ihr euch für “WorkGenius” entschieden?

Wir waren uns schnell einig, dass wir eine moderne und internationale Corporate Identity schaffen wollten. Dabei sollten die Dinge im Vordergrund stehen, die uns auszeichnen, also der Fokus auf Arbeitsvermittlung und unsere geniale KI. Wir hatten von Anfang an die Vision, unser Geschäftsmodell über die Grenzen der deutschen Sprache hinaus zu skalieren. Somit landeten wir recht schnell bei unserem jetzigen Namen.

Wie habt ihr erkannt, dass es sich bei WorkGenius um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Unsere vorherigen Gründungserfahrungen hatten uns den Weg gewiesen. Wir haben zunächst Studentenjobs vermittelt und in kurzer Zeit erste virale Effekte festgestellt. Wir spürten, dass sich unser Ansatz ausweiten ließe. Nach unserem Rebranding 2018 konnten wir das Vertrauen einiger sehr bedeutender Investoren gewinnen (z. B. Unternehmer Axel Sven Springer), was uns 8,5 Millionen Euro in Funding-Summe eingebracht hat. Bereits damals ahnten wir: Das wird unser Ticket für den US-Markt, der ein riesiges Potenzial bietet. Die Zahl der Arbeitnehmer in freien Berufen in Deutschland steigt seit Jahren kontinuierlich und ihre Arbeit ist zunehmend unerlässlich. Dennoch beläuft sich ihr Anteil an der Arbeitnehmerschaft hierzulande „nur” auf 9,6 Prozent.

Wieso habt ihr euch für den US-Markt entschieden?

In der US-amerikanischen Bevölkerung stellen Freelancer:innen dagegen bereits heute beachtliche 36 Prozent. Studien sagen sogar einen Anteil von über 50 Prozent ab dem Jahr 2027 voraus. Dabei gibt es diverse Besonderheiten im Vergleich zum deutschen Arbeitsmarkt zu berücksichtigen. Darunter fallen z. B. rechtliche Themen, wie der Umgang mit Krankenversicherungen, unterschiedliche Regelungen hinsichtlich der Steuer sowie eine andere soziale und demografische Bevölkerungsstruktur. Dieser Einstieg war auch unsere bisher größte Herausforderung. Für Marlon und mich ist New York City mittlerweile zu einer zweiten Heimat geworden. Unsere Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt und wir konnten im Juni 2022 den amerikanischen Personaldienstleister JBC akquirieren. JBC hat bis dato größtenteils traditionell agiert, um Talente zu finden – nun profitieren die über 200 Recruiter von unserer Technologie, um noch effizienter und schneller arbeiten können. Das hat unseren Jahresumsatz auf 100 Millionen US-Dollar vergrößert und die Tür zum amerikanischen Markt noch weiter geöffnet.

Phase 2: Planung

Wie habt ihr euch informiert und wie seid ihr dann mit WorkGenius gestartet?

Wir hatten das Glück, von der eigenen Vergangenheit zehren zu können, da wir bereits vor WorkGenius gemeinsame Gründungserfahrungen gesammelt haben. Natürlich haben wir uns auch innerhalb unserer Netzwerke umgehört, etliche Gespräche geführt und viel recherchiert. Uns war bewusst, dass es nicht einfach werden und sehr viel Arbeit bedeuten würde. Wir waren aber von unserer Idee überzeugt und wussten, dass sich der Einsatz lohnen würde.

Wie habt ihr den Businessplan erstellt?

Wir wussten, dass es ohne größere Fremd-Investitionen nicht gehen wird. Unsere vorherigen Erfahrungen hatten wir in einem thematisch ähnlichen Umfeld gemacht. Insofern kannten wir den Markt bereits und hatten entsprechend eine ziemlich genaue Vorstellung, worauf es ankommt, was bisher gefehlt hat und was wir mit WorkGenius künftig erreichen wollen. Diese Vision haben wir anhand konkreter Kalkulationen glaubhaft vermittelt und konnten so direkt namhafte Investoren gewinnen, was uns natürlich weiteren Rückenwind gab.

Welche Schritte standen noch an, bis die Plattform online ging?

Nach der Konzeption kommt natürlich die Umsetzung. Unsere KI hatten wir bereits im Vorfeld auf einen hervorragenden Stand gebracht, um uns zu vergewissern, dass unser Vorhaben grundsätzlich auch realistisch umsetzbar ist. Nun galt es, ein Team zusammenzustellen, ein HQ zu etablieren und mit allem, was dazugehört, zu launchen. Auch hier konnten wir wieder auf unsere vorherigen Erfahrungen und unser Netzwerk zurückgreifen. Wer sich mit Startups auskennt, weiß, dass vieles oft sehr kurzfristig passiert und im laufenden Prozess angepasst wird, das war bei uns nicht anders. Grundsätzlich ist es wichtig, das Ziel im Auge zu behalten und sich trotzdem einen hohen Grad an Spontanität und Flexibilität zu bewahren.

Phase 3: Gründung

Wie viel Potenzial besitzt diese Branche, warum sollten angehende Gründer in diesem Bereich neue Konzepte entwickeln?

Das Potenzial ist riesig, schätzungsweise rund 600 Milliarden Dollar – man denke nur an eines der schönsten deutschen Schlagwörter der letzten Jahre: Fachkräftemangel. Zusätzlich erleben wir gerade eine extrem spannende Phase neuer Dynamiken auf dem Arbeitsmarkt. Die Ansprüche von Arbeitnehmern steigen, die Backgrounds der Talente werden immer diverser, zusätzlich hat natürlich Corona auch sehr viele Veränderungen angestoßen. Die Arbeitgeber müssen darauf nun reagieren. Derartige Veränderungen bieten aber auch immer etliche Chancen. Wer es schafft, alte, etablierte und verkrustete Prozesse mit neuen, innovativen Konzepten aufzubrechen und diese effizienter und ansprechender zu gestalten, hat gute Karten. Diesen Ansatz verfolgen wir auch bei WorkGenius.

Welche Vorteile bietet ein Online-Business für Gründer?

Gerade für ein Konzept wie unseres ist das Internet unerlässlich. WorkGenius wäre rein analog gar nicht denkbar. Schließlich ermöglicht uns erst das Internet, dass wir zeit- und ortsunabhängig mit einer Vielzahl unterschiedlichster Menschen interagieren und kollaborieren können. Es bietet uns Flexibilität, Schnelligkeit und Internationalität. Außerdem profitieren wir enorm von der Möglichkeit, große Datensätze unkompliziert und überall verfügbar zu haben. So können wir zum Beispiel neu gewonnene Kontakte, wie wir sie durch die Übernahme von JBC generiert haben, ganz simpel in unser bestehendes System einpflegen, sodass unsere KI diese direkt verwerten kann – natürlich datenschutzkonform. Zudem können wir so unser gesamtes Geschäftsmodell schnell und ohne großen technischen Aufwand skalieren.

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Welche Fehler habt ihr mit WorkGenius gemacht?

Grundsätzlich ist eine Gründung schon nichts, was eben mal so nebenbei läuft. Man muss sich der Risiken bewusst sein. Wenn es schlecht läuft, droht am Ende womöglich sogar die Insolvenz. Sicherlich kein Weltuntergang, aber bestimmt auch keine Situation, in die man gerne kommen möchte. Zum Glück ist Scheitern heutzutage ein Stück weit entstigmatisiert und man ist sich im Allgemeinen bewusst, dass nie alles klappen kann und man aus Fehlern eben mitunter die wichtigsten Lektionen lernt. Wir würden mit dem Wissen von heute sicherlich auch einiges anders machen.

Was genau zum Beispiel?

An manchen Stellen wären wir rückblickend mutiger gewesen, an anderen ganz bestimmt zurückhaltender. Das ist ein natürlicher Entwicklungsprozess, den wohl alle Gründer durchlaufen. Es ist wichtig, dass man sich oft selbst reflektiert und richtige Schlüsse für die Zukunft zieht, damit sich die Fehler nicht wiederholen. Ich habe mal den schönen Spruch gehört „Was ist ein Fehler? Die Chance, etwas zu lernen!” Ich persönlich versuche, mir das immer wieder vor Augen zu halten und entsprechend unternehmensweit eine gesunde Fehlerkultur zu etablieren.

Phase 4: Wachstum

Was macht WorkGenius so besonders?

Unser USP ist unsere Künstliche Intelligenz, die wir ständig verfeinern und weiterentwickeln. Sie bringt im Handumdrehen die richtigen Talente zu den passenden Projekten. Dabei agiert sie rein anhand von Skillsets. Oberflächliche Kriterien wie Alter, Geschlecht, Herkunft etc., werden bewusst komplett außen vor gelassen. Somit tragen wir auch zu mehr Chancengleichheit und Diversität im Arbeitsalltag bei. Dabei ist uns wichtig, dass wir keine Konkurrenz für klassische Recruiter darstellen. Stattdessen wollen wir ihre jahrelange Expertise nutzen und sie mitnehmen. Wer vorher am Tag vielleicht fünf Jobsuchende vermitteln konnte, schafft mit unserer Hilfe deutlich mehr, da zeitaufwändige Prozesse, wie das manuelle Durchforsten von Datenbanken, komplett hinfällig werden und in Sekundenbruchteilen von unserer KI automatisiert werden. Die persönlichen Kontakte, Erfahrungen und Netzwerke bleiben aber trotzdem ein essenzieller Bestandteil für die Vermittlung.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr mit WorkGenius bisher genutzt?

Für unsere Branche sind natürlich gerade professionelle Netzwerke essenziell. Dementsprechend sind wir stark auf LinkedIn präsent. Um unsere Reichweite zu vergrößern und auch weitere Zielgruppen zu erreichen, sind wir außerdem auf Instagram und Facebook aktiv. Wir verfolgen aber auch den Ansatz, uns weitläufig als Thought Leader und generelle Experten auf dem Gebiet zu positionieren. Insofern veröffentlichen wir auch zahlreiche interessante Studien, geben Statements ab, veranstalten Workshops und Konferenzen, nehmen an diversen relevanten Events teil oder führen Interviews mit Medien wie Gründer.de.

Welche geheimen Tipps möchtet ihr angehenden Gründern geben?

Kreativität, Ausdauer und ein gutes Netzwerk. Das sind für mich essenzielle Erfolgsfaktoren. Denn gerade, wenn es mal nicht rund läuft, muss man Neues probieren. Gleichzeitig darf man den Mut nicht verlieren, sondern muss umso mehr am Ball bleiben. Es gibt das schöne Sprichwort „when the going gets tough, the tough get going!” Und wenn alles nichts hilft, gibt es immer noch andere Menschen, die behilflich sein können und schlaue Ideen haben. Deshalb ist ein vielseitiges Netzwerk unabdinglich. 

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Über den Autor

Autorenprofil: Luisa Färber

Luisa Färber

Luisa kommt ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Oberfranken und entschied sich nach dem Abitur für ein Studium der Angewandten Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau in Thüringen. Durch die vielen praxisnahen Projekte konnte sie bereits Erfahrungen in verschiedenen Tätigkeiten innerhalb der Medienbranche sammeln. In mehreren Praktika entdeckte sie ihre Leidenschaft für die redaktionelle Arbeit und feilte an ihrem Textgefühl. Neben dem Studium war sie ehrenamtlich im Studierendenradio und in verschiedenen anderen Projekten tätig. Im Anschluss an ihren Bachelor macht sie nun seit Februar 2022 ihr Volontariat in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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