Darum kommt an KI kein Startup mehr vorbei

Startups und die Künstliche Intelligenz: Zwei Zukunftspartner?

Neue Technologien und vor allem jene, von denen zukünftig noch deutlich mehr Nutzen erwartet wird als derzeit, strahlen eine Faszination aus und beinhalten ein Erfolgsversprechen. Doch nicht jedes Unternehmen nutzt inzwischen schon Dinge, wie Big Data, das Internet of Things (IoT), Augmented Reality, Cloud-Computing, 3D-Druck oder auch die Künstliche Intelligenz (KI). Da vor allem junge Menschen, die mit diesen Technologien aufwachsen, sie als deutlich selbstverständlicher hinnehmen, als alteingesessene Unternehmen mit traditionellen Strukturen und Arbeitsweisen, können sie in Startups oft schneller und besser integriert werden. Gerade die Künstliche Intelligenz dürfte dabei ein verlässlicher Zukunftspartner für viele Jungunternehmen sein.

Nutzen Startups vermehrt Künstliche Intelligenz?

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. – Bitkom – prognostizierte im Juli 2020, dass die Künstliche Intelligenz bald schon zu einer „Standard-Technologie“ in Startups in Deutschland gehören könnte. Diese Voraussage stütze man auf eine Umfrage, bei welcher 206 IT- und Internet-Startups in Deutschland befragt wurden. Fast jedes zweite Startup in Deutschland – 47 Prozent – gab an, KI in ihrem Unternehmen einzusetzen. Außerdem plante mehr als jedes dritte Startup – 35 Prozent – den Einsatz von KI oder diskutierte zumindest über diesen. Noch ein Jahr zuvor hatten erst 39 Prozent der Startups KI im Einsatz und 38 Prozent wollten sich damit beschäftigen.

Bitkom-Präsident Achim Berg kommentierte: „Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie. Von ihrem Einsatz wird die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft abhängen. Startups spielen bei der Weiterentwicklung der KI-Technologie und ihrem Praxiseinsatz in völlig neuen Geschäftsmodellen eine herausragende Rolle.“ Berg bemerkte daher auch, dass die Forschung und Entwicklung rund um KI an Hochschulen, Forschungsinstituten und in Unternehmen deutlich ausgeweitet werden müsse. Denn der Bedarf an notwendigen Spezialisten im Gebiet der künstlichen Intelligenz sei groß und nach wie vor lange nicht zu decken.

Die Frage, die nun noch im Raum steht, lautet: Warum genau hat KI das Potenzial Startups vor allem auch in Zukunft bei ihren Unternehmungen zu helfen? Wie genau also und in welchen Bereichen lässt sich KI im Start-up sinnvoll einsetzen?

Wie kann KI in Startups helfen?

Auch kleine Unternehmen und Startups können von KI inzwischen profitieren. Denn auch, wenn die KI noch ein gigantisches und junges Forschungsfeld darstellt, ist die Technik doch weit genug fortgeschritten, um an verschiedenen Stellen praktische Anwendung zu finden. Grundsätzlich kann hier gesagt werden, dass KI in vielen Branchen vor allem dabei hilft, Arbeitsprozesse zu reduzieren, die aus irgendwelchen Gründen als gefährlich einzustufen sind. Derlei Arbeiten, die vorher Mitarbeiter übernehmen mussten, können dank KI heutzutage oft schon an Computer und Roboter(-intelligenz) übergeben.

Die daraus resultierende erhöhte Verfügbarkeit menschlicher Arbeitskraft lässt sich dann wiederum nutzen, um sich auf andere wertschöpfende Tätigkeitsbereiche zu konzentrieren. Zum Aufbau einer besseren Unternehmenskultur im Startup ist diese zusätzliche Zeit eine der wertvollsten Ressourcen überhaupt. Denn gerade junge Unternehmen, die sich auf dem Markt erst noch positionieren, etablieren und behaupten müssen, haben ständig Bedarf, Optimierungen und Anpassungen vorzunehmen.

Die Analyse von Daten

DatenmengeQuelle: tippapatt - stock.adobe.com
Riesige Datenmengen lassen sich mit Hilfe von KI viel schneller und effizienter analysieren.

Um Teil der digitalen Transformation zu sein, die die gesamte Wirtschaft gerade durchlebt, ist selbstverständlich auch die Analyse unzähliger verschiedener Daten eine der Herausforderungen der Gegenwart. Ganz egal, welcher Branche ein Startup zugehörig ist – durch Big Data lassen sich bessere Kundeninformationen erlangen, die Marktreaktionen auf Produkte und Dienstleistungen effizienter messen, Kunden gezielter und optimierter ansprechen. Gut programmierte und spezialisierte Software, die mit KI arbeitet, ist wiederum in der Lage, riesige Datenmengen kostengünstiger und zeitsparender weiterzuverarbeiten, als menschliche Angestellte das je könnten.

Als Beispiel hierfür sei die Energiewirtschaft genannt, die sich mit Hinblick auf den Klimawandel und die Zunahme der Nachfrage nach regenerativen Energien vor immer komplexere Planungsvorgänge gestellt sieht. Für Startups, die Teil der Energiewende sein möchten, stellt die Datenanalyse aufgrund von Gesetzesänderungen sowie dem Einzug etwa von Smart Meter, Smart Grid und Smart Home eine der wesentlichen Herausforderungen der Zukunft dar. KI, die dabei hilft, zugehörige Prozesse zu automatisieren ist kaum mehr wegzudenken. Nur noch mit ihrer Hilfe werden sich diese Aufgaben gerade in Zukunft reibungslos und effizient bewältigen lassen.

Startups, die sich selbst mit KI beschäftigen

Die Frage, ob viele Startups derzeit und in naher Vergangenheit künstliche Intelligenz als Fokus in ihrem Unternehmen hatten und haben werden, scheint vor allem von der Perspektive abzuhängen. Eindeutige Aussagen hingegen sind schwer möglich.

Klar gesagt werden kann immerhin, dass KI als Unternehmensfeld ein Thema der Stunde ist und vor weniger als einem Jahrzehnt in Startups noch kaum präsent war. Noch im Jahr 2013 befasste sich gerade einmal eines von fünfzig neugegründeten Startups in dreizehn Staaten Europas mit KI. Bereits fünf Jahre später dagegen hatte schon jede zwölfte Startup-Neugründung nach eigenen Angaben diese Ausrichtung.

Die Londoner Investorengruppe MCC Ventures konnte jedoch in einer erst 2019 veröffentlichen Studie etwas eher Überraschendes aufdecken. So wurden 2.830 Startups untersucht, die alle angaben, mit künstlicher Intelligenz zu arbeiten. Gerade einmal bei knapp 40 Prozent der Befragten aber eine bloße Behauptung. So wurde bei den restlichen 60 Prozent keinerlei Anzeichen für KI-Einsatz nachgewiesen.

Gesagt werden muss an dieser Stelle jedoch auch, dass die Hälfte der europäischen KI-Startups sich erst in der Frühphase befindet. Gerade einmal 16 Prozent sind marktreif. Nicht wenige KI-Startups befinden sich auch auf deutschem Boden – der Großteil davon in Berlin, München und Hamburg. Mit ganzen 40 Prozent dürfte Berlin aktuell die Hochburg der KI-Startups hierzulande sein.

Einige Namen, die in Zukunft noch für mehr Aufmerksamkeit sorgen könnten, sind davon etwa:

  • EyeEm
  • German Auto Labs
  • Mapegy
  • Micropsi Industries
  • Searchink
  • Twenty Billion Neurons
  • Xbird

Der Stand deutscher KI-Startups und die Zukunft

Der Bundesverband Deutsche Startups e.V., der für innovatives Unternehmertum wirbt und die Interessen von Startups gegenüber Gesetzgebung, Verwaltung und Öffentlichkeit vertritt, veröffentlichte gemeinsam mit hubraum, dem Tech-Inkubator der Deutschen Telekom, Ende 2020 eine Studie. Sie trägt den Titel „Künstliche Intelligenz – wo stehen deutsche Startups?“. Das Ziel der Studie verrät schon deren Titel. Es ging darum, einen genaueren Blick auf die deutsche Startup-Szene zu werfen und zu überprüfen, wo deutsche Startups im Hinblick auf KI wirklich stehen.

Die Ergebnisse unterteilte der Startup-Verband selbst in sechs Punkte auf:

  1. KI-Startups lassen sich durchaus als Innovatoren für die deutsche Wirtschaft bezeichnen. Startups, bei denen KI im Fokus steht, kooperieren häufiger mit etablierten Unternehmen als alle anderen Startups.
  2. Der Transfer aus der Forschung rund um KI in die Praxis ist in Deutschland noch ausbaufähig. Das liegt teilweise auch daran, dass es hierzulande schlichtweg immer noch zu wenige Startups im Bereich der KI gibt.

    InvestorengesprächQuelle: fizkes - stock.adobe.com
    Investoren lassen sich von vielen KI-Startups leider immer noch erst überzeugen, wenn diese bereits marktreife Produkte vorweisen können.
  3. Deutlich mehr als die Hälfte aller KI-Startups haben einen Fokus auf Geschäftskunden. Sie richten sich dabei stark an den Bedürfnissen der deutschen Industrie aus. Anderen Anwendungsfeldern der KI, wie beispielsweise Cybersicherheit oder etwa auch Bildung hat sich bisher hingegen kaum ein deutsches Start-up gewidmet.
  4. Geschäftsmodelle deutscher KI-Startups entstehen vor allem ausgehend von den technischen Möglichkeiten der Datenanalyse. In anderen Ländern, wie etwa Israel, das als Top-Ökosystem im Bereich der KI gilt, konzentriert man sich eher auf die Entwicklung von Lösungen in konkreten Branchen oder Funktionsbereichen.
  5. Vielen deutschen KI-Startups mangelt es an Kapital für ihre Entwicklung. Über die Hälfte aller deutschen Startups im Bereich KI würde sich gerne durch Wagniskapital finanzieren. Doch gerade, wenn die Startups noch keine marktreifen Produkte vorweisen können, tun sich Investoren schwer. Investoren, wie 468 Capital aus Berlin, bemühen sich im Meer von KI-Startups die besonderen Perlen zu finden. Nur, wenn der Ansatz stimmt, wagen solche ambitionierten Investoren die ganz großen Wetten.
  6. Das letzte und sechste Kernergebnis der Studie ist wiederum als positiv zu werten. So spielen die Themen Ethik und damit auch die Grenzen des Einsatzes von KI für viele deutsche KI-Startups eine wichtige Rolle. Der Wunsch nach einer Versachlichung der Debatte durchzog dabei das gesamte Startup-Ökosystem.

Die besten Artikel & mehr direkt in dein Postfach!




* Ja, ich möchte den Newsletter. Die Einwilligung kann jederzeit im Newsletter widerrufen werden. Datenschutzerklärung.
Das könnte dich auch interessieren ...

Über den Autor

Autorenprofil: Redaktion

Redaktion

Hier schreibt das studierte Redaktionsteam aus Köln für dich an den neusten News sowie Ratgebern- und Magazin-Artikeln aus der Gründer- und Startup-Szene.

Sitemap

schliessen

Die besten Artikel & mehr direkt in dein Postfach!




* Ja, ich möchte den Newsletter. Die Einwilligung kann jederzeit im Newsletter widerrufen werden. Datenschutzerklärung.