Interview über die Erfolgsstrategien und vermeidbare Gründer-Fehler

Gründer-Geheimnis: Die Erfolgsgeschichte der SNOCKS-Socken durch Amazon FBA

Socken stehen bei unseren Outfits zwar nie wirklich im Fokus, doch sie sind ein täglicher Begleiter. Deshalb ist klar, dass auch dort je nach Preis erhebliche Qualitätsunterschiede existieren. Und diese extremen Unterschiede fielen auch Felix und Johannes aus Mannheim auf. Außerdem war es für beide höchste Zeit, dass sich Kunden nicht mehr in einem Bekleidungsgeschäft durch die Angebote wühlen. Deshalb entwickelten sie ihre Marke SNOCKS, setzten komplett auf den Online-Handel und konnten damit bisher über 7 Mio. Euro an Umsatz generieren. Wir haben uns mit den Geschäftsführern von SNOCKS über ihr Gründer-Geheimnis unterhalten und Details zur Ideenfindung, den vermeidbaren Fehlern und Tipps für angehende Gründer erfahren.

 

Die beiden Cousins Felix Bauer und Johannes Kliesch aus Mannheim wussten irgendwie schon immer, dass sie mal ein eigenes Business aufbauen möchten, um finanziell unabhängig zu sein. Doch dass sie ihren großen Durchbruch ausgerechnet mit SNOCKS und damit dem Online-Versand von Socken schaffen, hätten sie wohl niemals gedacht. Vielleicht entstand auch deshalb ihr Geschäftsmotto „why not“, dass sie seit 2016 auf ihrem Erfolgsweg begleitet. Ihre Vision damals und heute: Hochwertige und bezahlbare Socken anbieten. Hinzu kommt die Produktion weiterer Kleidungsstücke, wie zum Beispiel Boxershorts und Hoodies. Außerdem setzten die beiden Gründer schon zu Beginn auf die Vertriebsmethode Amazon FBA, die sich zu einem echten Erfolgsfaktor entwickelte.

Heute ist SNOCKS der auf Amazon führende Anbieter von Socken. Gleichzeitig bietet das Startup die vielen verschiedenen Produkte jedoch auch über den eigenen Online-Shop an. Über 300.000 Kunden konnte das Startup damit bisher schon überzeugen und so über 7 Mio. Euro an Umsatz generieren. Mittlerweile ist ihr Team zudem auf 52 Mitarbeiter angewachsen und auch zukünftig sollen weitere Teammitglieder und Produkte hinzukommen. Doch wie fing alles an? Wie schafften es die Gründer, ihr Geschäftskonzept umzusetzen? Wir haben im Interview mit beiden Gründern erfahren, welche Meilensteine das Startup schon erreichte und welche Rolle Amazon FBA dabei spielte.

Phase 1: Ideenfindung

Wie genau entstand die Geschäftsidee für SNOCKS?

Schon als kleine Kinder verbrachten wir Familienurlaube damit, Geschäftsideen auszutüfteln. Eine dieser Ideen war eine eigene Gärtnerei, doch das hat leider nicht geklappt. Nach dem Abi haben wir beide dann ein duales Bank-Studium absolviert, was uns aber nicht wirklich glücklich machte. Johannes war zu diesem Zeitpunkt ein riesiger Sneaker-Freak und besserte sich sein Taschengeld mit dem Weiterverkauf von Turnschuhen auf. Weil er auch ein leidenschaftlicher Sneaker-Träger war, entdeckte er dabei auch schnell den Mangel an qualitativ hochwertigen und coolen Socken. Bei einem ausgelassenen Abend in einem Mannheimer Nachtclub im Jahr 2016 weihte Johannes dann Felix in seine Idee ein: Wir verkaufen Socken online.

Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Ganz getreu unseres Mottos “why not” haben wir nicht allzu viel Zeit in einen Businessplan oder ausführliche Recherche investiert. Wir sahen, dass weder im stationären Handel noch auf Amazon gute Socken verkauft wurden, also haben wir es gewagt. Denn wir wollten diese damalige Marktlücke so schnell wie möglich nutzen. Um ehrlich zu sein, verkauften sich unsere Socken direkt zu Beginn viel besser als erwartet. Natürlich folgte darauf zwar auch die eine oder andere Ernüchterung, aber im Prinzip haben wir schnell erkannt, dass wir mit den richtigen Folgeprodukten weiter wachsen können.

Phase 2: Planung

Wie habt ihr euch ganz am Anfang informiert bzw. euch unterstützen lassen?

Wir haben über Podcasts und Expertenartikel viel über die Vertriebsmethode Amazon FBA konsumiert und waren uns schnell sicher, dass wir dieses Modell nutzen könnten. Beim „Fullfilment by Amazon“ übernimmt der Onlinehändler für Händler die Lagerung der Produkte, sorgt für eine passende Verpackung und versendet die Ware an den Kunden. Außerdem kümmert sich Amazon noch um den Kundenservice und eventuelle Rücksendungen, was für angehende Gründer ohne viel Zeit besonders praktisch ist. Generell bekamen wir dann bei der konkreten Planung jedoch keine Unterstützung, also starteten wir SNOCKS sozusagen zu zweit aus unserem jeweiligen Kinderzimmer.

Warum habt ihr euch für Amazon FBA entschieden?

Uns war von Anfang an klar: Wenn wir es machen, dann nur über Amazon FBA. Denn wir studierten damals beide noch und wollten das Projekt nebenher stemmen. Deshalb besaßen wir weder die Zeit noch die Manpower, um alle Tätigkeiten eines unabhängigen Onlinehändlers selbst zu übernehmen. Generell faszinierte uns Amazon FBA schon lange und als wir schließlich die zündende Idee für ein Produkt hatten, mussten wir nicht lange über das Vertriebsmodell nachdenken. Insgesamt stellte sich Amazon FBA als einzige Möglichkeit heraus, SNOCKS in diesem Tempo zu zweit und in Teilzeit zu skalieren.

Wie habt ihr euer erstes eigenes Produkt von SNOCKS auf den Markt gebracht?

Wenn wir ehrlich sind, haben wir zuerst einfach bei unterschiedlichen Online-Handelsplattformen, wie zum Beispiel Alibaba, Sockenmuster erstellen lassen und diese anschließend verglichen. Da war natürlich auch viel Schrott dabei, aber letztendlich fanden wir einen Hersteller mit akzeptabler Qualität. Auch das Design, die Bestellung und die Bewertung der Produkte übernahmen wir dabei komplett alleine.

Produkt SNOCKSQuelle: Pressefoto SNOCKS
Sportlich, hochwertig und stylisch – diese Grundprinzipien sind für die Gründer wichtig.

Wie habt ihr euren Businessplan erstellt?

Unseren Businessplan haben wir erst dann erstellt, als wir bei einer lokalen Bank ein Darlehen aufnehmen wollten. Glücklicherweise sind wir beide studierte Banker und haben nach wie vor gute Kontakte in die Branche. Deshalb war vor allem die Erstellung des Finanzplans für uns nicht so herausfordernd wie vielleicht für andere Gründer. Dabei konzentrierte sich unsere Marktanalyse auf große E-Commerce Plattformen, wie zum Beispiel Amazon oder Zalando, und ausgewählte Sockenhersteller.

Phase 3: Gründung

Welche Hürden musstest ihr bis zur offiziellen Gründung von SNOCKS noch überwinden?

Unsere größte Hürde waren 2016 die begrenzten finanziellen Mittel, da wir ja mitten im Studium steckten und daher unsere ersten Bestellungen mit unserem zusammengekratzten Erspartem von 4.000 Euro finanzierten. Am Anfang hatten wir deshalb verständlicherweise konstant Angst, dass wir all unser Geld in den Sand setzen würden.

Wenn sich angehende Gründer für Amazon FBA entscheiden: Worauf sollten sie achten?

Zunächst lohnt sich eine gründliche Recherche nach Produkten. Dazu gehört eine Suchmaschinen-Auswertung der relevanten Keywords und deren Suchhäufigkeit. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Warenfinanzierung, denn hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Diesen Aspekt haben wir zu Beginn zum Beispiel nicht bedacht und uns erst später damit beschäftigt. Außerdem sollte man im Jahr 2021 auf jeden Fall den Brexit in seine Planung einbeziehen und sich die Frage stellen, ob Großbritannien überhaupt noch einen relevanten Absatzmarkt darstellt.

Welche Fehler habt ihr bei der Gründung von SNOCKS gemacht?

Wir haben uns in unserer frühen Goldgräberstimmung etwas übernommen und im Winter 2016 Socken mit unserem Brand-Namen auf den Markt gebracht. Natürlich war SNOCKS zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannt, weshalb sich diese Socken fast überhaupt nicht verkauften. Da waren wir sehr naiv. Außerdem bedachten wir damals überhaupt nicht, dass ab Oktober selbstverständlich viel weniger Menschen kurze Ankle Socken oder Invisible Socken tragen.

Wie wichtig ist es eurer Meinung nach als Team zu gründen?

Für uns war es die perfekte Entscheidung, im Team zu gründen, aber das muss aber nicht prinzipiell so sein. Denn wir hatten den Vorteil, dass wir uns als Cousins seit der Geburt kennen und den anderen genau einschätzen können. Vertrauen ist das A und O, das gilt auch fürs gemeinsame Gründen eines Unternehmens. Zum Glück ergänzten wir uns von Beginn an und konnten so das schnelle Wachstum hinlegen, auf das wir heute stolz zurückblicken.

Wo befindet sich eurer Meinung nach der ideale Standort für eine Gründung?

Natürlich Mannheim 🙂 Spaß beiseite. Es gibt natürlich Städte in Deutschland, die für uns persönlich bzw. aufgrund der hohen Dichte an anderen Startups und einem bestehenden Netzwerk an Investoren sowie Experten interessant sind. Wir halten uns beispielsweise sehr gerne in Berlin auf und genießen die Energie der Stadt. Grundsätzlich sind wir aber davon überzeugt, dass man von fast überall auf der Welt ein Unternehmen aufbauen kann. Viele unserer Mitarbeiter arbeiten zum Beispiel von Hamburg aus, was für uns auch einen interessanten Standort für Gründer darstellt.

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Phase 4: Wachstum

Wie habt ihr es rückblickend geschafft, SNOCKS so erfolgreich aufzubauen?

Ein großer Faktor für unseren Erfolg ist unser Talent, Chancen früh zu erkennen und „All in“ zu gehen. Das hat schon 2016 mit Amazon FBA angefangen, denn ohne dieses Modell hätten wir nie so schnell wachsen können. Zusätzlich erkannten wir früh, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist. So konnten wir uns in der Amazon-Szene schrittweise einen Namen machen und wurden als Experten wahrgenommen. Ein Resultat daraus war die Auszeichnung zum Amazon Verkaufspartner 2019, eines unserer größten Meilensteine bisher. Daher geben wir heute unsere gesamte Amazon-Expertise an die Kunden unserer Beratungsagentur Snocksulting weiter. Ein weiterer Meilenstein war der Bezug unserer eigenen Büros 2018, davor haben Felix und ich aus unseren Kinderzimmern oder Cafés gearbeitet. Außerdem sind wir sehr stolz auf unseren eigenen Onlineshop, der uns ein höheres Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erlaubt als Amazon.

Was macht SNOCKS, im Vergleich zur Konkurrenz, so besonders?

Unser wertvollstes Asset ist unser Team. Wir haben von Anfang an großen Wert auf eine familiäre Unternehmenskultur gelegt, doch gleichzeitig immer Talent und Ehrgeiz gefördert. So konnten wir trotz schnellem Wachstum ein funktionierendes Team aus eingespielten Experten verschiedener Bereiche wie Customer Service, Performance Marketing und Sales aufbauen. Außerdem legen wir großen Wert auf einen optimalen Kundenservice und dazu gehört auch zum Beispiel unsere Anti-Loch-Garantie. Sollten die Socken – aus welchen Gründen auch immer – doch mal innerhalb der ersten sechs Monate kaputt gehen, bekommen unsere Kunden sie ersetzt.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr in dieser Phase genutzt?

Neben klassischer Amazon Werbung funktionieren Facebook Ads für uns besonders gut. Denn dort lässt sich die Zielgruppe besser eingrenzen und unsere Kunden sind bei Facebook besonders aktiv. Generell gibt es aber keinen perfekten Marketingkanal für alle Gründer. Denn zuerst muss die Zielgruppe klar sein, dann die finanziellen Mittel und am Ende sollte jeder Gründer austesten, was am besten funktioniert.

Welche geheimen Tipps könnt ihr angehenden Gründern geben?

Seid bereit, Risiken einzugehen und hört nicht zu sehr darauf, was andere sagen. Hätten wir auf all die Menschen gehört, die sich 2016 über uns lustig gemacht haben, wären wir heute vermutlich unglücklich und sicher nicht dort, wo wir aktuell stehen. In Bezug auf einen eigenen Online-Shop können wir nur empfehlen, sich frühstmöglich mit Themen wie Facebook Ads, Conversion Rate Optimierung oder auch Search Engine Optimization zu befassen. Denn das sind einfach große Wachstumstreiber, die man sich zunutze machen sollte. Wenn ihr auf Amazon verkauft, solltet ihr euch genau in die Materie einlesen, euch mit Amazon Werbung auseinandersetzen und eine Keyword-Strategie entwickeln.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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