Interview über Erfolgsstrategien und die größten Gründer-Fehler

Gründer-Geheimnis: Warum setzt CheWOW auf nachhaltiges Kürbiskern-Gyros?

Das Thema Nachhaltigkeit liegt im Trend und ist auch längst in der Food-Branche angekommen. Mittlerweile sind zahlreiche pflanzliche Alternativen in den Regalen zu finden und sorgen für hohe Umsätze. Doch die Gründer Marlo und Federico gaben sich damit nicht zufrieden. Mit CheWOW entwickelten sie ein eigenes Konzept, dass sich innerhalb kürzester Zeit in zahlreichen Märkten durchsetzen konnte. Doch wie fing alles an und welche Hürden mussten sie überwinden? Wir haben uns mit den CEOs über ihr Gründer-Geheimnis unterhalten und Details zur Ideenfindung, den Erfolgsfaktoren und Tipps für angehende Gründer erfahren.

Eigentlich wollten Marlo Kockerols aus Bremen und Federico Krader aus dem italienischen Bergamo in in der Finanzbranche Karriere machen und dieser Plan schien auch aufzugehen. Bis sie 2018 durch einen besonderen Moment ihre Pläne änderten, sich selbstständig machten und schließlich mit CheWOW und nachhaltigen Lebensmitteln ihren Traum vom eigenen Startup lebten. Doch einfach auf den Trend aufspringen und Sojaprodukte herstellen? Das war den Gründern zu langweilig. Sie setzen auf Nuggets aus Ackerbohnen und Gyros aus Kürbiskernen.

Diese Idee konnte schon über 4.300 Händler und zehntausende Kunden überzeugen. Heute haben sich Marlo und Federico ein siebenköpfiges Team aufgebaut und möchten weiter wachsen. Doch wie fing alles an? Wie schafften es die Gründer, dieses Geschäftskonzept umzusetzen? Und welche Herausforderungen mussten sie dabei bewältigen? Wir haben beide CheWOW-Gründer interviewt und erfahren, wie sich aus einer anfänglichen Idee ihr erfolgreiches Food-Tech-Startup entwickelte.

Phase 1: Ideenfindung

In welchem Moment entstand die Idee für CheWOW?

An den genauen Moment für die Geschäftsidee von CheWOW können sich Marlo und Federico tatsächlich noch ganz genau erinnern. Alles begann im Juli 2018 an einem brütend heißen Sommertag in einem Café in Frankfurt. Bis zu diesem besagten Tag hatten beide zwar in der Finanzbranche Karriere gemacht, jedoch auch schon oft über den Klimawandel und seine Folgen nachgedacht. Deshalb saßen sie im Frankfurter Café und überlegten, was sich auf der Welt verändern müsste, um die Hauptursachen des Klimawandels zu bekämpfen. In diesem Moment kam beiden die Food-Branche in den Sinn und gleichzeitig die Erkenntnis, dass sich dort auch mit kleinen innovativen Schritten viel bewegen lässt. Und dieser Gedanke ließ sie nicht mehr los, weshalb sie sich direkt an die Recherche setzten.

Wie folgte die Gewissheit, dass sich diese Idee umsetzen lässt?

Für Marlo und Federico ist klar, dass eine Person in der ersten Phase besonders entscheidend war, und zwar ihre Mitgründerin Ricarda. Denn sie arbeitete in der Food-Branche und bestätigte beiden, dass es sich bei dieser Idee um ein lukratives Geschäftskonzept handeln könnte. Diese Tatsache verstärkte wiederum die Motivation, sich wirklich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen und ausführlich zu recherchieren. Deshalb folgten danach mehrere Wochen Research, in dem die wichtigsten Kennzahlen der Food-Branche verglichen wurden. Dabei erkannten sie zudem, wie viel CO2 und Wasser sich mit der Produktion von Pflanzen- und Insektenprodukten einsparen lässt, weshalb ihr Fokus zunächst immer mehr in Richtung Insektenprotein aus Buffalowürmern wanderte.

Phase 2: Planung

Welcher nächste Schritt folgte dann auf dem Weg zur Gründung?

Um wirklich sicher zu sein, dass sich die Idee umsetzen lässt, beschäftigten sich Marlo und Federico zunächst mit einer ausführlichen Marktanalyse. Dabei recherchierten sie, ob es überhaupt einen Markt gibt und wer dort in welchem Bereich schon vertreten ist. Außerdem mussten sie schon früh festlegen, in welchem Bereich sie ihr Geschäftskonzept sehen und wo nicht. Dabei ließ sich das Insektenprotein außerhalb von Deutschland schon in Produkten finden und sollte nun auch hierzulande die Food-Branche revolutionieren. Diese Phase ist laut den Gründern wichtig, denn jede innovative Idee braucht auch einen Markt und muss sich letztendlich auch langfristig lohnen.

Wie sind Marlo und Federico das Thema Businessplan angegangen?

Bei dieser Frage stellt Federico fest, dass kein kompletter Businessplan verfasst wurde, sondern ein sehr ausführliches Pitch Deck. Dafür stellten sie erst einmal das Problem dar, nämlich die Fleischindustrie als einer der Hauptfaktoren des Klimawandels. Danach folgte ihre Geschäftsidee als Lösungsansatz. Zudem entschieden sich beide erst für den Firmennamen „Bold Foods“, der später dann zu CheWOW wurde. Für Federico war der Schritt mit dem Pitch Deck sinnvoll, um die eigenen Gedanken zu sortieren, weshalb er diesen auch angehenden Gründern empfiehlt. Besonders praktisch waren für Marlo in dieser Phase auch die Vorkenntnisse aus der Finanzbranche, denn dort hatten sie jahrelang Präsentationen erarbeitet und wussten nun welcher Aufbau sich besonders anbietet.

Phase 3: Gründung

Wie kam es dann zur offiziellen Gründung?

Nachdem die Research-Phase abgeschlossen war, ging plötzlich alles ganz schnell. Marlo und Federico erinnern sich daran, dass sie sich danach auch schon mit ersten Produzenten trafen, die ihnen das Insektenprotein liefern konnten. Deshalb war die offizielle Gründung der GmbH im Februar 2019 nur ein kurzer formeller Akt und schon kurze Zeit später kamen die ersten Erfolge. Denn durch die Gespräche mit den Produzenten und Händlern hatten sie schon erste Aufträge erhalten. Also blieb keine Zeit, sich auf der offiziellen Gründung auszuruhen, es musste noch einiges organisiert werden. Zusätzlich begann die Arbeit an den besonderen Rezepturen der Produkte, die natürlich geschmacklich überzeugen sollten.

Wie wichtig war es dabei, CheWOW als Team zu gründen?

Für Marlo ist klar, dass man alleine sehr viel mehr Zeit braucht und ein motivierter Mitgründer deshalb essentiell ist. Auch Federico ist sich sicher, dass eine Gründung im Team absolut Sinn macht und sich im besten Fall die Kompetenzen und bisherigen Erfahrungen aufteilen sollten. Während eine Person zum Beispiel für das Marketing zuständig ist, kann sich die andere Person um die Produktentwicklung kümmern. Als Team ist es schon schwer, ein erfolgreiches Startup aufzubauen, doch alleine dauert alles noch viel länger. Deshalb sollte jeder Gründer aktiv nach einem Mitgründer suchen und kann dafür auch zum Beispiel Online-Matching-Plattformen verwenden.

Welche Herausforderung mussten beide in dieser Phase überwinden?

Bei dieser Frage fällt beiden sofort das Thema Branding ein. Denn zunächst hatten sie sich ja für den Firmennamen Bold Foods entschieden. Doch nur ein paar Monate nach der Gründung kam Post von einem Anwalt, weil ihr Firmenname schon vergeben war. Deshalb mussten beide nun alles umplanen und ihr Unternehmen schließlich im April 2020 endgültig in CheWOW benennen. Diese Phase war für das junge Startup sehr schwierig. Jedoch merkt Marlo an, dass sie über den frühen Zeitpunkt sehr froh sind. Denn hätten sie damals alle Produkte aus den Märkten zurückgeholt, wäre es finanziell nicht möglich gewesen, diese Verluste auszugleichen. Daher ist es ihrer Meinung nach entscheidend, den Firmennamen sorgfältig auszusuchen und wenn möglich durch einen Anwalt überprüfen zu lassen.

Was genau bedeutet der Firmenname CheWOW?

Da Marlo und Federico gezwungen waren, einen neuen Firmennamen zu wählen, definierten sie zunächst ihre Grundprinzipien. Diese lauten „Easy, tasty, WOW“. Daraus ließ sich dann wiederum der aktuelle Name ableiten. Denn dieser setzt sich aus dem englischen Begriff für kauen, chewing, und dem WOW-Effekt zusammen, der beim Reinbeißen entsteht.

Welche zusätzlichen Veränderungen entstanden mit dem neuen Namen?

Der April 2020 war für die Gründer nicht nur der Zeitpunkt für die Umbenennung in CheWOW, sondern auch die offizielle Entscheidung, sich von der Produktion der Insektenprodukte zu verabschieden. Schon ab Mitte 2019 setzte das Startup stärker auf nachhaltige Produkte aus Ackerbohnen und Kürbiskernen. So entstanden auch die Ackerbohnen-Nuggets und das Kürbiskern-Gyros. Daher werden die Insektenprodukte laut Marlo und Federico ab nächster Woche komplett aus dem Sortiment verschwinden.

Wie haben beide die schwierigen Themen Steuern und Versicherungen bewältigt?

Schon vor der Gründung war dem Gründerteam bewusst, dass sie für gewisse Bereiche einen Berater brauchen, da die eigenen Erfahrungen dafür nicht ausreichten. Deshalb fragten sie im Verwandtenkreis nach und fanden tatsächlich auch schnell zwei Personen, die bis heute zum Team gehören. Für Marlo und Federico steht fest, dass sich angehende Gründer nicht zu ausführlich mit den Themen Steuern und Versicherungen beschäftigen sollten. Besser ist es, direkt im Familien- und Bekanntenkreis oder auch online nach Unterstützung zu suchen.

Welche Fehler würde das Gründerteam von CheWOW heute vermeiden?

Jedes Produkt aus der Food-Branche braucht natürlich auch eine passende Verpackung, die vorher designt und mit den entsprechenden Infos versehen wird. Und genau an dieser Stelle passierte bei CheWOW der bisher größte Fehler, denn die Gründer unterschätzten die Vorgaben beim Verpackungsdesign. Für jede Verpackung existieren nämlich strenge Regeln. Dabei ist festgelegt, was genau dort stehen darf, wie es angeordnet sein muss und sogar die einzelnen Abstände sind definiert. Daher wandten sich beide sogar an eine sogenannte Verpackungsagentur und tüftelten lange an der Umsetzung. Mit Erfolg: Die Verpackung gewann danach sogar einen German Design Award und einen Red Dot Design Award.

Gibt es es insgesamt den idealen Standort für eine Gründung?

Für CheWOW war Bremen der ideale Standort, da dort viele Gründer-Angebote und Unternehmen aus der Lebensmittelbranche zu finden sind. Generell raten beide den angehenden Gründern jedoch, beim Standort auf jeden Fall die Nähe einer Stadt zu suchen, um die zahlreichen Gründer-Angebote flexibler nutzen zu können. Auch die Mitarbeitersuche lässt sich dadurch stark vereinfachen. Denn viele Mitarbeiter sind nicht unbedingt bereit dazu, auf ein Dorf zu ziehen oder große Anfahrtswege in Kauf zu nehmen.

Phase 4: Wachstum

Mit welcher Strategie wurde CheWOW so erfolgreich?

Da CheWOW erst seit ein paar Monaten den Markt erobert, steht das Startup noch am Anfang ihrer Erfolgsgeschichte. Doch das junge Unternehmen hat mit dem Markteintritt und den zahlreichen zufriedenen Kunden schon einiges erreicht. Für Marlo und Federico kommt dieser Erfolg durch ihre harte Arbeit und den Willen, jeden Tag ein bisschen besser zu werden. Zudem sind sie sich sicher, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Food-Branche großes Zukunftspotenzial besitzt und gerade einen großen Trend darstellt. Und genau an dieser Zukunft möchten beide mitwirken, wovon sich ihre Kunden und auch die Händler bisher schon erfolgreich überzeugen ließen.

Welche Marketing-Kanäle funktionierten besonders gut?

Das perfekte Marketingkonzept hat CheWOW noch nicht gefunden, aber zahlreiche Kanäle ausprobiert. Dabei vermuteten die Gründer schon zu Beginn, dass das Soziale Netzwerk Instagram besonders gut funktionieren könnte. Denn dort erfreute sich das Thema Food großer Beliebtheit. Und tatsächlich erwies sich diese Möglichkeit als günstig und effektiv. Gleichzeitig funktionierte auch das Online-Netzwerk LinkedIn sehr gut, weshalb Marlo und Federico angehenden Gründern raten, zunächst die verschiedenen Social Media Plattformen für die eigene Marketingstrategie zu testen. Generell gibt es ihrer Meinung nach kein universelles Konzept, da die ideale Strategie durch Ausprobieren entsteht.

Welche Gründerprogramme sind besonders sinnvoll?

Wer im Food-Bereich gründen möchte, sollte sich laut den Gründern den „Food-Tech Campus“ in Berlin genauer anschauen. Der kreative Platz für Food-Startups wurde von EDEKA geschaffen und bietet neben Coworking Spaces auch ein Küchenstudio sowie eine Eventfläche an. Ebenfalls empfehlen können beide „KitchenTown“ in Berlin. Der Inkubator unterstützt Food-Startups dabei, neue Produktideen schnell vom ersten Entwurf bis zum Marktreife zu bringen.

Welche Tipps möchten Marlo und Federico angehenden Gründern geben?

Bei dieser Frage fällt Federico sofort der Umgang mit Fehlern ein. Denn seiner Meinung nach reicht es nicht bloß aus, die eigenen Fehler zu akzeptieren, sondern man kann sogar die eigene Energie dadurch verstärken. Weil jeder Fehler nicht wiederholt werden soll, entsteht so immer wieder eine neue Strategie, die letztendlich zum Erfolg führt. Auch Marlo kann diesen Ansatz unterstützen: Fehler sind normal, jedes Startup darf sie machen und sollte sie als Chance betrachten.

Das Gründer-Geheimnis der CheWOW-CEOs:

Durch Hürden kommst du schneller voran! Denn nur so lernst du, dich immer wieder neu auszurichten. Deshalb ist es auch wichtig, in solchen Momenten durchzuhalten und nicht durch kleine oder größere Hürden direkt aufzugeben. Wer diese Phase übersteht, wird am Ende stolz auf die Ergebnisse schauen und kann sich langfristig motivieren.

Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.