Interview über Erfolgsstrategien, Probleme und Förderprogramme

Gründer-Geheimnis: Wie etabliert Goodgive nachhaltige Weihnachtsgeschenke?

Die Weihnachtszeit gehört für viele zur schönsten Zeit des Jahres. Gemütliche Stimmung, leckeres Essen und auch zahlreiche Geschenke gehören einfach dazu. Doch so liebevoll die Geschenke auch eingepackt sind, am Ende bleibt ein riesiger Berg an Verpackungsmüll übrig. Genau wie an Geburtstagen oder anderen festlichen Anlässen. Doch das Startup Goodgive will diesen Müll reduzieren und hat dafür wiederverwendbare Geschenkverpackungen entwickelt. Wir haben uns mit der Gründerin über ihr Gründer-Geheimnis unterhalten und Details zur Planung, den Erfolgsfaktoren und Förderprogrammen bekommen.

Die Kölnerin Sara hat vor knapp einem Jahr ihr Startup Goodgive gegründet und sagt damit den Einweg-Geschenkverpackungen den Kampf an. Ihre wiederverwendbaren Geschenkverpackungen aus Stoff bestehen aus nachhaltigen Materialien, werden in sozialen Werkstätten produziert und sollen den Verpackungsmüll reduzieren. Gestartet ist sie mit ihrem Startup alleine, mittlerweile besteht das Team aus vier Personen. Wir haben die Powerfrau interviewt und erfahren, wie die Idee von Goodgive entstand, welche Beratungen sie empfiehlt und welche Marketing-Strategien aktuell am besten funktionieren.

Phase 1: Ideenfindung

Wie entstand die Geschäftsidee für Goodgive?

An die Entwicklung der Geschäftsidee kann sich Sara noch gut erinnern. Denn sie stammt aus einer großen Familie, die natürlich bei den Treffen auch immer viele Geschenke mitbringt. Diese eigentlich schönen Anlässe und die liebevoll eingepackten Geschenke sorgten allerdings auch dafür, dass am Ende immer sehr viel Müll übrig blieb. Und tatsächlich versuchten ihre Familienmitglieder eine Alternative zu finden. Doch weder sie noch Sara selbst fanden eine andere Verpackung, weshalb sich immer mehr der Wunsch für ein eigenes Startup entwickelte.

Wann wann klar, dass sich die Idee umsetzen lässt?

Ihren Traum setzte Sara dann erst später um und zwar als sie im Rahmen der sogenannten „Gründerwoche Deutschland 2018“ in Köln an einem Workshop teilnahm. Denn dort erkannte sie das Potenzial und traute sich, den ersten Schritt in Richtung Gründung zu starten. Deshalb ist für Sara klar, dass diese Veranstaltungen großes Potenzial für angehende Gründer bieten.

Wie hat Sara erkannt, dass es sich bei Goodgive um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Auch ohne große Marktrecherche wusste Sara schon zu Beginn, dass sich hinter dem Geschenke-Markt ein großes finanzielles Potenzial verbirgt. Doch trotzdem gab es für Goodgive keinen vorherigen Test oder die Gewissheit, dass die Idee definitiv funktioniert. Vielmehr stellte Sara fest, dass sie am Anfang zunächst einen Prototypen entwickeln und viel mit den möglichen Kunden im Gespräch bleiben muss. Daher konnte sie tatsächlich erst nach zehn langen Monaten im Herbst 2019 ihre ersten wiederverwendbaren Geschenkverpackungen verkaufen und feststellen, dass das Geschäftsmodell funktioniert.

Sara und Alex möchten mit Goodgive den Verpackungsmarkt verändern.

Phase 2: Planung

Wie wurde Goodgive bei der Planung unterstützt?

Bei dieser Frage fällt Sara direkt ein Begriff ein und zwar „Networking„. Denn durch die Gründerwoche konnte sie den Leiter der Workshops als Mentor gewinnen und erfuhr so alles über die nächsten Schritte. Dieser war Teil des Gründernetzwerks NOK und vermittelte ihr direkt weitere Kontakte. Gleichzeitig setzte sie auch auf die Gründer-Netzwerke der Coworking Spaces in Köln. Besonders positiv sind ihr dabei die Workshops zum Thema Steuern, Marketing und Produktentwicklung im Gedächtnis geblieben.

Welches Programm hat dann letztendlich die Planungen konkret vorangetrieben?

Letztendlich brachte Goodgive dann ein sogenanntes Accelerator-Programm sehr schnell voran, da Startups bei diesem Förderprogramm individuell betreut werden. Zusammenfassend ist für Sara also klar: Startups sollten sich direkt ein möglichst großes Netzwerk aufbauen und sich dabei trauen, auf andere Menschen zuzugehen und die Idee zu pitchen. Auch Bewerbungen für Förderprogramme lohnen sich, da dort dann mindestens hilfreiches Feedback zurückkommt.

Wie wurde der Businessplan erstellt?

Viele Ratgeber sind sich einig: Erst kommt ein detaillierter Businessplan, dann das funktionierende Geschäftsmodell. Doch für Sara stellte sich heraus, dass zunächst das Management-Tool Business Model Canvas völlig ausreichte. Denn zu viele Faktoren standen noch nicht fest und die Hemmschwelle war geringer, dieses Programm zu nutzen. Außerdem wollte sie sich nicht zu sehr auf Statistiken und Markterhebungen verlassen, sondern diese stattdessen nur zur Orientierung zu nutzen. Also verzichtete sie auf eine ausführliche Marktanalyse und beschäftigte sich zunächst mit dem Finanzplan.

Welches Learning entstand in dieser Phase?

Das erste und wichtigste Learning beim Erstellen des Businessplans ließ nicht lange auf sich warten. Denn Sara wurde schnell klar: Du musst unbedingt auch deine eigene Arbeitszeit im Finanzplan berechnen. Denn „mal eben kurz ein Paket wegschicken“ kann lange dauern und deshalb ist auch die Kalkulation des eigenen Stundenlohns sehr wichtig. Außerdem zählt für Sara auch bei der Team-Suche der persönliche Kontakt, denn zwar sorgt das Internet für zahlreiche Angebote. Doch am Ende entscheidet ein Treffen und das gemeinsame Arbeiten über die richtigen Teammitglieder.

Phase 3: Gründung

Welche Hürden gab es bis zur offiziellen Gründung von Goodgive?

Weil Sara zahlreiche Hürden vor und nach der Gründung kommen sah, gründete sie Ende 2019 schließlich ein Einzelunternehmen. Denn dieser Schritt ist nicht nur schnell erledigt, sondern birgt auch vergleichsweise geringe Risiken. Gründer können dann zunächst als Kleinunternehmer tätig sein und von steuerlichen Vorteilen profitieren. Aktuell ist Goodgive auch weiterhin ein Einzelunternehmen, in den nächsten Monaten möchte Sara die Firma noch einmal neu gründen und die Rechtsform dann umwandeln.

Wie wurden die “schwierigen” Gründer-Themen Steuern und Versicherungen bewältigt?

Wer seine Steuererklärung schon einmal selbst gemacht hat, der kann auch als Einzelunternehmer die Steuern bewältigen. Das ist Saras Erkenntnis aus der Gründungsphase. Doch beim Thema Versicherungen kamen dann erste Unsicherheiten, die sich glücklicherweise durch das Accelerator-Programm beseitigen ließen. Ihr Glück: Ein weiteres Startup aus dem Programm beschäftigte sich zufällig mit dem Thema und konnte ihr schnell helfen. Hinzu kamen kostenlose Beratungsstunden in einem Coworking Space. Für Sara zeigt diese Entwicklung also, wie wichtig es ist, sich ein Netzwerk aufzubauen und sich für Förderprogramme zu bewerben.

Welche Fehler hat Sara rückblickend bei der Gründung gemacht?

Bei dieser Frage fällt Sara direkt das Stichwort „Mitgründer“ ein. Denn sie startete alleine gestartet und musste damit alle Aufgaben übernehmen. Dieser Weg sorgte allerdings auch dafür, dass alles langsamer voranging. Und diesen Punkt würde sie heute ändern, denn ihrer Meinung nach entstehen im Team nicht nur bessere Ideen, sondern Aufgaben lassen sich aufteilen und damit auch Abläufe beschleunigen.

Wo befindet sich der ideale Standort für eine Gründung?

Goodgive ist ein ideales Beispiel dafür, dass die Beratungsmöglichkeiten und Angebote innerhalb der Städte funktionieren. Deshalb ist sich Sara sicher, dass jeder Gründer seinen Standort am Angebot ausrichten sollte. Sie ist begeistert von den Möglichkeiten innerhalb Kölns, auch im Hinblick auf Social Startups. Ihre Meinung lautet deshalb: Viele Schritte lassen sich online erledigen, doch wer ein Netzwerk aufbauen möchte, sollte nicht jeden Tag drei Stunden bis zum nächsten Treffen fahren müssen. Ein möglichst zentraler Standort ist also ideal.

Phase 4: Wachstum

Wie wurde Goodgive finanziell erfolgreich?

Bei Goodgive gab es zu Beginn kein hohes Startkapital oder eine Finanzspritze von Investoren. Deshalb musste sich Sara Schritt für Schritt alles selbst aufbauen. Sie ist mit einer kleinen Produktionsmenge gestartet, hat die Einnahmen dann wieder investiert und so größere Stückzahlen hergestellt. Aktuell ist die Nachfrage groß, gerade im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft würde das Startup gerne weitere Aufträge an die sozialen Werkstätten vergeben. Doch noch fehlt dazu das Kapital. Deshalb läuft noch bis Sonntag eine Crowdfunding-Kampagne von Goodgive, die die Weihnachtsgeschenke nachhaltiger gestalten sollen.

 

Welche Marketing-Kanäle waren besonders sinnvoll?

„Trau dich!“ – das ist Saras Erkenntnis der ersten Marketing-Versuche. Egal ob beim Social Media Marketing oder beim Gespräch mit möglichen Kunden. Denn es ist wichtig, dass man auch unperfekte Produkte präsentiert und sich Feedback holt. Außerdem hat sie auf Pressemitteilungen gesetzt und musste sich auch dabei überwinden. Ein anderer Tipp von Sara bezieht sich auf das Marketing beim sozialen Netzwerk LinkedIn. Denn ihre erfolgreiche Strategie war es, die Unternehmen nicht mit einem simplen Angebot anzuschreiben. Sondern tatsächlich zuzugeben, dass sie keine perfekte Verkaufsstrategie besitzt und deshalb nachfragen möchte, wie sie ihr Produkt am besten anbieten kann.

Welche besonderen technischen Programme sollten Gründer nutzen?

Wer schnell und kostenlos Grafiken für Präsentationen erstellen möchte, sollte laut Sara auf das Grafikdesign-Tool Canva setzen. Für die LinkedIn Akquise war hingegen die kostenlose Version von HubSpot besonders hilfreich. Auch kostenpflichte Standard-Programme wie Powerpoint sind sinnvoll, denn diese sind weit verbreitet und es existieren zahlreiche Online-Tutorials für die ersten Schritte.

Welche offiziellen Gründer-Programm konnten Goodgive helfen?

Da Goodgive auch durch die große Unterstützung der Accelerator-Programme so erfolgreich wurde, kann Sara diese jedem Gründer empfehlen. Besonders hilfreich war für sie die Mitgliedschaft in der Gründungsinitiative „Impact Factory“ für Social Entrepreneurs in Duisburg, die mittlerweile auch viel digital anbietet. Das große Netzwerk mit Whatsapp-Gruppen und zahlreichen Ansprechpartner hilft bei allen Fragen rund um die Themen Gründung und Wachstum.

Das Gründer-Geheimnis von Goodgive

Zusammengefasst lautet das Gründer-Geheimnis von Sara: Finde deine eigene Motivation, such dir dein passendes Team und trau dich, deine Idee preiszugeben. Erzähle allen Freunden und Verwandten davon und erhalte dadurch wertvolles Feedback. Diese Grundlage sorgt dafür, dass du mit Power und Selbstbewusstsein dein Business starten kannst!

Wenn dir die Idee von Goodgive gefällt und du das Projekt von Sara unterstützen möchtest, dann schau doch bei der aktuellen Crowdfunding-Kampagne vorbei. Bis Sonntag kannst du das Team von Goodgive noch unterstützen.

Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.