Das sind die Grundprinzipien, Kosten sowie die Vor- bzw. Nachteile

Coworking Space: Der effektive und günstige Arbeitsplatz der Zukunft?

Durch die Digitalisierung hat sich längst auch das Arbeitsverhalten von Selbstständigen und Angestellten verändert. Damals besaß jede Firma noch ein klassisches Büro, heute setzen sich immer mehr moderne Arbeitsformen wie das Homeoffice durch. Auch das sogenannte Coworking gehört dazu und ist besonders in Großstädten beliebt. Die Teilnehmer profitieren von der Gemeinschaft und den flexiblen Verträgen. Für alle Einsteiger erklärt dieser Artikel die Grundprinzipien von einem Coworking Space, die Kosten, Vor- bzw. Nachteile und die aktuellen Entwicklungen.

So viel steht fest: Beim Coworking handelt es sich um einen weltweiten Trend. Denn im Jahr 2007 existierten nur 14 Coworking Spaces, zehn Jahre später waren es schon 11.000. In diesem Jahr sollen es sogar mehr als 26.000 sein. Diese Zahlen hängen auch mit der steigenden Anzahl an Freelancern und dem Platzproblemen in Großstädten zusammen. Doch um diese Entwicklungen nachvollziehen zu können, sollte zunächst einmal das Prinzip eines Coworking Space bekannt sein.

Definition Coworking Space

Der Begriff Coworking kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „zusammen arbeiten“. Die Arbeitsform ist im kalifornischen im Silicon Valley entstanden und bezeichnet einen zeitlich flexiblen Arbeitsplatz, den sich mehrere Menschen teilen. Beim Coworking wird somit ein einzelner Schreibtisch anstatt eines ganzen Büros gemietet. Ein besonderes Merkmal sind zudem große offene Räume. Als Gebäudearten eignen sich daher besonders große Büroräume, ganze Etagen, Lofts, ehemalige Fabrikhallen und Großraumbüros.

Anders als bei einer Bürogemeinschaft oder einem Büro auf Zeit fokussieren sich Coworking Spaces auf die Gemeinschaft. Das heißt, Coworker arbeiten zwar unabhängig und frei voneinander an verschiedenen Projekten. Doch sie sitzen oftmals im selben Raum, können sich so gegenseitig ergänzen und von dem Wissen anderer profitieren. Der Team-Gedanke steht also trotzdem im Vordergrund.

Die Ausstattung eines Coworking Space

Wer sich ein Coworking Space mietet, kann im Team nach Inspirationen suchen, aber auch alleine konzentriert arbeiten. Insgesamt gibt es jedoch Merkmale, die jeder Coworking Arbeitsplatz erfüllen sollte. Zum Beispiel gibt es bestimmte Standards bei der Ausstattung. Dazu gehören die folgenden Gegenstände:

  • Schreibtisch
  • Stuhl
  • Rollcontainer
  • Büroschrank
  • Regal
  • Flipchart
  • Whiteboard

Auch die notwendige Infrastruktur zum Arbeiten bietet der gemietete Arbeitsplatz, darunter fallen die folgenden Leistungen:

  • WLAN
  • Scanner
  • Faxgerät
  • Telefon
  • Beamer

Die 5 Grundprinzipien eines Coworking Space

Durch die Arbeit in einem Coworking Space und dem Teilen der Arbeitsbereiche entsteht eine besondere Atmosphäre, die den ständigen Austausch zwischen den Mitgliedern fördert. Alle Mitglieder handeln dabei nach bestimmten Prinzipien, die die harmonische Zusammenarbeit erst ermöglichen. Diese fünf Grundprinzipien sind:

  • Gemeinschaft: Das „Wir“-Gefühl geht auch über die Arbeit hinaus.
  • Zusammenarbeit: Alle Mitglieder sind ein Team und helfen sich gegenseitig.
  • Nachhaltigkeit: Gemeinsame Räume schonen die Umwelt und sind deshalb nachhaltiger.
  • Zugänglichkeit: Die Arbeitsräume sind jederzeit nutzbar und leicht zugänglich.
  • Offenheit: Jeder ist in der Gemeinschaft willkommen und darf seine Meinung äußern.

Wichtig zu wissen ist, dass in einem  Coworking Space regelmäßige Events, Workshops und Stammtische stattfinden. Auch die Mietfristen lassen sich immer flexibel festlegen. Wer also das Coworking erst einmal für ein paar Monate testen möchte, findet dafür genügend Angebote.

Coworking Spaces in Deutschland

In Deutschland wurde 2009 mit dem betahaus in Berlin das erste Coworking Space eröffnet. Die Stadt gehörte also zu den Vorreitern und erkannte schnell die Vorteile der neuen Arbeitsform. Tatsächlich konnte sich Berlin seitdem als Coworking-Zentrale durchsetzen. Im deutschlandweiten Vergleich liegt die Hauptstadt aktuell mit 100 Standorten weit vorne und fast wöchentlich kommen neue Spaces dazu. Aber auch die anderen deutschen Großstädte holen auf. Die meisten gemeinsamen Arbeitsräume befinden sich in Hamburg, Köln, München, Frankfurt, Düsseldorf und im Ruhrgebiet. Insgesamt sind aktuell mehr als 600 Standorte in Deutschland vorhanden.

Die größten Anbieter von Coworking Spaces

Coworking ist ein weltweites Phänomen und es entstehen regelmäßig neue Coworking Spaces auf allen Kontinenten. Dabei konnten sich zwei Anbieter durchsetzen, die insgesamt die meisten Standorte besitzen:

1. WeWork

Das Unternehmen aus New York wurde erst 2010 gegründet. Dennoch ist es schon einer der größten Coworking-Anbieter weltweit und besitzt über 650 Standorte. In Deutschland sind sie in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München vertreten. Zudem soll es bald einen Ableger in Köln geben. Auffällig ist bei WeWork, dass die Spaces meist mehrere tausend Quadratmeter groß und dennoch sehr gemütlich eingerichtet sind.

2. Mindspace

Mindspace ist ein Coworking-Startup aus Israel und wurde 2014 gegründet. Es bietet hauptsächlich Coworking Spaces in Europa und in den USA an. Das Design der Räume erinnert dabei immer an ein überdimensionales Wohnzimmer. Zudem ist Mindspace bekannt für zahlreiche Events, die für die große Community regelmäßig veranstaltet werden.

Weitere Anbieter

Neben diesen beiden großen Anbietern gibt es auch kleinere Firmen, die Coworking Spaces in zahlreichen Städten eröffnet haben. Dazu gehören zum Beispiel rent24, die FriendsFactory, WorkRepublic, Satellite Offices, Regus oder SPACES.

Kosten eines Coworking Space

Wer ein Coworking Space mieten möchte, muss sich zwischen einem „Flex Desk“ und einem „Fix Desk“ entscheiden. Beim Flex Desk ist die Ausstattung am Schreibtisch kleiner und es besteht kein Anspruch auf einen bestimmten Platz. Der Fix Desk ist dagegen teurer, bietet jedoch auch eine bessere Ausstattung und einen festen Platz im Arbeitsraum. Dabei lässt sich ein allgemein gültiger Preis für ein Coworking Space jedoch bei beiden Systemen nicht festlegen, denn die Kosten unterscheiden sich je nach Standort. Auf dem Land oder in einem Vorort ist es wie erwartet günstiger als in der Großstadt. Die Preise für einen Flex Desk liegen demnach bei ca. 200 Euro, für einen Fix Desk werden ca. 300 bis 400 Euro pro Monat fällig. Zusätzlich sind auch immer Tagestickets für 15 bis 20 Euro verfügbar.

Vorteile eines Coworking Space

Die Beliebtheit der neuen Arbeitsform lässt macht deutlich, dass sich die folgenden Vorteile durch ein Coworking Space ergeben:

  • Die Nutzung ist zeitlich flexibel und unkompliziert.
  • Die Kündigungsfristen sind kurz und dadurch praktischer als bei klassischen Büroräumen.
  • Der Coworking Space ist finanziell günstiger als ein normales Büro.
  • Es entstehen keine Ausstattungskosten für den Start.
  • Der optimal ausgenutzte Raum ist nachhaltiger.
  • Trotz verschiedener Projekte ist eine gemeinsame Ideenfindung möglich.
  • Es findet ein regelmäßiger produktiver Austausch untereinander statt.
  • Die verschiedenen Branchen und Berufe bieten sich ideal zum Networking an.

Nachteile eines Coworking Space

Trotz dieser zahlreichen Vorteile, sollten auch die folgenden Nachteile bei der Entscheidung für ein Coworking Space mit einbezogen werden:

  • Durch die großen Räume entsteht mitunter ein hoher Lautstärkepegel, der die Konzentration stört.
  • Wer konzentriert alleine arbeiten möchte, muss dementsprechend höhere Kosten einkalkulieren.
  • Beim Flex Desk wird der Arbeitsplatz täglich neu eingerichtet.
  • Wer auf dem Land wohnt, muss bis zum nächsten Coworking Space eine weite Strecke bewältigen.
  • Es ist keine Mitgestaltung der Büros möglich, die vorhandene Situation lässt sich also nicht verändern.

Fazit

Ein Coworking Space ist natürlich nicht für jeden geeignet, nicht immer passt die offene und gesellige Atmosphäre zu den eigenen Aufgaben. Doch wer sich daran nicht stört, kann die zahlreichen Vorteile nutzen und von der Gemeinschaft profitieren. Denn eins ist sicher: Die Anzahl der Coworking Spaces wird zukünftig noch weiter ansteigen. Durch die große Vielfalt in den Städten und die verschiedenen Preismodellen lohnt sich dabei der Vergleich und eine vorherige Besichtigung.

Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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