Die Experten im Finanzkongress-Interview

Gerhard Artmann & Gerald Türmer: „Jede Krise birgt enorme Chancen!“

Gerhard Artmann ist seit über 41 Jahren an der Börse aktiv und seit 2012 als hauptberuflicher Investor und Trader tätig. Gerald Türmer beschäftigt sich seit den 80er-Jahren mit den Mechanismen an der Börse und hat 1996 mit dem aktiven Handel begonnen. Gemeinsam geben sie ihr umfangreiches Wissen in ihrem Podcast „Hörgeld“ und in Seminaren weiter. Als Speaker des Finanzkongress 2021 haben Gerhard Artmann & Gerald Türmer uns im Interview verraten, was finanzieller Erfolg für sie bedeutet und wie ihre ultimativen Finanz-Tipps lauten, insbesondere in Krisenzeiten.

Wie hat bei Ihnen alles angefangen: Waren Sie schon immer an Finanz-Themen interessiert oder gab es einen Auslöser?

Gerhard Artmann

Die Börse hat mich schon immer elektrisiert. Dafür gab es gar keinen speziellen Auslöser bei mir. Ich bin in einer völlig anderen Welt auf einem Bauernhof in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Die Börse war da im realen Leben der Menschen ganz weit weg. Aber irgendwie kamen wir zusammen. Sobald ich 18 war, eröffnete ich ein Depot bei der regionalen Bank und kaufte meine ersten Aktien – damals noch per Telefon. Am nächsten Tag konnte ich dann nachfragen, ob und zu welchem Kurs ich die Aktien bekommen hatte. Seitdem hat mich das Thema nie mehr losgelassen.

Was mich an der Börse so fasziniert, ist, auf Basis meiner eigenen Analyse eine Entscheidung zu treffen, dann ins Risiko zu gehen und dafür dann idealerweise belohnt oder eben bestraft zu werden. Und das Ergebnis stellt sich, je nach Strategie, teilweise sehr schnell ein. Das ist ein sehr einfaches, elementares und archaisches Prinzip: Es gibt nur mich und den Markt. Keinen Chef, keine Kunden, keine Partner. Ich kenne kein anderes Geschäftsmodell, bei dem das auch so ist. Damit geht eine hohe Eigenverantwortung einher und natürlich viel Freiheit. Mit Laptop und WLAN kann ich von überall aus handeln.

Gerald Türmer

In den frühen 80ern ist mir ein Buch über die Forschung zur Chaostheorie in die Hände gefallen. Mich haben die Thesen unglaublich fasziniert. Es ging darum, in komplexen chaotischen Systemen anhand von Mustern abzuleiten, was als Nächstes passiert. In meiner jugendlichen Neugierde habe ich mir überlegt, wie und wo sich diese Erkenntnisse in meiner Welt nutzen ließen. Und so bin ich auf die Börse gestoßen, die mich dann komplett eingesaugt hat.

Was waren, finanziell gesehen, Ihre größten Pleiten und Erfolge?

Gerhard Artmann

Das waren die beiden Jahrhundertkrisen: Die New Economy Blase zur Jahrtausendwende und die Finanzkrise 2008/2009. In der New Economy Blase war ich voll investiert in hochspekulative Internet- und Biotech-Werte. Man kann sich diese Zeiten heute nicht mehr vorstellen, wenn man sie nicht selbst erlebt hat. Aber damals schossen die Kurse dieser Unternehmen raketenartig nach oben, obwohl der Großteil dieser Firmen nur aus heißer Luft bestand. Dementsprechend konnte man sich jeden Morgen über die riesigen Buchgewinne des Vortages freuen.

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Mir war zu dem Zeitpunkt einfach nicht bewusst, dass wir uns inmitten einer gigantischen Blase befanden. Und so nahm ich am Höhepunkt dieser Blase einen Kredit bei der Bank auf, hinterlegte mein hochspekulatives Depot als Sicherheit und steckte das Geld der Bank in weitere Zocker-Papiere. Kurze Zeit später platzte die Blase. Mein Depot war wertlos und ich musste über die nächsten Jahre meinen Bankkredit mit real verdientem Geld abstottern.

Bei der Finanzkrise acht Jahre später war es dann genau umgekehrt: Ich hatte mittlerweile massiv in meine Ausbildung investiert und meine Lektionen gelernt. Diesmal nahm ich wieder einen Kredit auf, allerdings nicht am Höhepunkt einer Blase, sondern nahe am Tiefpunkt einer Jahrhundertkrise, und steckte das Geld Ende 2008 dann breit in den Aktienmarkt. Das war finanziell die beste Entscheidung meines Lebens.

Gerald Türmer

Genau wie bei Gerhard stand unter meinem Depotauszug des Jahres 1999/2000 eine unglaubliche Summe. Meine Investments wurden immer risikoreicher, ich war auf der Suche nach jungen Technologiewerten. Ich hielt Ausschau nach sogenannten Regelbrechern. Also nach Aktien, die nicht normal im Trend dieser Zeit stiegen, sondern Unternehmen, deren Firmenwert Potential für eine Kursexplosion hatte. Und es ist ja klar, was dann kam: 2002 hat sich mit dem Platzen der Blase alles, was ich die letzten Jahre gewonnen hatte, in Luft aufgelöst. Und das war ein ansehnliches und stattliches VermögenIch stand finanziell ungefähr dort, wo ich ein paar Jahre zuvor angefangen hatte. Mental war ich völlig am Nullpunkt angelangt. Und es brauchte einige Zeit, bis ich wieder auf die Füße gekommen bin.

Einen schönen Erfolg hatte ich am Anfang der Corona-Krise. Ich hatte mich genau an die Regeln gehalten und habe während des Einbruchs im März auf unsere Strategien für fallende Kurse umgestellt. Ich merke gerade, dass ich reflexartig ein Einzelbeispiel gesucht habe. Der wirkliche Erfolg ist jedoch nicht dieses Beispiel, sondern dass ich inzwischen kontinuierlich Geld an der Börse verdiene.

7 Aktien-Tipps, um mit Wertpapieren Geld zu verdienen

Tipp 1: Verstehe, in was du investierst

Aktien machst, ist, dass du weißt, in welche Firma du investierst. Lese dich daher genau in die vergangenen Geschäftskennzahlen, den Geschäftsbericht und die volkswirtschaftlichen Prognosen ein, um einen besseren Eindruck von den bisherigen Entwicklungen des Unternehmens zu bekommen. Hilfreich kann es hier auch sein, sich an erfolgreichen Investoren zu orientieren, die schon jahrelange Erfahrungen haben. Diese teilen regelmäßig ihre Einschätzungen und Prognosen.

Tipp 2: Investiere nur das Kapital, was du zur Verfügung hast

Ebenfalls einer der wichtigsten Aktien-Tipps ist, dass du nur das Kapital in Aktien investierst, welches du übrig hast. Wenn du beispielsweise vorhast, in den nächsten Jahren ein Haus zu bauen und du schon beginnst dafür zu sparen, solltest du dieses gesparte Geld nicht in Aktien anlegen. Denn wenn du das Geld angelegt hast und die Börse gerade in dem Moment eine Schwächephase hat, in dem du das Geld brauchst, musst du deine Aktien mit Verlust verkaufen.

Tipp 3: Nicht alles auf eine Karte setzen

Wenn du dich nun genau über eine Aktie informiert hast und gerne in diese investieren möchtest, solltest du das niemals mit deinem gesamten verfügbaren Kapital tun. Du solltest dir mindestens noch eine andere Aktie, besser sogar mehrere, raussuchen, in die du ebenfalls investieren möchtest. So lässt sich das Risiko eines hohen Verlustes, sollte die jeweilige Aktiengesellschaft starke Verluste machen oder Pleite gehen, minimieren.

Tipp 4: Nicht spekulieren sondern lieber anlegen

Viele Menschen stellen sich den Handel mit Aktien so vor, dass es einen ständig Wechsel zwischen Kaufen und Verkaufen von Aktien gibt. Tatsächlich ist dies aber meistens nicht der Fall. Dass man eine Aktie, die man gerade erst gekauft hat, nach wenigen Tagen wieder verkauft, sollte nur eine Ausnahme darstellen. Der wer ständig schnell wieder verkauft produziert mehr Kosten als Gewinne. Denn bei jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren fallen Kosten an, die durch die Aktie erstmal wieder reingeholt werden müssen. Hier lohnt es sich also, Aktien länger zu halten.

Tipp 5: Geduld zahlt sich aus

Wer glaubt, dass er mit Aktien schnell Geld verdienen kann, der muss sich leider nach einer anderen Geldanlage umschauen. Denn wer sehr schnell Geld braucht, der wird unweigerlich auf ein risikoreiches Investment setzen müssen. Und das kann schnell in hohen Verlusten enden. Wer hingegen Geduld beweist und langfristig anlegt, hat wesentlich höhere Chancen, mit Gewinnen aus der Sache herauszugehen. Mit der Zeit sinkt auch das Risiko deutlich, mit Aktien Geld zu verlieren.

Tipp 6: Kursschwankungen aussitzen

Natürlich kann es immer mal dazu kommen, dass sie Aktienkurse eine Zeit lang in den Keller gehen. Schwankungen sind hier völlig normal und werden auch immer wieder vorkommen. Wichtig ist hierbei nur, dass man sich nicht davon verunsichern lässt. Es bringt rein gar nichts, wenn man in Panik gerät und schnell alle Aktien verkauft. Es bringt in den meisten Fällen mehr, wenn man einfach abwartet, bis sich die Kurse wieder erholt haben und man wieder im Plus ist. Wer sich absichern will, kann eine sogenannte „Stop-Loss“-Grenze setzen. Dabei handelt es sich um einen Wert, ab dem die Anlage in jedem Fall verkauft wird. Auf der anderen Seite kann so ein Tiefpunkt des Kurses ein guter Zeitpunkt sein, um weitere Aktien günstig nachzukaufen.

Tipp 7: Anlage ständig im Auge behalten

Auch wenn es sich lohnt Aktien langfristig anzulegen, heißt das nicht, dass du diese in den nächsten Jahren nicht mehr beachten musst. Auch Zukunftsprognosen können sich ständig ändern. Hier kann es sich empfehlen, sich einen Anlageberater zur Hilfe zu nehmen, mit dem man einmal im Jahr sein Depot bespricht und zusammen überlegt, welche Anlagestrategie in Zukunft Sinn macht.

Welche Strategien verfolgen Sie, um langfristig finanziell erfolgreich zu sein?

Gerhard Artmann

Zunächst mal sehen wir den Handel an der Börse wie den Bau einer Pyramide: Die baut man von unten nach oben auf und nicht umgekehrt. Das Fundament bilden ETF-Sparpläne, die langfristig gute einstellige Renditen abwerfen, bei minimalem Aufwand. Genauso unsere ETF-Strategie 0, die für ein Einmalinvest ebenfalls eine attraktive Rendite liefert, bei nur 1 h Aufwand pro Jahr. Auf der nächsten Stufe kommen dann unsere langfristigen Investmentstrategien mit Trendfolge-Aktien. Da wird’s dann von der Rendite schon 2-stellig, aber immer noch bei relativ wenig Aufwand. Auf der nächsten Ebene finden sich dann Swing-Trading-Strategien mit Aktien.

Schlussendlich stehen an der Spitze der Pyramide unsere verschiedenen Optionsstrategien, mit denen sich die Gewinne nochmal stark hebeln lassen. Der gemeinsame Nenner all dieser Strategien ist aber die Trendfolge. Die hat sich in all den Jahrzehnten als stabiles und profitables Konzept erwiesen. Und unsere Strategien sind alle klar regelbasiert, sodass sie auch am Computer backtestbar sind. Das ist ein riesiger Vorteil am Markt.

Gerald Türmer

Die Strategien, die wir in unserer Ausbildung vermitteln, sind exakt die, die ich auch selbst anwende.  Die Strategien selbst sind jedoch nur ein Teil der Erfolgsfaktoren. Die Einbettung der Strategien in ein Gesamtkonzept macht bei mir den entscheidenden Unterschied. Und dieses Konzept ist individuell auf meine eigene Persönlichkeit abgestimmt. Unsere Strategie 0 stellt die Basis meiner eigenen Pyramide dar. Dieses Basisinvestment mit seiner extrem niedrigen Volatilität und seiner Robustheit gegen die Schwankungen der Aktienmärkte liefert mir mental die Sicherheit, die ich brauche, um meine Emotionen für unsere aggressiveren Strategien gut im Griff zu haben.

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Diesen Faktor habe ich früher deutlich unterschätzt. Heute weiß ich, welchen entscheidenden Einfluss meine eigene Psyche für den langfristigen Erfolg an der Börse hat. Ich selbst habe mit einer radikalen Standortbestimmung meiner eigenen Stärken und Schwächen begonnen. Bis zum heutigen Tag führe ich diese Selbstreflektion regelmäßig durch. Genau das ist es, wozu wir auch die TeilnehmerInnen in unseren Ausbildungen ermutigen. Das ist die Grundlage, um sich für die jeweils passende Strategie zu entscheiden. Mit dieser Standortbestimmung lässt sich immer ein zur jeweiligen Situation zielführendes Verhalten finden und integrieren.

Ein weiterer Baustein im Gesamtkonzept ist, dass ich viel Aufmerksamkeit meinem Risk- und Moneymanagement widme. Last not least, und das hört sich banaler an als es ist: Ich bestimme zuerst die Marktphase anhand unserer regelbasierenden Faktoren und wähle dann die zu dieser Marktphase passende Strategie.

Inwiefern hat die Corona-Krise in den vergangenen Monaten Ihre finanziellen Entscheidungen beeinflusst?

Gerhard Artmann

Eigentlich gar nicht. Denn mit unseren Trendfolge-Strategien setzen wir auf unterschiedlich lange Trends. Und da kommt es immer wieder mal zum Wechsel einzelner Pferde. Das ist Teil der ökonomischen Realität und der Entwicklung der Wirtschaft. Die allermeisten unserer Trendfolge-Aktien profitieren entweder von Corona oder sind zumindest nicht negativ betroffen. Und falls doch, dann sagen uns die Strategieregeln, wann wir aktiv werden müssen.

Gerald Türmer

Diesen Aussagen kann ich nichts hinzufügen und ich schließe mich zu 100 % an.

Welchen ultimativen Finanz-Tipp würden Sie unseren Lesern für Krisenzeiten mitgeben?

Gerhard Artmann

Auch wenn es auf den ersten Blick abgedroschen klingen mag: Jede Krise geht vorbei. Und jede Krise birgt enorme Chancen. Denn entscheidend ist, sich in der Krise auf diese Chancen zu konzentrieren und Angst oder gar Panik zu vermeiden. Stell dir einfach vor, wie du ein paar Jahre später auf die Krise zurückschauen wirst und dich dann fragst: Habe ich das Beste aus der Krise gemacht?

Gerald Türmer

Es beginnt weit vor der Krise mit einer soliden Sicherheitsausstattung in Form von Regeln, die du auch in den normalen Zeiten anwendest. So baust du ein grundlegendes Wissen auf, das du für nachhaltigen Börsenerfolg brauchst. 

  • Bestimme deine individuellen psychischen Eigenschaften und welche Emotionen dich zu welchen Handlungen verleiten könnten.
    Was macht dir Angst, was lässt dich gierig werden? 
  • Verwende ausschließlich regelbasierende Faktoren, um die jeweilige Marktphase zu bestimmen.
  • Reduziere den Konsum von Wirtschaftsnachrichten auf ein Minimum.
  • Halte dich an deine Regeln.

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Über den Autor

Autorenprofil: Victoria Heinzlmeier

Victoria Heinzlmeier

Victoria machte 2019 ihr Abitur in Köln. Vor Beginn ihres Studiums absolviert sie ein Praktikum in unserer Online-Redaktion und ist somit als Redakteurin vor allem für die Content-Erstellung zuständig. Insbesondere unterstützt sie uns bei den Finanzkongress-Interviews, baut das Gründerverzeichnis weiter aus und schreibt fleißig aktuelle News. In ihrer Freizeit liest sie gerne Romane und Biografien und spielt seit Kindheitstagen Tennis.

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