Diese Vorschriften gilt es für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu beachten

Kurzarbeit: Die wichtigsten Regeln in Zeiten von Corona

Die Corona-Pandemie breitet sich momentan weiter aus. Das öffentliche Leben wird immer weiter eingeschränkt und auch die Arbeitswelt bekommt die Auswirkungen deutlich zu spüren. Viele Arbeitnehmer können ihren Job nicht mehr in Vollzeit ausführen und Arbeitnehmer müssen sich Alternativen überlegen. Eine Möglichkeit ist die Kurzarbeit zu beantragen. Doch was ist Kurzarbeit und wie kann man sie besonders während der Corona-Krise für sich nutzen?

Definition: Was ist Kurzarbeit?

Die Kurzarbeit kann, wie der Name schon vermuten lässt, vom Arbeitgeber eingeführt werden, wenn ein erheblicher Ausfall des Arbeitspensums vorliegt. Dies kann beispielsweise bei einer schlechten Auftragslage, saisonbedingt oder eben wegen eines unabwendbaren Ereignisses, wie dem Coronavirus, der Fall sein. In diesen Fällen kommt das Kurzarbeitergeld zum Tragen. Dieses ist dazu bestimmt, den Arbeitnehmern die Arbeitsplätze zu sichern und einen Teil des durch die Kurzarbeit bedingten Lohnausfalles zu ersetzen.

Wenn Arbeitnehmer die Kurzarbeitszeit in Anspruch nehmen müssen, erhielten sie bisher 60 Prozent ihres Nettolohns steuerfrei für die ausfallende Arbeitszeit. Bei Arbeitnehmern mit Kind waren dies rund 67 Prozent. Natürlich war das besser, als arbeitslos zu sein, jedoch brachte das gekürzte Geld viele Arbeitnehmer in finanzielle Probleme. Laut einer Gründer.de Umfrage sagen 34 Prozent der Befragten, dass ihre Fixkosten zwar gedeckt sind, jedoch darüber hinaus kaum noch etwas bleibt. Bei jedem Vierten wären mit dem Kurzarbeitergeld noch nicht einmal die Fixkosten gedeckt. Die restlichen 42 Prozent haben oder hätten keine finanziellen Schwierigkeiten durch das Kurzarbeitergeld.

Deswegen entschieden sich die Spitzen der Union und SPD auf ein neues 10 Milliarden schweres Corona-Hilfspaket. Nun sollen Haushalte mit Kindern bis zu 80 Prozent ihres Gehaltes bezahlt bekommen, kinderlose Haushalte bis zu 87 Prozent.

https://www.gruender.de/kurzarbeitergeld-wird-angehoben/

Gesetzesänderung zur Corona-Krise: Das „Arbeit-von-Morgen“-Gesetz

Damit die von der Corona-Krise besonders stark betroffenen Betriebe weiterhin ihre Mitarbeiter halten können, hat das Bundeskabinett in einem Eilverfahren das „Arbeit-von-Morgen“-Gesetz auf den Weg gebracht. Mit diesem Gesetz sollen mehr Betriebe leichter an das Kurzarbeitergeld kommen, damit so die Auswirkungen des Coronavirus eingedämmt werden können.

Konkret bedeutet das, dass Unternehmen das Kurzarbeitergeld rückwirkend zum 1. März nutzen können, wenn nur zehn Prozent der Arbeitnehmer vom Arbeitsausfall betroffen sind. Bislang war die Voraussetzung, dass ein Drittel der Arbeitnehmer betroffen sein mussten. Zudem sollen Mitarbeiter keine Minusstunden rausarbeiten müssen, um sie zum Ausgleich einzusetzen. Die betroffenen Unternehmen bekommen darüber hinaus die Arbeitgeberanteile der Sozialversicherung ihrer Kurzarbeiter erstattet. Außerdem sollen auch Leiharbeitskräfte einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld bekommen. Wie eine Gründer.de-Umfrage zeigt, haben bereits 15 Prozent der Befragten Kurzarbeitergeld beantragt und ebenfalls 15 Prozent denken darüber nach oder halten es für wahrscheinlich, dass die das Geld beantragen.

Ab der ersten Aprilhälfte sollen voraussichtlich mehr Betriebe das Kurzarbeitergeld nutzen können.

https://www.gruender.de/coronavirus-export/

Welche Voraussetzungen gelten für die Kurzarbeit und das Kurzarbeitergeld?

Die Kurzarbeit kann lediglich vom Arbeitgeber beantragt werden. Der Arbeitgeber kann die Kurzarbeit dann anmelden, wenn der Arbeitsausfall unvermeidbar ist. Das heißt, dass das Unternehmen zuvor alles dafür getan hat, um den Verdienstausfall zu vermeiden. Zudem müssen für die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • In dem betreffenden Unternehmen muss es einen erheblichen Arbeitsausfall geben
  • Im Betrieb muss mindestens ein Arbeitnehmer beschäftigt sein
  • Vor der Kurzarbeit darf den betroffenen Arbeitnehmern nicht gekündigt werden
  • Der Arbeitgeber muss den Verdienstausfall im Laufe des Monats anzeigen, in dem die Kurzarbeit beginnen soll.

Das heißt, dass zunächst auch Zeitguthaben, Überstunden oder Ähnliches seitens des Arbeitnehmers abgefeiert werden müssen. Was die Anordnung eines Zwangsurlaubes seitens des Arbeitgebers angeht, gibt es keine eindeutige Regelung. So kann es durchaus sein, dass Arbeitnehmer die Hälfte oder zwei Drittel ihres Urlaubsanspruches einsetzen müssen. Den Urlaubswünsche des Arbeitnehmers stehen dann dringende betriebliche Gründe entgegen.

Kurzarbeit sofort anzeigen

Anzeigen von Kurzarbeit durch die Corona-Pandemie können ab sofort abgegeben werden. Arbeitgeber sollten deswegen den Arbeitsausfall sofort bei der Agentur für Arbeit anzeigen, wenn zehn Prozent der Arbeitnehmer davon betroffen sind. Auch Zeitarbeitsunternehmen können ab sofort den Arbeitsausfall anzeigen.

Aufgrund des hohen Anrufaufkommens sind die Arbeitsagenturen und Jobcenter derzeit nur eingeschränkt erreichbar. Anrufe solltest du daher auf Notfälle beschränken.

Für Selbstständige gilt die Kurzarbeit und das Kurzarbeitsgeld nicht. Das liegt daran, dass sie nicht in der Arbeitslosenversicherung pflichtversichert sind.

https://www.gruender.de/coronavirus-bundesbank-konjunktur/

Quellen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales / Focus

Jetzt weiterlesen ...
Themenseiten

Über den Autor

Autorenprofil: Leoni Schmidt

Leoni Schmidt

Nach ihrem Abitur studierte Leoni an der Fachhochschule des Mittelstands in Köln Medienkommunikation & Journalismus. In diesem Studium sammelte sie durch Praktika bei der Rheinischen Post und bei Antenne Düsseldorf viele praktische, journalistische Erfahrung. Neben ihres Studiums arbeitete sie als Werkstudentin bei einem Online-Magazin. Bei diesem wurde sie nach ihrem Studium übernommen und arbeitete dort in der Online-Redaktion. Im Mai 2019 wechselte sie dann zu Digital Beat und Gründer.de und arbeitet seitdem dort als Junior-Online-Redakteurin.