Der Experte im Finanzkongress-Interview

André Stagge: „Hör niemals auf die Dinge zu hinterfragen!“

André Stagge beschäftigt sich seit 25 Jahren intensiv mit den Themen Börse, Trading und Kapitalanlage. 11 Jahre hat er als Senior Portfoliomanager bei einer großen deutschen Fondsgesellschaft gearbeitet. Er war für vier Fonds verantwortlich, die über 2,5 Mrd. verwaltetes Vermögen umfassten. Er ist Dozent zum Thema „Asset Management“ an der International School of Management (ISM) in Frankfurt. Als Speaker des Finanzkongress 2021 hat André Stagge uns im Interview verraten, was finanzieller Erfolg für ihn bedeutet und wie seine ultimativen Finanz-Tipps lauten, insbesondere in Krisenzeiten.

André Stagge, wie hat bei dir alles angefangen: Warst du schon immer an Finanz-Themen interessiert oder gab es einen Auslöser?

Schon zur Schulzeit habe ich ein Fachgymnasium für Wirtschaft besucht. Damals kaufte ich auch meine erste Aktie, im Alter von 13 Jahren. Ich kann mich gut erinnern, wie ich mit meinen Eltern zur Bank ging, denn allein konnte ich natürlich keine Transaktionen tätigen. So hat alles 1996 angefangen. Damals mit der Mannesmann-Aktie, die jedem alteingesessenen Börsianer ein Begriff sein dürfte. Es war die Zeit, als der Neue Markt so richtig ins Laufen kam. Ich habe ziemlich schnell Geld verdient und wurde mit dem Börsenvirus infiziert.

Was waren finanziell gesehen, deine größten Pleiten und Erfolge?

Wie wir heute wissen, kam nach dem großen Hype um Mannesmann und die Aktien aus dem Neuen Markt die Ernüchterung. Ich hatte damals natürlich keine Ahnung, dass es so kommen könnte. Ein prägender Trade, an den ich mich noch gut erinnere, war einer mit der Aktie von Rambus im Jahr 2001. Ich hatte in einem großen Börsenmagazin eine bullische Analyse gelesen und zu stark darauf vertraut, auch als der Kurs dann immer weiter fiel. Soweit ich mich erinnere, habe ich etwa zwei Drittel meines dort investierten Kapitals verloren, aber letztlich auch etwas Wertvolles gelernt: Man muss immer seine eigenen Analysen machen und darf sich nicht auf andere verlassen!

Den größten Verlust als Fondsmanager habe ich Anfang Februar 2018 erlitten. Der Markt ist über Nacht deutlich eingebrochen und ich musste nach nur wenigen Stunden einen Verlust von über 4 Millionen Euro verantworten.

Der größte Erfolg ist eindeutig, dass ich mich langfristig auf meine Trading- und Investment-Strategien verlassen kann. Um dauerhaften Wohlstand aufzubauen und den Kapitalmarkt zum eigenen Vorteil zu nutzen, brauchst es am Ende nur zwei einfache Dinge. Es braucht eine erfolgreiche Investment-Strategie und diese Strategie muss konsequent und dauerhaft in der Praxis umgesetzt werden. Genau darum geht es bei allem was ich an der Börse mache. Früher als Fondsmanager oder heute für mein privates Vermögen. Das ich nach vielen Jahren soweit gekommen bin ist für mich der größte Erfolg. 

Welche Strategien verfolgst du, um langfristig finanziell erfolgreich zu sein?

Mittlerweile habe ich über 34 Investment- und Trading-Strategien untersucht und wende diese regelmäßig an. Ein einfaches Beispiel ist der Turnaround Tuesday. Ein Klassiker unter meinen Strategien. Ich unterscheide hier zunächst, ob ein Bullenmarkt oder ein Bärenmarkt vorliegt, indem ich beobachte, ob der letzte DAX-Schlusskurs über oder unter dem Gleitenden Durchschnitt über 34 Tage liegt. Wenn wir einen Bärenmarkt haben, kaufe ich den DAX am Montagabend und halte ihn 24 Stunden bis zum Dienstagabend oder nach Ermessen bis Mittwochmorgen. Es ist kein Stopp Loss und kein Gewinnziel vorgesehen. Im Bullenmarkt handle ich diese Strategie nicht. Die Idee dabei ist, dass der Dienstag der perfekte Tag für einen positiven Stimmungsumschwung. In Bärenmärkten nehmen Finanzprofis am Freitag Gewinne mit und schaffen Kasse für potenzielle Mittelabflüsse. Während des Wochenendes bekommen Privatanleger kalte Füße und verkaufen am Montag ihre Aktien. Die Kursrückgänge nutzen die Profis am Dienstag häufig zum kurzfristigen Wiedereinstieg, sodass der Markt gegen den Trend drehen kann. Solche Strategien funktionieren im Trading, aber auch im Investment erstaunlich gut.

Inwiefern hat die Corona-Krise in den vergangenen Monaten deine finanziellen Entscheidungen beeinflusst?

Corona hat im Februar und März zu einer Börsenpanik geführt. Die oben beschriebene Strategie konnte diese gut ausnutzen und Ende März gab es ein Signal mit über +11% Tagesgewinn am Turnaround Tuesday. Weitere prominente Beispiele für diese Strategie sind deshalb vor allem in Extremsituationen zu finden. Bei Aktienmarkt-Crashs kommt es häufig zum Turnaround Tuesday. Ein besonders markantes Beispiel ist der 20. Oktober 1987. Tags zuvor, am „Black Monday“, war der Dow Jones um 23 Prozent gefallen. Am Dienstag fiel der Dow zunächst unter größter Panik weiter, vollzog dann aber eine Umkehr und erwies sich damit als perfekte Kaufgelegenheit. Ganz ähnlich war die Situation auch am Montag, dem 27. Oktober 1997, als der Dow Jones tief im Minus schloss und dann am Dienstag drehte. Auch im Jahr 2015 konnte die Strategie einen Volltreffer landen, als der DAX im August deutlich unter Druck kam. Am Montag, dem 24. August, fielen die Kurse rapide. Mit dem Kauf zum Schlusskurs am Montagabend und dem Verkauf am Dienstag zum Schlusskurs konnte man 480 Punkte erwirtschaften. Was ich mit den Beispielen verdeutlichen will ist, dass eine Panik im Markt nichts ungewöhnliches ist und immer auch mit Chancen verbunden ist.

Welchen ultimativen Finanz-Tipp würdest du unseren Lesern für Krisenzeiten mitgeben?

Als erstes sollte man klare Ziele haben und wissen, was man erreichen möchte und vor allem mit welchem Zeitaufwand. Wem zum Beispiel zehn bis 15 Prozent im Jahr reichen, der kann mit wenig Stress einfache Investment-Strategien handeln. Zudem ist es wichtig, immer flexibel zu sein. Damit meine ich, sich nicht starr auf eine Sache zu fokussieren, sondern immer auch mögliche Alternativen zu sehen und nicht damit aufzuhören, die Dinge zu hinterfragen – erst recht nicht, wenn man glaubt, es verstanden zu haben, denn in Wahrheit durchschaut man den Markt niemals völlig. Als drittes kommt es meines Erachtens darauf an, seine Sinne zu schärfen, um in entscheidenden Situationen auf Basis von Erfahrung und aktueller Wahrnehmung zu erkennen, was gerade zu tun ist und was nicht.

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Über den Autor

Autorenprofil: Victoria Heinzlmeier

Victoria Heinzlmeier

Victoria machte 2019 ihr Abitur in Köln. Vor Beginn ihres Studiums absolviert sie ein Praktikum in unserer Online-Redaktion und ist somit als Redakteurin vor allem für die Content-Erstellung zuständig. Insbesondere unterstützt sie uns bei den Finanzkongress-Interviews, baut das Gründerverzeichnis weiter aus und schreibt fleißig aktuelle News. In ihrer Freizeit liest sie gerne Romane und Biografien und spielt seit Kindheitstagen Tennis.

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