Für wen lohnt sich eine freiwillige Arbeitslosenversicherung?

Freiwillige Arbeitslosenversicherung: Dein Schutz beim Jobverlust

Wer sich in einem Angestelltenverhältnis befindet, braucht sich über eine Arbeitslosenversicherung keine Sorgen zu machen. Schließlich kümmert sich darum der Arbeitgeber. Wer sich jedoch selbstständig macht, muss sich selbst um diese Versicherung kümmern. Mit der freiwilligen Arbeitslosenversicherung können sie sich vor einer plötzlichen Arbeitslosigkeit schützen. Beispielsweise, wenn die eigene Selbstständigkeit scheitert. Doch für wen eignet sich so eine freiwillige Arbeitslosenversicherung und was beinhaltet diese?

Definition: Was ist eine freiwillige Arbeitslosenversicherung?

Die freiwillige Arbeitslosenversicherung wird häufig auch als private Arbeitslosenversicherung bezeichnet und schützt auch die Menschen, die sich nicht in einem Angestelltenverhältnis befinden, vor der Arbeitslosigkeit. In einem Angestelltenverhältnis kümmert sich normalerweise der Arbeitgeber um diese Versicherung. Macht man sich jedoch selbstständig ist man sein eigener Chef und muss sich selbst um diese Versicherung kümmern – wenn man sie denn haben will. Die Arbeitslosenversicherung zahlt dann, wenn die Selbstständigkeit des Versicherten scheitert. Dies kann der Fall sein, wenn man beispielsweise keine Aufträge mehr bekommt, einem das Geld ausgeht oder man durch einen Unfall oder eine Krankheit nicht mehr in der Lage dazu ist, seinen Beruf weiter auszuüben. In diesen Fällen ist es wichtig eine finanzielle Einnahmequelle zu haben, mit der sich alle Kosten decken lassen und das eigene Leben finanzieren lässt.

Voraussetzungen für eine freiwillige Arbeitslosenversicherung

Tatsächlich hat hierbei aber nicht jeder Unternehmer oder Selbstständige einen Anspruch in die freiwillige Arbeitslosenversicherung einzutreten. Um in diese Eintreten zu dürfen, müssen folgende Bedingungen gegeben sein:

  • Der Antrag zur Weiterversicherung muss innerhalb der ersten drei Monate nach Aufnahme der Selbstständigkeit gestellt werden.
  • Die selbstständige oder unternehmerische Tätigkeit muss mindestens 15 Stunden wöchentlich in Anspruch nehmen.
  • Der Unternehmer oder Selbstständige muss in den vorangegangen zwei Jahren für mindestens zwölf Monate pflichtversichert gewesen sein. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn man vorher als Angestellter gearbeitet hat oder versicherungspflichtiges Krankengeld oder Erziehungsgeld bezogen hat. Dabei ist es nicht wichtig, ob dieses durchgehend der Fall war. Wichtig ist nur, dass insgesamt ein Jahr lang die Beiträge eingezahlt wurden.
  • Falls aus der Arbeitslosigkeit das Unternehmen gegründet oder die selbstständige Tätigkeit aufgenommen wurde, gilt die Anforderung als erfüllt.

Die Leistungen der Arbeitslosenversicherung für Selbstständige

Ist man freiwillig versichert kann man Arbeitslosengeld beantragen, sollte die eigene Selbstständigkeit scheitern. Mit Bezug des Arbeitslosengeldes stellt man sich wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und muss die entsprechenden Forderungen des Arbeitsamtes erfüllen. Zu diesen gehört beispielsweise, dass man sich aktiv um eine neue Beschäftigung bemühen muss. Zudem ist man dazu verpflichtet, eine zumutbare Beschäftigung anzunehmen, wenn diese vom Arbeitsamt vermittelt wird. Ansonsten droht die Kürzung des Arbeitslosengelds.

Wie hoch das Arbeitslosengeld für den freiwilligen Versicherten ausfällt, berechnet sich individuell. Für die Berechnung der Ansprüche wird ein fiktives Arbeitsentgelt angenommen, welches sich nach der Beschäftigung richtet, auf welche sich der Versicherte gerade bewirbt. Zudem erhalten Hoch- beziehungsweise Fachhochschulabsolventen eine höhere Entschädigung als Selbstständige ohne eine vorangegangene Ausbildung. So kann die Höhe des Arbeitslosengeldes zwischen 800 und 1.500 Euro monatlich liegen.

Wie lange besteht der Anspruch auf das Arbeitslosengeld?

Wie lange ein Versicherter das Arbeitslosengeld beziehen kann hängt davon ab, wie viel er in den letzten zwei Jahren vor Beginn der Erwerbslosigkeit in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Wer mindestens zwölf Monate eingezahlt hat, hat Anspruch auf sechs Monate Unterstützung. Wer 24 Monate nachweisen kann, der kann das Arbeitslosengeld zwölf Monate lang beziehen.

Die Vorteile der freiwilligen Arbeitslosenversicherung

Es gibt viele Vorteile, welche die Arbeitslosenversicherung für Selbstständige mit sich bringen kann:

  • Als Hochschulabsolvent sind höhere Leistungen und niedrigere Beiträge zu erwarten
  • Finanzielle Absicherung vor möglicher Arbeitslosigkeit
  • In der Anfangszeit einer Gründung sinnvoll, um sich erstmal abzusichern

Die Nachteile der freiwilligen Arbeitslosenversicherung

Auch die Nachteile der Arbeitslosenversicherung für Selbstständige solltest du beachten:

  • Wer keine Ausbildung absolviert hat, muss mit sehr niedrigen Leistungen rechnen
  • Beiträge sind seit ein paar Jahren sehr hoch –  hier gilt es durchzurechnen, inwiefern sich die Versicherung lohnt
  • Kündigung ist erst nach frühestens fünf Jahren möglich

Kosten der Arbeitslosenversicherung für Selbstständige in 2020

Der Beitragssatz für das Jahr 2020 liegt bei 2,4 Prozent. Auf Basis der Bezugsgrößen von 3.185 Euro im Westen und 3.015 Euro im Osten Deutschlands liegt der monatliche Beitrag zur Arbeitslosenversicherung für Selbstständige bei 76,44 Euro im Westen und 72,24 Euro im Osten.

Für Gründer eines neuen Unternehmens gilt hierbei jedoch eine Sonderregelung. Ab dem Zeitpunkt der Gründung, plus dem darauffolgenden Kalenderjahr, zahlen diese nur die Hälfte der Beiträge. Das wären in diesem Beispiel 38,22 Euro im Westen und 36,12 Euro im Osten.

Muss man im Falle der Erwerbslosigkeit seine Selbstständigkeit ganz aufgeben?

Wer nicht mehr genügend Aufträge bekommt und daher nicht mehr ausreichend Einnahmen für seinen Lebensunterhalt hat, kann sich arbeitslos melden und die Leistungen der Versicherung in Anspruch nehmen, muss aber seine Selbstständigkeit nicht ganz aufgeben. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit können sich Selbstständige als erwerbslos melden, wenn ihre wöchentliche Arbeitszeit unter 15 Stunden fällt. Wer das Arbeitslosengeld bezieht, kann währenddessen bis zu 165 Euro monatlich hinzuverdienen. Gehen die Einnahmen über diesen Betrag hinaus, werden diese vom Arbeitslosengeld abgezogen.

Fazit

Die Arbeitslosenversicherung für Gründer und Selbstständige ist besonders in der Anfangszeit der Selbstständigkeit sinnvoll. Mit dieser kann man sich für den Fall absichern, dass die Geschäftsidee doch nicht den gewünschten Erfolg bringt und das Unternehmen daher geschlossen werden muss. Das gibt vielen Gründern eine gewisse Sicherheit und kann sehr beruhigen. Hat sich das eigene Geschäft dann erstmal etabliert, muss abgewogen werden, inwiefern sich die Versicherung noch lohnt, da sie monatlichen Beträge schon sehr hoch sind. Wer jedoch diesen gewissen Grad an Sicherheit braucht, ist mit der Arbeitslosenversicherung für Selbstständige sehr gut bedient.

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Über den Autor

Autorenprofil: Leoni Schmidt

Leoni Schmidt

Nach ihrem Abitur studierte Leoni an der Fachhochschule des Mittelstands in Köln Medienkommunikation & Journalismus. In diesem Studium sammelte sie durch Praktika bei der Rheinischen Post und bei Antenne Düsseldorf viele praktische, journalistische Erfahrung. Neben ihres Studiums arbeitete sie als Werkstudentin bei einem Online-Magazin. Bei diesem wurde sie nach ihrem Studium übernommen und arbeitete dort in der Online-Redaktion. Im Mai 2019 wechselte sie dann zu Digital Beat und Gründer.de und arbeitet seitdem dort als Junior-Online-Redakteurin.

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