Digitalisierung ist in aller Munde. Deutschland hat im wirtschaftlichen Bereich gegenüber anderen Ländern eine hervorragende Ausgangslage. Nur beim Thema Digitalisierung hinkt das Land im Vergleich mit anderen Ländern deutlich hinterher. Nur wenige Prozente werden des digitalen Potenzials werden ausgeschöpft und so in führenden Sektoren versäumt, den maximalen Nutzen daraus zu ziehen. Thomas Klußmann von Gründer.de hat deshalb mit Elfi Scho-Antwerpes, der 1. Stellvertreterin des Oberbürgermeisters der Stadt Köln und Mitglied des deutschen Bundestags ein Interview geführt, was die Stadt Köln genau zum Thema Digitalisierung unternimmt.

Die wichtigen Punkte haben wir hier zusammengefasst:

Thomas Klußmann: Was tut die Stadt Köln aktiv beim Thema Digitalisierung?

Elfi Scho-Antwerpes: Wir in Köln ärgern uns immer ein wenig, wenn es so hingestellt wird, dass nur in Berlin kluge Köpfe zu Hause sind und nur dort sich Startups niederlassen. In Köln hat sich vieles getan, es haben sich viele Startups auch hier niedergelassen und Köln hat sich als Startup-Standort etabliert. Natürlich wünschen wir uns, dass sich noch mehr Startups hier niederlassen. Aber dazu müssen wir die nötigen Bedingungen schaffen und beispielsweise das Breitband ausbauen, da wir hier noch viel zu langsam sind. Für mich ist die Digitalisierung ein sehr wichtiges Thema, welches schon in der Kita beginnt und sich über die Schule fortsetzt. Gerade im Hinblick auf Schulen muss darauf geachtet werden, dass diese zum Thema Digitalisierung sehr gut ausgestattet werden. Jedes Kind muss, unabhängig aus welchem sozialen Umfeld es kommt, die gleichen Voraussetzungen geboten bekommt. Dazu gehört aber auch, dass die Lehrer entsprechend aus- und weitergebildet werden und es dadurch nicht zu Ausfallzeiten im Unterricht kommt.

Thomas Klußmann: Aber ist dies nicht als selbstverständlich und logisch zu sehen?

Elfi Scho-Antwerpes: Nein, so logisch ist dies an vielen Stellen nicht. Alles ist mit sehr hohen Kosten verbunden und ich mache auf diesen Umstand auch immer als Bundestagsabgeordnete darauf aufmerksam. Wir als Stadt Köln können wir zwar Förderprogramme auf den Weg bringen und dafür auch Fördermittel bekommen, aber nicht immer werden diese auch gewährt. Unsere Bundeswirtschaftsministerin ist der Startup-Szene gegenüber sehr aufgeschlossen und kennt so gut wie alle Startups in Köln, da hier auch schon einige Preise verliehen worden sind. Aber wir sind uns einig, dass in Köln durchaus noch mehr gepusht werden könnte und dafür werde ich mich weiter voll einsetzen. Dazu gehört auch, dass man Büroraum schafft, den sich ein Startup auch leisten kann. Wir als Stadt Köln können hier viel dazu beitragen.

Thomas Klußmann: In Köln gibt es ja auch den DigitalHub Cologne? Erkläre doch bitte, was sich dahinter verbirgt und wie Gründer davon profitieren können?

Elfi Scho-Antwerpes: Der DigitalHub Cologne ist ein Dach für Startups, den es nicht nur in Köln, sondern in ganz NRW gibt. Hier wird gezeigt, wo es für Startups lang gehen kann, wie gefördert werden kann und wie man Startups unter die Arme greifen kann. Vor allem kleinen Startups, wie Sie ja selbst auch angefangen haben, wird hier Hilfestellung gegeben um die beste Entwicklung zu bieten und das lohnt sich und ist auch wichtig für den Wirtschaftsstandort Köln.

Thomas Klußmann: Wir kennen ja die Startup-Szene beispielsweise in Berlin oder jetzt auch in Köln. Aber dennoch schauen immer noch viele voller Bewunderung in die USA ins Silicon Valley. Wo siehst du hier die Unterschiede zu unseren Zentren für Startups, wo ja auch sehr viel getan wird und sehr vieles in Bewegung ist?

Elfi Scho-Antwerpes: Die Unternehmen des Silicon Valley werden deutlich mehr von der Wirtschaft in den USA unterstützt. Da würde ich mir hier in Deutschland, auch in Köln, noch deutlich mehr von dieser Unterstützung wünschen. Die Kultur in den USA, wo einem Startup immer noch ein Säckchen mit Geld hinterher getragen wird, das fehlt uns hier in Deutschland leider noch. Doch ich hoffe, dass die Wirtschaft so klug ist und erkennt, dass es sich hier um unsere Zukunft handelt und bessere Unterstützung leisten wird im Laufe der Zeit. Man darf vor der Digitalisierung einfach nicht mehr die Augen verschließen.

Thomas Klußmann: Ich selbst habe das Abitur gemacht und wurde dann auch später während meinem Studium nie mit Themen wie Gründertum etc. konfrontiert. Bist du der Meinung, dass dies zukünftig nicht stärker in unsere Bildungspolitik mit einfließen sollte?

Elfi Scho-Antwerpes: Das ist ein wichtiger Punkt. Ich selbst habe ja auch vor längerer Zeit Architektur studiert und bin selbst damals von niemandem an die Hand genommen worden. Daran hat sich bis heute nichts geändert, denn ich bin der Meinung, dass unsere Jugendlichen nicht genügend vorbereitet werden. Um diese aber auf das wahre Leben vorzubereiten, braucht eine Stadt wie Köln aber auch Partner an ihrer Seite.

Thomas Klußmann: Ich sehe, dass wir hier einer Meinung sind und die gleiche Richtung verfolgen. Für mich ist auch der regelmäßige Austausch, etwa über Netzwerke sehr wichtig. Eine letzte Frage habe ich noch an dich. Wie viel Einfluss hat unsere Bundesministerin für Wirtschaft und Enerige, um hier als Einzelperson die Gründerkultur in Deutschland richtig anzuschieben?

Elfi Scho-Antwerpes: Die Ministerin ist eine Person, die etwas im Kopf hat, die Ideen hat und die Zeichen der Zeit längst erkannt hat. Sie versucht Menschen mitzunehmen, sie kennt die Wege und geht mit einer großen Energie an ihre Arbeit. Aber sie braucht auch Unterstützung aus der Koalition, was leider nicht immer gelingt. Aber in der Wirtschaft genießt sie ein sehr hohes Ansehen und kann begeistern.

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