Das klingt so wie „5.000 Euro nebenbei bei freie Zeiteinteilung von zu Hause aus“? Oder „wie man in 10 Tagen 10 Kilo abnimmt“? Es gibt auch Menschen, die glauben an Elfen und Trolle. Well, leider ist es aber wahr, wie ich mit sehr wenig Arbeit über fünf Millionen Videoabrufe generiert habe. Und wie genau? Um das zu erfahren, musst du kein eBook für 2,99 Euro herunterladen. Es ist viel einfacher als gedacht.

Wie alles begann: 2005

Als Technik affiner Mensch und Tech-Blogger kam YouTube (im folgenden meist YT genannt) 2005 auf meinen Radarschirm. Es handelte sich um eine lose Ansammlung von völlig belanglosen und unwitzigen Videos. Aus reiner Neugier habe ich dennoch erste Videos kurz nach dem Lauch von YT  hochgeladen und eine Zeit lang mit dem System herumgespielt. Ich wollte schlichtweg für meine Leser – immerhin schrieb ich damals als Blogger über Tech- und Web-Trends – etwas zum Schnuppern anbieten. Denn es zeichnete sich ab, dass YouTube einen Hit gelandet hatte: YouTube selbst mit seinen steil anwachsenden Unmengen an Videos. Der Ansturm auf die Seite war schon früh enorm hoch.

Das bemerkte ich auch an meinen Videos. Darunter befand sich ein Musikvideo namens „Habanera“, das alleine über zwei Millionen Abrufe bis heute generiert hat (ich hatte es am 08.04.2006 hochgeladen, übrigens mit dem O.K. des kommenden Opera-Stars Catherine Jenkins, die ihre Gesangseinlage bis dato nur auf ihrer Homepage platziert hatte). Musikvideos sicherten damals YT den großen Erfolg, die bekanntlich meistens ungefragt hochgeladen wurden. Damals.

Im September 2006 platze dann die Bombe. Google hatte für 1,6 Milliarden US-Dollar zugeschnappt und sich YT einverleibt. Meine Neugier war damit gestillt, denn es war von da an klar, dass YT das Kapital nie ausgehen würde.

YouTube als Informationsplattform und wie man die Daten liest

Die meisten werden wohl so wie ich YT als Bespaßungsplattform betrachten. Lets-play Videos über die neuesten Games, in einem Atemzug sprechende Girls, die ihre Einkäufe lobpreisen, Musik- und Filmvideos bis zum Anschlag. Das mag alles richtig sein, doch es gibt noch eine ganz wesentliche Säule: Informationen!

YouTube ist zum zweiten Google mutiert, wenn es um Hausaufgaben oder Bauanleitungen und Bedienungsfragen geht. Wer Gitarre lernen möchte oder die kaputte Waschmaschine reparieren will, findet das auf YT. User suchen intensiv auf YT nach Lösungen und nach Infos jeglicher Art. Das machte ich mir zu Nutze.

In der Zwischenzeit hatte ich nämlich als Tech-Blogger die sich wandelnde Automobilindustrie entdeckt. Die Autohersteller erfuhren von meinem neuen Interessensgebiet und luden mich auf Fahrveranstaltungen ein. So ergab sich eines zum anderen: Irgendwann ab 2012 lud ich die ersten Videos zu diversen Automodellen hoch, um die neuen Techniktrends im Auto festzuhalten. Die Autowelt wurde mehr und mehr zu sprichwörtlichen „mobile devices“. Wie konnte ich das vermitteln? Ich zeigte auf simple Art und Weise, was die Navigations- und Computersysteme alles können. Daraus haben sich die weiteren drei Millionen Aufrufe ohne Arbeitsleid aufsummiert. In der Summe handelt es sich geschätzt um über 100 Videos aus dem Automobilsektor.

Die frei verfügbaren Analysedaten von YouTube zeigen es deutlich auf: Es sind fast nur Männer als Zuschauer, Frauen interessiert diese Art von Technik in Autos so gut wie gar nicht. Könnte man sich fast denken, doch ein Daten-Check ist stets zuverlässiger als eigene Annahmen. Niemals von sich ausgehen, heißt ein wichtiges Prinzip. Was würdest du tun, wenn du Frauen mit Autovideos ansprechen möchtest? Überlege dir Ansatzpunkte.

Das Chart zeigt das Interesse der Geschlechter deutlich auf. Sie unterteilt sich nach Altersgruppen und Geschlecht. Rechts die Frauen, links die Männer. Wenig verwunderlich spricht es eher die jüngere Gruppe der 25 -34 Jährigen an. Was aber vermutlich auch am generellen Altersmix aller YT-Zuschauer liegt, nicht nur am Interesse über Techniktrends.  Wie würde es bei dir aussehen? Wenn du zu deinem Thema Videos hochladen würdest?

Dieses Chart zeigt die gesamte Aufrufhistorie an, seitdem YouTube Daten erfasst. Hier gilt eine recht simple Regel: Wer am Ball bleibt, wird gesehen. Das heißt nicht unbedingt Massen von Videos pro Woche zu produzieren. Zweite Regel: traue nie einer simplen Regel! Denke immer selbst nach, ob das auch bei dir zutrifft und warum.

Könnte in meinem Fall die zusätzliche Annahme getroffen werden, dass die Aktualität entscheidet? Dann wären die neuesten Videovorstellungen generell sehr wichtig. Antwort: Ja und wiederum nein.

Ein neues Auto zieht teilweise je nach Marke und Modell sehr viele Zuschauer an. Wer schlau ist, zieht den Faktor Aktualität  in Betracht und fragt sich, ob dieser eine Rolle spielt (gehe stets von deinem Gebiet aus).  Die nächste Frage geht in Richtung Tellerrand: Bist du der Einzige oder machen das alle mit den neuesten Videos? Wenn das alle machen, ist es ratsam, sich eine Nische zu suchen. Ich hatte mir meine Nische ausgesucht.

Und wenn das Erstinteresse abebbt? Bedenke, dass Automodelle teilweise bis zu 20 Jahre und länger herumfahren. Solange bleiben die Videos über die ehemals vorgestellten Modelle quasi aktuell. Sie haben eine hohe Halbwertszeit. Neuwagenkäufer werden auf Dauer einen geringeren Anteil an den Abrufen als Gebrauchtwagenkäufer einnehmen.

Du solltest dich nun fragen, ob zwei Videos besser als nur ein Video sind? Ein Video, das mehr auf das Neue abhebt und ein weiteres Video, das für alle Zuschauer auch in weit späteren Zeiträumen interessant bleibt, allerdings ohne den Neuigkeitsfokus.  Diese Überlegung ist absolut korrekt. Warum ich das nicht umsetze? Es juckt mich nicht, die Optimierung voranzutreiben. Es ist mein Hobby!

Übrigens: Selbstverständlich werden Volumenmodelle häufiger abgerufen als Modelle, die sich seltener verkaufen. Das gilt nicht für Spitzenmarken wie Porsche. Jede Regel hat Ausnahmen.

Das ist prima in diesem Chart zu sehen:

Populäre Massenmodelle schlagen Modelle, die sich weniger oft verkaufen. Das gilt für alle Themen, egal um was es geht. Denke darüber nach, was das für dich bedeutet. Wonach sucht denn dein YT-User? Wie populär ist das Thema? Was gibt er wohl exakt ein? Wieso spiegelt sich das in deinem Video nicht, was Überschrift, Beschreibung und Hashtags angeht? Wer weiß, wie und wonach User suchen, wird gefunden. Klingt banal, ist aber eine nicht zu unterschätzende Überlegung.

Aber wo war nun mein grandioser Plan, YouTube zu erobern? Eben, es gab nie einen grandiosen Superplan noch wird es je einen geben. Ich informiere die Zuschauer so wie ich mich selbst informieren würde. Reinsetzen und Knöpfchen drücken. Es ist eine Art von Bedienungsanleitung, ein Aufzeigen, was die Computer-Mühle kann. Da Automodelle viele Jahre lang in Gebrauch sind, verlieren diese Videos nicht an Aktualität. Es sind aber keine News. Das ist bereits die grandios einfache Strategie, wenn man sie so nennen möchte. Ein stabiler und robuster Ansatz. Stabile und robuste Ansätze sind zu Beginn einer Lernkurve wesentlich.

Wer zu komplexe Überlegungen anstellt, wird sich bei der Umsetzung den Teufel suchen. Denn nichts klappt so wie man es plant. Weniger Stellschrauben sind daher besser als mehr, wenn es auf die Suche nach dem Warum geht. Mit der Zeit lernst du, was funktioniert und was nicht. Was verbessert werden kann.

Das bedeutet konkret?

  1. Ich habe kaum Aufwand, denn ich drehe meistens wackelige One-Taker. Das sind Videos ohne einen Schnitt. Muss das so sein? So eine Qualität?
  2. Auf Kommentare reagiere ich meistens nicht, denn ich habe keine Strategie, die Abonnentenzahlen hochzutreiben. Ich möchte nicht zusammen mit denen alt werden. Scherz, nein! Es geht um die Frage, wozu ich Abonnenten benötige? Meine Antwort: Ich bediene Gebrauchtwagenkäufer, die sich viele Jahr später über das Auto informieren, sekundär bediene ich Neuwageninteressenten. Was ist mit deinem Angebot? Wen brauchst du, wenn sprichst du an? Stammkunden? Neukunden? Irgendwie alle? Irgendwie ist ein Tabuwort. Dritte Regel.
  3. Ebenso wenig Verweise ich in meinen Videos auf die Möglichkeit, sich weitere Videos von mir anzuschauen. Du auch nicht?
  4. Bei der Beschreibung versuche ich, so präzise wie möglich den Produktnamen und einige Eigenschaften unterzubringen: Im Infotext und in der Überschrift. Damit YT die Chance hat, zu Sucheingaben der User passende Videos zu finden. Damit auch meine.
  5. Der Großteil der Aufrufe ergibt sich damit folgerichtig über die Suche und die Anzeige relevanter Videos, sobald der User ein anderes Video aufgerufen hat (ich bin schließlich nicht der Einzige, der zu Automobilen Videos dreht). Siehe dazu das nächste Chart etwas weiter unten.
  6. Der „Low Quality“- und „Low Work“-Ansatz zeigt dir spiegelbildlich mögliche Potentiale auf, an welchen Stellen sich Erklär-Videos noch besser platzieren ließen. Eine ausgefeiltere Überschrift, ausführlichere Beschreibungstexte, geskripterere Videos mit höherer Lerndichte, schnellere Antwortzeiten, mehr Eigenwerbung in jedem Video, weniger Wackelei, Interaktion mit aufkommenden Fragen der User im nächsten Video. Aber denke daran: Keep it easy stupid simple. Dann die Schnörkel und B-Noten einbauen.

Diese Analyse von YT zeigt die Quellen auf, über welche Wege Zuschauer meine Videos finden.

Das Finden des Unbekannten

Was passiert aber, wenn die User den Namen des Produktes nicht kennen noch den Namen eines einzigartigen Services je vernommen haben? Wie sollen sie nach etwas suchen, was so in ihrem Umfeld nicht geläufig ist? Hier hilft ein simpler und ehrlicher Trick: Suche nach einem bekannten bzw. populären Produkt- / Servicesegment, das in logischer Beziehung  zu deinem Angebot steht.  Bahnhof? Moment, ich erkläre es konkret. Du hast keinen Garten? Egal, stell dir vor, du hast einen. Möchtest du im Garten Bier kühl lagern? Du trinkst kein Bier? Jetzt schon. Du weißt, dass Erde kühlt. Aber du könntest stattdessen einen Kühlschrank im Garten aufstellen? Könntest du, nur ist das uncool! Es gibt nämlich etwas viel Cooleres. Warum nicht ein Loch in die Erde buddeln, um darin 24 Flaschen Bier unterzubringen? Sobald die Gäste da sind, öffnest du den Verschluss über dem Bier-Silo und die Flaschen werden nach oben ausgefahren? Ein Aufzug für Bierflaschen? Mitsamt Show und Kühlung? Es hört sich abstrus an, funktioniert dennoch prächtig, denn dieses System verkauft sich verdammt gut. Gebe spaßeshalber auf YT „Bier Garten Kühl“ ein. Wenn unter den Treffern nichts Bekanntes zu sehen ist,  war diese Übung genau das Ziel gewesen: https://www.youtube.com/watch?v=5omVxK8NRRM&t=12s Hopfenhöhle nennt sich das Produkt, was eigentlich keiner vom Begriff her kennt. Eigentlich. Und in Wahrheit ein Renner ist.

Die User suchen tatsächlich danach? Einfach so? Sagen wir so: Sie haben irgendwann irgendwo davon gehört. Und tippen in YouTube draus los. Nach dem Produkt oder den genannten Begrifflichkeiten suchend. Womöglich haben sie dazu eine Werbung gesehen, von einem Kumpel gehört, im Netz etwas dazu gelesen und gehen dann eben in YouTube auf die Suche. Denke dran, auch wenn ich dich damit nerve: YouTube ist zum zweiten Google geworden! YouTube ist Suche, Google ist Suche.Woher auch immer die User davon Wind bekommen, sie kommen, sehen und gehen wieder. Manche ordern, manche nicht. Ohne diese visuelle Wirkung wäre ein bloßer Text ein weitaus schwächerer Garant. Was in diesem Beispiel noch verborgen ist? Natürlich nutzt ein YouTube Video alleine kaum etwas. Trommeln musst du, im Netz und auf allen weiteren Kanälen. Wer nicht wirbt, der stirbt. YouTube selbst ist eine exzellente, visuelle Unterstützung.

FAZIT

Ich habe dich auf eine kleine Reise mitgenommen. Die Geschichte von YouTube aufgezeigt. Wie alles begann. Einfach so. Sie – die Gründer – haben es probiert. Genauso habe ich es dann auch gemacht, als Nutzer von YouTube.

Zur Wiederholung:

  1. Einfach starten, langsam steigern.
  2. Es muss nicht dieser irre Aufwand sein, den sich manche im Hamsterrad YT machen. Wer Videos für sich und andere drehen will, kann das mindestens ebenso gut wie ich machen, ein Stück gezielter sowie optimierter. Es fällt jedoch wesentlich leichter, wenn man sich vom Zwang befreit, einen Knaller drehen zu wollen. Einfach machen. Beobachten. Lernen. Optimieren. Verbessern.
  3. Wer demnach in der glücklichen Lage ist, ein erklärungsbedürftiges Produkt oder Produktsegment zeigen zu können (wie funktioniert es, was kann es, wie repariert man es = stelle dir immer W-Fragen), muss eigentlich nach dem Upload nur die Hände in den Schoß legen. Die User kommen quasi von selbst. Wenn du vorher das richtige Saatgut ausgewählt hast – YT ist eben nur ein Saatfeld von vielen und hängt auch von anderen Saatfeldern ab, denke dabei an die Hopfenhöhle – und die simple Strategie zurechtgelegt hast. Erntezeit! Klingt so easy, ist leider – schlechte Nachrichten zum Schluss – ein langer Weg, der ohne Lernen und Ausprobieren nicht funktioniert. Es gilt aber, das Segment der Erklärbär-Videos ist auf YT unfassbar populär. Nutze es oder lass es. Aber ganz ehrlich? Selbst Zahnstocher wollen erklärt werden. Es gibt nichts, was niemand sehen will.
  4. Das gleiche Prinzip gilt für Services: Wer kein Produkt hat, wird dennoch typische Fragen gestellt bekommen. Wie funktioniert es, wie wird es bedient, wie fixt man es, wenn ein Problem auftritt? Es sind im Grunde genommen die gleichen W-Fragen.
  5. Für dich gilt: Simple Fragen stellen, simple Antworten finden. Das ist der Weg zu einem Plan. Einer Strategie. Das gilt ganz besonders, wenn YT für dich als Produzent von Videos neues Terrain ist. Irgendwie ist verboten. Dieses Irgendwie kannst du weder messen noch daraus etwas lernen, wenn es nicht läuft. So wie ich es mit dir oben durchgegangen bin: Formuliere eine Idee, zeichne den Weg zum Ziel, verknüpfe einige wenige Zwischenstationen. Fertig ist dein erstes YT-Modell. Vom Aufnehmen bis hin zum Ernten. Selbst wenn die ersten Ernten richtig schlecht sind, lernst du, was schlecht war. Gehe den Weg zurück, denke vom User ausgehend, betrachte die Zwischenstationen. Wo lief es unrund? Was lief denn unrund? Was wolltest du nochmal mit den Videos auf YouTube? Wer sollte die finden? Wonach sollte er suchen? Wo sollte der User auf die Begriffe und den Namens des Produktes stoßen?
  6. Theorie und Praxis: Das hört sich in der Praxis nicht mehr so blumig an, wie ich es just formuliere. Plan, Check, Ernte. Hört sich easy an. Easy ist es, wenn es funktioniert;) Also? Fluchen gehört dazu, Schweißtropfen und viel Kaffee auch, um die richtigen Fragen zu stellen. Nochmals: Denke einfach, stelle keine Quantentheorien auf, die du selbst nicht verstehst. Das gilt für den ersten Plan sowie für die Kontrolle der miesen Ernten. Verfluche mich nicht, wenn es nicht funktioniert. Wir alle mussten schwitzen, lernen, fluchen. Bis wir den Bogen heraus hatten. Das wird auch für dich gelten. Meister. Himmel. Fallsucht. You name it! Ich kann es nicht oft genug betonen. Wir lernen!
  7. Und jetzt bist du an der Reihe. Mehr habe ich nicht zu sagen. Viel Erfolg und auch viel Glück, aber noch viel mehr Ausdauer. Denn Erfolg ist ein zäher und sturer Esel.

Autorenprofil:
Robert Basic
Blogger seit 2003. Technikaffin, neugierig, am technischen Wandel der Zeit interessiert, Anhänger und Skeptiker des Fortschrittsglaubens
Link: www.buzzriders.com

YouTube: Mit minimaler Arbeit Millionen Aufrufe generieren
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