Wie Lange Wir Deutschen Arbeiten

Anfang des Jahres wurden die ersten Zahlen veröffentlicht, wie es mit den Arbeitszeiten der Deutschen aussieht. Erstaunlich war dabei, wie viele Überstunden im Jahr 2018 gemacht wurden. Einige Branchen sind davon besonders betroffen gewesen. Diese Entwicklung aber läuft komplett gegen den Trend, denn eine Umfrage hat das klare Ergebnis gebracht, dass die Deutschen im Jahr 2019 gerne weniger arbeiten möchten. Vor allem was die Arbeitnehmer betrifft. Gründer wie du können davon meist nur träumen, wenn es um das Thema Reduzierung der Wochenarbeitszeit geht. Doch auch für dich als Arbeitgeber ist das Thema Arbeitszeitverkürzung durchaus eine spannende Angelegenheit. Sie kann auch für dich wichtig sein, wenn es um die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung deines Unternehmens geht.

Die meisten wünschen sich eine 35-Stunden-Woche

Fast jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland wünscht sich eine Verkürzung seiner Arbeitszeit. Nur rund jeder Zehnte ist da anderer Meinung und würde gerne länger arbeiten. Und als Wunscharbeitszeit wird von sehr vielen die 35-Stunden-Woche gewünscht. Doch sind wir nicht schon bei dieser Wochenarbeitszeit? Immerhin gibt es Zahlen die belegen, dass die Arbeitnehmer im Vergleich zu anderen Ländern innerhalb der EU deutlich kürzer arbeiten. Im Schnitt kommen wir hier auf nur 34,9 Stunden und damit genau auf die Arbeitszeit, die sich die meisten wünschen. Nur in Dänemark und in den Niederlanden müssen weniger Stunden, im Durchschnitt rund 32, am Arbeitsplatz verbracht werden. Ganz anders sieht es hingegen in Bulgarien, Polen oder Griechenland aus. Hier liegt die wöchentliche Arbeitszeit durchschnittlich bei rund 40 Stunden. Warum also der Wunsch der Deutschen nach wöchentlicher Arbeitszeitverkürzung hin zur 35-Stunden-Woche. Und warum die hohe Anzahl der geleisteten Überstunden?

Jetzt das Gratis-Ebook "Dein digitales Business" anfordern:
Ich erkläre mich damit einverstanden, dass meine Daten zu Versandzwecken verarbeitet werden und ich weitere Informationen per e-Mail erhalten werde. Lies dazu hier bitte unsere Datenschutzerklärung.
 

Festgelegte Arbeitszeiten werden nicht eingehalten

Um festzustellen, wie die Arbeitszeiten tatsächlich aussehen, fällt auf, dass zwar in sehr vielen Arbeitsverträgen deutlich verringerte Arbeitszeiten in der Woche festgelegt sind. Nimmt man alle Vollzeitstellen und Teilzeitstellen zusammen, ergibt sich daraus eine vertraglich festgelegte Arbeitszeit von durchschnittlich 35,1 Stunden pro Woche. Tatsächlich aber liegt die tatsächliche Arbeitszeit deutlich höher. So beträgt bei Vollzeitbeschäftigten die wöchentliche Arbeitszeit im Schnitt über 43 Stunden und auch bei Teilzeitarbeit ist die tatsächliche Arbeitszeit um mehr als eine Stunde über der vertraglich vereinbarten Zeit. Überstunden sind also an der Tagesordnung und damit ist auch die eingangs erwähnte hohe Zahl zu erklären. Statt einer Verkürzung kam es also mehr zu einer Verlängerung der Arbeitszeit. Wobei allerdings anzumerken ist, dass die hohe Anzahl der Überstunden nicht gleichmäßig auf alle Beschäftigten verteilt ist.

Will jeder weniger arbeiten?

Wie in der oben genannten Befragung geben fast die Hälfte aller Beschäftigten an, dass ihr Ziel die 35-Stunden-Woche ist. Doch dies vor allem der Wunsch von Arbeitnehmern in einem Vollzeitbeschäftigtenverhältnis. Bei Beschäftigten in Teilzeit hingegen wird eher das Gegenteil gewünscht. Hier bedeutet mehr Arbeit auch mehr Geld, weil einfach vielen das Einkommen aus ihrer Teilzeit nicht mehr zum Leben reicht. Und viele sind auf der Suche nach einem weiteren Nebenjob. Doch jetzt kommt noch ein Faktor ins Spiel, der auch dich als Unternehmer und Arbeitgeber interessieren würde. Beide Gruppen haben nämlich eines gemeinsam. Sie wünschen sich eine deutlich höhere Flexibilität in ihren Arbeitszeiten. Und eine Verkürzung der Arbeitszeit verbunden mit mehr Flexibilität der Arbeitszeiten kann auch für dich von Vorteil sein.

Produktivität nicht nur Frage der Arbeitszeiten

Für die meisten Gründer und Unternehmer wie dich steht natürlich eine möglichst hohe Produktivität im Vordergrund. Aber eine hohe Produktivität hat nicht unbedingt etwas mit längeren Arbeitszeiten zu tun. Wer zu viel arbeiten muss, wird in Sachen Produktivität nicht besser, sondern eher schlechter. Das Risiko Fehler zu machen steigt mit zunehmender Arbeitsbelastung und auch das Unfallrisiko am Arbeitsplatz steigt deutlich an. Als vorausschauender Unternehmer sollte deshalb auch für dich das Thema „Flexible Arbeitszeiten“ durchaus Beachtung finden. Wenn du flexible Arbeitszeitmodelle clever einzusetzen weißt, dann lohnt sich auch für dich eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden trotzdem in wirtschaftlicher Hinsicht. Es ist also nicht nur ein Vorteil für die Arbeitnehmer, sondern auch für dich und aus dieser Sicht solltest du es einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Vorteile von flexiblen Arbeitszeiten

Je nach Branche sind viele Arbeitgeber auch saisonalen Schwankungen ausgesetzt. Zu bestimmten Zeiten besteht eine Auftragslage, die alle Kräfte und vollen Einsatz erfordert. Doch es gibt auch bei vielen Unternehmen immer wieder Zeiten, wo es eben mal gerade so läuft.

Arbeitszeiten der Auftragslage anpassen

Mit flexiblen Arbeitszeiten, selbst bei einer 35-Stunden-Woche, kannst du die Arbeitszeiten so einrichten, dass du damit der Nachfrage am Markt gerecht wirst. Mehr Arbeit bei vollen Auftragsbüchern, weniger Arbeit bei Flauten. Damit erhöhst du bei jeder Arbeitsstunde automatisch die Produktivität.

Mach die als Arbeitgeber attraktiv

Die Nachfrage nach Fachkräften am Arbeitsmarkt wird immer größer. Mehr denn je ist es für dich als Arbeitgeber wichtig, die besten Arbeitskräfte für dich zu gewinnen oder im Unternehmen zu behalten. Dies gilt vor allem für die hoch qualifizierten Mitarbeiter, auch High Potentials genannt. Bietest du als Arbeitgeber ein interessantes Arbeitszeitmodell an, dann wirst du schnell für Mitarbeiter ein attraktiver Arbeitgeber. Gleichzeitig stärkst du auch dein Employer Branding und dein Ruf als guter Unternehmer steigt fast von selbst.

Mitarbeitermotivation steigern

Nicht allein verkürzte Arbeitszeiten steigern die Motivation von Mitarbeitern. Mit einer Kombination aus angemessener Arbeitszeit und flexibler Arbeitszeit werden deine Mitarbeiter motivierter und auch zufriedener. Dann brauchst du nicht extra noch ein intensives Mitarbeiterbindungsprogramm aufzusetzen. Außerdem kannst du enorme Kosten sparen, wenn es um das Thema Fluktuation und Fehlzeiten geht. Zufriedene und motivierte Mitarbeiter sind deutlich weniger krank und weisen weniger Fehlzeiten auf, als die bei unzufriedenen Beschäftigen der Fall ist. Deine Personalkosten kannst du damit deutlich entlasten. Und wie hoch diese Kosten für jeden Unternehmer sind, dürften auch für dich kein Geheimnis sein.

Fazit

Für die als Unternehmer stellt sich der Wunsch nach einer Arbeitszeitverkürzung der Mitarbeiter in vielerlei Hinsicht nicht unbedingt eine Gefahr dar. Wie oben beschrieben, gibt es vielmehr für dich auch viele mögliche Vorteile. Schaffst du es dann auch noch, ein flexibles Arbeitszeitmodell zu schaffen, dann kannst du der große Gewinner sein. Sowohl in wirtschaftlicher Sicht, als auch aus Sicht deiner Mitarbeiter. Grund genug also für dich, dich ernsthaft mit diesem Thema zu befassen.

Arbeitszeiten 2019: Wie lange wollen wir Deutschen wirklich arbeiten?
(2 Votes | 5 Sterne im Schnitt)