Foto: bigstockphoto.com

Eine selbstständige Existenz betrifft immer auch das Privatleben. Denn das Arbeitspensum von uns Selbstständigen ist enorm.

In der Regel hast du

  • weit mehr als 40 Stunden Arbeit in der Woche, denn du musst dich neben Inhaltlichem auch um die Organisation und Büroarbeit kümmern,
  • eine intensive Verbundenheit mit deiner Tätigkeit – die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben zerfließt,
  • eine größere finanzielle Belastungen als ein Angestellter, denn die regelmäßige monatliche Überweisung entfällt, und du musst Kredite bedienen, aus denen du dein Unternehmen aufbaust.

Mit den Belastungen gehen aber auch Chancen einher

Und deine Entscheidungsfreiheit wiegt manchen Ärger auf. So muss das alles kein Problem sein, solange du diese Lebensweise magst und starke Nerven
hast – ohne die kommt kein Selbstständiger zurecht.

Was aber, wenn dein Lebenspartner oder deine Kinder sich vernachlässigt fühlen? Oder die finanzielle Unsicherheit nicht ertragen? Dann stehst du vor der Wahl,

  • entweder die Selbstständigkeit aufzugeben oder
  • ständig zusätzlichen Druck ertragen zu müssen, der weder dir selbst noch der Beziehung gut tut.

Stellen Sie die Weichen von Anfang an richtig

Für die Problemlösung gibt es leider kein Patentrezept. Auch der oft gehörte Ratschlag, sich schon vor der Gründung mit dem Partner über die Schwierigkeiten klar zu werden, hilft nicht wirklich weiter. Denn was auf die Familie zukommt, kann man sich vorher schlecht vorstellen.

Doch tatsächlich erlebe ich immer wieder, dass sich Selbstständige regelrecht von ihrer Arbeit „auffressen“ lassen – und dafür das Private zu stark vernachlässigen. Kein Partner lässt sich das auf Dauer gefallen. Das macht es so wichtig, die Weichen von Anfang an richtig zu stellen:

MEIN TIPP


Prüfe aber, ob du mit den folgenden Maßnahmen auf die berechtigten Einwände und Bedenken der Familie eingehen kannst:

  • Reserviere mindestens einen Abend in der Woche, z. B. den Sonntag, fürs Privatleben – das hilft auch dir, wieder Kräfte zu sammeln.
  • Lasse den Jahresurlaub nicht völlig ausfallen. Wenn nicht mal eine Woche drin ist, hast du ein organisatorisches Problem, das du lösen musst. Denn du kannst ja auch mal krank werden.
  • Bei finanziellen Sorgen hilft nur eine transparente Budget-Planung. Erledige diese gemeinsam mit deinem Partner. Dadurch weiß er, was Sache ist, und macht sich nicht auch noch unnötig Gedanken.
  • Deinem Partner wird es viel leichter fallen, dein intensives Interesse für dein Unternehmen zu verstehen, wenn du ihn einbeziehst. Erzähle von wichtigen Entscheidungen, und bitte ihn um seine Meinung. Nehme deinen Partner zu Geschäftsessen mit, am besten beschäftige ihn sogar mit einer festen Aufgabe – das ist auch steuerlich vorteilhaft!
  • Wenn Kinder im Spiel sind: Kalkuliere Ausgaben für einen Babysitter ein. So hat auch der Partner
    Freiräume, seinen Interessen nachzugehen – das ist wichtiger als z. B. ein größerer Geschäftswagen!

Wichtig auch: Pflege dein Privatleben

Wann bist du das letzte Mal mit Freunden essen gegangen? Wann warst du das letzte Mal im Kino, in der Oper, im Theater, in einer Ausstellung?

Wenn deine Freizeit regelmäßig hinter den beruflichen Terminen zurückstehen muss, solltest du das ändern. Besonders gefährlich ist der Teufelskreis, der sich ergibt, wenn dein Privatleben über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder zurückstehen muss. Mit der Zeit verliert das Privatleben dann tatsächlich an Bedeutung und fällt auch als mögliches Gegengewicht zur Arbeit aus, was zu einer noch stärkeren Konzentration auf die Arbeit führt.

Deshalb: Egal, was es ist, das dir Spaß macht, plane es in dein Leben wieder ein, und reserviere für diese Aktivitäten genauso Termine, wie Sie es für Ihre anderen Verpflichtungen tun.

Last, not least: Nicht mehr, sondern bessere Zeit im Privatleben

Wer auf Dauer nur „anwesend-abwesend“ seine Familie begleitet, findet sich irgendwann in einem verarmten Privatleben wieder. Lebensqualität misst sich letztlich an intakten Beziehungen in der Familie und im Freundeskreis, an innerer Ruhe und Zuversicht. Dein „Zeitkonto“ innerhalb der Familie kannst du nicht beliebig ausbauen. Aber du kannst die Zeit erfüllender verbringen. Auch für dich bedeutet das Erholung und Kraft tanken – und das kommt am Ende auch wieder deinem Geschäft zugute.

MEIN TIPP


Warte nicht darauf, dass Zeit in deinem Terminkalender zufällig „übrig bleibt“. Plane die wenige Zeit aber verbindlich und frühzeitig – etwa so, als würdest du einen wichtigen Kundentermin vorbereiten. Arbeite (allein oder mit dem Partner) schriftlich an deinen Ideen und Zielen für euer Zusammenleben. Wenn du dann Zeit mit deinen Lieben verbringst: Schenke dir selbst und deiner Familie all deine Sinne. Sehe, höre und fühle, was im Augenblick stattfindet. Diese Energie ist unbezahlbar!


Dieser Artikel wurde von BWRmed!a bereitgestellt.
Autor: Günther Stein (Unternehmer)

Selbstständig, BWR Med!a, VNR Verlag