Jede Woche findet sich ein neuer Trend in den sozialen Medien, viele von ihnen drehen sich um das Thema Diät. Effektive Fettverbrennung und gesunde Ernährung sind wichtige Themen in einer Zeit von Fettleibigkeit, Diabetes, Krebs und anderen, (teils) ernährungsbedingten Krankheiten. Im Vergleich zu radikalen Ernährungsumstellungen erscheint das intermittierende Fasten, das als neuer Trend die Chefetagen und Kreativlabore erreicht,  harmlos – doch wie wirkt es sich tatsächlich auf den Körper aus, und ist es für jeden geeignet?

Was ist intermittierendes Fasten genau?

Fasten kennen viele als religiöse Tradition. Es bedeutet, über einen bestimmten Zeitraum von einigen Tagen oder Wochen keine feste Nahrung oder nur ganz bestimmte Lebensmittel zu sich zu nehmen. Wasser zu trinken ist natürlich immer erlaubt. Diese Art des Fastens wird meist einmal im Jahr betrieben.

Intermittierendes Fasten lässt sich hingegen in den Alltag einbauen. Es bedeutet, eine längere Pause als gewohnt zwischen den Mahlzeiten einzulegen, wobei ein bestimmter Rhythmus eingehalten wird, etwa 16:8 oder 24:24. Die gängigste Methode ist, die letzte Mahlzeit spätestens um 20 Uhr einzunehmen und das Frühstück ausfallen zu lassen. Wenn du dann um 12 Uhr das nächste Mal isst, hast du eine 16-stündige Fastenperiode hinter dir, der eine 8-stündigen Periode des Essens folgt.

Populär ist auch die every other day fasting Variante, wobei sich jeweils ein Tag komplett ohne Essen und ein Tag mit normalen Mahlzeiten abwechseln.

Denkbar ist auch, über einen bestimmten Zeitraum nur eine Mahlzeit pro Tag zu sich zu nehmen, oder einige Tage lang nur sehr wenig Kalorien aufzunehmen, etwas 500-600. Wichtig ist dabei nur, ein Gefühl des Hungers zuzulassen und dem Körper die Gelegenheit zu geben, abseits von Nahrungsverdauung tätig zu werden.

Digitales Business

Warum ist Intervallfasten auf einmal so im Trend?

Wir alle sind an den Ratschlag gewohnt, fünf (kleine) Mahlzeiten über den Tag verteilt einzunehmen, und haben selten eine Pause von mehr als fünf Stunden zwischen ihnen. Ganz im Gegenteil sind viele von uns in einem permanenten Zustand des Essens und Snackens. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Lebensmittel ständig verfügbar sind und Essen „to go“ zu einem festen Lebensbestandteil geworden ist. Es gibt Studien die beweisen, dass regelmäßiges Essen den Stoffwechsel auf Trab hält und somit bei der Fettverbrennung hilft – vorausgesetzt, man isst das richtige und bleibt im Kaloriendefizit. Ebenso gibt es Studien, welche die Vorteile des intermittierenden Fastens unterstreichen. Es hat mehr zu bieten, als nur eine Gewichtsabnahme!

Die ersten Studien zum Thema Intervallfasten wurden schon 1934 gemacht, und zwar mit Mäusen. Die Versuchstiere lebten länger, wenn sie nicht den ganzen Tag aßen. Doch das ist nicht der Hauptgrund, warum das intermittierende Fasten so gut in eine Zeit passt, in der man ständig versucht ist, sich selbst zu optimieren und seine guten Gewohnheiten auszubauen. Das eigentlich Faszinierende ist, dass die Essenspausen auch direkt auf das Gehirn wirken.

Zeitweises Fasten und seine Wirkung auf das Gehirn

Versuche an Ratten haben gezeigt, dass durch intermittierendes Fasten das Wachstum neuer Nervenzellen angeregt wird. Zudem wird das gehirneigene Hormon BDNF gesteigert, dessen Mangel mit Depressionen in Verbindung gebracht wird. Zudem soll es die Leistung des Gedächtnisses steigern. Zeitweises Fasten verbesserte bei 9 von 10 Patienten die Symptome einer Alzheimer-Erkrankung. Doch eigentlich braucht man keine Studien, um sich die Wirkung einiger Stunden Essenspause einmal vorzustellen: Dein Körper kann sich um die Regeneration seiner Zellen kümmern und in Ruhe „den Müll rausbringen“. Dein Organismus wird durch die Hungerphasen entlastet und der Körper greift auf die vorhandenen Reserven zurück.

„Ein voller Bauch studiert nicht gern“

Wer das Intervallfasten einmal ausprobiert wird feststellen, dass sich schnell ein Gefühl von Freiheit einstellt. Der Hunger ist meist erst einmal unangenehm und ungewohnt, doch wenn du sich daran gewöhnt hast, wirst du wach und klar im Kopf. Kein Wunder, dass in Silicon Valley viele Unternehmer ihre Gabeln fallenlassen und die neue Leichtigkeit zelebrieren. Weniger zu Essen bedeutet, sich weniger Gedanken um die Planung der Mahlzeiten und den Abwasch machen zu müssen. Wenn du kreativen Flow bist, denkst du ohnehin nicht ans Essen – wenn du nicht ständig ans Essen denkst, kommst du schneller in den Flow. Darum heißt es auch: Plenus venter non studet libenter – ein voller Bauch studiert nicht gern.

Was die Macher in Silicon Valley berichten

Im Silicon Valley sind viele dazu übergegangen, gleich mehrere Tage zu fasten und dabei neben fester Nahrung auch auf Koffein und Nahrungsergänzungsmittel jeglicher Art zu verzichten. Das ausgedehnte Fasten führt zu erstaunlichen Ergebnissen, wie berichtet wird, wie einer größeren mentalen Klarheit und Aufmerksamkeit. Vielen, die es versuchen, fällt es leichter, sich auf eine Aufgabe zu fokussieren. Vielleicht liegt es daran, dass wir genetisch gesehen immer noch Jäger und Sammler sind, und das Jagen und Sammeln der fokussierten Aufmerksamkeit bedarf. Menschen sind keine Kaninchen, die ständig essen müssen, um verdauen zu können, das Fasten liegt in unserer DNA.

Leichter Fasten mit einer App

Die technik-affinen Führungskräfte des Silicon Valley setzen verschiedene Apps ein, um sich das Intervallfasten zu erleichtern, zum Beispiel die kostenlose Kevin Rose App „Zero“. Sie hilft dabei, die eigene Disziplin in Bezug auf das Fasten zu stärken und am Ball zu bleiben, auch wenn einen der „kleine Hunger“ mal wieder überfällt. Ansonsten ist es eine Frage der Motivation und Disziplin, ob die ersten Versuche mit dem Intervallfasten gelingen. Doch die Methode ist nicht für jeden geeignet.

Wer sollte auf das Intervallfasten lieber verzichten?

Menschen mit Herzerkrankungen oder anderen chronischen Beschwerden sollten ihren Arzt konsultieren, bevor sie ihren Körper dem Stress des Fastens aussetzen. Schwangere und Frauen, die gern schwanger werden wollen, sollten auf das intermittierende Fasten lieber verzichten.

Wer bereits Erfahrungen mit dem Fasten gemacht hat, hat es natürlich am leichtesten. Alle andere können zunächst einmal versuchen, das Frühstück ausfallen zu lassen und das Mittagessen als erste Mahlzeit des Tages anzusetzen. Das fällt vielen Menschen leicht, die ohnehin nicht gern frühstücken – ausgesprochene Morgenmenschen können natürlich auch den umgekehrten Weg gehen und auf das Abendessen verzichten. Wichtig ist, einen persönlichen Weg zu finden, mit dem du gut leben kannst – ganz ohne Zwang und Druck. Dann kannst du am besten von den kurzfristigen und langfristigen positiven Effekten des Fastens profitieren.

Warum im Silicon Valley plötzlich alle Unternehmer weniger essen
Artikel bewerten