Die Gründerinnen-Kolumne

Die meistbesuchte Webseite oder keine

Viele Gründer setzen sich bei der Webseitenerstellung zum Ziel die meistbesuchte Webseite in ihrer Branche werden zu wollen. Ein hohes Ziel ist sinnvoll für große Erfolge. Doch noch bevor das Logo auf die Seite geht, steht vielen Gründern eine unüberwindbare Hürde im Weg, weiß unsere Kolumnistin. Sie erklärt, warum es Dir so schwer fällt, eine wirklich gute Webseite zu bauen und was die Bewohner eines mysteriösen Städtchens damit zu tun hat.

Kurz nachdem Du die Domain registriert hast, gehst Du davon aus, dass Deine Produkt- oder Unternehmensseite schon bald zur meistbesuchten Webseite des Internets wird. Oder reicht es Dir, wenn ab und zu mal ein Besucher reinschaut. Zwei, drei Webseiten-Visits pro Woche sind doch völlig ausreichend. Soviel Platz ist da nun auch nicht auf Deiner Webpräsenz. Leute, haltet doch Abstand! Nicht, dass die auch noch alle Deine Produkte oder Dienstleistungen haben wollen. Das artet ja noch in Arbeit aus!

Du glaubst Du kannst die meistbesuchte Webseite ever erstellen?

Dass Du so denkst, ist eher unwahrscheinlich oder zumindest sehr ungewöhnlich. Typisch ist eher, dass Du, noch bevor das erste Bild auf die Seite geht, glaubst: „Das wird so gut! Sie werden ALLE kommen!“ Du weißt, dass der Weg dahin mit Kosten und Mühen verbunden sein kann, aber die meistbesuchte Webseite im Internet zu haben, wäre schon ein schönes Ziel. Zumindest die meistbesuchte Webseite in Deiner Nische, zu Deinem Thema, die ganz oben bei Google, sollte es schon sein.

Algorithmen und Arbeitszeiten sind nicht das Problem

Deine größte Herausforderung, um dieses Ziel zu erreichen ist aber nicht der Suchmaschinenalgorithmus. Auch nicht Dein verfügbares Budget und noch nicht einmal die Frage, wie viel Zeit Du in Deine Webseite steckst. Das Problem ist ein psychologischer Bug, der bei fast allen Menschen leider Standardmäßig auftritt. Der Lake-Wobegon-Effekt hält Dich davon ab eine Seite zu erstellen, die eines Tages zu meistbesuchten Webseite der Welt werden könnte.

Null Prozent aller Kunden fanden die meistbesuchte Webseite durch Zufall

Lake Wobegon ist ein fiktives Städtchen aus den Erzählungen von Garrison Keillor. Die Gründer dieses Ortes beschlossen am Lake Wobegon eine Stadt zu errichten, weil sie sich verlaufen hatten. Sie hatten keine Ahnung, wie sie dorthin zurück kommen sollte, woher sie kamen. Also blieben sie am See. Passend dazu lautet der Stadt-Slogan Ubi Quid Ubi („Wie sind hier. Wo sind wir?“) Keillors Geschichten über die rund 800 Bewohner gibt es als Bücher und Radio-Beiträge. Letztere schließen immer mit den Worten: „Das waren die Nachrichten aus Lake Wobegon, wo alle Frauen stark, alle Männer gutaussehend und alle Kinder hochbegabt sind.“

Die gute Nachricht: Du bist nicht der Einzige, der so denkt

Psychologen leiteten aus diesem Schluss den Lake-Wobegon-Effekt ab. Demnach haben wir Menschen die Tendenz unsere eigenen Leistungen und Fähigkeiten brutal zu überschätzen. Für unser Ego, brauchen wir diese Überschätzung, fanden die Psychologen heraus. Wir wollen glauben, dass wir die stärksten, schönsten und hochbegabtesten sind und dass unsere Webseiten irrsinnig krass besucht werden, um uns selbst für all den Struggle zu belohnen.

Die schlechte Nachricht: Du bist nicht der Einzige, der so denkt

Der Lake-Wobgeon-Effekt lässt Dich glauben, dass jeder Mensch (oder zumindest jede Frau, jeder Mann, jedes Kind) nach genau den gleichen Begriffen sucht, wie Du. Dass er oder sie genau die gleichen Klick-Wege vollziehen wird, wie Du. Dass er oder sie Dein Produktbild genauso lange anschauen wird, wie Du. Und die Grundlage dafür, dass Du all das weißt ist, das Du einfach, so so gut bist! Und stark, gutaussehend und hochbegabt. Bitteschön, hier ist Dein Meldeschein für Lake Wobegon.

Für die meistbesuchte Webseite musst Du Vielfalt bieten

Darum ärgert es Dich auch so, wenn keiner auf Deine Online-Präsenz kommt. Wie soll die denn so zur meistbesuchten Webseite aller Zeiten werden? Mit Zahlen, Daten und Best-Practices. Die Realität ist das Heilmittel gegen den Lake-Wobegon-Effekt und die Lösung für Dein Ziel von der meistbesuchten Webseite.

Was suchen Frauen, Männer und Kinder wirklich im Netz? Und zwar jede und jeder Einzelne? Außerhalb von Lake Wobegon wollen zehn Menschen nämlich zehn unterschiedliche Dinge zu zehn unterschiedlichen Zeiten. Spring über Dein Ego und aktiviere Deine Empathie. Das steigert Deine Chancen eine gutbesuchte oder sogar die meistbesuchte Webseite zu erstellen. Denn deine Besucher werden keine Zelte vor Deiner Webseite aufschlagen, weil sie sich dorthin verlaufen haben und nicht mehr zurückfinden.

Die besten Artikel & mehr direkt in dein Postfach!




* Ja, ich möchte den Newsletter. Die Einwilligung kann jederzeit im Newsletter widerrufen werden. Datenschutzerklärung.
Das könnte dich auch interessieren ...

Über den Autor

Autorenprofil: Juliane Schreiber

Juliane Schreiber

Juliane Schreiber gründete 2018 das Startup Mama Meeting und lernte dabei nicht nur viel über’s Gründen, sondern auch darüber, wie es ist sich als Female Entrepreneur in Start-Up- und Geschäftswelt behaupten zu müssen. Zuvor war sie in leitender Position an der Universität zu Köln tätig, verantwortete den Oberbürgermeisterwahlkampf 2014 für die SPD in Düsseldorf, bloggte und veröffentlichte Bücher rund um Digitalisierung und Beziehungen. Bei TV- und Printredaktionen, sowie in Agenturen in Deutschland und Dubai lernte sie das journalistische Handwerk. Ihre Gründerinnen-Kolumne erscheint wöchentlich auf Gründer.de.

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Sitemap

schliessen



* Ja, ich möchte den Newsletter. Die Einwilligung kann jederzeit im Newsletter widerrufen werden. Datenschutzerklärung.

Die besten Artikel & mehr direkt in dein Postfach!




* Ja, ich möchte den Newsletter. Die Einwilligung kann jederzeit im Newsletter widerrufen werden. Datenschutzerklärung.