Du hast nun also eine eigene Webseite und möchtest hier Dein Produkt an den Mann bringen und/oder Leads generieren. Um das Vertrauen von Interessenten zu gewinnen, willst Du auch einen seriösen und professionellen Eindruck machen. Deine Seite wird nun so gestaltet, dass sie diese Funktionen erfüllt. Das klingt einfacher als es ist. Anschauungsmaterial dafür, wie es nicht geht, hat von 1995 bis 2014 Web Pages That Suck (frei übersetzt: „besch***ne Webseiten“) gesammelt und dort den Negativpreis des Tages und des Jahres verliehen.
Da es meistens auch einfacher ist Dinge einfach nicht zu tun, als etwas aktiv umzusetzen, folgt nun eine Liste der Don’ts. Wenn Du nun die folgenden Fehler vermeidest, solltest Du aber auf der sicheren Seite sein – was in diesem Fall eine niedrige Absprungrate und frustfreie User bedeutet.

1. Die Webseite lädt… und lädt…. und lädt…

Wenn Deine Besucher nach drei Sekunden immer noch nichts zu sehen bekommen, ist das ein schlechtes Zeichen. Langsam wird Deine Seite aus allen möglichen Gründen. Zu große Bilddateien, Fehler im Skript, zwischen dem Datenberg und dem Nutzer steht ein Preloader und vielleicht klappt es auf Seiten des Servers nicht so gut… Lange Ladezeiten verärgern auch nicht nur User, sondern auch Google, für das Geschwindigkeit zu den Ranking-Faktoren gehört. Hier gibt es jedoch einige Tricks und WordPress-Nutzer Plugins, die Webseiten auf ein vertretbares Tempo bringen.

2. „Was ist das für 1 Webseite?!“

Nutzer wollen, wenn sie eine Seite aufrufen, sofort sehen können, worum es geht. Sie wollen wissen, was angeboten wird. Wenn das nicht schon aus der Startseite bzw. Landingpage hervorgeht, dann sollte das allerspätestens in der Rubrik „Über uns“ geklärt werden. Alles andere sorgt nur für Verwirrung. Und verwirrte User sind keine glücklichen User.

3. Unübersichtlichkeit

Webdesign für Gründer

© CC0 Public Domain/ pixabay.com

Schlimmer als Verwirrung ist für User Orientierungslosigkeit. Jeder von uns war schon einmal auf einer Seite, auf der er irgendetwas tun wollte, das er dann nicht einfach so tun konnte. Wenn man vier, fünf Mal geklickt hat und immer noch nicht am Ziel ist oder lange nach diesem ganz bestimmten Menüpunkt sucht, steigt das Frustlevel signifikant. Es reicht völlig, auf dem Hauptmenü vielleicht 6 oder 7 Punkte aufzuführen und den Rest über Flyout-Menüs, die Menüversion, die erst ausklappt, wenn sie angewählt wird, zu steuern.

4. Erhöhtes Augenkrebsrisiko

Website-Todsünden 2

© CC0 Public Domain/ pixabay.com


Bunte Farben, animierte Bannerwerbung, Bilder, die vielleicht nicht mehr ganz die Ursprungsproportionen haben und am besten noch ein bunter Hintergrund. Das sollte eigentlich ein Jahrzehnt hinter uns liegen, aber manchmal kommt es vor, dass Menschen sich für sowas entscheiden. Der User soll ja nicht gelangweilt werden. Aber die Kirmes für die Augen lenkt vom Inhalt ab und macht unter Umständen auch einen unprofessionellen Eindruck. Wer die frühe Beepworld-Zeit verdrängt hat und nicht weiß, wovon hier die Rede ist, kann einen Blick auf diese Sammlung werfen. Besonders schön wird es, wenn das Gewusel zum größten Teil Flash-animiert ist und daher nicht überall angezeigt werden kann. – Es ist jedenfalls hilfreich, wenn Du Dir vor Augen hälst, dass Bilder irgendwie zum Text passen und nicht zu sehr von diesem ablenken sollten. Weniger ist manchmal auch mehr.

5. Das Mobile-First-Memo nicht bekommen

Dass die Optimierung für Mobilgeräte nicht optional ist, ist spätestens seit Mobile-Optimization ein Rankingfaktor Googles ist, eigentlich klar. Wenn Deine Seite aus irgendeinem Grund (noch) nicht responsive ist und sich nicht den jeweiligen Bildschirmgrößen aller Endgeräte anpasst, dann sind mobile Nutzer unzufrieden. Auf dem Smartphone runterscrollen ist normal, seitlich scrollen ist auf einem kleinem Schirm sehr ärgerlich. Das gleiche gilt für Schrift, die erst lesbar ist, wenn man heranzoomt. Höchstens Archäologen freuen sich über Schriftrollen im Querformat, die sie mit der Lupe entziffern können. Moderne Technik sollte ein anderes Leseerlebnis liefern.

6. Zu viele Pop-us, zu viel Werbung

Wir sehen davon ab, diesen Punkt zu illustrieren. Wer schon einmal versucht hat, ohne Adblocker online ein Video zu schauen, das nicht von YouTube, Dailymotion oder Vimeo gehostet wurde, weiß, wie es ist, wenn Seiten zum Äquivalent des Spießrutenlaufs durch die virtuelle Karikatur eines Amüsierviertels werden. Irgendwann schreckt man auch auf, weil man eine Kakophonie aus einem wie von Geisterhand geöffneten Tab und einem Pop-up hört. Beide sind auf Autoplay eingestellt und machen einem zeitversetzt das gleiche obskure und sicher nicht seriöse Angebot. Bis man die Übeltäter identifiziert und weggeklickt hat, vergeht unangenehm viel Zeit.
Es ist nichts dagegen einzuwenden im Internet mit Werbung Geld zu machen, aber die Werbung sollte auf die Zielgruppe zugeschnitten und nicht zu aufdringlich platziert werden.

7. Autoplay

Gründer.de ist zwar dafür, das Video auf der eigenen Webseite auf Autoplay zu stellen, empfiehlt aber auch einen Button, um es bei Bedarf auch pausieren zu können.
Wie am obigen Beispiel bereits deutlich wurde, kommt Nutzern das unerwartete Multimedia-Erlebnis nicht immer gelegen, zum Beispiel wenn sie Deine Seite nebenbei auf der Arbeit öffnen. Für Musik, die beim Aufrufen Deiner Webseite abgespielt wird, spricht daher recht wenig. In Verbindung mit langen Ladezeiten und mehreren Tabs hat so etwas auch den Effekt, dass User verwirrt und verärgert nach der Lärmquelle zu suchen beginnen, um diese schleunigst auszuschalten und wegzuklicken.

8. Zu wenig Updates

Zu wenig Updates Symbolbild mit Steppenläufer

CC BY-SA 2.0 Jez Arnold/ Wikimedia Commons


User sind contenthungrig. Wenn es auf der Webseite nicht immer etwas Neues zu sehen gibt oder schon beim ersten Besuch klar wird, dass sich dort schon eine Weile nichts mehr getan hat, springen sie ab.

9. Zu viel minderwertiger Content

Du musst Nutzer auch nicht mit Content überschütten. Die Qualität sollte stimmen. Die Seite mit minderwertigem Content mit hoher Keyworddichte zu füllen, ist die letzte Webseiten-Todsünde aus diesem Katalog. Automatisiert erstellter Unique Content ist gut, wenn es darum geht, einen Webshop mit mehreren hundert Produkten mit Beschreibungen zu versehen. Für kurze Nachrichten oder den Wetterbericht reicht es auch noch, aber gute Texte entstehen in Handarbeit. Sie irgendwo rauszukopieren, also zu plagiieren, führt dazu, dass Google den Inhalt als Duplicate Content identifiziert. Wenn Du den Content von einem sog. Contentspinner umformulieren lässt, fehlt ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit die Qualität, um die Nutzer zu überzeugen. Wenn du selbst nicht Hand anlegen möchtest, können Dir Content-Agenturen oder Plattformen wie Textbroker weiterhelfen.

Zusammenfassend:

Wenn Deine Webseite dem User in keinem Moment das Gefühl gibt, dass irgendwas kaputt oder fehlerhaft sein könnte, hast Du das Meiste schon richtig gemacht. Unaufdringliches professionelles Design und zielgruppenorientierte Werbung sind ebenfalls hilfreich. Wenn Du nicht vergisst, dass Content auch für den Nutzer da ist und nicht nur für die Suchmaschine, hast Du mindestens drei der Website-Todsünden vermieden. Es ist zudem hilfreich vom DAU, dem dümmsten anzunehmenden User, auszugehen. Usabilitytests sind hier ein Mittel, um Deine Webseite so zu gestalten, dass sie ihm nicht wie ein Labyrinth vorkommt.

Hast Du als Nutzer oder Nutzerin online schon entsprechende Erlebnisse gehabt? Oder hast du Beispiele für eine gelungene Nutzerfreundlichkeit? Wir freuen uns über Anmerkungen, Kommentare und Feedback!

Die 9 Website-Todsünden
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