6 Tipps für die betriebliche BU

Betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung: Das sollten Arbeitgeber wissen

Du glaubst, dass die Absicherung der beruflichen Fähigkeiten gegen Unfälle und Krankheiten eine reine Privatangelegenheit wäre? Dann kennst Du nur die halbe Wahrheit. Denn so, wie beispielsweise die Rentenversicherung und die Krankenversicherung zum Teil vom Arbeitgeber getragen werden können, verhält es sich auch mit der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Das ist jedoch definitiv noch nicht alles, was Du zu diesem Thema wissen solltest.

1. Das Modell ist ähnlich

Die betriebliche BU unterscheidet sich nicht allzu sehr von der privaten BU, zumindest in ihrem Grundprinzip. Das heißt, vieles was du schon über die Berufsunfähigkeitsversicherung weißt, ist auch hier anwendbar. Das Wichtigste: Es handelt sich um eine Versicherung, die eine Person in dem Fall schützt, dass sie ihrer bisherigen Arbeit nicht mehr nachgehen kann.

Damit ist sie ein in der heutigen Zeit geradezu lebensnotwendiger Baustein für eine sichere Lebensplanung. Denn staatliche Absicherung besteht nur in Form der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente – und die hat eine Menge Nachteile:

  1. Sie greift nur nach einer Mindesteinzahlungszeit. Selbst Auszubildende müssen in den zwei Jahren vor dem Renteneintritt mindestens ein Jahr in die Rentenkasse eingezahlt haben, bei regulär Angestellten müssen sogar in den vergangenen fünf Jahren mindestens drei Jahre lang Beiträge geflossen sein.
  2. Die Erwerbsminderungsrente greift erst, wenn der Betroffene gar keiner Tätigkeit mehr nachgehen kann, nicht bloß nicht mehr seinem eigentlichen Beruf.
  3. Solange der Betroffene noch mindestens drei Stunden täglich in irgendeinem Beruf arbeiten kann, bekommt er nur die halbe Rente. Erst wenn es weniger ist, erfolgt die volle Auszahlung.
  4. Die Rente ist sehr niedrig, im Schnitt beträgt sie gerade einmal etwas mehr als 30 Prozent des Bruttogehalts.

Überdies ist auch das Antrags- und Bewilligungsprozedere enorm „amtlich“, dadurch langwierig und komplex. Die Berufsunfähigkeitsversicherung über private Träger ist dagegen in allen Aspekten besser, egal ob einzeln oder über die Firma abgeschlossen. Sie zahlt wesentlich schneller und greift bereits, wenn der Versicherte seinen bisherigen Job nur noch zur Hälfte oder weniger ausüben kann

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2. Die Bereitschaft deines Teams steigt

Als Arbeitgeber weißt Du, dass Du eine Fürsorgepflicht gegenüber deinen Angestellten hast. Zwar bist Du in deren Rahmen nicht verpflichtet, eine betriebliche BU anzubieten, aber es bringt dir direkte Vorteile. Der wichtigste: Du entlastest dein Team. Obwohl die BU eigentlich durch die Bank weg für jeden Sinn macht, obwohl sie keine hochkomplexe Versicherung mit vielen Unterschieden zwischen den Anbietern ist, hat längst nicht jeder eine.

Dadurch, dass Du deinem Team ermöglichst, die BU über dein Unternehmen laufen zu lassen, steigt automatisch der Absicherungsgrad – ob aus kollegialem Gruppendruck oder deshalb, weil durch das Angebot manche auch erstmalig mit dem Thema konfrontiert werden. Tatsächlich bedeutsam ist dagegen, dass Du das gute Gewissen haben kannst, dass ein Großteil, vielleicht sogar alle deiner Angestellten, abgesichert sind.

3. Sinnvoll im Hinblick auf Employer Branding

Wenn du nach jungen Angestellten suchst, hast du wahrscheinlich mitbekommen, dass diese mittlerweile andere Anreize suchen als ihre Vorgänger vor nur wenigen Jahren. Konkret haben viele Mitglieder der Generation Z den Wunsch, dass ihr Arbeitsplatz ihnen mehr Sicherheit gibt – weil sie als gut informierte Generation genau wissen, dass der Staat ihnen längst nicht in dem Maß hilft, das für sie wünschenswert wäre.

Damit wird eine betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung für dich zu einem äußerst werbewirksamen Unterfangen. Es zeigt potenziellen Angestellten, dass Du dich um sie kümmerst. Zudem steigen deine Chancen, herausragende junge Leute in dein Unternehmen zu locken wie die Motivation und Firmenbindung für dein bestehendes Team.

4. Der Abschluss wird oftmals erleichtert

Private BU liegt hinter einer für manche unüberwindliche Hürde: eine umfassende Gesundheitsuntersuchung. Denn natürlich müssen die Versicherer zum einen die Beiträge seriös kalkulieren können und zum anderen das Risiko gering halten, dass sie über womöglich viele Jahrzehnte monatlich zahlen müssen.

Auch bei der betrieblichen BU gibt es Gesundheitsprüfungen. Aber in aller Regel sind diese weit weniger streng. Der Vorteil: Dadurch bekommen auch solche Mitglieder eine BU, die auf normalem Wege mit einer weniger leistungsstarken Absicherung Vorlieb nehmen müssten – etwa einer Dread-Disease-Absicherung, die nur gegen einige schwere Krankheiten schützt.

5. Du musst gut vergleichen

Klassische Berufsunfähigkeitsversicherungen bietet praktisch jede Versicherungsgesellschaft an und das meist auch noch in vielen unterschiedlichen Varianten. Die betriebliche BU hingegen ist ein deutlich schwächer ausgeprägtes Feld. Zudem unterscheiden sich die Verträge und Tarife teilweise immens.

Du als Arbeitgeber tust deshalb gut daran, dich von einem Experten zu diesem Thema umfangreich beraten zu lassen. Dieser Experte sollte zudem unabhängig sein, damit er dir ein für deine Firma und dein Team passendes Angebot heraussuchen kann. Achte zudem unbedingt darauf, dass es eine Lösung für längere Krankheitsfälle gibt. Würde einer deiner Mitarbeiter länger als sechs Wochen ausfallen, endet die Lohnfortzahlung und somit auch dein Arbeitgeberanteil von aktuell mindestens 15 Prozent für die betriebliche BU. Für solche Fälle sollte der Vertrag so konfiguriert werden, dass Du die Beiträge dennoch weiterhin zahlst. Damit dein Mitarbeiter zu dem reduzierten Einkommen nach dem Ende der Lohnfortzahlung nicht auch noch die BU-Beiträge ganz allein stemmen muss.

6. Prüfe eine Weiterbeschäftigung

Die betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt deinem Mitarbeiter Geld, wenn er seinen normalerweise bei dir ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann. Als Arbeitgeber weißt Du allerdings, dass seine Kenntnisse der Firma und ihrer Abläufe natürlich auch weiterhin für dich in höchstem Maße wertvoll sind.

Das bedeutet, Du solltest bei der Wahl des Versicherers auch darauf achten, was dieser zum Thema Nebenverdienst zu sagen hat. Vielleicht kann dein Grafiker beispielsweise nach einem Unfall nicht mehr den ganzen Tag am Computer sitzen oder händisch Grafiken erstellen. Aber er könnte beispielsweise immer noch ein wertvolles Teammitglied für die Ausbildung sein.

Was Du hier tun solltest:

  1. Erstelle einen Plan für jeden deiner Mitarbeiter. Konkret darüber, was dieser in deinem Unternehmen tun könnte, wenn er in seinem eigentlichen Job berufsunfähig wird.
  2. Suche nach einer Versicherung, die solche Weiterverwendungen ohne untragbare Reduktion der Leistungszahlungen ermöglicht.
  3. Informiere dein Team darüber, dass eine Berufsunfähigkeit sie für dich nicht uninteressant machen würde, sondern Du im Gegenteil den Wunsch hast, sie weiterhin zu beschäftigen.

Abermals ist das ein deutliches Statement für deine Fürsorge als Arbeitgeber. Aber es ist eine Win-Win-Situation, weil nur die private betriebliche BU es dir ermöglicht, dein Team zu halten – wo es im Rahmen der staatlichen Erwerbsminderungsrente abermals sehr viel schwieriger sein kann.

Fazit

Du als Arbeitgeber hast die Option, dein Team nicht nur für die Rente, sondern auch für eine Berufsunfähigkeit abzusichern. Und sofern nicht bereits ein Großteil deiner Angestellten privat abgesichert ist, solltest Du dich in jedem Fall über das Thema sorgsam beraten lassen und es gegebenenfalls anbieten. Ganz besonders, wenn Du planst, künftig deinen Personalbestand weiter aufzustocken. Es ist beiderseitig lohnenswert.

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