Ein Unternehmen zu gründen, das zu den erfolgreichsten der Welt zählt und in der Lage ist, Dinge wirklich zu verändern. DIE Idee haben und damit durchstarten. Richtiges Geld verdienen und bei den großen Playern mitspielen, das wünschen sich viele Gründer. Und jeder hört genau hin, wenn die einzigartigen Geschichten erzählt werden, von den Gründungen aus der Garage oder dem Jugendzimmer, oder vom Macher von Zappos, der mit einer Kamera und einer Idee loszog und den Vorläufer von Zalando gründete – als Lean Start-up mit einem Minimum Viable Product. Wenn Mutti allerdings sagt: Lern erst mal was Vernünftiges, dann erntet sie nur ein Kopfschütteln. Das sie mit diesem Rat jedoch ganz richtig liegt, zeigt eine aktuelle Studie von der HTW Berlin, Argo Brainworks und dem Startup-Verband mit dem Titel: Was macht einen Startup-Gründer zu einem Unicorn-Gründer? Denn nicht nur eine fundierte Ausbildung an einer guten Uni, auch einige Jahre Berufserfahrung sind anscheinend die Grundlage für ein Millionen Start-up. Für die Studie wurden 180 Gründer von 100 Unternehmen unter die Lupe genommen.

Was ist ein Unicorn Start-up?

Den Begriff der Unicorn Start-ups prägte die Gründerin des Wagniskapitalgebers Cowboy Ventures, Aileen Lee, im Jahr 2013. Bezeichnet werden damit neue Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar, die nach ihrem Dafürhalten ebenso selten seien wie die berühmten Fabelwesen. Tatsächlich finden sich die meisten Einhornunternehmen in den USA, dicht gefolgt, von China, doch auch Europa muss sich nicht verstecken. 9% der am höchsten bewerteten Unternehmen der Welt wurden hier gegründet. Am wertvollsten sind dabei Skype und Spotify mit über acht Milliarden US-Dollar, Rocket Internet und Zalando kommen gleich danach. Einhorngründer gibt es also nicht nur im Silicon Valley – doch was machen sie anders?

Was macht eine besonders erfolgreiche Gründerpersönlichkeit aus?

Der Studienabbrecher, der sein Unternehmen aus der Garage heraus gründet, ist die absolute Ausnahme. Das ist leicht nachvollziehbar, denn ein abgeschlossenes Studium zeigt potenziellen Investoren, dass Gründer in der Lage sind, etwas zu Ende zu bringen und über ein gewisses Maß an Bildung verfügen. Ein höherer Bildungsstand geht laut Studie auch mit einer höheren Bewertung einher: Gründer, die einen Master of Science vorweisen können, erzielen mit durchschnittlich 29,43 Mrd. US$ die höchsten Unternehmenswerte. Auch bereits vorhandene Berufserfahrung wirkt sich positiv auf das Ergebnis der Gründung aus. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die meisten Unicorngründer haben einen Hochschulabschluss. Dabei liegen Harvard-Absolventen zahlenmäßig ganz vorn, gefolgt von Stanford und dem MIT.
  • Auf einige Jahre Erfahrung als Angestellter können alle der Gründer zurückblicken.
  • Der Unicorn-Gründung gingen meist mehrere Gründungsanläufe voraus.
  • Je höher der Bildungsabschluss, umso höher die Bewertung des Unternehmens.
  • Wer die meiste Gründungserfahrung vorzuweisen hat, bekommt auch das höchste Funding.

Was eine besonders erfolgreiche Gründungspersönlichkeit ausmacht, ist also:

  • Bildung
  • Berufserfahrung
  • Durchhaltevermögen
  • Frustrationstoleranz

Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. weist drauf hin, dass das Scheitern zu einem Unternehmerleben dazugehört, wie einige Lebensläufe der Einhorngründer deutlich zeigen. Dementsprechend würde Deutschland ein anderer Umgang mit dem Thema Scheitern gut tun, der sich auch im Insolvenzrecht niederschlagen müsste. Es fehle eine Kultur der zweiten Chance.

Welche Märkte bedienen die Unicorns?

Die am häufigsten bedienten Märkte sind Consumer Internet, Financial Services und Software. Unter den Top 3 der untersuchten Unternehmen befinden sich nur solche, die ausschließlich digitale Produkte verkaufen. Erst auf Rang 5 findet sich eine Erfolgsbranche, die auch analoge Produkte anbietet, nämlich Healthcare. Obwohl das Thema Energie als Zukunfts- und Trendthema gilt, sind nur wenige Einhorngründer in diesem Segment beheimatet.

Erst Angestellter, dann Gründermillionär

Dass die Bildung bei den besonders erfolgreichen Gründern eine wichtige Rolle spielt, haben wir bereits gesehen, noch wichtiger ist jedoch die Erfahrung, die ein Entrepreneur vor dem Umsetzen seiner Idee sammeln konnte. 80 Prozent der untersuchten Biographien wiesen eine Zeit des Angestelltendaseins nach dem Studium auf, das Start-up kam erst danach. Durchschnittlich 4,6 Jahre sammelte ein Einhorngründer Berufserfahrung in einem Unternehmen, das nicht unbedingt aus derselben Branche wie sein Start-up stammen musste, bevor er sich selbstständig machte. Matthew Wadiak, der COO von Blue Apron, arbeitet beispielsweise 20 Jahre Erfahrung in der Gastronomie, was jedoch nicht repräsentativ ist.

Es war durchaus nicht unbedingt die erste Gründung, die jeweils zum Erfolg führte. Die Investoren bewerteten das jedoch positiv: Das meiste Geld konnten die Gründer einsammeln, die zuvor in vier Gründungen involviert waren.

Was du von den Einhorngründern lernen kannst

Wenn Mutti nach der Zeugnisausgabe besorgt auf die Schulnoten tippt, dann glaub ihr einfach mal, sie liegt mit ihrer Intuition schon ganz richtig. Es ist nämlich kein Zufall, dass alle Einhorngründer einen Studienabschluss haben. Je gebildeter du bist, umso leichter versteht du die Zusammenhänge der Welt und umso schwerer können dich andere Leute über den Tisch ziehen.

Ob du dich bei einem Unternehmen als Auszubildender oder Angestellter oder bei einem Geldgeber mit deinem Start-up bewirbst, es wird stets dieselbe Messlatte angelegt: Was ist diese Person bereit, zu leisten? Welche Erfolge konnte sie bisher erzielen? Wie geht sie mit Niederlagen um? Zu richtig großem Erfolg gehört eine Menge Ehrgeiz, und der wächst nicht, während du auf der Couch liegst und chillst.

Am Ende sind nicht die talentiertesten oder intelligentesten Personen am erfolgreichsten, sondern die, welche den nötigen Biss hatten, nicht aufzugeben und immer weiter an sich zu arbeiten. Leider ist Scheitern bei uns in Deutschland verpönt, dabei sind die Erfahrungen, die wir aus Niederlagen sammeln können, von unschätzbarem Wert. Dabei handelt es sich um genau die elementaren Fehler, die wir kein zweites Mal begehen werden.

Sei dir nicht zu schade, dir als Angestellter etwas sagen zu lassen und beginne deine Karriere ruhig in einem anderen Betrieb, bevor du deinen eigenen gründest. Sammle so viele Erfahrungen, wie möglich und reflektiere, was du erfährst:

Nur der Dumme lernt aus der Erfahrung, der Kluge dagegen aus der Erfahrung anderer. (Otto von Bismarck)

Gib niemals auf! Glaube an deine Ideen, aber lass sie nicht von anderen zerreden, sondern erst einmal in deinem Inneren reifen, bevor du sie in die Welt entlässt.

Milliarden-Business: Warum Unicorn-Gründer mehr Erfolg haben als du
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