Darauf sollten Selbstständige achten

Kirchensteuer: Alles Wichtige rund um die unbeliebte Abgabe

Besonders als Selbstständiger musst du in Abhängigkeit deines Unternehmens verschiedene Steuern zahlen. Daher kommt vor allem zu Beginn deiner Selbstständigkeit eine Vielzahl an steuerlichen Angelegenheiten auf dich zu, mit denen du dich auseinandersetzen musst. Darunter kann auch die Kirchensteuer fallen. Je nach dem wie du zur Kirche stehst, kann es für dich eine Notwendigkeit sein oder eben eine unliebsame Abgabe. Wer die Kirchensteuer zahlen muss, wie hoch diese ist und wie sie berechnet wird, wollen wir dir in diesem Artikel erklären.

Definition

Die Kirchensteuer wird vom Staat für die Deckung des allgemeinen Kirchenbedarfs der Religionsgemeinschaften erhoben. Mit dieser werden bspw. Bauvorhaben der Kirchengemeinschaften finanziert, die Bezahlung der Geistlichen durchgeführt und auch die Finanzierung von Kindergärten der Gemeinden ermöglicht. Die Kirchensteuer führt der Arbeitgeber auf Grundlage der Einkommenssteuer an das Finanzamt ab, welches die Abgaben wiederum an die Gemeinden weiterleitet. Diese zahlen dem Finanzamt für den Einzug der Steuer eine Aufwandsentschädigung.

Im Grundgesetz werden Religionsgemeinschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts angesehen. Diesen ist erlaubt von ihren Mitgliedern Steuern zu erheben, um im Sinne der Allgemeinheit öffentliche Aufgaben zu übernehmen. So wollen Kirchen als Solidargemeinschaft den gesellschaftlichen Zusammenhalt mit einem breiten und vielfältigen Angebot stärken und unterstützen. Aufgrund der Kirchensteuer erreicht die Kirche damit eine finanzielle Unabhängigkeit.

Wer muss die Steuer zahlen?

Kirchensteuer müssen natürliche Personen zahlen. Steuerpflichtig bist du dann, wenn du drei Kriterien erfüllst. Erstens musst du ein Mitglied der Religionsgemeinschaft sein, die die Kirchensteuer von dir verlangt. Dies begründet sich durch die Taufe mittels derer du zu einem Kirchenmitglied wirst. Zweitens muss dein Wohnsitz in Deutschland sein und drittens musst du überhaupt steuerlich leistungsfähig sein. So zahlen vor allem Personen, die lohn- oder einkommenspflichtig sind, die Kirchensteuer.

Bist du nicht Mitglied einer Kirchengemeinde kann dir Kirchensteuer für dich dennoch ein wichtiges Thema sein, wenn du als Selbstständiger Mitarbeiter beschäftigst. Von diesen musst du dann genauso wie die Lohnsteuer auch die Kirchensteuer einbehalten und an das Finanzamt abführen. Genauso wichtig ist für dich zu beachten, dass nur staatlich anerkannte Körperschaften diese Steuer erheben dürfen. Dazu zählt in Deutschland vor allem die katholische und altkatholische Kirche und die evangelischen Landeskirchen sowie weitere Kirchengemeinden wie bspw. die freireligiösen Gemeinden.

Berechnung der Kirchensteuer

Die Kirchensteuer wird auf Grundlage der Einkommenssteuer berechnet, einschließlich der Lohn- und Kapitalertragssteuer. Zusätzlich richtet sich die Höhe des Steuersatzes an deinen Wohnort. So wird in Bayern und Baden-Württemberg acht Prozent erhoben, in allen anderen Bundesländern neun Prozent. Demnach zahlst du also acht oder neun Prozent deiner Einkommenssteuer als monatliche Kirchensteuer.  Bei Ehepaaren gleicher Konfession, wird die Kirchensteuer auf Basis des Gesamteinkommens berechnet. Gehörst nur du einer Gemeinschaft an und dein Ehepartner nicht, dann bezieht sich die Steuer lediglich auf deine Einkommenssteuer.

Kappungsregelung

Bei einem sehr hohen Einkommen kann die Kappungsregelung in Kraft treten. Sie sorgt dafür, dass deine Abgabe nicht zu hoch ausfällt. Somit kannst du falls dein Einkommen über einer Kappungsschwelle liegt, einen niedrigeren Steuersatz beantragen. Grundsätzlich gilt, dass die Steuer einen Anteil am steuerbaren Einkommen in Höhe von drei bis vier Prozent nicht überschreiten soll. Je nach Bundesland wird dieser entweder automatisch vom Finanzamt erhoben oder du bist für die Beantragung beim jeweiligen Kirchensteueramt selbst verantwortlich.

Kirchensteuer umgehen: Austritt aus der Kirchengemeinde

Du kannst versuchen bei der Kirchensteuer zu sparen, in dem du sie als Sonderausgabe bei der Steuererklärung absetzt. Je nach dem ob du oder dein Partner als Kirchenmitglied ein sehr geringes Einkommen vorweist, kann der jeweils andere Partner, der kein Mitglied ist, in eine andere Körperschaft eintreten und damit das sogenannte besondere Kirchgeld umgehen. Dies ist ein Ersatz zur Kirchensteuer und fällt dann an, wenn die Ehepartner glaubensverschieden sind.

Doch um die Steuer komplett zu umgehen, kannst du auch der Kirche austreten. Dafür musst du je nach Bundesland entweder zum Standesamt oder zum Amtsgericht und ein Kirchenaustritts-Formular ausfüllen und unterschreiben. Mit dem Austritt aus der Kirche bist du nicht mehr steuerpflichtig, wodurch diese Steuerpflicht meist im Folgemonat endet. Auch dein Arbeitgeber wird automatisch über den Austritt informiert bzw. du als Arbeitgeber bekommst vom Bundeszentralamt die Meldung zum Kirchenaustritt des jeweiligen Mitarbeiters.

Fazit

Obwohl du durch den Kirchenaustritt ganz leicht Steuern sparen kannst, solltest du diese Entscheidung natürlich nicht rein auf materieller Basis fällen. Vielmehr solltest du diese Entscheidung auf Grundlage deines Glaubens fällen. Darüber hinaus solltest du die Kirchensteuer auch als Chance sehen, gemeinnützige Projekte zu unterstützen, da viele Kirchengemeinden zahlreiche Angebote für den gesellschaftlichen Zusammenhalt anbieten oder benachteiligten Familien und Menschen im Alltag helfen.

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Über den Autor

Autorenprofil: Lisa Goldner

Lisa Goldner

Nach ihrem Abitur 2013 entschied sich Lisa für ein Studium des Journalismus als auch der Unternehmenskommunikation und konnte durch den nahen Praxisbezug ein breit gefächertes Repertoire an Kenntnissen beider Branchen sammeln. Während des Studiums arbeitete sie als Assistenz der Öffentlichkeitsarbeit in einem öffentlich-rechtlichen Kulturbetrieb und erlernte somit auch essenzielle Aufgaben des Eventmanagements. Im Anschluss begann sie in Kiel den Masterstudiengang ”Angewandte Kommunikationswissenschaft“, in dem sie ihre Erfahrungen durch Projekte und wissenschaftliche Arbeiten besonders in den Bereichen Journalismus und Marketing ausbauen konnte. Seit Januar 2020 ist Lisa Volontärin in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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