Der Markt wächst weiter – trotzdem müssen viele Startups wieder dicht machen

Studie: Carsharing ist eine schwierige Branche für Startups

Der Carsharing-Markt wächst immer weiter an. Es gibt mehr Anbieter und mehr Fahrzeuge, die den 2,3 Millionen registrierten Kunden zur Verfügung stehen. Trotzdem müssen immer mehr Startups ihre Dienste wieder einstellen. Eine Studie erklärt, warum Carsharing so eine schwierige Branche ist.

Carsharing breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Das zeigt die aktuelle Jahresstatistik des Bundesverbands Carsharing (BCS). Zu Beginn des Jahres 2020 gab es nach der Statistik 226 Carsharing-Unternehmen, -Genossenschaften und -Vereine, die an 860 Orten Fahrzeuge anbieten. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 100 Orte und 45 Anbieter. Somit stehen den Kunden 25.400 Autos in Deutschland zur Verfügung. Ein Anstieg um 25,7 Prozent.

Trotz des großen Marktpotenzials gibt es immer wieder Carsharing-Unternehmen, die ihre Dienste einstellen müssen. So zum Beispiel das in Luxemburg ansässige Carsharing-Startup Oply – hier fehlte die notwendige Finanzierung. Fast 2,3 Millionen Menschen sind bei Carsharing-Unternehmen registriert. Und trotzdem gibt es immer wieder Unternehmen, die sich aus dem Markt zurückziehen.

Kunden nutzen Carsharing-Angebote zu wenig

Diesem Problem sind die Mitarbeiter des Instituts für Marketing & Management der Universität Hohenheim in Stuttgart in Kooperation mit europäischen Forschungspartnern nachgegangen. Sie setzten eine Studie auf, in der sie der Fragestellung nachgingen, warum so viele Carsharing-Startups scheitern. „Die Einstellung der potenziellen Kunden gegenüber den Angeboten ist äußerst positiv, aber gleichzeitig werden sie nur wenig genutzt. Viele Anbieter kämpfen mit sinkenden Nutzerzahlen und selbst wenn diese stabil sind, arbeiten die Unternehmen nicht wirtschaftlich“, sagt Marion Büttgen vom Institut für Marketing & Management.

Ein Grund dafür sehen die Autoren der Carsharing-Studie darin, dass viele Anbieter den Bedürfnissen der Kunden nicht nachkommen. Demnach nutzen viele Kunden am liebsten Elektrofahrzeuge und das Free-Floating Konzept. Bei diesem kann der Kunde sein Fahrzeug an einem beliebigen Standort abholen und wieder abstellen. Ganz ohne an einem bestimmten Raum gebunden zu sein. Dieses Konzept wird bisher aber nur von wenigen Anbietern umgesetzt. „Das Free-Floating-Konzept alleine reicht nicht aus. Erwartet wird ein Full-Service-Angebot, ohne eigenständiges Tanken oder Reinigen, wie es bei einzelnen Angeboten auf dem Markt der Fall ist“, sagt Büttgen weiterhin.

Privates Carsharing zeigt ebenfalls Probleme

Auch die Chancen von privatem Carsharing werden von Marion Büttgen als eher gering eingeschätzt. Hier sei eine große Zahl von nutzbaren Fahrzeugen notwendig, die flexibel und flächendeckend genutzt werden können. Zudem ist der Koordinationsaufwand größer und der Zugang zum Auto muss von jedem Anbieter sichergestellt werden.

Der BCS-Geschäftsführer Gunnar Nehrke sieht nun die Politik in der Verantwortung: „Carsharing ist die ökologische Alternative zum privaten Pkw. Bund, Länder und Kommunen sollten das Carsharing endlich systematisch fördern.“ Zudem fordert er Maßnahmen, die den Besitz eines eigenen Autos unattraktiver machen, wie beispielsweise Citymaut und höhere Parkgebühren. Laut ihm darf Carsharing nicht als Möglichkeit angesehen werden, sondern als langfristige Lösung.

Quelle: Wirtschaftswoche / Spiegel

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Über den Autor

Autorenprofil: Leoni Schmidt

Leoni Schmidt

Nach ihrem Abitur studierte Leoni an der Fachhochschule des Mittelstands in Köln Medienkommunikation & Journalismus. In diesem Studium sammelte sie durch Praktika bei der Rheinischen Post und bei Antenne Düsseldorf viele praktische, journalistische Erfahrung. Neben ihres Studiums arbeitete sie als Werkstudentin bei einem Online-Magazin. Bei diesem wurde sie nach ihrem Studium übernommen und arbeitete dort in der Online-Redaktion. Im Mai 2019 wechselte sie dann zu Digital Beat und Gründer.de und arbeitet seitdem dort als Junior-Online-Redakteurin.

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