Gründer FAQ: Diese 10 Maßnahmen stehen in dem 34-seitigen Papier drin

Startup-Strategie: Was sollte ich als Gründer darüber wissen?

Mit der kürzlich veröffentlichten Startup-Strategie will der Bund für junge, innovative Unternehmen die Rahmenbedingungen verbessern, Gründungen allgemein erleichtern und die Finanzierung stärken. Außerdem sollen Deutschland aber auch Europa endlich zu starken Standorten für Startups werden. Damit sollen sich Gründer auf das konzentrieren, worauf es ihnen ankommt: Ihre Idee in die Tat umsetzen. In diesem Gründer FAQ haben wir die wichtigsten Punkte für Gründer zusammen gefasst!

Vor einigen Wochen hat das Bundeskabinett die Startup-Strategie der Bundesregierung beschlossen. Diese wurde bereits im Koalitionsvertrag angekündigt. Und nicht nur das: Der Beteiligungsprozess war umfangreich: In Workshops und einer Online-Konsultation haben viele Akteure ihre Perspektiven und Expertise eingebracht. Die Bundesregierung hat diese bei der Erstellung berücksichtigt.

Welche Ziele sind in der Startup-Strategie festgehalten?

In der Startup-Strategie hat die Bundesregierung Ziele festgehalten, die sie innerhalb dieser Legislaturperiode erreichen will. Die Bundesregierung bündelt darin Maßnahmen in 10 Handlungsfeldern. Diese lauten:

  • Finanzierung für Startups stärken,
  • Startups die Gewinnung von Talenten erleichtern; Mitarbeiterkapitalbeteiligung attraktiver ausgestalten,
  • Gründungsgeist entfachen – Gründungen einfacher und digitaler machen,
  • Startup-Gründerinnen und Diversität bei Gründungen stärken,
  • Startup-Ausgründungen aus der Wissenschaft erleichtern,
  • Rahmenbedingungen für gemeinwohlorientierte Startups verbessern,
  • Startup-Kompetenzen für öffentliche Aufträge mobilisieren,
  • Startups den Zugang zu Daten erleichtern,
  • Reallabore stärken – Zugänge für Startups erleichtern,
  • Startups ins Zentrum stellen.

Die 10 Maßnahmen der Startup-Strategie im Detail

1. Finanzierung für Startups stärken

Besonders für Startups ist der Zugriff auf Wagniskapital essenziell. Allerdings ist der deutsche Wagniskapitalmarkt im internationalen Vergleich noch ausbaufähig. Daher will die Bundesregierung den deutschen aber auch den europäischen Wagniskapitalmarkt stärken und zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten schaffen. Dadurch soll vorrangig vermieden werden, dass Startups aus Finanzierungsgründen abwandern. Konkret soll dafür folgendes umgesetzt werden:

  • Die Bundesregierung stellt hierfür zunächst der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 10 Milliarden Euro öffentliche Mittel für Startups bis 2030 bereit.
  • Mit einem neuen Zukunftsfinanzierungsgesetz will die Bundesregierung zudem Leistungsfähigkeit und Attraktivität des deutschen Finanzstandorts erhöhen.
  • Die Bundesregierung will die Kapitalmarktorientierung institutioneller Investoren in Deutschland ausbauen um so dann u.a. das Investitionspotenzial großer Kapitalsammelstellen besser auszuschöpfen.
  • Außerdem ist geplant, das INVEST-Programm neu aufzulegen.
  • Zudem soll die Umsatzsteuerbefreiung für Wagniskapitalfonds im Rahmen des unionsrechtlich Zulässigen ausgeweitet werden.
  • Außerdem soll überprüft werden ob und inwieweit welche öffentlich-rechtlichen Fonds gegebenenfalls geeignet wären, auch in Wagniskapital zu fließen. Die Bundesregierung will dies dann auch auf europäischer Ebene diskutieren.
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2. Talente gewinnen und Mitarbeiterkapitalbeteiligung

Des weiteren möchte die Bundesregierung mit ihrer Strategie Startups künftig mehr bei der Gewinnung von Fachkräften unterstützen. Geplant sind konkret diese Maßnahmen:

  • Die Bundesregierung will ihre Fachkräfte-Strategie weiterentwickeln und zur Einführung eines europäischen Talent-Pools einen wichtigen Beitrag leisten.
  • Außerdem will sie bestehende Hürden aufgrund des Einwanderungsrechts für ausländische Fachkräfte beseitigen.
  • Auch soll die Integration von ausländischen Studierenden gefördert werden.
  • Darüber hinaus ist die Vereinfachung von Verwaltungsverfahren, wie etwa die Anerkennung von Abschlüssen und so weiter, geplant.
  • Die Bundesregierung will zudem die Mitarbeiterkapitalbeteiligung einfacher gestalten und so attraktiver für Unternehmen und ihre Beschäftigte machen.
  • Die Bundesregierung will allerdings auch „Remote Work“ erleichtern.

3. Gründungsgeist entfachen

Die Bundesregierung glaubt, dass möglichst einfache und digitale Gründungen den Gründergeist stärken. Denn so können aus neuen Ideen schnell innovative Produkte und Dienstleistungen entstehen. Daher plant sie für die restliche Legislaturperiode folgendes:

  • Allgemein sollen Gründungen in Zukunft hauptsächlich digital abgewickelt werden.
  • Gründungsprozesse will die Regierung bald möglichst innerhalb von 24 Stunden abgewickelt. Dazu sollen Online-Dienste eingerichtet und entwickelt werden.
  • Über ein digitales Förderportal soll Bürgern und Unternehmen der Zugang zu Bundesförderungen ermöglicht werden.

4. Startup-Gründerinnen und Diversität bei Gründungen stärken

Da Frauen und Migranten derzeit in der Startup-Szene weiterhin unterrepräsentiert sind, plant die Bundesregierung in der Startup-Strategie die Diversität bei Gründungen mit diesen Maßnahmen zu fördern:

  • Es sollen Wagniskapitalfonds speziell für Gründerinnen und Migranten geschaffen werden um diesen den Zugang zu Wagniskapital zu erleichtern.
  • Auch ist geplant im Förderprogramm „EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft“ künftig gezielt mehr Gründerinnen zu unterstützen und zudem eine neue Förderlinie „EXIST Women“ einzurichten.
  • Auch die Stärkung der Initiative „FRAUEN unternehmen“ ist geplant.
  • Darüberhinausgehend ist geplant, die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben allgemein zu stärken und hierbei auch die Bedürfnisse von Gründern stärker im Blick zu haben.
  • Die Bundesregierung will außerdem ein Forum für eine bessere Vernetzung migrantischer Gründer mit anderen Startups, etablierten Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen schaffen.

5. Startup-Ausgründungen aus der Wissenschaft erleichtern

Da wichtige Quellen und Innovationen für Produkte und Dienstleistungen aus der Forschung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen entstehen will die Bundesregierung auch hier tätig werden.

  • Die Bundesregierung wird zunächst das Förderprogramm „EXIST-Potentiale“ durch einen „Leuchtturmwettbewerb Entrepreneurship-Zentren“ ergänzen.
  • Außerdem ist eine Neuauflage der „Gründungsoffensive Biotechnologie“ geplant.
  • Außerdem wird die Bundesregierung bei der Übertragung geistigen Eigentums künftig mehr Hilfestellung und Unterstützung geben.
  • Auch enthält die Strategie Maßnahmen zur Förderung der Kommunikation und des Austauschs zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

6. Rahmenbedingungen für gemeinwohlorientierte Startups verbessern

Gründungen mit Gemeinwohlorientierung will die Bundesregierung aufgrund ihres hohen gesellschaftlichen Nutzens besonders fördern. Geplant ist unter anderem:

  • Es sollen neue Finanzierungsinstrumente für gemeinwohlorientierte Startups geschaffen werden. Dazu sollen europäische Strukturfonds einbezogen werden.
  • Die Bundesregierung wird eine umfassende Strategie für Sozialunternehmertum entwickeln.
  • Die Bundesregierung wird zudem die Förderung gemeinwohlorientierter Ausgründungen aus der Wissenschaft im EXIST-Programm weiter verstärken.
  • Auch ist geplant zu untersuchen, ob und wo es eine Schlechterstellung gemeinwohlorientierter Unternehmen bei Beratung, Finanzierung und Regulierung gibt, um diese abzubauen.

7. Startup-Kompetenzen für öffentliche Aufträge mobilisieren

Startups mit ihren innovativen Angeboten will die Bundesregierung im öffentlichen Auftragswesen künftig deutlich stärker als bisher zu berücksichtigen. Sie plant dafür

  • die Einrichtung eines E-Marktplatzes, um den Marktüberblick zu verbessern,
  • die Installation eines Bekanntmachungsservices, sowie
  • die Förderung des „Procurement for Government“-Programms des GovTech Campus Deutschland.

Die Bundesregierung wird zudem systematische Evaluierungen durchführen, um die Entwicklung der Berücksichtigung von Startups bei öffentlichen Ausschreibungen zu erfassen.

8. Startups den Zugang zu Daten erleichtern

Da die Verfügbarkeit von Daten für moderne Geschäftsmodelle immer wichtiger ist, will die Bundesregierung Startups den Zugang zu Daten erleichtern. Denn gerade diese benötigen Daten, um ihre Produkte und Prozesse schnell und gezielt umzusetzen. Konkret wird die Bundesregierung:

  • sich im Rahmen der Verhandlungen zum europäischen Data Act für angemessene Anreize zum Teilen von Daten einsetzen,
  • beim Aufbau des geplanten Dateninstituts auch die besonderen Belange von Startups berücksichtigen und den Zugang zu Daten erleichtern,
  • einen Rechtsanspruch auf Open Data gegenüber dem Bund schaffen, und
  • sich auf nationaler wie europäischer Ebene auch für einen innovationsfreundlichen Rechtsrahmen im Gesundheitswesen einsetzen, um die Datenverfügbarkeit zu verbessern und rechtssicheres Testen ermöglichen.

9. Reallabore stärken

Zudem plant die Bundesregierung, ein Reallabore-Gesetz auf den Weg zubringen. Dieses soll innovationsfreundliche Rahmenbedingungen für Reallabore schaffen. Denn diese Labore machen es insbesondere für Startups möglich, unter Aufsicht und Begleitung der zuständigen Behörden innovative Technologien oder Geschäftsmodelle im realen Umfeld zu erproben, die im allgemeinen Rechtsrahmen noch an Grenzen stoßen.

10. Startups ins Zentrum stellen

Als letzten Punkt plant die Bundesregierung die Vernetzung aller relevanten Akteure im Startup-Ökosystem voranzutreiben und will den Startups den Zugang zu Demonstratoren und Erprobungsräumen erleichtern. Startups sollen künftig stärker im Zentrum stehen und bei Entscheidungen der Bundesregierung noch mehr berücksichtigt werden.

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Fazit: Startup-Strategie – Starke Ziele, ungenaue Formulierungen

Wer sich das veröffentlichte Papier des Bundes ansieht, wird schnell feststellen, dass die meisten Punkte noch rechte vage und ungenau formuliert sind. Die Startup-Strategie beinhaltet keinen genauen Zeitplan und auch die Umsetzung der aufgeführten Ziele wird nicht im Detail beschrieben. Scheinbar konnte sich die Bundesregierung nicht auf ambitioniertere Zeile einigen. Dennoch überzeugt der Grundgedanke dahinter: Startups und Gründer können durch die Maßnahmen gestärkt werden. Die Tatsache, dass die Bundesregierung sich überhaupt dem Thema Startups mehr annimmt, wird von der Startup-Szene überwiegend positiv bewertet.

Laut der Bunderegierung sind übrigens viele Maßnahmen bereits in Vorbereitung und können zügig umgesetzt werden. Die Umsetzung der Startup-Strategie wird außerdem von einem Monitoring begleitet. Dennoch: Es handelt sich bisher eher um einen groben Wegweiser als einen raffinierten Masterplan. Es ist mithin davon auszugehen, dass es noch einige Jahre dauern wird bis Deutschland sich selbst als Gründerrepublik betiteln kann.

Häufige Fragen (FAQ) zu Startup-Strategie

Was ist die Startup-Strategie?

In der Startup-Strategie hat die Bundesregierung 10 Ziele festgehalten, die sie innerhalb dieser Legislaturperiode erreichen will. Alle Maßnahmen betreffen die Förderung und Finanzierung von Gründern und jungen Unternehmen.

Welche Maßnahmen beinhaltet die Startup-Strategie des Bundes?

1. Finanzierung für Startups stärken,
2. Startups die Gewinnung von Talenten erleichtern; Mitarbeiterkapitalbeteiligung attraktiver ausgestalten,
3. Gründungsgeist entfachen – Gründungen einfacher und digitaler machen,
4. Startup-Gründerinnen und Diversität bei Gründungen stärken,
5. Startup-Ausgründungen aus der Wissenschaft erleichtern,
6. Rahmenbedingungen für gemeinwohlorientierte Startups verbessern,
7. Startup-Kompetenzen für öffentliche Aufträge mobilisieren,
8. Startups den Zugang zu Daten erleichtern,
9. Reallabore stärken – Zugänge für Startups erleichtern,
10. Startups ins Zentrum stellen.

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Über den Autor

Autorenprofil: Luisa Kleinen

Luisa Kleinen

Luisa wurde 1996 in Bonn geboren und studierte nach ihrem Abitur Rechtswissenschaften mit Abschluss des ersten Staatsexamen (Schwerpunkt Internationales Strafrecht und Medienstrafrecht) an der Universität zu Köln. Parallel zu ihrem Studium war sie einige Jahre als Studentische Hilfskraft in der Forschungsstelle für Medienrecht an der TH-Köln tätig. Dadurch erhielt sie einen tiefen Einblick in das Medien-, IT- und Datenschutzrecht und sammelte erste redaktionelle Erfahrungen. Später arbeitete sie als Assistenz der Geschäftsführung in einem Gastronomiebetrieb und erweiterte hier ihre Kenntnisse im Personal- und Projektmanagement. Nach ihrem Praktikum in der Redaktion von Gründer.de, ist sie seit Juli 2022 als Junior Legal Managerin bei Digital Beat und Gründer.de tätig.

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