Ankerkraut kein Einzelfall

Shitstorm nach Exit: Diese Verkäufe kamen nicht gut an

Um Ostern herum sorgte das aus „Die Höhle der Löwen“ bekannte Startup Ankerkraut für Schlagzeilen: Ankerkraut wird zur Mehrheit an Nestlé verkauft. Was sich aus geschäftlicher Sicht anhört wie ein guter Deal, um den nächsten Schritt im Business zu gehen, sorgte auf Social Media für teils besonders starke Empörung. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Ankerkraut ist mit dieser Erfahrung nicht allein.

Ein Shitstorm nach dem Exit. Dabei ist der Verkauf des selbst gegründeten Startups oft der nächste Schritt, um das Business noch erfolgreicher zu machen. Natürlich gibt es auch positive Beispiele: Das Unternehmen Flaschenpost etwa, das Ende 2020 für eine Milliarde Euro von Dr. Oetker übernommen wurde. Oder das Berliner Startup Signavio, das für einen ähnlichen Betrag an SAP ging. Nicht zu vergessen der Exit der Lieferando-Gründer, die mit dem Verkauf des Lieferdienstes an Just Eat Takeaway und dem anschließenden Gang an die Börse zu hohen Summen kamen. Allerdings gab es auch Fälle, in denen der Verkauf an ein größeres Unternehmen mehr Unmut als Begeisterung auslöste. Wir stellen im Folgenden vier Beispiele vor, in denen der Verkauf nicht so gut ankam.

Ankerkraut: Shitstorm nach Exit an Nestlé

Jüngstes Beispiel für einen Shitstorm nach Exit ist Ankerkraut. Das Unternehmen, das durch die Teilnahme an der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“ bekannt wurde und zwischenzeitlich sogar als Gastjuror mit dabei war, erregte um Ostern herum ungewollt negative Aufmerksamkeit. Grund dafür war die Ankündigung der Gründer Anne und Stefan Lemke, das Startup zur Mehrheit an den umstrittenen Konzern Nestlé zu verkaufen. Infolgedessen kam es zu einem Shitstorm von Ankerkraut-Fans und auch Influencern auf Social Media. Zahlreiche Content Creator kündigten ihre Zusammenarbeit mit Ankerkraut umgehend auf – auch, da sie erst aus den Medien vom Verkauf des Unternehmens erfuhren.

Das Gründerpaar äußerte sich kurz darauf noch einmal zum Verkauf und bedauerte, seine Partner nicht im Vorfeld informiert zu haben. „Wir stehen als Marke von Beginn an für eine ganz besondere Kundennähe und einen engen Austausch mit unseren Fans“, erklärten sie. Ebenso, dass die Kritik an ihnen und den Mitarbeitern von Ankerkraut nicht spurlos vorübergehe. Sie betonten aber: „Ankerkraut bleibt Ankerkraut, wir werden weiterhin als eigenständiges Unternehmen tätig sein.“

Nicht erste Kritik wegen Nestlé: Auch Terra Canis betroffen

Dass es riskant sein kann, sich auf einen Verkauf an Nestlé einzulassen, musste auch Birgitta Ornau feststellen. Mit ihrer 2005 gegründeten Firma Terra Canis stellte sie Tierfutter her. 2017 verkaufte sie ihr Unternehmen an Nestlé – es folgte prompt ein Shitstorm direkt nach dem Exit. Viele Kunden befürchteten Qualitätsverluste der Produkte durch die Übernahme. Dies wiederum verneinte die Gründerin. Sie blieb noch weitere fünf Jahre im Unternehmen – bis sie es im April 2022 verließ.

Shitstorm nach Exit – aber dennoch Erfolg bei Sonnen

2019 sorgte ein Verkauf bei vielen für Stirnrunzeln. Das Allgäuer Solar-Startup Sonnen verkaufte seine Anteile an den global tätigen Ölkonzern Shell. Viel Vereinbarkeit der Geschäftsmodelle ließ sich damals nicht erkennen. Shell erwirtschaftet weiterhin den Großteil seiner Erlöse aus fossilen Energien – Sonnen allerdings hatte sich auf Batteriespeicher spezialisiert, mit dem Hausbesitzer Strom aus ihrer Solaranlage speichern konnten. Die Gründer Torsten Stiefenhofer und Christoph Ostermann ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und betonten, der Exit würde das Wachstum der Solarfirma beschleunigen. Und tatsächlich: Seit 2021 zählt Sonnen weltweit zu den größten Herstellern von Heimspeicher.

Wimdu: Mehrere Übernahmen, am Ende die Insolvenz

2011 trat das Berliner Startup Wimdu an, um dem zu diesem Zeitpunkt seit drei Jahren bestehenden Airbnb aus den USA Konkurrenz zu machen. Fünf Jahre später fusionierte Wimdu erst mit dem Konkurrenten 9Flats – anschließend verkauften die Gründer das Unternehmen an die dänische Firma Novasol. Allerdings verlief die Integration des Unternehmens nicht erfolgreich und im Herbst 2018 wurde das Ende von Wimdu bekanntgegeben. Für einen Shitstorm sorgten weder der Exit noch die Einstellung der Plattform an sich, wohl aber die Handhabung durch die Führungsebene. So berichteten zahlreiche der über 100 Mitarbeiter, dass sie ohne Vorwarnung ihre Kündigungen erhielten. Des Weiteren sorgte eine Weiterleitung von der Wimdu-Seite auf die des Berliner Startups Hometogo für Verwundern bei den Mitarbeitern, die nicht informiert worden waren.

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Über den Autor

Autorenprofil: Andreas Fricke

Andreas Fricke

Andreas studierte 2013 nach seinem Abitur Journalismus & Unternehmenskommunikation in Köln. Parallel sammelte er Erfahrung bei den Redaktionen verschiedener Tageszeitungen. Nach dem Studium zog es ihn ins Online-Marketing, wo er mit dem Schwerpunkt auf SEO-Texte und Blogbeiträge fünf Jahre für verschiedenste Themen und Branchen schrieb. Seit März 2022 verstärkt er die Redaktion von Digital Beat und Gründer.de als Junior-Online-Redakteur.

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