Nach starkem Wachstum nun Stagnation

Lieferdienste: Interesse an Lebensmitteln geht zurück

So schnell sie vor etwas mehr als zwei Jahren gewachsen sind, so schwer haben es die Lebensmittel-Lieferdienste inzwischen. Gorillas, Flink und ihre Konkurrenten müssen sich mit der wiedergekehrten Normalität arrangieren, ebenso wie mit den neuen Schwierigkeiten auf ihrem Markt. Doch das Geschäftsmodell des Quick Commerce wird wohl nicht aussterben – wohl aber werden sich einige Anbieter vom Markt verabschieden.

Als Corona im Frühjahr 2020 seine ersten Wellen schlug und sich viele nicht mehr vor die Tür trauten, war das die Geburtsstunde von Gorillas, Flink, Getir und Co. Die Startups bauten Warenlager in Städten auf und stellten Personal in großer Menge ein. Ihr Geschäftsmodell: Supermarktprodukte innerhalb weniger Minuten nach Hause liefern. Kunden ist es möglich, ihre Auswahl bequem per App einzugeben und zu bestellen. Damals eine eindeutige Marktlücke – doch inzwischen ist das Interesse an den Lieferdiensten wieder zurückgegangen.

Anfangseuphorie der Lieferdienste trifft Realität: Interesse sinkt

Mitten im Lockdown boomte das Geschäft des sogenannten Quick Commerce. 2021 war es das Thema, „das im Handel am stärksten durch die Decke gegangen ist“, erklärt Kai Hudetz, Geschäftsführer beim Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln. Was zu Zeiten, in denen größtenteils #stayhome galt, noch als erfolgreiche Idee gefeiert wurde und zahlreiche Investoren anlockte, bekommt nun die Kehrseite seiner Geschäftsidee zu spüren. Das Ende der Corona-Beschränkungen sowie die Auswirkungen der Inflation und des Ukraine-Kriegs haben dafür gesorgt, dass die Nachfrage nach Lebensmittellieferungen enorm zurückgegangen ist. Das bedeutet für die Lieferdienste weniger Interesse vonseiten der Investoren. „Man musste schon damals kritisch hinterfragen, ob es ein funktionierendes Geschäftsmodell sein kann, einen einzelnen Joghurtbecher in fünfzehn Minuten an den Schreibtisch zu bringen,“ so Hudetz.

Nun kommen die Kurskorrekturen

Lieferdienste wie Gorillas, die auf schnelles Wachstum gesetzt haben, müssen nun mit dem zurückgegangenen Interesse kämpfen. Das Berliner Startup etwa hat hunderte Stellen in der Verwaltung aufgeben und einige Standorte in Nordrhein-Westfalen schließen müssen. Doch der Wettbewerbsdruck bleibt ungebrochen, denn es gibt genug Akteure, die sich ebenfalls erfolgreich oder erfolglos im Quick Commerce versuchen. Restaurant-Lieferdienst Wolt etwa musst ein Experiment mit Supermarkt-Produkten aus einem eigenen Lager wieder beenden. Darüber hinaus kämpfen die Angestellten der Lieferdienste zunehmend für bessere Bezahlung sowie Arbeitsbedingungen.

Preiserhöhung durch Lieferdienste – Interesse sinkt

Verschwinden würde der Markt insgesamt nicht, sagt IFH-Experte Hudetz. Dennoch sei zu erwarten, dass der Markt sich konsolidiere und einige Unternehmen aufgeben würden. Es sei für die Lieferdienste aber riskant, an den Preisen zu schrauben: „Sobald etwa Liefergebühren genommen werden, fährt der Kunde eben häufig selbst die 300 Meter zum Supermarkt und kauft sich, was er braucht oder bestellt beim günstigeren Konkurrenten.“ Flink beispielsweise entlässt erst ab einem Bestellwert von 50 Euro die Lieferkosten. Auch vom einstmaligen Versprechen der Lieferung innerhalb von zehn Minuten haben sich die Startups verabschiedet.

Neue Konkurrenz durch neue Kooperationen

Darüber hinaus steigt die Konkurrenz durch neu einsteigende Lieferdienste. So hat der Konzern Just Eat Takeaway, Mutterfirma von Lieferando Deutschland und Marktführer im Bereich Restaurant-Lieferungen, vor einigen Tagen in Berlin-Charlottenburg ein eigenes Lager für Lebensmittel eingerichtet. Des Weiteren hat das Startup Wolt nun direkte Kooperationen mit lokalen Supermärkten abgeschlossen. Der Mitbewerber Flink hingegen kooperiert mit Rewe. Für Verbraucher ist klar: Die Lebensmittellieferungen werden künftig länger dauern und auch mehr kosten.

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Über den Autor

Autorenprofil: Andreas Fricke

Andreas Fricke

Andreas studierte 2013 nach seinem Abitur Journalismus & Unternehmenskommunikation in Köln. Parallel sammelte er Erfahrung bei den Redaktionen verschiedener Tageszeitungen. Nach dem Studium zog es ihn ins Online-Marketing, wo er mit dem Schwerpunkt auf SEO-Texte und Blogbeiträge fünf Jahre für verschiedenste Themen und Branchen schrieb. Seit März 2022 verstärkt er die Redaktion von Digital Beat und Gründer.de als Junior-Online-Redakteur.

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