Warum kündigen gute Leute bei BMW oder Siemens und gründen ein Start-up? Meist wollen sie einfach ihre eigenen Ideen umsetzen. Das haben die Konzerne verstanden. Ihr Gegenmittel: Die Mitarbeiter dürfen jetzt im Job wie Unternehmer agieren. Laut einer Studie der Uni Bayreuth machen das schon zwei Drittel aller großen deutschen Firmen.
Die neue Realität: Wenn Konzerne zu Start-ups werden
Das Prinzip ist simpel: Du arbeitest an deinen eigenen Ideen, aber mit dem Geld deines Chefs. Ein Siemens-Ingenieur bastelt an seinem Roboter-Konzept, ein SAP-Programmierer entwickelt seine App-Idee, ein BMW-Designer entwirft das Auto von morgen. Die Sache funktioniert: Firmen, die das machen, stärken die Mitarbeiterbindung und verlieren so weniger gute Leute. Und sie bringen öfter neue Sachen raus.
Vom Konzern zum Start-up: Ein Paradigmenwechsel
Doch woher kommen die zündenden Ideen für neue Produkte und Dienstleistungen? Nicht immer müssen diese aus den eigenen Reihen stammen. Neben der Förderung von Intrapreneurship ist es für Unternehmen ebenso entscheidend, den Markt und dessen konkrete Bedarfe genau zu analysieren. Eine proaktive Suche nach externen Projekten und Kooperationsmöglichkeiten kann den entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern. Hierbei können Plattformen, die beispielsweise Ausschreibungen im IT-Bereich bündeln, wertvolle Impulse für neue Innovationsprojekte liefern und die Zusammenarbeit mit externen Partnern erleichtern. So können Unternehmen nicht nur auf interne Kreativität setzen, sondern auch gezielt auf die Nachfrage am Markt reagieren.
Warum klassische F&E-Abteilungen an ihre Grenzen stoßen
Klassische Entwicklungsabteilungen haben ein Problem: Sie sind zu langsam und zu teuer. Während die an ihren Plänen basteln, ist das Start-up von nebenan schon am Markt. Ein aktueller Beitrag im manager magazin beleuchtet eindrücklich, warum F&E allein nicht ausreicht. Kein Wunder, dass Deutschland bei Innovationen nur noch auf Platz 12 steht – von 35 Ländern. Das kennt jeder: Drei Jahre für eine simple Entscheidung, fünf Unterschriften für 10.000 Euro Budget. Und wehe, ein Projekt geht schief – dann ist die Karriere im Eimer. Intrapreneurship macht das Gegenteil: Du darfst experimentieren, hast ein Budget und kannst auch mal daneben liegen. Trotzdem kommt am Monatsende dein Gehalt.
| Aspekt | Traditionelle F&E | Intrapreneurship |
| Geschwindigkeit | Langsame Prozesse, mehrere Monate bis Jahre | Agile Entwicklung, schnelle Prototypen |
| Kostenstruktur | Hohe Fixkosten, teure Infrastruktur | Flexible Budgets, bedarfsorientierte Ressourcen |
| Innovationsrate | Fokus auf inkrementelle Verbesserungen | Disruptive Innovationen und neue Geschäftsmodelle |
| Risikomanagement | Risikovermeidung, lange Planungsphasen | Experimentierfreudigkeit, „Fail Fast“-Mentalität |
| Mitarbeitermotivation | Hierarchische Strukturen, begrenzte Eigenverantwortung | Unternehmerische Freiheit, hohe Eigenverantwortung |
| Marktanpassung | Schwerfällige Anpassung an Marktveränderungen | Schnelle Reaktion auf Marktbedürfnisse |
Der Kampf um die Generation Z
Bei Google darf jeder Programmierer einen Tag pro Woche an eigenen Sachen arbeiten. Dabei kamen Gmail und Google News raus. 3M macht das schon seit den 40er Jahren – ohne die gäbe es keine Post-it-Zettel. Deutsche Firmen ziehen nach: Bei BASF entwickeln Chemiker neue Materialien, die Bahn testet Apps, Audi bastelt an neuen Mobility-Ideen. Nokia ging noch einen Schritt weiter: Da können Teams den ganzen Gründungsprozess durchspielen – als wären sie echte Start-up-Gründer.
Junge Fachkräfte wollen mehr als nur Gehalt und Firmenwagen. Der Gallup Engagement Index 2024 zeigt das Problem: Nur 13% der deutschen Arbeitnehmer fühlen sich ihrem Unternehmen verbunden. Absolventen fragen heute im Vorstellungsgespräch: „Kann ich hier eigene Projekte umsetzen?“ und „Wie viel Gestaltungsfreiraum habe ich?“ Intrapreneurship gibt ihnen genau das: unternehmerisch arbeiten, aber mit Krankenversicherung. Funktioniert aber nur bei Leuten, die gerne was Neues probieren. Wer ständig Angst vor Fehlern hat, ist falsch am Platz.
Die Wissenschaft hinter dem Erfolg
Die Forscher sagen: Stimmt, funktioniert. Firmen mit solchen Programmen sind produktiver, die Mitarbeiter motivierter. Die Wissenschaftler haben sogar einen Namen dafür: „Ambidextrie“ – mit beiden Händen arbeiten können. Interessant: Große Firmen sind öfter innovativ als kleine. 85% der Konzerne entwickeln neue Sachen, bei kleinen Firmen nur 58%. Das Geld und die Leute sind also da – sie werden nur falsch eingesetzt.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Trotz der Erfolge gibt es Hürden. Der Intrapreneurship Monitor 2023 zeigt, dass Unternehmen mit Intrapreneurship-Abteilungen paradoxerweise eine höhere Fluktuationsrate (17%) aufweisen können als solche ohne entsprechende Programme. Dies deutet darauf hin, dass erfolgreiche Intrapreneure möglicherweise den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Die Antwort: Wer gute Intrapreneure halten will, muss sie wie Unternehmer behandeln. Das heißt: ordentliche Boni für erfolgreiche Projekte, echte Karrierechancen und keine Bestrafung für gescheiterte Experimente.
Praktische Umsetzung: Der Weg zum Intrapreneurship
Wie können Unternehmen erfolgreich Intrapreneurship etablieren? Die Erfahrungen zeigen fünf entscheidende Schritte:
- Zeit geben: Einen Tag pro Woche für eigene Ideen. Google und 3M zeigen: Das reicht.
- Geld locker machen: Ein paar tausend Euro für Prototypen, Zugang zu Laboren, erfahrene Kollegen als Ratgeber.
- Scheitern okay finden: Wer bestraft wird, wenn was schiefgeht, probiert nichts Neues mehr.
- Erfolg würdigen: Gute Intrapreneure wollen mehr als ein „Danke“ in der Firmenzeitung.
Die Zukunft der Unternehmenskultur
Kooperationen eingehen: Start-ups und Unis haben oft die besseren Ideen. Intrapreneurship verändert Unternehmen von innen heraus. Wer das heute macht, hat morgen einen Vorteil: zufriedenere Mitarbeiter, mehr Innovationen und weniger Abwerbungen an die Konkurrenz. Wichtig dabei: Es muss echt sein. Mitarbeiter merken sofort, ob das Unternehmen es ernst meint oder nur schöne Worte macht. Wer halbherzig anfängt, kann es auch gleich lassen. Deutschland steht bei Zukunftstechnologien nur noch auf Platz 7 von 35 Ländern. Intrapreneurship ist mehr als ein HR-Trend – es ist eine strategische Notwendigkeit in einer Zeit beschleunigten Wandels und erfordert innovative Ansätze zur Mitarbeiterbindung. Da wird Intrapreneurship zur Überlebensfrage.


Redaktion