Über das Geschäftsmodell, Finanzierung und die Karriere als Mutter

7 Fragen an die Gründerin des „Fit Mum Club“ Harriet Rieper

Harriet Rieper ist eine junge Mutter von zwei Kindern und erfolgreiche Hamburger Unternehmerin. Sie gründete vor 2 Jahren den „Fit Mum Club“ –  ein Unternehmen, das Training und Ernährung speziell für Schwangere und Mütter anbietet. Als junge Frau und Mutter war der Weg in die Selbstständigkeit kein leichter. Wir wollten von Harriet wissen, wie es ihr trotzdem gelungen ist, welche Hürden sie gemeistert hat und welche Tipps sie an Neugründer weitergeben würde.

Harriet, wie genau sieht das Geschäftsmodell von Fit Mum Club aus?

Unsere Idee war immer, dass wir Schwangere und Mütter dabei unterstützen wollen alle Herausforderungen im „Mamaleben“ so gut es geht meistern zu können. Dafür haben wir ein Online- Training und auch Ernährungsprogramme entwickelt, mit denen Teilnehmer ganz einfach von zuhause trainieren können. Das Training ist für Frauen während der Schwangerschaft, zur Rückbildung nach der Geburt und auch für diejenigen, die mit ihrem After-baby-body wieder fit werden wollen. Seit diesem Jahr bieten wir auch Nahrungsergänzungsmittel an, um den Alltag von Müttern gesünder zu gestalten. Zusätzlich haben wir noch Fitness Equipment wie Minibands und Therabänder im Angebot. Diese kommen auch in unseren Trainings zum Einsatz.

Außerdem sind wir gerade dabei einen Relaunch für diesen Sommer vorzubereiten, bei dem noch mehr Online-Programme angeboten werden. Dazu haben wir das Feedback unserer Kundinnen gesammelt und Fragen gestellt wie: Was wollen sie gerne haben und wie soll es weiter gehen? Daher kommen jetzt noch Anschlussprogramme und auch eine App, die die Handhabung der Trainingseinheiten einfacher machen soll.

Was waren deine ersten Schritte zur Gründung?

Ich bin in diese Branche eher zufällig reingerutscht. Während ich meine Bachelorarbeit damals geschrieben habe, bin ich auf eine interessante amerikanische Studie gestoßen, die aussagte, dass man durch Training in der Schwangerschaft den IQ des Babys erhöhen kann. Auch die generellen motorischen Fähigkeiten des Ungeborenen können so schon früh gefördert werden. Das fand ich total interessant und recherchierte dahingehend weiter. Dabei fiel mir auf, dass es damals zu diesem Thema in Deutschland sehr wenig Informationen gab – und auch heute immer noch gibt. Denn ganz viele Mütter wissen gar nicht, wie gut Sport in der Schwangerschaft ist. Diesen Bedarf erkannte ich damals und spezialisierte mich in dieser Nische.

Angefangen habe ich als Personal Trainerin und wirklich Tag und Nacht Fortbildungen und Ausbildungen absolviert und auch weiterhin viele Studien gelesen.Von Morgens bis Abends gab ich Einzel- und Gruppentraining nur für Schwangere und Mütter, wodurch dann alles langsam ins Rollen kam. So finanzierte ich mich zu Beginn, um mir ein kleines finanzielles Polster aufzubauen. Ich sammelte stetig Know-how und wollte erstmal die Zielgruppe richtig kennengelernt. Irgendwann habe ich aber immer mehr Anfragen aus ganz Deutschland bekommen, auch aus Österreich und der Schweiz. Deshalb überlegte ich: Wie kann ich diese Nachfrage bedienen, ohne dass ich durch ganz Deutschland reisen muss. Ich habe zwei Kinder, daher kann ich nicht viel unterwegs sein. Aufgrund dessen entwickelte ich ein Konzept für ein standardisiertes Online-Training, dass sowohl Mütter, die noch nie vorher Sport gemacht haben, als auch Mütter, die super sportlich sind, nutzen können.

Für das Online-Training führten wir über sieben Tage hinweg einen Videodreh durch, bei dem wir die ganzen Übungen abfilmten, das ganze Konzept entwickelten und das Grundgerüst bauten. Diese Online-Kurse kann nun jeder kaufen.

Was sind deine Einnahmen und Ausgaben?

Einnahmen generieren wir über die Online-Programme und die Produkte. Für das Online-Training zahlen die Kunden einmalig und können damit ein Leben lang trainieren. Unser zweites Standbein sind seit diesem Jahr die Nahrungsergänzungsmittel. Hier haben wir immer wiederkehrende Käufer. Ausgaben gibt es eigentlich sehr wenig, weil ich zuhause arbeite und wir nicht viele Festangestellte beschäftigen, sondern nur zwei Werkstudentinnen. Wir wollen die Ausgaben noch so gering wie möglich halten. Ich wollte nie Investoren an meinem Unternehmen teilhaben lassen, weil ich es ganz gut finde, sein eigener Herr zu sein. Es war am Anfang auch nicht notwendig, da ich durch das Personal Training die GmbH-Gründung finanzierte und es sowieso schon immer selber schaffen wollte.

In den ersten eineinhalb Jahren habe ich mir überhaupt kein Gehalt ausgezahlt, an einem klapprigen Outdoor-Terrassen-Tisch gearbeitet und alles in die Firma reinvestiert, damit sie wachsen kann. Aber so konnten wir die ersten Gewinne relativ schnell nach ungefähr vier Monaten verzeichnen. Heute nach zwei Jahren verdienen wir am meisten Geld mit den Online-Programmen. Zum einen, weil es diese Programme schon lange gibt und zum anderen, weil sie eine sehr gute Marge abwerfen.

Gibt es Konkurrenten und wie hebst du dich von ihnen ab?

Ja, Konkurrenten gibt es überall. Es ist ganz wichtig, sich einmal einen Überblick zu verschaffen. Doch es ist genauso wichtig, dass man nicht zu viel recherchiert, weil das stark beeinflussen kann. Ich hatte schon immer die Idee von dieser Marke und diesem Logo und habe natürlich auch geguckt, was es auf dem Markt schon gibt, damit man niemandem auf die Füße tritt.

Und ich glaube das ist es auch, was uns von der Konkurrenz abhebt: unsere Marke. Der Fit Mum Club hat ein „Löwen-Logo“, was sehr modern ist. Wir haben die Farbe gelb bewusst gewählt, weil es einfach sehr untypisch für Frauen und Fitness ist. Wir wollen dieses Bild von schwachen Müttern in rosa und sehr femininen Farben revolutionieren. Mütter sind für uns unfassbar stark, Mütter sind Kämpferinnen und genau das wollen wir mit unserer Marke in den Vordergrund stellen. Das ist das, was uns von der Konkurrenz unterscheidet.

Karriere und Kinder: Kann man das vereinen?

Wenn man als Mutter gründet oder auch einfach berufstätig ist, ist da ganz viel Organisation wichtig. Ich mache mir am Anfang der Woche immer einen Plan, der festhält, was ansteht. Wann haben wir Arzttermine für die Kinder? Und was ist, wenn ein Kind mal krank wird? Man braucht ein gewisses Backup. Und das ist nicht immer leicht. Ich, zum Beispiel, habe keine Familie hier in Hamburg und auch die Familie von meinem Mann wohnt nicht hier, also gibt es nicht viele Backups um uns herum. Deshalb müssen wir sehr strukturiert und auch organisiert arbeiten.

Vor allem muss man auch mal unperfekt starten. Meine kleine Tochter ist gerade im Interview mit dabei, weil es eben nicht anders geht. Da sollte man vielleicht seine Ansprüche herunter schrauben und die Kinder mehr einbinden. Zwar wächst die Firma deshalb langsamer, aber sie wächst trotzdem.

Ist es als Frau und Mutter generell schwieriger zu gründen?

Ja, das glaube ich schon. Auch ich wurde oft belächelt. Zum Beispiel war ich bei der GmbH-Gründung hochschwanger und saß beim Notar. Ich habe gesehen wie alle gedacht haben: Ohje, die hört sowieso bald wieder auf, weil sie ja jetzt Mutter ist. Daher glaube ich schon, dass es heutzutage immer noch schwieriger ist. Besonders mit dem Hintergedanken, dass viele Frauen eine Familie gründen wollen und dass das immer noch schwierig ist Karriere und Muttersein unter einen Hut zu bringen. Da gibt es für uns Frauen noch viel zu tun. Aber gerade deshalb sollte man Frauen ermutigen, dass sie sich trauen Karriere zu machen, Unternehmen zu gründen und sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen.

Zudem sollte es auch mehr Unterstützung gerade im Bezug auf Elterngeld als Selbstständige geben. Denn als Selbstständige haben wir fast keinen Anspruch. Es ist immer noch viel in sehr alten Mustern hängen geblieben und da wartet noch sehr viel Arbeit auf die Gesellschaft.

Was ist dein Geheimtipp an zukünftige Gründer?

Mein absoluter Geheimtipp ist, dass man lieber unperfekt startet als ewig zu warten. Ich kenne wirklich viele Gründer, die jahrelang an dem perfekten Businessplan geschrieben haben und es aber nie auf die Straße geschafften, weil sie alles perfekt machen wollten. Meiner Meinung nach funktioniert das so nicht. Denn erst wenn man gestartet ist, merkt man, wie die Kunden wirklich denken, was sie überhaupt wollen und ob das, was man sich überlegt hat, wirklich funktioniert. Wenn nicht, muss man es eben nochmal abändern und optimieren. Von daher solltest du einfach starten, wenn du denkst eine Idee zu haben, die Potenzial verspricht.

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Über den Autor

Autorenprofil: Lisa Goldner

Lisa Goldner

Nach ihrem Abitur 2013 entschied sich Lisa für ein Studium des Journalismus als auch der Unternehmenskommunikation und konnte durch den nahen Praxisbezug ein breit gefächertes Repertoire an Kenntnissen beider Branchen sammeln. Während des Studiums arbeitete sie als Assistenz der Öffentlichkeitsarbeit in einem öffentlich-rechtlichen Kulturbetrieb und erlernte somit auch essenzielle Aufgaben des Eventmanagements. Im Anschluss begann sie in Kiel den Masterstudiengang ”Angewandte Kommunikationswissenschaft“, in dem sie ihre Erfahrungen durch Projekte und wissenschaftliche Arbeiten besonders in den Bereichen Journalismus und Marketing ausbauen konnte. Seit Januar 2020 ist Lisa Volontärin in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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