Interview über den erfolgreichen Aufbau eines Online-Business

Gründer-Geheimnis: So vernetzt die Bestell-App magaloop kleine Händler mit großen Marken!

Die Digitalisierung schreitet voran – das lesen wir immer wieder. Doch das trifft noch lange nicht auf alle Bereiche zu, wodurch schnellere Prozesse und weitere Vorteile ungenutzt bleiben. Genau dieses Potenzial erkannten die Gründer von magaloop auch im B2B-Bereich zwischen kleinen unabhängigen Händlern und großen Herstellern. Über 100.000 Transaktionen konnte die dazugehörige App schon abwickeln, wodurch die Gründer ein lukratives Online-Business aufbauten. Wir haben uns mit Uwe und Michael von magaloop über ihr Gründer-Geheimnis unterhalten und Details zur Gründung, zu ihrem Online-Business sowie praktische Startup-Tipps erfahren.

 

Michael Högemann magaloopQuelle: Pressefoto magaloop
Michael Högemann, Gründer von magaloop

Manchmal entstehen innovative Geschäftskonzepte, wenn bestehende Vorgänge seit Jahrzehnten gleich ablaufen und offensichtlich einen neuen Impuls brauchen. Genau deshalb gründeten Uwe Hölzer und Michael Högemann im Jahr 2018 ihr gemeinsames Unternehmen magaloop. Denn egal ob Späti, Kiosk, Imbiss, Tankstelle oder Bäckerei – bisher erfolgten Bestellungen oftmals analog und zeitaufwendig. Durch ihr Startup und die magaloop-App soll nun der größte B2B-Marktplatz im traditionellen Handel entstehen. Dabei sollen die Millionen kleinen, unabhängigen Händler weltweit mit den Lieferanten und großen Herstellern vernetzt sein. Ihre Mission ist es, die Digitalisierung so einzusetzen, dass die kleinen Geschäfte erfolgreicher und nachhaltig wettbewerbsfähig bleiben.

Uwe Hölzer magaloopQuelle: Pressefoto magaloop
Uwe Hölzer, Gründer von magaloop

Davon konnten die Gründer schon über 2.000 Händler und große Venture Capital-Investoren überzeugen. Zuletzt schlossen sie eine neue Finanzierungsrunde mit knapp sechs Millionen Euro ab und verzeichnen trotz der Corona-Pandemie Rekordumsätze. Als nächster Schritt steht nun die Internationalisierung auf dem Plan. Doch wie fing alles an? Wann genau entstand die Geschäftsidee für magaloop und welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend? Wir haben im Interview mit den Gründern erfahren, worauf es bei der Planung ankommt und warum sich das Startup für ein Online-Business entschieden hat.

Phase 1: Ideenfindung

Uwe, in welchem Moment entstand die Geschäftsidee für magaloop?

Die Idee zu magaloop ist tatsächlich langsam gereift, vor allem während meiner Zeit im Ausland. Ich erlebte dort, wie die kleinen Händler mit ihren Familien 24-7 arbeiteten, um ihr Geschäft zu betreiben – alles analog und wie vor 100 Jahren. Gleichzeitig bemerkte ich jedoch auch das Engagement von Herstellern der schnelllebigen Konsumgüter (FMCG), wie beispielsweise P&G, Red Bull, Coca Cola, Nestle und weiteren. Denn alle wollen mit ihren Produkten in die Regale der kleinen Händler, in jeden Kiosk oder Spätkauf. Warum? Weil sich dort Milliarden umsetzen lassen. Außerdem werden dort Marken und Trends geschaffen, wie wir das bei Mate oder Energy Drinks erlebten.

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Wie habt ihr dann als Gründerteam zusammengefunden?

Durch einen großen Zufall, oder Bestimmung, haben Michael und ich uns in Berlin bei einer Startup-Veranstaltung kennengelernt. Dort berichtete Michael als Speaker über seine Erfahrungen beim Online-Portal DaWanda, auf dem damals selbstgefertigte Produkte zum Kauf angeboten wurden. Denn Michael hatte das Portal mit aufgebaut. Als ich ihm von meiner Idee rund um magaloop erzählte, sprang er sofort darauf an. Und als Experte von Marktplätzen brachte er die Idee ein, alle miteinander zu vernetzen und etwas Großes, Digitales aufzubauen. Nach vielen weiteren Treffen und WhatsApp-Nachrichten sind wir dann im März 2018 beim Notar gelandet und haben die magaloop GmbH gegründet.

Michael, wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Das lag einfach auf der Hand, dass es sich um etwas ganz Großes handelt. Denn Uwe wusste aus seinen Erfahrungen, dass die FMCG-Hersteller bereit sind, für einen besseren Einblick in diesen gigantischen Markt zu bezahlen. Hinzu kam dann ja noch der direkte Zugang zu den kleinen Händlern. Und ich wusste, wie man diese Idee umsetzen kann. Insgesamt ist das die ideale Voraussetzung für ein lukratives Geschäftsmodell, wenn genügend Hintergrundwissen und Know-How zur Umsetzung vorhanden ist.

Phase 2: Planung

Welche ersten Schritte standen dann bei der Planung für magaloop an?

Wir haben uns tatsächlich nicht nur informiert, sondern wir sind extrem tief in die Kiosk- und Späti-Szene in Berlin eingetaucht. Denn wir mussten Vertrauen aufbauen, damit uns die Händler erzählen, was sie beschäftigt und vor allem, was besser gemacht werden muss. Viele Händler glaubten zunächst, dass wir von der Steuerbehörde oder der Gewerbeaufsicht stammen. Ich weiß nicht, wie viele Liter Tee wir in dieser Zeit getrunken haben, denn wir erhielten einige Einladungen. Nachdem das Vertrauen existierte, entstand eine super Zusammenarbeit.

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Welcher Schritt folgte nach den ersten Kontakten für magaloop?

Nachdem wir die DNA der kleinen Händler “aufgesaugt” hatten, kamen die Gespräche und Diskussionen mit den anderen Marktplatz-Teilnehmern: nämlich den Großhändlern und FMCG-Herstellern. Vor allem die Gespräche mit den Großhändlern waren teilweise sehr spannend, zumal uns einige zu Anfang sehr kritisch gegenüber standen. Schließlich kommt da ein Startup, welches plötzlich Transparenz schaffen und alles digitalisieren möchte – und das in einem Bereich, in dem über Jahrzehnte so mancher seinen Profit aus der Undurchsichtigkeit des Marktes gezogen hat.

Wie habt ihr euren Businessplan erstellt?

Natürlich besitzen wir den großen Vorteil, dass wir seit Jahren nichts anderes machen, als uns im Bereich Businessplan bzw. Analysen zu bewegen. Denn Marktanalysen zu erstellen ist Fleißarbeit und sollte sehr gewissenhaft erfolgen, sonst sind es spätestens die Venture Capitals, die alles zerpflücken. Für den ersten Finanzplan sollte man sich dann unserer Meinung nach Hilfe suchen, um Fehler zu vermeiden. Wichtig ist hierbei, dass mindestens einer der Gründer ganz tief in den Zahlen steckt, denn die beste Business-Idee wird zur Farce, wenn man sich bei der Diskussion um die Zahlen nicht sicher ist. Da werden auch mal schnell Dinge wie Umsatz und Ertrag oder Rückstellung und Rücklage verwechselt, was dann nicht gerade für Kompetenz spricht.

Ihr setzt bei magaloop auf ein Online-Business: Warum lohnt sich das für angehende Gründer?

Wir orientierten uns bei unserem Online-Business nicht an einem Trend oder einer bereits bestehenden Idee, sondern sind seit der ersten Minute von unserem Business-Modell überzeugt. Einen digitalen Marktplatz in unserem Segment zu entwickeln, ist die einzige gewinnbringende Lösung. Und dass wir den kleinen Händlern eine App-Anbindung bieten sollten, war für uns ganz schnell klar. Denn eines haben alle Händler gemein: sie nutzen ein Smartphone – ob im tiefsten Afrika, in Bangalore oder Kunming. Wir liegen jetzt bei ca. 100.000 Transaktionen bzw. Bestellungen, die komplett über die App laufen, das ist super easy für unsere Händler. Deshalb bietet ein Online-Business so ein hohes Potenzial, weil sich Prozesse und Kunden unkompliziert vernetzen lassen.

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Ihr bietet eine Cashback-Funktion für Bestellungen an. Wie wichtig ist es, einen Mehrwert anzubieten?

Wenn du deinen Nutzern keinen wirklichen Mehrwert bietest, wird das ganze Projekt scheitern. Cashback ist ein monetärer Anreiz und funktioniert bei unserer Zielgruppe hervorragend. Jedoch reicht der finanzielle Anreiz allein nicht aus, wenn die App in der Bedienung schlecht ist. Das ist der Grund, warum wir so viel Zeit mit unseren Händlern verbrachten und immer wieder alles testeten. Dabei sind wir noch lange nicht angekommen. Generell sagen wir bei uns im Team, dass alles was wir machen einen Mehrwert für unsere Nutzer haben muss, ansonsten war es ein verlorener Tag.

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Phase 3: Gründung

magaloop hat es geschafft, Piton Capital als Investor zu überzeugen. Uwe, worauf müssen Gründer bei der Investorensuche achten?

Ganz wichtig ist, dass man den richtigen bzw. passenden Investor findet. Das sollte inhaltlich passen, aber auch menschlich. Michael kannte Piton bzw. Andrin Bachmann aus seiner DaWanda-Zeit und das war für mich, als Nichtkenner der Venture Capital Szene, natürlich großartig. Denn Andrin ist eine große Unterstützung, fokussiert auf Modelle wie unseres und steht immer zur Verfügung, wenn man Unterstützung oder einen Rat braucht. Würde ich Michael nicht kennen, hätte ich mir einen erfahrenen Founder und Angel Investor gesucht, der mich in der Vorbereitung und Auswahl des richtigen VC begleitet. Das würde ich auch jedem Gründer so raten.

Welche Fehler habt ihr bei der Gründung von magaloop gemacht?

Grundsätzlich machten wir bei magaloop einige Fehler, aber ich hoffe, dass wir alle schnell erkannt und korrigiert haben. Dabei entstand in den letzten Jahren auch eine grundsätzliche Frage: “Würde ich nochmals in Deutschland gründen?”. Vermutlich nicht. Nun kommt natürlich die ganze Corona-Thematik dazu, die alles erschwert. Doch man muss sich grundsätzlich als Gründer in Deutschland bewusst sein, dass viele administrative und juristische Hürden auf einen zukommen. Das haben wir in den letzten drei Jahren gelernt.

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Phase 4: Wachstum

Was macht magaloop im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Hier und da gibt es Bestell-Tools, aber es gibt keinen Marktplatz, der unsere Zielgruppen bedient. Wir werden manchmal mit Choco oder Rekki verglichen, aber genauso kann man einen Autohändler mit einem Modehändler gleichsetzen. Der feine Unterschied liegt darin, dass beide völlig unterschiedliche Kunden mit anderen Produkten und entsprechend verschiedenen Anforderungen bedienen. Außerdem versuchen wir tagtäglich die DNA unserer kleinen Trader zu verstehen und die Produkte darauf abzustimmen. Damit konnten wir schon eine Community aus über 2000 Händlern erschaffen und besitzen ein Business-Modell, dass sich weltweit skalieren lässt. Einige unserer FMCG-Kunden fragen schon, wann wir endlich internationalisieren.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr bei magaloop bisher erfolgreich genutzt?

Der B2B-Sektor sowie auch unsere recht heterogene Nutzergruppe macht das Thema Kommunikation sehr anspruchsvoll. Wir testen noch sehr viel und nutzen dabei alle Kanäle – online und offline. Im B2B Vertrauen aufzubauen, funktioniert natürlich am besten face2face und dazu haben wir ein Team, welches genau dafür zuständig ist. Darüber hinaus ist die In-App Kommunikation sehr wichtig und erfolgreich, danach folgen die Social-Media Kanäle. Am Ende ist es eine Kombination aus allen Faktoren. Deshalb raten wir allen Gründern, immer offen für neue Marketingkanäle zu bleiben.

App magaloopQuelle: Pressefoto magaloop
Mit magaloop lassen sich per App ganz einfach Produkte scannen und bestellen.

Welche geheimen Tipps möchte Michael allen Startups mitgeben?

Mein Tipp lautet: Finde richtige und vertrauenswürdige Partner, die in den jeweiligen Fachgebieten als Coach dienen. Super hilfreich ist es, wenn es jemanden gibt, der einen Namen in der Szene besitzt und für Erfolg steht. Dabei bieten sich jeden Tag endlos viele Berater an, vor allem über LinkedIn. Doch begib dich lieber selbst auf die Suche und nutze ein eigenes Netzwerk. Denn Gründen heißt, durch fürchterliche Täler zu gehen. Durch Situationen, in denen die Nerven blank liegen. Aber wie schön ist es, wenn es wieder diesen herrlichen Tag gibt, wo es flutscht und läuft? Also dranbleiben und weitermachen!

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Welche Ratschläge möchte Uwe angehenden Gründern geben?

Ich habe die Arbeit im Konzern, im Mittelstand und im Startup kennengelernt. Und der Erfolg der Startups liegt ganz klar in ihrer Geschwindigkeit. Diese gilt es so lange wie möglich zu erhalten und sich somit immer wieder an neue oder veränderte Anforderungen anzupassen. Dabei sollte man sich aber nicht verzetteln und den Fokus verlieren. Gerade wenn du feststellst, dass bestimmte Annahmen falsch waren, dann bring den Mut auf alles zu korrigieren, um danach wieder Vollgas zu geben. Denn das macht am Ende auch den meisten Spaß am Gründen: das Speed-Boot fahren.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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