Interview über den erfolgreichen Aufbau eines Online-Business

Gründer-Geheimnis: Wie funktioniert das krisensichere Hotel-Konzept von limehome?

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran, was viele Branchen vor Herausforderungen stellt, aber auch neue Chancen entstehen lässt. Diese Chancen blieben in der Hotel-Branche allerdings lange ungenutzt. Zwar steigt das Online-Angebot für Buchungen, aber alle anderen Prozesse laufen weiter analog ab. Das Münchner Startup limehome setzt genau dort an, mit einem innovativen digitalen Konzept und vereinfachten Abläufen. Damit konnte das Startup internationale Erfolge feiern und Millionen-Investments einsammeln. Wir haben im Interview spannende Details zum Gründer-Geheimnis und praktische Startup-Tipps erfahren.

Für die meisten Hotel-Besitzer bedeuteten die letzten Monate der Corona-Pandemie viele unbesetzte Zimmer und hohe Verluste. Denn auch wenn das Reisen prinzipiell erlaubt war, mussten aufwendige Hygienevorschriften eingehalten werden. Diese Regelungen ließen sich für Dr. Josef Vollmayr und César de Sousa Freitas jedoch einfacher umsetzen, ihr Startup limehome schaffte sogar die Expansion innerhalb der Krise. Das Konzept: Durch eine eigens entwickelte Technologie werden alle zentralen Geschäftsprozesse im Betrieb der Suiten automatisiert, um dem Gast ein komplett digitales Reiseerlebnis zu ermöglichen. Dadurch ist zum Beispiel der Check-in kontaktlos und standardisierte Frühstücksangebote sind nicht vorhanden. Viel eher soll der Gast ein Gefühl von Zuhause bekommen.

Dieses besondere Konzept scheint bei den Gästen gut anzukommen. Denn limehome ist mittlerweile schon an über 75 Standorte vertreten. Neben Deutschland, Österreich und Spanien ist das Startup vor kurzem auch in den niederländischen Markt eingetreten. Aktuell stehen 2.500 Apartments unter Vertrag, die von 100 Mitarbeitern aus 27 Ländern betreut werden. Hinzu kommen über 30 Millionen Euro von Investoren, damit lässt sich das Konzept nun international weiter etablieren. Doch wie genau fing alles an? Und welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend? Wir haben im Interview mit Josef erfahren, worauf es bei der Planung ankommt, wie dem Startup trotz Krise die Expansion gelang und warum sich die Gründer von limehome für ein Online-Business entschieden haben.

Phase 1: Ideenfindung

Wann genau entstand die Idee für limehome?

Während unserer Zeit als Unternehmensberater bei McKinsey waren mein Mitgründer Lars Stäbe und ich für die Digitalisierung diverser Unternehmen zuständig und dadurch sehr viel auf Reisen. Wir verbrachten fast jede Woche, teilweise jeden Tag in einem anderen Hotel. Dabei fragten wir uns, wieso es eigentlich kein Angebot gibt, das wir sowohl für unsere Geschäfts- als auch Privatreisen buchen würden. Ein Konzept, das mir genug Raum zum Arbeiten und Entspannen gibt. Aber trotzdem alles ermöglicht, was ich auch zu Hause tun würde, ohne Wartezeiten in Lobbys und bei der Rechnungsstellung. So entstand 2018 unser innovatives technologiebasiertes Konzept für ein neues Reiseerlebnis – und die Idee zu limehome war geboren.

Finanzierungsformen (eBook)

Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Hier gibt es immer zwei Wege, zum einen den analytischen Ansatz und zum anderen sein Produkt möglichst schnell am Markt zu testen. Beides haben wir bei limehome getan. Zunächst überlegten wir, welche Prozesse wir automatisieren können und welche Kosten schließlich noch übrig bleiben. Dabei stellten wir fest, dass wir mit Ausnahme des Room Services einen Großteil der Personalkosten eines Hotels eliminieren können. Andererseits analysierten wir, welche Umsätze Hotels oder Ferienwohnungen erzielen. Auch ohne die vielen Optimierungsideen war dies schon sehr attraktiv. Als dann auch die ersten Tests im Markt gut ankamen, war uns klar, dass das Geschäftsmodell funktioniert.

Phase 2: Planung

Welche ersten Schritte standen bei der Planung für limehome an?

Der Markt ist sowohl auf der Nachfrage- als auch Angebotsseite relativ transparent, das ist natürlich praktisch. Doch hier ist es wichtig, sich selbst zu strukturieren, die wichtigsten Informationen zu definieren und dann zu beschaffen. Wie sind die Preise? Wie sind die Auslastungsraten? Gibt es eine Saisonalität? Was kostet eine professionelle Reinigung? Wie teuer ist die Kundenakquise? Welche technologischen Lösungen gibt es schon im Markt und welche nicht? Damit ließ sich dann schon ein erster Businessplan für limehome erstellen, der nach und nach verfeinert wurde.

Wie habt ihr euren Businessplan erstellt?

Gerade bei technologiegetriebenen Unternehmen wie limehome ist es wichtig, die sogenannten Unit Economics exakt zu modellieren. Also zu verstehen, wie viel Deckungsbeitrag mit zusätzlichem Umsatz erwirtschaftet wird. Beim Deckungsbeitrag handelt es sich um den Betrag, der zur Deckung der Fixkosten zur Verfügung steht. Darüber hinaus ist es relevant, zwischen Betriebsausgaben und Investments zu unterscheiden. Über die Betriebsausgaben lässt sich herausarbeiten, wie groß ein Unternehmen werden muss, um die Profitabilitätsschwelle zu überschreiten. Wenn dagegen die Investments feststehen, ist klar, wie kapitalintensiv ein Modell ist und auch welche Finanzierungsformen sich entsprechend dafür anbieten.

Welche Schritte standen noch an, bis die Plattform von limehome an den Start ging?

Generell lässt sich der Vorgang bei limehome in drei Schritte aufteilen. Der erste und sicher auch spannendste Schritt ist die Arbeit am ersten Produkt. Bei uns war das einerseits die Einrichtung der Suite für die Gäste, aber eben auch die Lösung für ein digitales Zugangssystem und die Zahlungsabwicklung. Im zweiten Schritt fanden wir dann eine Lösung für die Vermarktung. Denn zwar bauten wir sehr schnell eine eigene Website auf, aber die vermarkteten wir zunächst über andere Reisewebsites, bis wir eine eigene Buchungs-Engine entwickelt hatten. Erst im dritten Schritt kümmerten wir uns dann um die ganze Regulatorik, wie etwa Steuern und Gewerbeanmeldungen.

Suite limehomeQuelle: Pressefoto limehome
Die Suiten von limehome sollen praktisch sein, aber sich auch wie ein Zuhause anfühlen.

Phase 3: Gründung

Die Reisebranche musste heftige Verluste hinnehmen, ihr seid hingegen expandiert. Wie habt ihr das geschafft?

Wie erwähnt ist es uns möglich, unsere Suiten von limehome auf Grund unserer Technologie mit sehr geringen Fixkosten zu betreiben. Große Hotels, mit beispielsweise hohen Personalausgaben, mussten größtenteils komplett schließen, da dies rentabler war als bei einer geringen Auslastung weiterhin Gäste zu empfangen. Wir hingegen konnten unserer vergleichsweise kleineren Standorte durchgängig mit hoher Auslastung in beiden Lockdowns betreiben. Unsere Suiten waren durchgängig zu 50 bis 75 Prozent ausgelastet und direkt nach Ende des Lockdowns zurück auf etwa 90 Prozent, während der Marktdurchschnitt bei 11 bis 17 Prozent lag. Dabei hat sich die Anzahl unserer Apartments seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 auch mehr als verdreifacht.

Welche Vorteile ergaben sich dabei aus eurem technischen Ansatz?

Das war ein weiterer entscheidender Grund für die Expansion, da auch Prozesse wie die Bewertung und Auswahl von Standorten bzw. die Einrichtung der Apartments bei limehome digital und KI-gestützt ablaufen. So können wir innerhalb kürzester Zeit attraktive Objekte identifizieren und letztlich auch live nehmen. Zusätzlich machte es unser digitales Konzept natürlich deutlich einfacher, die Hygienevorschriften schnell umzusetzen und einzuhalten.

Businessplan erstellen (Whitepaper)

Lohnt es sich trotz Corona-Krise neue Geschäftsmodelle für die Reisebranche zu entwickeln?

Auf jeden Fall. Zunächst einmal ist die Reisebranche „nur“ durch einen externen Schock und nicht durch einen Megatrend oder eine überlegene Innovation in der Krise wie zum Beispiel einst die analoge Fotografie. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich die Branche wieder erholt. Gerade Krisenzeiten bringen aber oftmals viele Innovationen hervor. Einerseits weil Produkte mit einem überlegenen Kundennutzen dann noch erfolgreicher sind, so wie limehome. Und andererseits weil neue Wege ausgelotet werden müssen, um effizienter zu wirtschaften.

Ihr habt euch für ein Online-Business entschieden: Warum lohnt sich das für Gründer?

Die Digitalisierung bietet grundsätzlich die Möglichkeit, Prozesse vollständig zu automatisieren und damit kostengünstiger abzuwickeln. Aber eben auch für Kunden deutlich nutzerfreundlicher zu sein. Darüber hinaus ermöglicht es ein Online-Business wie limehome, viel mehr Informationen in sehr kurzer Zeit zu verarbeiten oder auszutauschen. Daraus können durch die Verbindung verschiedener Funktionalitäten ganz neue Geschäftsmodelle entstehen, mehr Transparenz geschaffen oder bessere Entscheidungen getroffen werden. Mit einer Idee und einem kleinen aber fähigen Team, lassen sich deshalb durch ein Online-Business sehr schnell großartige Innovationen entwickeln.

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Welche Fehler habt ihr bei der Gründung von limehome gemacht?

Zunächst ist zu betonen, dass die Entwicklung eines Unternehmens natürlich nicht über Nacht geschieht, sondern ein Prozess ist, in dem man etwa von Investoren, anderen Gründern oder Coaches Unterstützung erhält. Das Wichtigste ist dementsprechend, dass man als Führungsperson bereit und in der Lage ist, sich mindestens genauso schnell zu entwickeln, wie das Unternehmen wächst. Niemand ist zu Beginn bereits auf alle Herausforderungen vorbereitet, das war bei limehome auch nicht so.

Welche konkreten Fehler kannst du uns nennen?

Wenn ich auf den Beginn von limehome zurückblicke, haben wir wie fast jeder Gründer auch Fehler bei Personalentscheidungen gemacht. Denn einzelne Personen besitzen einen großen Effekt auf das Unternehmensklima und die Produktivität. Gerade zu Beginn ist man oft zu zögerlich, harte Entscheidungen zu treffen. Außerdem ist es in der Auswahl und Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern auch oft so, dass Dinge sehr gut klingen, sich am Ende jedoch als nicht so lohnenswert herausstellen. Hier lohnt es sich deshalb höhere Kosten einzukalkulieren, um mehr Flexibilität zu erhalten.

Phase 4: Wachstum

Was macht limehome im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Natürlich bietet limehome großartige Design-Apartments an. Einzigartig macht uns aber, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette eines Hotels digitalisiert und automatisiert haben. Erst unsere Technologie ermöglicht es uns, die Design-Apartments zu einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis anzubieten, da wir im Betrieb sehr kosteneffizient sind. Die digitale Customer Journey vereinfacht für unsere Gäste den Check-in, Check-out und den Rechnungsprozess. Zu guter Letzt erlaubt uns unsere Technologie eben auch, kleinere Standorte zu profitabel zu betreiben.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr bei limehome bisher erfolgreich genutzt?

Unsere Vision ist es, in den Bereichen Reisen, Unterkunft und Serviced Living die beliebteste Marke zu werden. Darauf zielen alle unsere Marketingaktivitäten ab, die den kompletten Marketing-Sales-Funnel umfassen. Von SEA über Influencer-Kooperation bis hin zu Newslettern oder Social Ads bedienen wir alle Kanäle. Doch geht es uns bei limehome dabei um mehr als reine Maßnahmen. Denn wir möchten unsere Gäste verstehen und ihre individuellen Bedürfnisse erkennen, um effektiv darauf zu reagieren und sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort abzuholen.

Welche geheimen Tipps möchtest du angehenden Gründern geben?

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass Gründen Spaß macht. Es ist eine Rolle, in der du in kurzer Zeit extrem viel lernst und die einem die Möglichkeiten gibt, Dinge zu verändern. Das sollte auch immer der Hauptantrieb sein. Und zu guter Letzt: Krisen gehören dazu. Alle erfolgreichen Startups hatten Krisen, limehome auch. Sie waren nur in der Lage aus den Fehlern zu lernen und ihr Geschäftsmodell punktuell anzupassen, um den Kundenbedürfnissen noch besser gerecht zu werden. Nur wenn du dazu bereit bist, dich langfristig an den Wünschen der Kunden zu orientieren und dein Produkt fortlaufend zu optimieren, kannst du wirklich erfolgreich sein.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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