Interview über nachhaltige Strategien beim Online-Business

Gründer-Geheimnis: Wie verbindet keepist nachhaltiges Shoppen mit Belohnungen?

Der Online-Handel boomt, das ist mittlerweile bekannt. Auch das Thema Nachhaltigkeit lässt sich bei Startups und etablierten Firmen nicht mehr umgehen. Dabei sind beide Bereiche schwer zu vereinen, weil beim Online-Shopping oft schnelle Wege und günstige Preise im Vordergrund stehen. Doch die Gründer von keepist setzen genau dort an und belohnen Kunden für nachhaltiges Shoppen und mehr Umweltschutz. Zahlreiche Onlineshops sind schon dabei und nutzen das besondere Punkte-System. Wir haben uns mit den Gründern von keepist über ihr Gründer-Geheimnis unterhalten und Details zur Gründung, der Förderung sowie praktische Startup-Tipps erfahren.

 

 

Online-Shopping muss nicht umweltschädlich sein – davon waren Daniel Engelhardt aus Düsseldorf und die Münchner Daniel Rösch und Ludwig Häusler schon lange überzeugt. Doch erst durch einen Zufall stießen sie im letzten Jahr auf ihre Geschäftsidee und entwickelten damit die Grundlage für keepist. Das Belohnungsmodell für nachhaltiges Online-Shopping vergibt beim Einkaufen verschiedene Punkte für Produkte, die zum Beispiel auf einen klimaneutralen Versand oder besondere Produktionsbedingungen achten. Die erhaltenen Punkte lassen sich dann wiederum für Rabattcodes oder als Spende für nachhaltige Projekte verwenden. Dadurch sollen nachhaltige Brands und Onlineshops die Attraktivität ihrer Produkte steigern können.

Unterstützt wird ihr Projekt von verschiedenen offiziellen Gründerprogrammen, zahlreiche Onlineshops und Kunden sind schon dabei. Außerdem bereiten die Gründer aktuell ihre erste größere Finanzierungsrunde vor, um ihr Team weiter aufzustocken und schneller wachsen zu können. Doch wie fing alles an? Wie entstand die Geschäftsidee von keepist und welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend? Wir haben im Interview mit den Gründern erfahren, worauf es bei der Förderung für Startups ankommt und welche Fehler sich bei der Gründung vermeiden lassen.

Phase 1: Ideenfindung

In welchem Moment entstand die Geschäftsidee für keepist?

Die Geschäftsidee für keepist entstand eigentlich eher klassisch und war zu Beginn ganz anders als heute. Denn Daniel Rösch arbeitete vor ein paar Jahren bei einem Onlinehändler für E-Bikes im Marketing. Dort bekam er mit, dass zwar viele Leute E-Bikes kauften, aber  gleichzeitig sehr viele Retouren auftraten. Und häufig kam es vor, dass Kunden die Bikes sogar verschmutzt oder beschädigt zurücksendeten. Daraufhin beschäftigte sich Daniel etwas mehr mit dem Thema Retouren und erkannte, dass sie ein unfassbar großes Problem im E-Commerce darstellen. Nicht nur für die Umsätze, sondern auch für die Umwelt. Daraus entstand die Idee, Endkunden zu belohnen, wenn sie ihre bestellten Waren nicht retournieren. Also den Konsumenten zu einer bewussteren Kaufentscheidung konditionieren und damit die Anzahl an Retouren zu verringern.

Wie kam das Gründerteam von keepist zusammen?

Wir beiden Daniels kannten uns schon aus einem vorherigen Startup, allerdings nicht von dem E-Bike-Versand, sondern von einem FinTech-Startup aus Köln. Dadurch wussten wir, das wir gut zusammenarbeiten können. Nach der Geschäftsidee für keepist, dauerte es deshalb auch nicht lange bis zu einem Konzept und der Planung eines ersten Prototyps. In dieser Zeit stieß auch Ludwig zum Team dazu. Beim ersten gemeinsamen Kundenkontakt erkannten wir dann, dass keepist besonders bei nachhaltigen Brands und Shops großes Interesse weckte. Eine super Sache, denn der Umweltaspekt war ja auch der Grund, weshalb wir überhaupt eine Gründung planten.

Produkt keepistQuelle: Pressefoto keepist
Bei jedem Online-Kauf können Kunden die sogenannten keeps sammeln.

Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Schon seit Beginn stand für uns weniger der Gedanke eines lukrativen Geschäftsmodells im Vordergrund, sondern wie wir ein großes Problem lösen und Mehrwerte generieren können. Sobald man es schafft, Mehrwerte zu generieren, hat man die erste wichtige Grundzutat für ein Geschäftsmodell gefunden.

Wann fiel die Entscheidung für die nachhaltigen Marken und Produkte?

Nach den ersten Überlegungen stellten wir uns 2020 die Frage, warum nachhaltige Brands bzw. Onlineshops gegenüber großen Marken eigentlich noch immer als Underdog wahrgenommen werden. Wobei sich doch nachhaltige Produkte überhaupt nicht hinter konventionellen verstecken müssen und schon in sehr vielen Branchen nachhaltige Alternativen existieren. Außerdem erkannten wir, dass wir mit unserem System einen enormen Mehrwert für diese Marken liefern, indem wir ihre Reichweite erhöhen und ihre Produkte mit Hilfe einer Belohnung attraktiver machen. Deshalb fiel die Entscheidung, dass wir keepist ausschließlich diesen nachhaltigen Firmen anbieten möchten.

Phase 2: Planung

Welche nächsten Schritte standen dann bei der Planung für keepist an?

Informationen sind ja heutzutage erfreulicherweise sehr einfach und günstig zu bekommen. Zu dem Thema Retouren findet man sehr viel online. Für uns war es allerdings von enormer Wichtigkeit, sich nicht auf Sekundärquellen, wie Presseartikel oder Forschungsarbeiten zu verlassen, sondern mit vielen potenziell betroffenen Personen und Brands zu sprechen. Um unsere Hypothesen und vor allem unsere Lösung zu validieren bzw. diese auch an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Deshalb pflegen wir auch heute noch einen sehr engen Austausch mit unseren Kunden und Nutzern, um ein Produkt anzubieten, das in der jeweiligen Zielgruppe auch genutzt wird.

Wie habt ihr euren Businessplan erstellt?

Wir haben tatsächlich zu Beginn keinen klassischen Businessplan für keepist geschrieben. Und das empfehlen wir auch allen anderen Gründern, da man diese Zeit im Startup sinnvoller investieren kann. Stattdessen nutzten wir das Business Model Canvas, um schnell verschiedene Geschäftsmodelle zu überblicken. Denn so konnten wir dann abwägen, wie vielversprechend die jeweiligen Modelle sind und wie sie sich vielleicht kombinieren lassen. Auch heute verändern wir unser Geschäftsmodell auf Basis des Canvas regelmäßig, wenn wir etwas neues gelernt haben. Generell kann sich ein Businessplan jedoch später lohnen, wenn erste Finanzierungsrunden anstehen, so wie es bei uns der Fall ist.

keepist wird von zahlreichen Gründer-Programmen unterstützt: Wie habt ihr das geschafft?

Das stimmt, ganz zu Beginn erhielten wir zum Beispiel Unterstützung im Ignition-Accelerator des Digihub Düsseldorf. Dazu gehörte neben Workshops und Treffen mit Geschäftsführern auch eine finanzielle Unterstützung, ohne Anteile abgeben zu müssen. Die Bewerbung ist sehr einfach, man kann sich auf ignitiondus.de bewerben und vor einer Jury pitchen. Wer mit seinem Geschäftsmodell überzeugt, wird dort aufgenommen. Auch das EXIST-Gründerstipendium ist sehr zu empfehlen. Dort ist die Bewerbung etwas komplizierter und aufwendiger, aber auch hier gilt: Wer überzeugen kann, wird gefördert. Insgesamt sind die wichtigsten Aspekte für eine Förderung unserer Meinung nach Ehrlichkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Ihr setzt bei keepist auf ein Online-Business: Warum lohnt sich das für angehende Gründer?

Ein ganz offensichtlicher und natürlich riesiger Vorteil eines Online Business ist, dass du genau genommen nichts brauchst, außer einem PC und dem nötigen Know-How. Denn als Hersteller braucht man Maschinen, Lagerhallen und Logistik. Ein stationärer Händler muss hingegen ein Ladengeschäft anmieten und Waren einkaufen. Beide starten also erstmal mit Verlusten. Doch bei einem Online-Business ist das einzige Investment, dass man als Gründer tätigen muss, seine eigene Zeit. Das ist natürlich eine stark vereinfachte Betrachtung, aber genau genommen können wir als Software-Company aus dem Nichts etwas herstellen, das Wert generiert und anfangs nur geringe Kosten verursacht.

Jetzt zum kostenlosen Webinar Dein Online Business Schnellstarter-Guide anmelden!

Ja, ich will teilnehmen

Phase 3: Gründung

Mit dem Thema Nachhaltigkeit liegt keepist total im Trend. Warum wird der Bereich immer wichtiger?

Der Begriff Trend ist unserer Meinung nach etwas zu kurzsichtig gedacht, weil es sich aktuell beim Thema Nachhaltigkeit vielleicht noch um ein Nischenthema handelt. Aber es wird nicht dabei bleiben, das sollte mittlerweile eigentlich jedem klar sein. Unsere Grundbedürfnisse sind meist befriedigt und jetzt möchten wir größere Dinge erreichen, wie bspw. unsere Gesundheit zu verbessern. Oder unseren Kindern einen Lebensraum zu hinterlassen, der auch noch lebenswert ist. Jedes Unternehmen, nicht nur Startups, sollte sich das bewusst machen und anfangen etwas ernsthaft zu verändern. Nur billig ist einfach nicht mehr sexy.

Welche Fehler habt ihr rückblickend bei keepist gemacht?

Oha, wo sollen wir da nur anfangen? Denn wir stellten tatsächlich mehr als nur einmal in unseren täglichen Videocalls fest: “Das haben wir uns am Anfang einfacher vorgestellt”. Ein großer Fehler bzw. eine Erkenntnis ist dabei zum Beispiel, dass wir zu oft auf die Meinung von Leuten hörten, die nicht tief genug in der Branche steckten. Das klingt erstmal sehr hart. Es ist nur einfach so, dass am Ende immer der Kunde entscheidet, ob etwas relevant ist oder nicht. Und da ist dann auch die Meinung von vermeintlichen Experten, Forschern oder anderen egal. Aber das sind Erfahrungen, die jeder Gründer sammelt. Wichtig ist nur, dass man auch wirklich daraus lernt.

Was macht keepist im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Mit keepist kann eine nachhaltige Marke oder ein nachhaltiger Onlineshop die Attraktivität seiner Produkte gegenüber herkömmlichen Artikeln stark verbessern. Außerdem generiert der Shop mit keepist noch einen zusätzlichen Mehrwert, nämlich die sogenannten keeps als Bonuspunkte zum Sammeln. Diese Punkte für jeden Kauf können die Kunden dann wiederum für andere Goodies oder Rabatte einsetzen, aber auch Spenden-Optionen sind verfügbar. Dadurch kann die Kaufentscheidung zwischen einem herkömmlichen Produkt und einem nachhaltigen Artikel beeinflusst werden.

Phase 4: Wachstum

Welche Marketing-Kanäle nutzt keepist aktuell?

Im Moment bewegen wir uns hauptsächlich auf LinkedIn und Instagram. Für uns ist es allerdings sehr wichtig, im direkten Dialog mit Kunden und Nutzern zu stehen. Daher schalten wir tatsächlich kaum Anzeigen. Stattdessen setzen wir stark auf Outbound Marketing und profitieren dabei von einem sehr guten Netzwerk im Bereich E-Commerce. Seit kurzer Zeit produzieren wir auch einen eigenen Vlog und Podcast, den “keepscast”, bei dem wir mit E-Commerce-Unternehmen über aktuelle Themen diskutieren. Generell ist es wichtig, sich auf verschiedenen Plattformen auszuprobieren und mit den Kunden in Kontakt zu bleiben.

Welche geheimen Tipps möchtet ihr angehenden Gründern noch mitgeben?

Das Wichtigste ist, immer neugierig zu bleiben und sich nicht auf die Meinung von Personen zu verlassen, die absolut nicht zum Kundenkreis gehören. Außerdem solltest du Herausforderungen lieben und annehmen – denn wenn es einfach wäre, würde es ja jeder machen. Letztendlich muss jeder Gründer in seiner Branche eigene Erfahrungen machen und darf sich nicht von Fehlschlägen unterkriegen lassen. Und dabei spielt auch dein funktionierendes Team eine wichtige Rolle, denn es sorgt für die größte Unterstützung. Wenn du also deine Teammitglieder sorgfältig auswählst und ihr zusammen die größten Hürden beseitigt, dann besitzt ihr eine ideale Basis für den gemeinsamen Erfolg.

Das könnte dich auch interessieren ...

Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

Sitemap

schliessen