Gründer-Geheimnis: Wie funktioniert das anonyme Job-Matching-Prinzip von FiveTeams?

Anja, Alessandro und Lukas setzen bei FiveTeams auf eine anonymen Job-Matching-Funktion.

Auch wenn der Job erträglich erscheint, besitzen viele den Wunsch, beim Gehalt nochmal nachzubessern. Doch meistens lässt sich das Thema nicht einfach so beim Chef ansprechen, gleichzeitig könnte eine Bewerbung bei anderen Arbeitgebern den aktuellen Job gefährden. Für dieses Problem haben die Gründer von FiveTeams nun eine Matching-Plattform entwickelt, die anonym und nach dem Salary First-Prinzip lukrative Jobs vermittelt. Damit soll ein fairer und komplett transparenter Jobmarkt entstehen, denn auch die Trennung nach Geschlechtern oder Nationalitäten fällt weg. Wir haben im Interview spannende Details zum Gründer-Geheimnis von FiveTeams, dem erfolgreichen Geschäftsaufbau sowie praktische Startup-Tipps erfahren.

Über das Gehalt spricht man nicht – dieses Prinzip wird von zahlreichen Arbeitgebern angewendet und an die Mitarbeiter weitergegeben. Doch für Anja, Alessandro und Lukas handelt es sich dabei um eine veraltete Taktik, die im Recruiting stärker in den Fokus rücken muss. Deshalb dreht ihre Plattform FiveTeams das Prinzip um und folgt dem Salary First-Ansatz. Dadurch ist es für IT-Fachkräfte über ihren anonymen Marktplatz möglich, sich über ihrem Wunschgehalt abwerben zu lassen. Dabei erhalten die Talente ihre Jobangebote vollkommen unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft. Die einzigen Variablen, die im Matching zählen, sind Skills, Erfahrungen und Mindestgehaltswünsche.

Obwohl der Marktplatz von FiveTeams erst Ende April an den Start ging, sind schon mehr als 1.000 Talente dabei und täglich kommen neue Mitglieder hinzu. Auf Unternehmensseite unterstützt die Plattform zudem einige Startups aus Berlin beim Recruiting und konnte erst kürzlich einen ersten internationalen Konzern als Kooperationspartner gewinnen. Doch wie genau fing alles an? Und welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend? Wir haben im Interview erfahren, worauf es bei der Planung ankommt, welche Hürden das Team von FiveTeams bewältigen mussten und warum sich die Gründer für ein Online-Business entschieden haben.

Phase 1: Ideenfindung

Wodurch genau entstand eure Idee für FiveTeams?

Bei FiveTeams gab es tatsächlich drei Aspekte, die uns zur Gründung bewogen haben. Zum einen ist das Gehalt heutzutage noch zu stark durch diskriminierende Faktoren bestimmt. So liegt etwa in Deutschland der Migration-Pay Gap bei 15 Prozent und der Gender-Pay Gap bei 19 Prozent, im Tech-Bereich sogar bei 27 Prozent. Zudem bemerkten wir, dass die gängigen Abwerbekanäle oft irrelevante Jobangebote versenden. Wenn man dann noch direkt am Arbeitsplatz angerufen wird, kann das echt unangenehm sein. Hinzu kommt, dass das Gehalt oftmals viel zu spät im Prozess auftaucht. Niemand sollte viel Zeit und Engagement in drei bis vier Interviewrunden investieren, nur um dann festzustellen, dass der aktuelle Job besser vergütet wird.

Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Natürlich bewegen wir uns innerhalb eines Markts, der durch Mitbewerbende validiert ist. Dabei ist uns klar, dass wir mit FiveTeams sicherlich nicht die erste Jobplattform für Techies sind. Allerdings haben wir schnell durch sehr gutes Feedback der Bewerber und HR-Verantwortliche erkannt, dass unsere Vision hinsichtlich eines fairen und transparenten Jobmarkts sehr gut ankommt. Dafür sorgen sicherlich auch die komplette Anonymität der Talente auf unserer Plattform bis zur Interviewzusage sowie der Salary First-Ansatz. Diese Ansätze heben uns von der Konkurrenz ab.

Phase 2: Planung

Welche ersten Schritte standen bei der Planung für FiveTeams an?

Zuallererst war es natürlich für uns wichtig, den Markt für FiveTeams und seine Dynamiken kennenzulernen. Dabei besaßen wir einen kleinen Vorteil, da Alessandro zwei Jahre lang für eine Personalberatung gearbeitet hat und somit die Branche ziemlich gut kannte. Darauf aufbauend führten wir einige Interviews mit Marktinsidern, um die vorherrschenden Pain Points zu verstehen und Lösungsansätze zu entwickeln. Bei alldem wurden wir auch durch Mentoren und unsere Berater am Centre for Entrepreneurship der Technischen Universität Berlin unterstützt. Deshalb macht es für Gründer Sinn, sich einerseits selbst zu informieren, aber auch parallel nach Experten zu suchen.

Wie habt ihr euren Businessplan erstellt?

Bei uns war die Erstellung des Businessplans für FiveTeams ein langer Prozess, wobei wir auch hier immer wieder externes Feedback einholten. Dabei lässt sich die allgemeine Struktur eines Businessplans online leicht ausfindig machen. Speziell für das Thema Marktanalyse verliebten wir uns ziemlich in das Tool Crunchbase. Und der Finanzplan ist aus unserer Sicht der aufwändigste Teil des Businessplans, hier lohnt es sich, Tipps von Experten einzuholen. Ganz grundsätzlich sind wir jedoch der Überzeugung, dass ein Businessplan zwar eine nette Sache ist, aber hinter der Produktentwicklung und Kundengesprächen steht. Denn die meisten Pläne überleben gar nicht den ersten Kontakt mit der Wirklichkeit.

Ihr habt viele Förderungen erhalten: Worauf müssen Gründer bei Förderungen generell achten?

Unserer Erfahrung nach ist auch hier das Wichtigste, genügend Ausdauer zu besitzen. Das fängt bei der Recherche über Fördermöglichkeiten an. Denn es kann lange dauern, das passende Angebot zu finden, so war es bei FiveTeams auch. Aber auch danach ist Ausdauer gefragt, denn die individuellen Bewerbungen sind zeitaufwendig und auch bei FiveTeams mussten wir immer wieder die Motivation hoch halten, wenn es mal nicht klappte.

Phase 3: Gründung

Welche Schritte standen noch an, bis FiveTeams an den Start ging?

Nachdem wir ein erstes Feeling für den Markt entwickelten, bauten wir verschiedenste Wireframes und Mockups, die wir dann ziemlich schnell mit unserer Zielgruppe testeten. Sobald ein Feature oder Prozess funktionierte, haben wir ihn in Code umgesetzt – und andernfalls rausgenommen, ersetzt oder optimiert. Die Herausforderung hierbei war und ist es ständig bei FiveTeams, auf die Probleme der Kunden und User zu hören und hierfür Lösungen zu entwickeln.

Welche Features und Prozesse haben es dann letztendlich auf die Plattform geschafft?

Grundsätzlich werden auf der FiveTeams-Plattform IT-Talente und Jobs anhand von drei maßgeblichen Variablen gematcht: Skills, Erfahrungen und Gehaltswünsche je Stadt. Dabei können sich Talente auf FiveTeams registrieren, indem sie ihre Gehaltswünsche sowie ihr LinkedIn-Profil oder ihren CV angeben. Zudem haben sie dann in der Software die Möglichkeit, gewisse Industrien auszuschließen. Einmal registriert, erhalten sie anonym Jobangebote über ihrem Wunschgehalt. Insgesamt verfolgen wir einen Salary First-Ansatz, das heißt Unternehmen verpflichten sich vorab zu einer konkreten Gehaltsangabe, welche im Nachhinein nicht unterschritten werden kann.

Ihr habt euch für ein Online-Business entschieden: Warum lohnt sich das für Gründer?

Es existieren natürlich immer zwei Seiten einer Medaille, doch aus unserer Sicht gibt es bei einem Online-Business drei entscheidende Vorteile. Denn ein Online-Business wie FiveTeams besitzt zum Beispiel den Vorteil, dass sich das Potenzial einer Idee schnell und günstiger testen lässt. Die meisten Tools hierfür sind heutzutage so preiswert und intuitiv erlernbar, dass eigentlich jeder ein Online-Business ohne größeren Kapitalaufwand starten kann. Außerdem lassen sich Online-Geschäftsmodelle flexibler anpassen als ihr Offline-Pendant. Und zusätzlich ist ein Online-Business einfacher skalierbar. Da zum Beispiel ein Softwareprodukt das Potenzial hat, den Umsatz zu steigern, ohne gleichzeitig größere Investitionen tätigen zu müssen.

Welche Fehler habt ihr bei der Gründung von FiveTeams gemacht?

Wir haben auf unserer Reise mit FiveTeams bislang einige Fehler gemacht und es werden sicherlich auch zukünftig einige dazukommen. Aber das ist unserer Meinung nach gar nicht schlimm, sondern sogar notwendig. Denn aus unserer Sicht lernt man durch Fehler am schnellsten und dieses Lernen ist einer unserer Hauptmotivatoren. Dabei ist das größte Learning für uns wahrscheinlich, dass vor allem am Anfang bei Startups ein Laserfokus ausschließlich auf zwei Dinge gelegt werden sollte: Das Produkt und potenzielle Kunden bzw. User.

Phase 4: Wachstum

Was macht FiveTeams im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Wir denken es ist die Mischung aus Anonymität, die uns von vielen Recruiting-Ansätzen unterscheidet, und unserem Salary First-Ansatz, der sehr einzigartig ist. Von Headhuntern und Personalberatern unterscheiden wir uns vor allem durch unseren digitalen Plattformansatz mit individuellem Dashboard für Talente und Unternehmen. Außerdem verlangen wir bei FiveTeams keine teuren Vermittlungsprovisionen.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr bei FiveTeams bisher erfolgreich genutzt?

Aufgrund unseres geringen Marketingbudgets, setzen wir vor allem auf Growth Hacking-Techniken, also das sogenannte Wachstumsmarketing. Dazu gehören einige Empfehlungsmechanismen über professionelle Netzwerke, wie LinkedIn und Xing. Darüber hinaus kooperieren wir aber auch mit Headhuntern und Personalberatern, die selbst einen großen Pool an Talenten unterhalten und diesen über FiveTeams zusätzlich monetarisieren können. Generell braucht man kein großes Budget, um erste Kunden zu generieren, wenn die Kanäle sorgfältig ausgewählt werden.

Welche geheimen Tipps möchtet ihr angehenden Gründern geben?

Ein wertvoller Tipp, den wir uns auch bei FiveTeams als Ziel setzten, ist immer einen echten Pain Point im Markt zu lösen. Klingt relativ intuitiv, kommt aber oftmals zu kurz. Außerdem sollten Gründer auf Schnelligkeit setzen. Schnelle Ideenentwicklung, schnelles Testen und eine schnelle Umsetzung sind superwichtig. Bloß nicht zu lange Strategien im ruhigen Hinterzimmer entwickeln und abwarten. Sondern schnell raus auf den Markt gehen und echtes Feedback einholen. Zu guter Letzt sollten Gründer nicht zwingend alles skalieren, wenn sie ein Produkt auf den Markt bringen. Denn nur so kann ein dynamisches Team schnell und flexibel auf Kunden- bzw. User-Wünsche eingehen.

Kategorie: Startups
Insa Schoppe: Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.