Interview über den erfolgreichen Aufbau eines Online-Business

Gründer-Geheimnis AHO.BIO: Mit Sprossen-Power zum erfolgreichen Food-Startup

Vegane Lebensmittel liegen aktuell im Trend, allerdings stehen meistens Sojaprodukte und andere Hülsenfrüchte im Fokus. Für die Gründer Alexander und Jannis kam deshalb eine wichtige pflanzliche Alternative auf den Speiseplänen immer zu kurz – und zwar Sprossen. Deshalb gründeten sie ihr Startup AHO.BIO, entwickelten eigene Rezepte und verschiedene Sprossen-Produkte. In knapp zwei Jahren erreichten sie damit mehrere hunderttausend Verkäufe und konnten zahlreiche Kunden begeistern. Wir haben im Interview spannende Details zum Gründer-Geheimnis, dem erfolgreichen Geschäftsaufbau sowie praktische Startup-Tipps erfahren.

Wer nachhaltig leben und trotzdem erfolgreich gründen möchte, kann das oftmals schwer miteinander vereinbaren. Bei dem Startup AHO.BIO gelingt dieser Spagat, denn die Gründer Alexander Wies und Jannis Birth setzten von Anfang an auf eine besondere Produktauswahl sowie eine nachhaltige Herstellung. Das Besondere: Alle ihre Produkte bestehen aus Sprossen, die nach einem eigenen Rezept verarbeitet werden und für eine große Produktvielfalt sorgen. Über ihren Online-Shop bieten sie zum Beispiel Cracker, Nudeln und Backmischungen an.

Obwohl AHO.BIO erst Anfang 2020 gegründet wurde, erreichten die Gründer mit ihrem elfköpfigen Team innerhalb von 12 Monaten den Break Even und konnten schon mehrere hunderttausend Produkte verschicken. Dabei verfolgt das Unternehmen ein besonderes Konzept, das langfristig keine Gewinnmaximierung in den Fokus stellt. Doch wie genau fing alles an? Und welchen Einfluss hatte die Gründershow Die Höhle der Löwen auf den Erfolg? Wir haben im Interview mit Jannis erfahren, worauf es bei der Planung ankommt und welche Hürden AHO.BIO schon meistern musste.

Phase 1: Ideenfindung

Wodurch entstand dein Interesse für vegane Lebensmittel?

Seit ca. 12 Jahren ernähre ich mich vegan, aber in meinem Sportstudium war ich damals so ziemlich der einzige Veganer auf dem ganzen Campus. Dadurch entstand ein befremdliches Bild, wenn ich mit meinen Selleriestangen und Melonen nach der Sporteinheit vor der Halle stand. Alle Kommilitonen haben mich damals gefragt “Wie bekommst du als Veganer denn alle deine Nährstoffe?”. Damals war ich noch kein Ernährungsexperte, aber die unendlichen Fragen haben mich dazu gebracht, mir ein fundiertes Wissen anzueignen. In diesem Zuge habe ich auch gemerkt, dass die moderne vegane Ernährung langfristig alles andere als gesund ist, was schon die ersten Gedanken in Richtung AHO.BIO lenkte.

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Wie kam es dann zur Idee für AHO.BIO?

Ziemlich schnell bin ich durch meine Recherche zur veganen Ernährung auf das Thema Sprossen und Keimlinge gestoßen. Sprossen entstehen, wenn Saaten oder Getreidesorten in Wasser eingeweicht werden und für ein paar Tage wachsen. In diesem Moment passiert eine Nährstoffexplosion, denn die Vitamine potenzieren sich und Säuren werden abgebaut. Für mich war dies das fehlende Puzzlestück für meine vegane Ernährung und die Basis für verschiedene Rezepte. Dabei war es wichtig, dass durch die Verarbeitung die potenzierten Mikronährstoffe nicht wieder verschwinden. Als erstes entstanden so die Cracker aus Urdinkelsprossen – und die Idee zu AHO.BIO war geboren.

Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Wir haben tatsächlich nie darüber nachgedacht und es auch nie für möglich gehalten, dass roh-vegane Cracker aus Urdinkelsprossen ein lukratives Geschäftsmodell sein könnten. Deshalb sind wir von dem derzeitigen Erfolg selbst sehr überrascht. Denn wir lieben unsere erklärungsbedürftigen lokalen Superfoods und leben, was wir lieben. Aber in der Vision von AHO.BIO war von Anfang an wichtig, dass wir vor allem auch nachhaltig wirtschaften möchten.

Was bedeutet es für euer Startup, nachhaltig zu wirtschaften?

Für uns heißt das, dass Wachstumsneutralität ein festes Ziel unserer unternehmerischen Bestrebung ist. Wir haben keinen Bock auf schnelles Wachstum, einen enormen Bedarf an Wachstumskapital und die Hoffnung auf einen lukrativen Exit. Wir sind schon jetzt, ca. ein Jahr nach Gründung, an unserer Wachstumsgrenze. Ab jetzt investieren wir nicht in Umsatzsteigerungen, sondern in die Qualität unserer handgemachten Produkte, in den Kontakt mit unseren Kunden und in die unternehmensinterne Stabilität.

Phase 2: Planung

Welche ersten Schritte standen bei der Planung für AHO.BIO an?

Alex und ich leben privat zusammen und haben AHO.BIO nie vom Alltag getrennt. Deshalb sind die Ideen am Küchentisch entstanden und haben sich täglich weiter entwickelt. Allerdings arbeiteten wir lange Zeit alle parallel in anderen Jobs. Außerdem nahmen wir an Startup-Wettbewerben teil und bekamen auch in einem Coworking Space viel Expertise im Austausch. Erst nach der Ausstrahlung der Gründershow Die Höhle der Löwen konnten wir fast komplett in AHO einsteigen.

Wie habt ihr euren Businessplan erstellt?

Da wir ganz am Anfang den Gründerzuschuss beantragen wollten, erstellte Alex dafür einen Businessplan. Allerdings muss ich gestehen, dass wir bis heute nie wieder in diese fiktive Tabelle geschaut haben. Es wäre witzig zu sehen, was wir so geplant hatten. Die Zahlen des damaligen Finanzplans haben wir sicherlich um Längen übertroffen, aber mit völlig anderen Maßnahmen. Denn wir bringen unfertige Produkte auf den Markt und verbessern uns gemeinsam mit dem Feedback unseren über 20.000 Kunden. Zu der Marktanalyse kann ich nur sagen, dass das Alleinstellungsmerkmal das wichtigste Element ist.

Welche Schritte standen noch an, bis euer Online-Shop von AHO.BIO an den Start ging?

Zum Anfang brauchten wir eine Produktionshalle, ein Büro und geliehenes Startkapital von einem Freund in Höhe von 25.000 Euro. Wir haben diesem Freund unser Pitch Deck präsentiert und ihm die AHO.BIO-Cracker in die Hand gedrückt. Und unsere Idee, Sprossen als Grundnahrungsmittel zu nutzen, fand er gut. Zur technischen Umsetzung kann ich nur sagen: Ihr braucht neben eurer Idee einen passionierten Grafikdesigner, der von Anfang an eure Marke pusht sowie einen IT-Nerd, der das umsetzt, von dem ihr selbst nichts versteht.

Produktfoto AHO.BIO
Die AHO-Cracker lassen sich vielfältig kombinieren.

Phase 3: Gründung

Warum habt ihr euch dafür entschieden, bei DHDL mitzumachen und nach Investoren zu suchen?

Tatsächlich hat Sony mich zwei Wochen nach unserer Gründung angerufen und gefragt, ob wir bei Der Höhle der Löwen mitmachen möchten. Doch wir waren uns super unsicher und kurz davor abzulehnen. Denn die Millionäre, die dort im Fernsehstudio und in der DHDL-Jury sitzen, sind meiner Meinung nach nicht daran interessiert, ein wirklich nachhaltiges Leben zu ermöglichen. Was uns letztlich überzeugt hat, war die Möglichkeit, dass wir über 2,5 Millionen Zuschauer unsere Idee von AHO.BIO präsentieren konnten und davon haben wir letztendlich wirklich profitiert.

Welche Tipps kannst du Gründern zur Investorensuche geben?

Generell kann ich bei der Investorensuche nur empfehlen, auf private Kontakte zu setzen und nur mit Menschen ins Geschäft zu kommen, die eure Vision zu 100 Prozent teilen. Denn wir sind in diesem Thema ordentlich auf die Schnauze gefallen und haben durch einen Betrug jede Menge Geld verloren. Das kostete uns fast die Insolvenz bei AHO.BIO. Seitdem meiden wir jegliche Investoren und wuppen den Laden komplett selbst.

Ihr habt euch für ein Online-Business entschieden: Warum lohnt sich das für Gründer?

Wir verkaufen unsere Produkte von AHO.BIO zu 95 Prozent über unseren Online-Shop, aber könnten uns als Lebensmittelproduzent natürlich auch klassisch im Einzelhandel positionieren. Die Gründe für unseren Fokus auf E-Commerce sind dabei historisch bedingt. Denn die Corona-Krise ist einen Monat nach unserer Gründung ausgebrochen und hat jedes Händeschütteln im Einzelhandel unmöglich gemacht. Darauf reagierten wir und schwenkten komplett in die Direktvermarktung um. Insgesamt kann sich das auch für Lebensmittelproduzenten lohnen, denn mittlerweile lassen sich auch Lebensmittel sicher und schnell verschicken.

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Welche Fehler habt ihr bei der Gründung von AHO.BIO gemacht?

Zum Gründen braucht es nicht so viel. Doch direkt nach der Gründung kamen bei uns die Fehler. Und mit jedem Fehler haben wir etwas dazu gelernt. Dabei ist es wichtig, dass das soziale Netzwerk stimmt. Denn bei unserem größten Fehler haben unsere elf Mitarbeiter das Ruder rumgerissen und uns aus der Patsche geholfen. Deshalb ist es entscheidend, dass Gründer sich ein gutes Netzwerk aufbauen, auf dass sie sich verlassen können.

Phase 4: Wachstum

Was macht AHO.BIO im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Wir stellen als einzige Firma weltweit nachhaltige Superfoods aus nährstoffreichen Sprossen her. Dabei vermehren sich die Vitamine durch unseren 60-stündigen Keimprozess, was die Sprossen zu einer einzigartigen Alternative zu Weißmehl- oder Vollkornprodukten macht. Außerdem steht bei uns die Nachhaltigkeit stark im Fokus, weshalb wir unsere Prozesse immer wieder anpassen und dabei sogar auf Wachstum verzichten.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr bisher erfolgreich genutzt?

Besonders effektiv war bei uns die Mischung aus unter anderem Affiliate Marketing, Influencer Marketing, Google Ads, Newsletter Marketing, Podcasts und auch Online-Konferenzen für unsere spitze Zielgruppe der Rawfood-Liebhaber. Dieser individuelle Marketingmix und die ineinander greifenden Maßnahmen funktionierten echt gut. Außerdem finde ich das Zusammenspiel von Werbeanzeigen via Social Media und dem sogenannten Retargeting besonders gewinnbringend.

Welche geheimen Tipps möchtest du angehenden Gründern geben?

Ich kann nur empfehlen, dass ihr euch mit euren direkten Mitarbeitern früh genug tiefgreifend verbindet und ein Vertrauensverhältnis aufbaut. Denn alle müssen in schwierigen Phasen unverhofft und sehr spontan an einem Strang ziehen. Unsere Mitarbeiter haben uns einmal vor der Insolvenz gerettet und das lag nur daran, dass ihr Eigeninteresse am Erhalt von AHO.BIO enorm ist. Es geht also nicht nur darum, ob und wie viel Geld ihr verdient, sondern welche Vision eure Firma besitzt. Wenn eure Idee für die Gemeinschaft wichtig ist und ihr im Hintergrund wirklich nachhaltig wirtschaftet, dann wird euch das langfristig zugutekommen.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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