Dieses Startup revolutioniert die E-Health Branche

AU-Schein per WhatsApp: Hamburger Startup mischt Arbeitsmarkt auf

Mit seinem Startup AU-Scheine.de revolutioniert der promovierte Jurist Can Ansay die E-Health Branche. Auf AU-Scheine.de lassen sich Krankschreibungen wegen Erkältungen online anfordern. Dadurch ergeben sich in Sachen Tele-Medizin völlig neue Möglichkeiten, wie die ärztliche Versorgung in Zukunft ortsunabhängig ablaufen kann. 

Vor über fünf Jahren hatte der promovierte Jurist Can Ansay angefangen, sich mit dem Überprüfen von Krankheitssymptomen per App zu beschäftigen. Durch eine Entscheidung des Ärztetages im Mai 2018 wurde dann sein Unternehmergeist geweckt. Mit großer Mehrheit hatte der Deutsche Ärztetag für die Lockerung des Fernbehandlungsverbots gestimmt. Ansay und seine Mitgründer Andre Lohmann und Falko Brinkmann brachten daraufhin am 21. Dezember ihr Startup AU-Scheine.de auf den Markt: Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per WhatsApp.

Der Service von AU-Scheine.de funktioniert folgendermaßen: Wer Symptome einer Erkältung zeigt und sich deswegen krankschreiben lassen möchte, geht auf die Webseite von AU-Scheine.de und beantwortet dort einige Fragen. Wenn die angegebenen Symptome zur Diagnose Erkältung führen, erhält man die Bestätigung und den Schein zuerst als Foto und dann per Post. Hierbei erfolgt die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten per WhatsApp. Momentan übernehmen die Krankenkassen die Koste noch nicht. So kostet die Krankschreibung für Kassenpatienten neun Euro und für Privatpatienten zusätzlich 16,08 Euro.

Noch kritisch: Die Datensicherheit und Gültigkeit der Krankschreibungen

Seitdem das Unternehmen in den Medien präsent ist, bleiben die kritischen Stimmen ebenfalls nicht aus. Vielen stellt sich die Frage, ob ein Arbeitgeber die online ausgestellte Krankschreibung überhaupt anerkennen muss. Zudem stellt nicht jedes Bundesland die AU-Scheine aus. Darüberhinaus ist zweifelhaft, wie glaubwürdig eine Diagnose sein kann. Schließlich hat dann noch nicht mal ein Gespräch per Telefon oder per Videochat stattgefunden.

Sollte der Arbeitgeber misstrauisch gegenüber dieser Krankschreibung sein, könnte er im Ernstfall den Medizinischen Dienst der Krankenkassen beauftragen, um die Krankschreibung prüfen zu lassen. Jedoch gilt der AU-Schein auch nur für drei Tage und der Service kann nicht häufiger als zweimal im Jahr in Anspruch genommen werden. Bisher rieten die Ärztekammern von Hamburg und Schleswig-Holstein jedoch von der Nutzung dieses Dienstes ab. Noch sind die genauen rechtlichen Bestimmungen zu unklar.

Idee des AU-Scheins zeigt großes Potenzial

Can Ansay sieht sein Unternehmen mittelfristig auf dem richtigen Weg. Bislang hat das Unternehmen über 30.000 Krankschreibungen ausgestellt. Wie groß das Potenzial ist, zeigen die rund vier Millionen Krankschreibungen wegen Erkältung, die es jedes Jahr geben soll. Somit würde auch das Problem gelöst werden, welches Jens Spahn bezüglich der Krankschreibungen sieht: „In Deutschland ist die Zahl der durchschnittlichen Arztbesuche auch deswegen so hoch, weil Patienten nur für (…) Kurzzeitkrankschreibungen immer zum Arzt müssen“. Das verhindern Unternehmen wie beispielsweise AU-Scheine.de.

Dass es funktionieren kann zeigen Länder wie Norwegen. Hier können sich Patienten eine Erkältung selbst attestieren und ohne Arztbesuch im Grunde selbst krankschreiben. Dort ist die Zahl der Krankheitstage sogar rückläufig.

Wie sich das Unternehmen weiterhin entwickeln wird, muss weiter beobachtet werden. Fakt ist aber, dass der Bereich E-Health großes Potenzial birgt, welches in Zukunft wohl von noch mehr Startups genutzt werden wird.

Quelle: Hamburg-Startups.net / au-schein.de

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Über den Autor

Autorenprofil: Leoni Schmidt

Leoni Schmidt

Nach ihrem Abitur studierte Leoni an der Fachhochschule des Mittelstands in Köln Medienkommunikation & Journalismus. In diesem Studium sammelte sie durch Praktika bei der Rheinischen Post und bei Antenne Düsseldorf viele praktische, journalistische Erfahrung. Neben ihres Studiums arbeitete sie als Werkstudentin bei einem Online-Magazin. Bei diesem wurde sie nach ihrem Studium übernommen und arbeitete dort in der Online-Redaktion. Im Mai 2019 wechselte sie dann zu Digital Beat und Gründer.de und arbeitet seitdem dort als Junior-Online-Redakteurin.

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