Foto: bigstockphoto.com

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Wer sich den Newsfeed verschiedener Startup-Portale anschaut, der muss den Eindruck bekommen, dass ein junges Unternehmen nur dann ernst genommen wird, wenn es einen fetten Scheck von externen Investoren erhalten hat. Weniger die Exzellenz in der Umsetzung der eigenen Businessstrategie, sondern die herausragende Fähigkeiten bei der Finanzierung scheinen die Medienaufmerksamkeit zu bestimmen.
An einem Morgen traf ich beispielsweise im Newsfeed in den ersten zehn Meldungen auf die folgenden vier Schlagzeilen:

14 Millionen Euro für Junique
Was Number26 mit der Riesenfinanzierung vor hat
Number26 erhält 40 Millionen US-Dollar
Berliner Umzugsboxen Startup erhält 5,5 Millionen für die Expansion

An einem anderen Morgen mag sich die Situation komplett anders darstellen. Dennoch: Als regelmäßiger Leser von Gründungsportalen kommt man nicht umhin festzustellen, dass Finanzierungsrunden und deren unmittelbare Konsequenzen einen großen Teil der Berichterstattung einnehmen. Ein Interview mit dem Gründerteam ist dazu ein beliebtes Mittel. Danach erlahmt häufig die Berichterstattung.

Vorneweg: Ohne Zweifel besteht eine Hauptaufgabe des Managements von jungen Unternehmen darin, die Kapitalbasis für die weitere Entwicklung zu schaffen bzw. zu sichern. Junge Unternehmen mit einem vielversprechenden Produkt und einer kleinen Kundenbasis haben schlicht und einfach nicht die Möglichkeiten, sich durch eigene Gewinne- im Fachjargon Innenfinanzierung genannt- zu finanzieren.

Gleichzeitig ist es nur wenigen Startups vergönnt, schon im ersten oder zweiten Geschäftsjahr ausreichende Umsätze, geschweige denn Gewinne, zu erzielen. Bei fehlendem Eigenkapital bleibt somit die Fremdfinanzierung die einzige Möglichkeit, um das eigene Startup zu gründen und aufzubauen.

Dabei geht es auch anders und muss nicht zwangsläufig mit Nachteilen verbunden sein! Wir bei ionas – Ihr Online Assistent haben uns bewusst gegen die Beteiligung von Investoren jeglicher Art entschieden. Seit der Gründung des Unternehmens in der zweiten Jahreshälfte 2014 wird die gesamte Geschäftstätigkeit aus eigenem Kapital finanziert. Folglich stehen wir bei Banken nicht in der Kreide und das Eigenkapital liegt alleine bei den beiden Gründern. Die Beteiligung von Familie und Freunden ist intensiv, aber ausschließlich emotionaler Natur.

Über diese Entscheidung haben wir schon zahlreiche Diskussionen geführt. Das häufigste Argument, das wir hören, lautet: „Wenn ihr scheitert, dann habt ihr euer eigenes Geld verbrannt. Warum macht ihr das?“ Vielleicht nicht immer so deutlich in der Sprache, aber inhaltlich ähnlich, verläuft die Argumentation derjenigen, die sich eine Unternehmensgründung ausschließlich auf Basis des eigenen Kapitals kaum vorstellen können.

An der grundsätzlichen Logik dieser Position ist natürlich nichts auszusetzen: Wenn das Geld weg ist, dann ist es weg; wenn das eigene Geld investiert wurde, dann ist das eigene Geld weg. So simpel und gleichzeitig so wahr. Unsere Vorbehalte gegen diese Meinung liegen offensichtlich nicht in der Logik der Argumentation begründet, sondern in der bizarren Haltung zum unternehmerischen Risiko.

Wir glauben an unsere Idee und an unsere Fähigkeit, die Idee in die Tat umzusetzen. Der Misserfolg wird nicht als Möglichkeit ausgeschlossen – das wäre vermessen – aber die bei jeder Unternehmensgründung mitschwingende Möglichkeit des Scheiterns treibt bei uns nicht die Auswahl der Finanzierungsform. Denn wenn schon nicht der Gründer selbst zu 150% von seiner eigenen Idee überzeugt ist, wer dann?

Auch offenbart die Argumentation eine an Naivität grenzende Einschätzung der Kosten des Investorenkapitals. Es wird suggeriert, dass das eingeworbene Geld „free money“ sei. Unnötig zu sagen: Die Wahrheit könnte kaum weiter von der Realität entfernt sein! Professionelle Investoren erwarten eine entsprechende Rendite und setzen ihre Zielsetzung im Zweifelsfall auch gegen den Willen der Gründer durch. Die unterschiedlichen Interessen bergen Konfliktpotenzial und schränken die strategischen Freiheiten und operativen Entscheidungsräume ein.

Auch unabhängig von der pekuniären Perspektive hat die Partizipation von Investoren ihre Kosten: Die Investoren müssen zunächst hofiert und nach der Hochzeit bei Laune gehalten werden. Dies ist manchmal ein Teil- und manchmal auch ein Vollzeitjob. Wenn alles gut geht, dann sind die Investoren mit regelmäßigen Erfolgsmeldungen zufrieden und stellen keine allzu kritischen Nachfragen. Der Investorenkontakt bindet aber genau dann Managementkapazitäten, wenn sie am dringendsten gebraucht werden, nämlich wenn die Geschäftsentwicklung hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Umso heterogener die Investorenschaft, desto schwieriger wird diese Aufgabe. Gerade bei „crowdgefundeten“ Startups ist es schwierig, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen. Das Hamburger Startup Protonet, das vor knapp 2 Jahren weltrekordwürdige 3 Millionen Euro auf Seedmatch einsammelte, muss das derzeit besonders brutal feststellen.

Mein Bruder Christoph und ich treffen bei ionas – Ihr Online Assistent die Entscheidungen alleine. Wir müssen uns bei niemandem ein Einverständnis einholen und sind niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig. Das macht unsere Entscheidungsprozesse schnell und sorgt für maximale Identifikation mit den getroffenen Entscheidungen.

Im wahrsten Sinne des Wortes unsere eigenen Chefs zu sein, erlaubt uns auch, unsere gesamte Kapazität in Themen wie die Produktentwicklung und den Vertrieb zu stecken. Statt bei Investoren stehen wir bei potentiellen Kunden auf der Matte. Freie Minuten fließen in die Arbeit am Produkt, das Marketing und in die Verbesserung der internen Prozesse.

Die bescheideneren Finanzmittel erfordern einen anderen Wachstumskurs. Statt mit der großen Kelle anzurühren, müssen kleinere Brötchen gebacken werden. Großplakatige Werbung, Gutscheine in Amazon-Paketen und großangelegte Adwords-Kampagnen sind out. Stattdessen müssen im Zweifelsfall Flyer von Hand in der Nachbarschaft verteilt werden. Sicher, eine Wachstumsstory wie Zalando kann man mit dieser Werbestrategie nicht aufbauen. Aber nicht jedes Startup ist ein Plattformgeschäft und in „the winner takes it all“-Märkten unterwegs.

Man muss ja auch nicht „the next Facebook“ sein. Weniger als Marktdominanz kann – bei entsprechender Positionierung – ja auch ein hochprofitables Geschäft sein. Und eine klare Positionierung verlangt weniger dicke Budgets, sondern eher einen klaren strategischen Fokus.

Wir befinden uns aktuell im zweiten Geschäftsjahr und hoffen dieses Jahr mit einer schwarzen Null abzuschließen. Wie es danach weitergeht? An Ideen mangelt es uns nicht. Dank völliger finanzieller Unabhängigkeit werden auch wir alleine entscheiden können, wie es in Zukunft weitergehen soll.

Ohne Frage, mit mehr Kapital tun sich viele Dinge deutlich leichter. Für den Erfolg oder Misserfolg eines Startups erscheint das anfängliche Investorenkapital aber eher von untergeordneter Bedeutung. Ich persönlich denke, dass die Chancen mit einem überschaubaren Budget loszulegen unterschätzt werden. Eine gute Idee und ein zugkräftiges Team sind mehr wert als jede millionenschwere Finanzierungsrunde.

Über den Autor:
Ralf.72dpi.RGB (3)Dr. Ralf Dyllick-Brenzinger ist Co-Geschäftsführer von ionas – Ihr Online Assistent. Mit seinem Bruder Christoph gründete er Mitte 2014 das Startup als Computerhilfe-Hotline für Gründer, Selbstständige, Freiberufler und Privatleute. Ende 2015 zeichnete die Computerzeitschrift CHIP die PC Hotline von ionas – Ihr Online Assistent als Service Testsieger aus. Nach der Erweiterung der Produktpalette um Server-Lösungen und weitere Beratungsdienstleistungen ist ionas heute ein umfassender online IT-Dienstleister für kleine Unternehmen und Privatleute. Das Startkapital für die Gründung hat das Brüderpaar aus der früheren Tätigkeit als Unternehmensberater mitgebracht.

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